Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1917/18)

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BAUZEITUNG 
Nr. 47/50 
§ 5. 
Das notwendige Geld zur Ausbezahlung der Löhne und 
Gehälter ist von der Stadtkasse für die Zahltage soweit als 
möglich in gewechseltem Geld bereit zu stellen. Der Unter 
nehmer ist verpflichtet, die ungefähren Zahltagsbeträge schon 
einige Tage vorher anzugeben. 
Alle Forderungen des Unternehmers an die Bauverwaltung 
werden dem Unternehmer vom Tag der Entstehung der 
Schuldigkeit an mit 5 % Zins vergütet. 
Für die Vergütung gemäß § 6 werden fortlaufende monat 
liche Abschlagszahlungen bis zu 95 */o der Forderung des 
Unternehmers ausbezahlt. 
Nach Einstellung der Arbeiten muß innerhalb 4 Wochen 
die Abrechnung vom Unternehmer vorgelegt und innerhalb 
weiterer 4 Wochen das Restguthaben von der Bauverwaltung, 
soweit es nicht von beiden Teilen beanstandet wird, ausbe, 
zahlt werden. 
Zinsvergütung kommt bei § 6 bis zu diesem Termin nicht 
in Frage. 
§ 6. 
Für die dem Unternehmer entstehenden Unkosten, soweit 
diese nicht schon durch die vorstehenden Bestimmungen von 
der Bauverwaltung allein getragen werden und als Verdienst 
wird dem Unternehmer . . . °/o von dem Wert der vollzo 
genen Arbeitsleistungen gewährt. 
Der Wert der Arbeitsleistungen wird auf Grund des bei 
liegenden, mit den Friedenspreisen vom Jahre 1914 aufge 
stellten Kostenvoranschlags vom 26. Juni 1918 bestimmt. 
§ 7. 
Im Einvernehmen beider Parteien wird ein unparteiischer 
Sachverständiger aufgestellt. Dieser Sachverständige ent 
scheidet in allen vorerwähnten Streitfragen zwischen Bau- 
verwaltung und Unternehmer endgültig. Gegen den Spruch 
des Unparteiischen gibt es kein Einspruchsrecht von Seiten 
der einzelnen Vertragsschliessenden. 
Soweit es sich um sonstige durch den Sachverständigen 
nicht zu entscheidende Fragen handelt, bleibt der Rechtsweg 
offen. 
§ 8. 
Der Unternehmer hat sämtliche Vorbereitungen so zu 
treffen, daß die Arbeiten nach Aufforderung der Bauverwal 
tung sofort an dem der Aufforderung folgenden Tage in An 
griff genommen werden können. 
Eine Verpflichtung zur Ausführung von Arbeiten hat die 
Bauverwaltung keineswegs. Sollte die Aufforderung zum 
Arbeitsbeginn innerhalb 6 Wochen vom Tag des Vertragab« 
Schlusses gerechnet, nicht erfolgen, so gilt der Vertrag als 
aufgehoben. 
Alle dem Unternehmer durch die im Einvernehmen mit 
der Bauverwaltung getroffenen vorbereitenden Maßnahmen 
etwa entstandenen Unkosten werden ihm seitens der Bauver 
waltung ersetzt. Dasselbe gilt, wenn die bereits angefangenen 
Arbeiten auf Veranlassung der Bauverwaltung unterbrochen 
oder ganz beendigt werden. 
Die Prozentsätze in den §§ 3, 4 u. 6 sind vom 
Unternehmer einzusetzen. Der vorliegende Vertrag unter 
scheidet sich gegenüber den bisherigen Abmachungen 
nach dem Selbstkostenverfahren, wie sie z. B. während 
des Krieges zwischen der Militärverwaltung und dem 
Unternehmer in den sog. Kolonialverträgen geübt wurden, 
vor allem dadurch, daß der Unternehmergewinn nicht in 
•/# der Lohnsumme, sondern in % der vollzogenen 
Arbeitsleistung auf Grund eines auf stabilen Preisen 
aufgebauten Kostenvoranschlags ausgedrUckt wird. 
Hiedurch wird der Unternehmer wesentlich an der För 
derung der Arbeiten interessiert, während im anderen 
Falle für ihn ein gewisser Anreiz vorliegt, die Arbeiten 
zu verzögern und die Lohnsumme bezw. Baukosten mög 
lichst hoch zu halten. 
Um einen Ueberblick über die im Betrieb befindlichen 
Baustellen zu haben, wurde bei der Stadtgemeinde Stutt 
gart eine besondere Vermittlungsstelle für Notstandsar 
beiten geschaffen, der sämtliche jeweils auszuführenden 
Bauarbeiten rechtzeitig einige Tage vor Beginn mitzu 
teilen sind. Diese Stelle wird sich dann mit jedem Amt 
über die Zahl der zu beschäftigenden Notstandsarbeiter 
nach Anhörung des Unternehmers, soweit Akkordarbeit 
in Frage kommt, verständigen und dem städtischen Ar 
beitsamt Mitteilung machen, wieviele Arbeitslose an eine 
bestimmte Baustelle geschickt werden können. Die An 
forderung der Arbeitslosen beim städt. Arbeitsamt ge 
schieht also nicht unmittelbar von dem ausführenden 
Bauamt, sondern von der Vermittlungsstelle aus. Dieses 
Verfahren ermöglicht es, die für die Notstandsarbeiten be 
schäftigten Aemter, sowie die Anzahl der untergebrachten 
Notstandsarbeiter jederzeit zu übersehen. 
Vereinsmitteilungen. 
Wörtt. Baubeamten-Verein. An unsere Mitglieder! 
Der elektrotechn. Verein erließ durch seinen rührigen 
Vorstand Oberingenieur Büggele Einladung zu einer Be 
sprechung auf 1. Dezember vormittags im Stadtgarten- 
Rest. Stuttgart an sämtliche techn. Vereine Württembergs. 
Die Besprechung galt dem Wunsche, sich zusammen zu 
schließen, um dem Techniker dasjenige Ansehen und die 
jenige Stellung bei der Einrichtung der neuen Staats 
ordnung zu erkämpfen, die er aus volkswirtschaftlichen 
Gründen und kraft seiner Bedeutung nach Zahl und 
Wichtigkeit überhaupt beanspruchen kann. Von mehreren 
Rednern wurde mit vollem Recht bedauert, daß bis heute 
in der ganzen prov. Regierung kein Techniker Platz ge 
funden habe, obschon gerade Fragen techn. Natur von 
der allergrößten Bedeutung, wie die Notstandsarbeiten, 
die Kohlenfrage und dergl., zu bewältigen sind. Die 
zahlreich erschienenen Vertreter der techn. Vereinigungen 
einigten sich dahin, daß ungesäumt der schon im Jahre 
1909 ins Leben gerufene Verband techn. Vereine Würt 
tembergs — dessen Arbeit über den Krieg ruhte — in 
obigem Sinne mit erweitertem zeitgemäßem Programm 
und mit Hilfe des Anschlusses weiterer techn. Vereine 
seine Tätigkeit entfalten solle. Alle Techniker ohne 
Unterschied der wissenschaftlichen Vorbildung sollen sich 
unter seiner Fahne sammeln zur Mitarbeit am Aufbau des 
Vaterlandes. Am Schlüsse der Besprechung erklärte ein 
Mitglied des geistigen Arbeiter-Rats, Herr Arch. Schmidt, 
daß es sehr erfreulich wäre, wenn die beschlossene 
Organisation dazu führen würde, daß einige weitere techn. 
Delegierte in dem Volks-Rat Aufnahme fänden, da an 
solchen unbedingt Mangel sei und deren Mitarbeit wert 
volle Früchte tragen könne. Der provis. Vorsitzende 
der Versammlung, Herr Büggele, wird sofort den zur 
Zeit maßgebenden Reg.-Stellen von der Gründung der 
Organisation Kenntnis geben uud die weitere Verbands- 
Arbeit einleiten. Nächste Sitzung 3. Dez. abends 6 Uhr. 
Bdt. 
Wfirttembergischer Baubeamten-Verein. Unsere Ver 
einsmitglieder werden hiermit zu der vom „Verband Tech 
nischer Vereine Württembergs“, dem auch unser Verein 
angeschlossen ist, am Sonntag den 22. Dezember d. J. 
vormittags 10 V* Uhr im Stadtgartensaal in Stuttgart statt 
findenden öffentlichen Versammlung, in der unsere Wün 
sche und Ziele bekannt gegeben werden, freundlich ein 
geladen. 
Verantwortlich: Karl Schaler, Stuttgart. Druck: GnstaT Stürner in Waiblingen.
	        

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