Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1917/18)

88 
BAUZEITUNO 
Nr. 51/52 
Aus Mannheim, ln einem längeren Aufsatz beschäf 
tigt sich Professor Dr. Schott, der Vorsteher des Mann 
heimer statistischen Amtes mit der Wohnungsnot in Mann 
heim. Er stellt zunächst fest, daß im September 1917 
nur noch 548 Wohnungen leer standen, gegen 1118 im 
Jahr vorher. Das sind nur noch 1,11% aller Wohnungen, 
gegen 2,28% im Vorjahre. Er erläutert dann die beson 
deren Mannheimer Verhältnisse und knüpft daran die Be 
merkung, die auch weitere Kreise interessieren dürfte: 
„Der weiteren Entwickelung der Dinge auf dem Woh 
nungsmarkt kann man nicht ohne Besorgnis entgegen 
sehen. Wenn sich bisher der Streit der Meinungen da 
rum drehte, ob nach dem Friedensschluß Wohnungsnot 
in den Großstädten zu erwarten sei, oder nicht, so lautet 
jetzt die Frage, ob diese Wohnungsnot nicht schon 
während des Krieges eintreten wird. Für einzelne 
Städte ist auch heute schon diese Frage durch ein „Ja“ 
entschieden. Für Mannheim wird die Antwort von der 
restlichen Dauer des Krieges abhängen. Daß es aber 
bei dem freien Spiel der Kräfte gelingen könnte, den 
Wohnungsmarkt vor schwerer Erschütterung durch 
den mit Friedensschluss stürmisch einsetzenden Be 
darf'zu bewahren, der überdies noch durch massen 
haften Wohnungswechsel verschärft werden müßte, das 
darf billig bezweifelt werden. Vielleicht steht gerade dem 
Wohnungsmarkt eine Uebergangswirtschaft mit einschnei 
denden Beschränkungen der freien Verfügung bevor, 
die ihrerseits dann den Anreiz zu rascher Abhilfe durch 
Belebung der Bautätigkeit vermehren mögen. 
Zur Pflege des Heimatschutzes hat der Innungs- 
Verband Deutscher Baugewerksmeister eine Erweiterung 
seines Ausschusses für die Förderung heimischer Bauweise 
und Denkmalpflege so vorgenommen, daß nunmehr auch 
alle seine 18 Bezirks-Verbände in dem Ausschuß ver 
treten sind. Der Ausschuß soll alljährlich gelegentlich des 
Verbandstages eine Sitzung abhalten, in der jedes Mit 
glied Berichte aus seinem Heimatsbezirk über Fragen des 
Arbeitsgebietes des Ausschusses zu geben hat. Die von 
der Gruppe zu fassenden Entschließungen werden dann dem 
Verbandstag zur weiteren Verfolgung vorgelegt werden. 
Zementpreise: Durch die Tagespresse ging kürzlich 
eine Notiz, nach welcher der Deutsche Zementbund mit 
der Reichsstelle für Zement eine Erhöhung des augen 
blicklich geltenden Zementpreises vom 1. Januar 1918 ab 
um mehrere Mark für das Faß vereinbart habe. Eine 
daraufhin vom Zementverbraucher-Verband an die Reichs 
stelle gerichtete Anfrage ist von dieser wie folgt beant 
wortet worden; 
„Von einer Erhöhung der Zementpreise zum 1. Januar 
k. Js. ist hier nichts bekannt. Verhandlungen in dem 
angedeuteten Sinne haben bisher nicht stattgefunden.“ 
Städtische Bürgschaftsübernahme für Hypotheken. 
Oldenburg. Um die Erlangung von Hypotheken aus 
öffentlichen Kassen zu ermöglichen plant die Stadt eine 
Einrichtung zur Uebernahme von Bürgschaften für erste 
und zweite Hypotheken. Sie selbst will keine Gelder 
dazu hergeben. An die Bürgschaftsübernahme sind die 
Bedingungen geknüpft, daß die Hypotheken mit wenig 
stens 1 V 2 °/° gedlgt werden und daß die zu beleihenden 
Häuser und Grundstücke einen Wert vou höchstens 50000 
Mark haben. Die Stadt erhebt dafür eine Gebühr von 
‘/ 2 —1% der Darlehenssumme. 
Vereinsmitteilungen. 
Württembergischer Baubeamten-Verein. Allen 
Mitgliedern, die in dieser schweren Kriegszeit dem Verein 
treu geblieben sind, sendet die herzlichsten Glück- und 
Segenswünsche zum neuen Jahr, insbesondere auch den 
jenigen, die im Felde stehen, mögen dieselben bald wieder 
in bester Gesundheit in unsere Mitte zurückkehren. 
Die Vorstandschaft. 
Württembergischer Baubeamten-Verein. Die auf 
Weihnachten ins Feld gesendeten Vereinsgrüße haben, 
wie aus den eingegangenen Danksagungsschreiben zu 
entnehmen ist, wieder große Freude bereitet. So schreibt 
einer: Die Gelegenheit, hier Rauchstoff zu kaufen, ist 
mir leider nicht geboten und so war der Zugesandte für 
mich eine angenehme Ueberraschung. Möge der allgnädig'e 
Gott es dem Verein für die vielen mir bisher zugesandten 
Gaben reichlich lohnen usw. Ein anderer schreibt: Ich 
freue mich, daß der Verein seiner im Feld stehenden 
Miedglieder so reichlich gedenkt und Fühlung behält. 
In allen Schreiben ist aber neben dem Dank und Gruß 
an alle Vereinsmitglieder dem Wunsche Ausdruck ver 
liehen, es möge dieser schreckliche Krieg bald einem 
baldigen, für uns günstigen Ende zugehen, welchem Wun 
sche auch wir uns anschließen. 
Deutscher Arbeitgeberbund für das Baugewerbe. 
Behufs gemeinsamer Regelung einschlägiger Fragen, ins 
besondere bezüglich des Abschlusses von Tarifverträgen 
ist zwischen dem Bund und dem Verband vereinigter 
Baumaterialienhändler Deutschlands eine Vereinbarung 
geschlossen worden, wonach der Händlerverband seine 
sämtlichen plattenverlegenden Mitglieder verpflichtet, dem 
Arbeitgeberbund als Mitglieder beizutreten. 
Beamtenbewegung. 
Vom Verband württ. Lehrer- und Unterbeamtenver 
eine wird uns geschrieben: Am 20. Dezember fand eine 
sehr zahlreich besuchte Versammlung von Ausschußmit 
gliedern der dem Verband angeschlossenen Vereine statt, 
ln einer einmütig angenommenen Entschließung sprachen 
die Anwesenden aus, daß sie grundsätzlich eine Neuord 
nung der Beamtengehälter unter Anpassung an die neuen 
Verhältnisse für nötig und zweckmäßig erachten. Sollte 
das nicht möglich sein, halten sie einen weiteren plan 
mäßigen Ausbau der Kriegsteuerungszulagen für unbedingt 
erforderlich, wenn die Beamten nicht den durch die fort 
schreitende Teuerung immer drückender werdenden Lasten 
erliegen sollen. Im einzelnen sind sie der Meinung: 
1. Daß die Neuregelung diesmal den tatsächlichen 
Teuerungsverhälltnissen und dem heutigen Geldwert 
Rechnung tragen muß. 
2. Daß diese Neuregelung sobald als möglich — 
vor dem 1. April — vorzunehmen ist. 
3. Daß die allgemeinen Grundsätze mit denen des 
Reichs und der übrigen Bundesstaaten im wesentlichen 
übereinstimmen sollen. 
4. Daß die Pensionäre und Hinterbliebenen an 
der Verbesserung teilhaben müssen und 
5. daß dem Verband Gelegenheit gegeben werden 
soll, sich rechtzeitig vor Eröffnung des Entwurfs zu äußern. 
Diese Entschließung wurde nach einer außerordent 
lich lebhaftenAussprache angenommen und wird den staat 
lichen Behörden vorgelegt werden. 
Personalien: 
Verliehen; Den etatsmäßigen Regierungsbaumeistern 
Rettich bei der Bau- und Bergdirektion und Schneider- 
han bei dem Bezirksbauamt Tübingen den Titel und Rang 
eines Bauinspektors. 
Befördert: Den tit. Oberbahnmeister Waibel in 
Süßen zum Oberbahnmeister auf seiner jetzigen Stelle. 
Versetzt: Den Bahnmeister Rommel in Sulz nach 
Untertürkheim seinem Ansuchen entsprechend, den tech 
nischen Eisenbahnsekretär Renkenberger in Crailsheim 
nach Ulm seinem Ansuchen entsprechend. 
Verantwortlich: Karl Schüler, Stuttgart. Druck: G. Stürner in Waiblingen.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.