Full text: Süd- und Mitteldeutsche Bauzeitung (1919/20)

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BAUZEITUNO 
Nr. 29/30 
besondere Berücksichtigung nicht eintritt, kaum mehr er 
leben könnten, daß sie in die Beförderungs- bezw. End 
stellung einrücken, so müssen wir ihm verraten, daß bei 
der jetzigen Eingruppierung der mittleren Techniker, 
selbst bei Schaffung einer unverhältnismäßig hohen Zahl 
gehobener Stellen, es auch ihnen nicht möglich sein wird, 
restlos in gehobene Stellen zu kommen. 
Die End- und Spitzenstellen werden ja ohnehin nur 
für die Beamten bei den Oberbehörden erreichbar sein, die 
Beamten der Bezirksbehörden haben sich heute schon da 
mit abgefunden, daß diese Stellen in Wirklichkeit für sie 
nicht existieren. 
Der wurtt. Akademikerbund. 
Beherzigenswerte Worte enthält der Artikel in der 
Nr. 22-23 dieser Zeitung, und niemand würde sich auf 
richtiger freuen, als die mittleren Techniker, wenn diese 
Anschauungen in den Kreisen des Verfassers Allgemeingut 
wären. Leider ist er dort ein weißer Rabe, und leider 
bleibt den mittleren technischen Beamten zur Durch 
setzung ihrer Forderungen nichts übrig, als die Presse in 
Anspruch zu nehmen. Dabei sind wir der Meinung, daß 
die Fachpresse dazu bestimmt und berufen ist, auf Miß 
stände hinzuweisen und der gegenseitigen Aussprache zu 
dienen. Vielfach konnte die Erfüllung der bescheidensten 
Wünsche nur durch das Eintreten hervorragender Abge 
ordneter ermöglicht werden. Was wir erreichten, müßte 
im Kampf gegen die höheren Techniker, die uns kühl bis 
ans Herz gegenüberstehen, errungen werden. Wenn hier 
eine Wandlung zum Besseren möglich ist, so sind wir 
darüber erfreut. Die Tatsachen lassen das Gegenteil ver 
muten. Uns scheint, die höheren Techniker sind von 
einem Entgegenkommen, von einem Verstehenwollen un 
serer Lage zur Zeit weiter entfernt wie je. Der kleine 
Tropfen demokratischen Oels, der die Reichsbesoldungs 
ordnung schmackhaft machen sollte — die Spitzenstellen 
der unteren sind mit den Anfangsstellen der mittfpren und 
die Spitzenstellen der mittleren waren mit den Anfangs 
stellen der höheren Beamten je in einer Gruppe vereinigt 
—, wurde zwischen mittlerem und höherem Dienst be 
seitigt. weil die höheren Beamten nicht einmal in der Ju 
gend, in ihren Anfangsstellen, mit alten, tüchtigen, in den 
Spitzenstellen befindlichen mittleren Beamten gleichgestellt 
sein wollten. Am gründlichsten gingen hier unsere würft. 
höheren Techniker vor. Während im Verwaltungs- und 
Betriebsdienst eine bescheidene Zahl mittlerer Beamter in 
den höheren Dienst übernommen wurde, hat der mittlere 
Bautechnikerdienst, dank der Rührigkeit unserer Akade 
miker, keine solche Stelle zu verzeichnen, und das, obwohl 
die Bildungsdifferenz im bautechnischen Dienst tBauge- 
werkschule — Hochschule) geringer ist als im Betriebs 
dienst (Einjähriges, Fachkurs — Universität). Hier wird 
von den leitenden und von den entscheidenden Perso len 
immer nur dann von der Angleichung an die Verhältnisse 
im Reich gesprochen, wenn der mittlere Techniker benach 
teiligt ist. Wenn es sich aber darum handelt, uns die 
selben gehobenen Stellen wie den mittleren Technikern im 
Reich einzuräumen, dann ist das Wort „Angleichung“ 
den leitenden und entscheidenden Personen nicht be 
kannt, dann werden die Herren Akademiker in die Dienst- 
posten gesetzt, die im Reich die mittleren Techniker inne 
haben. „Es wächst der Mensch mit seinen höheren 
Zielen.“ Oder was sollen wir dazu sagen, wenn die im 
württ. Staatsdienst verbliebenen mittleren technischen Be 
amten in die neue Besoldungsordnung um eine Gruppe 
niederer als die ihnen vorher gleichgestellten Beamten 
eingestuft werden? Ist das die bessere Bewertung der 
umfassenderen Ausbildung oder die der größeren volks 
wirtschaftlichen Leistung? Wen trifft die Schuld, so fra 
gen wir, und wenn trifft die Schuld, wenn die Ausbildung 
mittlerer Techniker für Betriebsämter mit der Begründung, 
daß vorerst keine solchen Aemter mehr geschaffen werden, 
abgelehnt wird, und dann, einige Tage später, eine 
Verfügung ergeht, die höheren Techniker zur 
Ausbildung für Vorstandsstellen von Betriebsämtern und 
für die Stellvertreter solcher Vorstände, die im Reich mitt 
lere Techniker sind, auffordert. Wenn etwa die Absicht 
bestehen sollte, diese höheren Techniker an andere Länder 
abzugeben, so ist die Beschränkung auf eine bestimmte 
Zahl bei unserem Reichtum an höheren Technikern nicht 
verständlich. Oder sollen wir schließlich darin Demo 
kratie erblicken, daß jeder junge Beamte des höheren Dien 
stes künftig eine Reichsfreikarte erhält, die dem ältesten, 
in der Spitzenstelle befindlichen mittleren Beamten un 
erreichbar ist? Uns scheint, die Zeit nach der Revolution 
hat nur eingeebnet zwischen unterem und mittlerem Dienst, 
sie hat aber den Graben breiter und tiefer und die Mauer 
höher gemacht, die den mittleren vom höheren Dienst 
schon in der vorrevolutionären Zeit trennte. Daran dürfte 
auch der Staatstechniker-Verband nicht viel ändern. Er 
wird übrigens bald einen erheblichen Teil seiner Mitglie 
der durch den Uebertritt in den Reichsdienst und die Bil 
dung einer Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahn 
beamten und Anwärter verlieren. Soll er fruchtbringende 
Arbeit leisten, dann müssen wir zuvor Gewißheit darüber 
erhalten: Sind die höheren geprüften technischen Staats 
beamten bereit, mitzuwirken, das an uns begangene Un 
recht durch Einwirkung auf ihre in den leitenden und ent 
scheidenden Stellen befindlichen Kollegen zu beseitigen? 
Ist das nicht der Fall, dann ist der Verband von vorn 
herein nur eine Begräbnisstätte für die Wünsche der mitt 
leren technischen Beamten, dazu bestimmt, ihnen die Auf 
stiegsmöglichkeit zu unterbinden. Es wird dann sein wie 
bisher, wo über unsere Anliegen eben die in den höchsten 
Stellen befindlichen Mitglieder des Vereins der höher geprüf 
ten technischen Staatsbeamten entschieden. Diese sind aber 
von den Anschauungen, die in ihren Freundes- und Kolle 
genkreisen herrschen, mehr beeinflußt, als von den An 
schauungen der ihnen doch recht fern stehenden mittleren 
Techniker. Das muß immer zu Urteilen führen, die den 
Verhältnissen nicht gerecht werden. Deshalb fordern wir 
die Mitwirkung geeigneter mittlerer Techniker bei Bear 
beitung unserer Personalsachen und Standesangelegen 
heiten. r. 
Rundschau. 
Handwerkskammer Reutlingen. Bei den vor der Hand 
werkskammer Reutlingen abgehaltenen Meisterprüfungen 
haben u. a. folgende Bauhandwerker die Meisterprüfung 
bestanden und sich somit das Recht zur Anleitung von 
Lehrlingen erworben: M a u r e r : Karl Brack in Lustnau, 
Eugen Haasis in Ebingen, Friedrich Heinzmann in Kohl 
stetten, OA. Münsingen, Ernst Kurz in Tischardt, OA. 
Nürtingen, Albert Maurer in Oberndorf a. N., Paul Sauer 
in Betzingen bei Reutlingen; Maurer und Stein 
hauer ; Friedr. Lenz in Rohrdorf, OA. Nagold; S t e in 
hau e r : Christian Schaber in Freudenstadt; Zimme 
rer: Karl Bogner in Wäldenbronn, OA. Eßlingen, Friedr. 
Kappler in Kalmbach, OA. Neuenbürg, Johannes Schühle 
in Rosenfeld, OA. Sulz, Rochus Wolpert in Lautlingen, 
OA. Balingen, Wilhelm Frau in Lustnau, OA. Tübingen. 
Pfullingen. Dem hier gegründeten S i e d lungs 
verein traten 50 Mitglieder bei und zeichneten 50 000 
Mark an Geschäftsanteilen. 
Wettbewerb. 
Rotfenburg a. N. Die Stadt fordert alle in ihren Mauern 
ansässigen oder dort geborenen Künstler auf, Entwürfe 
bis 15. September für ein Erinnerungsmal auf dem Ehren 
friedhof in der „Klause“ einzureichen. (Das weitere aus 
der Bekanntmachung im Inseratenteil.)
	        

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