Volltext: Süd- und Mitteldeutsche Bauzeitung (1919/20)

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BAUZEITUNG 
Nr. 40/41 
längertem Zementmörtel gemauert. Ist nun anzunehmen, 
daß die Dämpfe, die in Pferdeställen bekanntlich zwar 
nicht besonders stark sind, schließlich doch den Putz und 
das Gewölbe durchschlagen und dem Gips-Estrich schäd 
lich werden könnten? Der Boden über dem Stall wird 
als Futterboden benützt, also nicht besonders in Anspruch 
genommen. Ich bemerke noch, daß der Stall bis Stock 
gebälk abbrannte, und weil Decke und Umfassungen von 
älterer Konstruktion, sind keine Ventilationskamine und 
Frischluftzuführungen vorhanden, dagegen genügend 
große Stallfenster. Wie teuer stellt sich nun der qm von 
diesem Estrich-Boden, 2 cm stark, auf fertiger Unterlage, 
und wird der Gips ohne jede Beimischung aufgetragen? 
L. H. 
Antwort. Der Diara-Estrichboden darf für den an 
gefragten Zweck nicht unter 3 cm stark sein. Er kann 
direkt auf den gereinigten Schlackenstein aufgetragen wer 
den; es ist aber noch besser, wenn auf den Beton eine 
2 cm starke Sandschicht verbracht wird, welche als Iso 
lierschichte dient und der Oipsestrichboden erst hierauf 
zu liegen kommt, ln einer Stallung in Korntal ist in 
dieser Ausführung vor etwa 10 Jahren ein Fruchtboden 
verlegt worden, welcher sich bis heute tadellos bewährt. 
Wie hoch sich der qm Estrichboden stellt, kann nicht so 
ohne weiteres angegeben werden, dies hängt von der 
Größe und den örtlichen Umständen ab. G. S. 
Weitere Antwort. Nach mehrjährigen Erfahrungen 
ist es immer zweckmäßig, über einer Stalldecke zunächst 
eine Dachpappe so aufzukleben, daß die gesandelte Seite 
nach oben kommt, worauf erst der Estrich bezw. Diara 
in der Stärke von 2/ 2 —3 cm zu legen ist. Man kann auf 
die Dachpappe noch eine dünne Sandschichte aufstreuen. 
Für jeden Stallraum halte ich aber die Einrichtung einer 
geordneten Lüftung schon im Interesse der Gesundheit 
der Tiere nötig, wobei dann auch das Bauwesen gesund 
erhalten bleibt. F. 
Anfrage: Wenn in einem neuen (8 Jahre alten) Haus 
ein Mieter die Wohnung bei Abzug mit Wanzen verläßt, 
ist derselbe verpflichtet, die Wanzen vollends auszurotten, 
oder ist dies Sache des Hausbesitzers, bezw. wer trägt 
die entstehenden Kosten? L. N. 
Antwort: Nachdem wohl kein Zweifel bestehen kann, 
daß die Wanzen nur durch das Verschulden des Mieters 
aufkommen konnten, so hat derselbe die nötigen Maß 
regeln zur völligen Vertreibung der Wanzen zu veran 
lassen, oder die Kosten dafür zu tragen. 
Briefkasten. 
B. B. Einsendungen ohne Namensangabe müssen un 
beachtet bleiben. 
Bücher. 
Die Werkbund-Mitteilungen, von denen die beiden 
ersten Nummern des zweiten Jahrganges vorliegen, stehen 
ganz im Zeichen der neuen Entwicklung und beschäftigen 
sich in erster Linie mit dem künstlerischen Nachwuchs, für 
dessen Erziehung Otto Bartning (Berlin) ein Programm 
aufstellt, das auch für Kunsthandwerker und spätere 
Künstler, einen stufenweisen Aufstieg vom Lehrling zum 
Handwerks-, Bau- und Kunstgesellen und zum Hand 
werks-, Bau- und Kunstmeister vorsieht. Hugo Hillig 
(Hamburg) fordert eine Wirtschaftslehre an den Kunst 
gewerbeschulen. Alle jungen Künstler, auch die Jünger 
der „hohen“ Kunst, drängen freiwillig zum Handwerk zu 
rück und wollen sich eine bescheidene handwerkliche Ge 
sinnung zur Pflicht machen; das ist das Ergebnis einer 
eingehenden Untersuchung der zahlreichen Künstler-Re 
volutionsprogramme, die Fritz Hellwag vorlegt. Die Be 
rufswahl und Berufsberatung behandelt Hugo Eberhardt 
(Offenbach). Von den praktischen Werkbund-Arbeiten, 
über die berichtet wird, seien hervorgehoben: Ausstellung 
und Veröffentlichung über einfachen Hausrat, Filmpro 
paganda, Versuche mit Wilhelm Ostwalds Farbatlas usw. 
Bruno Rauecker (München) untersucht den Zusammen 
hang zwischen Qualitätsarbeit und Sozialpolitik und schält 
so aus den veränderten innerpolitischen Verhältnissen den 
hoffnungsvollen Kern. Die künstlerische Ausstattung der 
Hefte wurde von Prof. F. H. Ehmke in München bzw. von 
Prof. Walter Tiemann in Leipzig besorgt. 
Wesen und Wirken der Wünschelrute. Eine prak 
tische Anleitung von Dr. med. EduardAigner. 1920. 
Kl. Oktav. 67 Seiten mit 16 Abbildungen und 4 Lage 
plänen. Geheftet 2.75 Mk. — Unter diesem Titel behan 
delt der Münchener Arzt das Wünschelrutenproblem. Die 
Schrift soll eine praktische Anleitung sein, die Schritt für 
Schritt den Neuling zum Gebrauch der Wünschelrute aus 
bilden und ihn vor Enttäuschungen und Mißdeutungen 
bewahren soll. Man möchte aber fast ebenso gut die 
Schrift als eine ärztliche Kundgebung bezeichnen. Der 
Verfasser geht von seinen Erfahrungen als Nervenarzt aus, 
behandelt die suggestiven und autosuggestiven Täuschun 
gen, von denen menschliche Sinneswahrnehmungen be 
gleitet werden, Täuschungen, die also auch den Wünschel 
rutenerscheinungen, in denen Aigner enie physiologische 
Reaktion des menschlichen Organismus sieht, anhaften 
müssen. Seite für Seite baut sich das Wesen der inter 
essanten Naturerscheinung auf — die Rutenarten, die Vor 
gänge beim Rutenausschlag, die Deutung und Verwertung 
der Reaktionen, die Störungen und Irrtümer. Energiscn 
und zielbewußt geht Dr. Aigner gegen das Blendwerk 
okkultistischer Spielereien vor. Die Pendelversuche, die 
Experiment im Laboratorium und zahlreiche Abhandlun 
gen hierüber verurteilt er mit einer für den Laien vielleicht 
zu weit gehenden Schärfe. Aber Gründlichkeit und 
Sicherheit und jahrelange praktische Erfahrung sprechen 
aus der Abhandlung, die vielleicht mehr als manches an 
dere Werk geeignet ist, endlich in der Streitfrage über die 
Wünschelrute die Entscheidung durchzukämpfen. 
Württemberglscher Ingenieurverein. Nach Be 
grüßung des der Sitzung beiwohnenden Vereinsdirektors 
Professor Mat schoß-Berlin durch den Vorsitzenden 
sprach am Donnerstag, den 9. ds. Mts. Herr Dipl.-Ing. 
Kuli über das Periodensystem der chemischen Elemente. 
Nach einer kurzen Darstellung der Vorgeschichte und 
des heutigen Standes der Forschung zeigte er, wie durch 
Einbeziehung der Wasserstoffverbindungen der Elemente 
— die erbeinahe als „gewordene Elemente“ ausspricht — 
in das Periodensystem gewisse Unregelmäßigkeiten, die 
in der bisherigen Darstellungsform störend hervortraten, 
sich beseitigen lassen. Er führte weiter aus, daß die 
heutige Schulansicht: „Alle bisherigen Erscheinungen seien 
im Grunde kinetische Erscheinungen, und zurückzuführen 
auf Vibrationen einheitlicher, kleinster Partikelchen, welche 
sich im Sinne der Gesetze unserer Mechanik vollziehen“, 
nicht aufrecht zu erhalten sei, daß man nur mit einer An 
schauung vorwärts komme, im Sinne deren Licht, Wärme, 
Elektrizität, Magnetismus usw. als völlig distinkte Aether 
fluäda angesehen werden. Diese Aether seien die eigent 
lichen Ur- Aufbaustoffe der Materie. Der Redner zeigte 
weiter eine Zusammenordnung dieser Aether: Wärme. 
Licht, Elektrizität. Magnetismus usw., welche der Ord 
nung der einzelnen Perioden des bekannten Perioden 
systems völlig gleichartig ist, und er tut dar, daß diese 
neugefundene Zusammenordnung der Uraufbauelemente 
des Stoffes „als Vorbild“ der Perioden-Ordnung der 
chemischen Grundstoffe anzusehen sei, als eigentlicher 
Wesensgrund der Periodengesetzmäßigkeit, die bis heule 
so rätselhaft erschien. Der Vorsitzende sprach dem Red 
ner für seine ausführlichen und sinnvollen Darlegungen 
den herzlichen Dank des Vereins aus. 
Verantwortlich: Karl Schüler, Stuttgart. 
Drnek: Srmetae Stfirnar in Waiblingen.
	        

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