Full text: Süd- und Mitteldeutsche Bauzeitung (1919/20)

rend nebenan die Baggereimer die Grundmoräne des See 
abflusses aufwühlten, erzählte er mir vom Werden und 
Wirken und Vergehen des Sees, das er wie keiner mit 
Hingebung erforscht hatte. Vor uns lag die perlmutter- 
farbene Seefläche und weit drüben leuchtete als orange 
gelber Fleck die Achenmündung aus dem blauen Schleier 
der Kampenwand. 
Was er erzählte, möchte ich hier wiedergeben, am 
liebsten mit seinen Worten. Aber damit ihr mich besser 
versteht, kommt mit auf die Aussichtswarte der Kampen 
wand. 
Seht, dort unten liegt er in seiner barocken Form. Sie 
wird sofort verständlich, wenn ihr wißt, daß hier ein 
Ausläufer des Inngletschers mit dem Achengletscher zu 
sammengetroffen ist. Dort drüben, wo der Silberfaden 
der Prien heraufblitzt, zog sich ein Zweig des Innglet 
schers vom Simsee herüber und höhlte den westlichen 
Teil, den sogenannten Inselsee, auf 30 Meter Tiefe aus, 
während dort unten im Achental der mächtige Achen 
gletscher das Becken des Weitsees 70 Meter tief in die 
Molasse einschürfte. 
Als dann die Eiszeit zu Ende ging und die Gletscher 
durch Abschmelzen «hren Rückzug antraten, legten sie 
den Moränenschutt, den sie aus ihrer Heimat in den Al 
pen auf ihrem Rücken mittrugen, in großem Bogen um die 
nördliche Hälfte des Sees nieder. Die grünen Hügelketten 
dort oben, durch die das helle Band der Alz in Schlangen 
windungen dem See entläuft, sind jene Schuttmassen. 
Die ausgeschürften Becken füllten sich mit dem Wasser 
des schmelzenden Gletschereises. Schließlich war der 
See 26 Kilometer lang und 19 Kilometer 
breit und sein Ufer zog sich von 3 Kilometer oberhalb 
Altenmarkt herunter nach Grabenstätt, machte eine Aus 
buchtung nach Bergen, zog hinauf nach Raithen, hinüber 
nach Prien und dann in weitem Bogen wieder hinab zur 
Alz. Zwei Inseln ragten auch damals über die Seefläche, 
der Oster- und Westerbuchberg bei Uebersee. 
In dieses gewaltige Seebecken schickten nun die in die 
Alpen zurückwandernden Gletscher ihren Abfluß Der 
Inngletscher die Prien, der Achengletscher die Achen. Da . 
die Prien später von geringerer Bedeutung für die Gestal 
tung des Sees war, wollen wir jetzt nur die Wirkung des 
Achengletschers verfolgen. 
An dem Tag, an welchem sich das Gletschereis bis 
zum Engpässe des Antenloches bei Schleching zurückge 
zogen hatte, war der Chiemsee fertig, an diesem Tag 
war die Geburt der Ache und am gleichen 
Tage begann sie auch den See wieder zu 
vernichten. Mit dem Verschwinden des Gletscher 
eises begannen die Niederschläge wieder als Regen zu 
fallen, es entstanden Bäche in den Tälern und führten die 
unausgesetzt entstehenden Verwitterungsprodukte der Ge- 
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