Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1917/18)

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BAUZEITUNO 
Nr. 11/13 
Federzeichnung von Arthur List, 
Heilbronn, z. Zt. im Felde. 
Verantwortlich: Karl Schüler, Stuttgart. 
Druck ; Gustav Stürner, Waiblingen. 
Federzeichnungen aus Ensisheim 
im Oberelsaß 
von Arthur List, Heilbronn, z. Zt. im Felde. 
Ensisheim, das schon zur Zeit der Römer bestanden 
und auch an einer alten Römerstraße, einer Verbindungs 
straße von Ober- mit Unterelsaß, gelegen haben soll, ist 
ein an altertümlichen Bauten interessantes Städtchen. Be 
deutende Schriftsteller wie J. Cäsar und Antonin sprechen 
in ihren Reisebeschreibungen über verschiedene Ortschaf 
ten des Sundgaus von einem keltischen „Urunci“, das viel 
leicht die ersten Spuren von dem hohen Alter von Ensis 
heim liefert. — U auf run — rin gleich Wasserlauf zurück 
zuführen Urunci auf den, am Wasserlauf. — Einer Ur 
kunde zufolge vom 15. April 768 in der ein gewisser Usi- 
terikus und seine Gemahlin Holdasfnde, dem Kloster Mur 
bach viele ihrer Güter in der Gemarkung Ensisheim schen 
ken, wird Ensisheim „Enngehisesheim“ genannt. 
Es war von jeher der Sitz der Grafen des Sundgaus. 
Nach dem Aussterben des Hauses von Ensisheim im Jahre 
1444, kamen Ensisheim, das Schloß und die Landgraf 
schaft des Oberelsaß an die Grafen von Habsburg. 
Dieses Ensisheim, von dem bis jetzt die Rede war, ist 
das alte Ensisheim, das sich wahrscheinlich nicht an der 
Stelle befand, wo jetzt Ensisheim steht, sondern vielmehr 
in der Nähe der Battenheimer Straße, woselbst man auch 
noch häufig Spuren und Mauerreste findet. 
Das jetzige Ensisheim stammt aus dem 12. Jahr 
hundert. Wie die Ueberreste noch zeigen war es eine 
Festung, gleich den meisten mittelalterlichen Städten. Vier 
Tore, die mittels Falltüren verschlossen werden konnten, 
bildeten die Eingänge. Hohe, doppelte Ringmauern mit 
Schießscharten und Zinnen versehen, umgaben die Stadt. 
Zwischen diesen und außerhalb derselben waren tiefe 
Wassergräben gezogen, die durch den Quatelbach gespeist 
wurden, einem Zufluß der 111, die auf der Skizze mit der 
Illbrücke zu sehen ist. 
Einheitliche Baustile sind im allgemeinen nicht vor 
handen, man findet verschiedene gemischt, in der Haupt 
sache jedoch Romantik und Gotik vorherrschend. Auch 
nette Erkerbauten sind zu sehen, sowie interessante Gie 
bel und Türmchen, was nebenstehende Abbildungen ver 
anschaulichen. 
V ereinsmitteilungen. 
Württ. Baubeamtenverein. Der Rechnungs- und 
Kassenbericht für das Jahr 1916, der im Monat Mai d. J. 
den Vereinsmitgliedern zugehen wird, schließt, trotzdem 
20 Prozent unserer Mitglieder durch ihre Einberufung 
zum Militär von einer Beitragspflicht entbunden sind, ohne 
Abnahme des Vereinsvermögens ab. 
Dienstag den 3. April d. J. treffen sich die Vereins 
mitglieder abends 6 V 2 Uhr im Bierlokal des Friedrichs 
baus in Stuttgart 
Einladung zu einer am 6. Mai d. J. vormittags 10 1 /* 
Uhr im Vereinszimmer Gesellschaftshaus Bauhütte in 
Stuttgart Büchsenstrasse 53 stattfindenden Ausschuss 
sitzung. Wegen Beratung wichtiger Vereinsangelegen 
heiten ist das Erscheinen sämtlicher Ausschussmitglieder 
dringend erwünscht, ebenso werden die übrigen Vereins 
mitglieder eingeladen, dieser Sitzung mit beratender 
Stimme beizuwohnen. 
Personalien 
Verliehen: Der Titel [eines Präsidenten auf der vierten Stufe 
der Rangordnung: v. Leibbrand, Baudirektor, Vorstand der 
Ministerialabteilung für den Straßen- und Wasserbau. 
Der Titel und Rang eines Baurats: Lamparter, Straßenbau 
inspektor in Biberach: 
Das Verdienstkreuz: Gustav Busch, Inhaber eines Bau 
geschäfts in Stuttgart, List, Oberamtsstraßenmeister, Heilbronn, 
Rieker, Oberamtsbaumeister in Herrenberg, Schmid, Oberamst- 
baumeister in Ellwangen. 
Die Burg, das jetzige Schloß, wurde von den Habs 
burgern erbaut und erhielt den Namen Königsburg, weil 
die Habsburger mit Rudolf von Habsburg Könige wur 
den. (Skizze mit den zwei hohen Bäumen und Tor 
eingang.) 
Ein Lied zur Kriegsanleihe. 
(Nach der bekannten Melodie.) 
Wenn du zehntausend Taler hast, 
So danke Gott und sei zufrieden; 
Nicht allen auf dem Erdenrund 
Ist dieses hohe Glück beschieden. 
Geh, hol sie aus dem Kassenschrank, 
Gib deinem Geld die rechte Weihe 
Und zeichne bei der nächsten Bank 
Die fünfprozentige Kriegsanleihe! 
Wenn du bloß hundert Reichsmark hast, 
Paß auf! Sonst gehn sie in die Binsen! 
Leg sie so fest wie möglich an 
Und gegen möglichst hohe Zinsen! 
Klein fing so mancher Große an; 
Aus eins wird zwei, aus zwei wird dreie — 
Das Beste, was es geben kann, 
Ist dies: du zeichnest Kriegsanleihe! 
Und hast du keine hundert Mark, 
Nur zwanzig — sei drum nicht verdrossen 
Und suche dir zum Zeichnungszweck, 
so schnell es geht, ein paar Genossen! 
Mit denen trittst du Hand in Hand 
Zum Zeichnen an in einer Reihe — 
Dann tatst auch du fürs Vaterland 
Das Deine bei der Kriegsanleihe! 
Gustav Hochstetten.
	        

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