Full text: Süd- und Mitteldeutsche Bauzeitung (1919/20)

16./31. Juli 1930. 
BAUZEITUNO 
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Verelnsmltteilungen. 
Verein der Bauamtswerkmeister und Bauwerkmeister bei 
der Finanzverwaltung. Die Einstufung der Bauamtswerk 
meister in die neunte Gehaltsordnung hatte im Lande so 
viel böses Blut erregt, daß es der Vorstand für geraten 
hielt, eine Aussprache unter den Mitgliedern herbeizu 
führen. Es erging daher an die in der näheren Umgebung 
von Stuttgart wohnenden Kollegen eine Einladung zu 
einer Besprechung am Freitag, den 16. ds. Mts., welcher 
aus allen Gegenden des Landes so willig entsprochen 
wurde, daß die Anwesenheitsliste eine Teilnehmerzahl von 
36 Kollegen ergab. Nach der Begrüßung und nachdem 
der seit der letzten Tagung verstorbenen Kollegen in 
ehrender Weise gedacht war, wurde in die Beratung der 
Tagesordnung eingetreten. Als erster Punkt wurde die 
Einstufung in die Gehaltsordnung beraten und dabei be 
kanntgegeben, in welcher Weise die Regierung sich die 
Verteilung von gehobenen Stellen vorgenommen hat. All 
gemein verurteilt wurde, daß nicht ohne weiteres nach Er 
reichung der höchsten Gehaltsstufe in einer Gruppe ein 
Vorrücken in die nächste Gruppe ermöglicht sein soll, un,d 
der Ausschuß beauftragt, hier die entsprechenden Schritte 
zu unternehmen. Im Verein mit dem Staatstechniker-Ver 
band und der Vereinigung sämtlicher mittlerer Bautechni 
ker Württembergs soll eine Eingabe an die Regierung ge 
richtet werden, in welcher um Einstufung in Gruppe VIII 
anstelle Gruppe VII nachgesucht wird, welch letztere den 
nichtgeprüften Kollegen offen stehen soll. In der Titel 
frage wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, es sollen 
sich sämtliche Kollegen weigern, die neue Amtsbezeich 
nung „Oberbausekretär“, welche als herabwürdigend 
empfunden wird, zu führen, und ausgeführt, daß es nicht 
eher Ruhe geben kann, als bis die Amtsbezeichnung „Be 
zirksbaumeister“ eingeführt ist. Des weiteren wurde in 
betreff der Beamtenbeiräte bekanntgegeben, daß sich all 
gemein in Technikerkreisen der geringe Einfluß sehr un 
liebsam bemerkbar gemacht hat, welcher den Baubeamten 
darin zusteht, und eine Eingabe des Staatstechnikerver- 
bandes verlesen, welche auf Aenderung dieser unhaltbaren 
Zustände abzielt. Im Verlauf der Aussprache zeigte es 
sich, daß es nötig war, sich nicht nur zwanglos auszu 
sprechen, sondern auch tiefergehende Beschlüsse zu fassen. 
Es wurde daher vom Vorsitzenden der Antrag gestellt, die 
Zusammenkunft gemäß § 7 der Satzungen als „außer 
ordentliche Mitgliederversammlung“ gelten zu lassen, da 
Antrag zur Zusammenkunft von 20 Mitgliedern gestellt 
war. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Im 
Anschluß hieran wurde beschlossen, den nicht geprüften 
Kollegen wieder dadurch eine bessere Vertretung ihrer 
Interessen zu gewähren, daß solche wie ursprünglich ge 
plant im Beamtenbeirat ebenfalls durch unseren Beauftrag 
ten vertreten sein werden. Dadurch ist ein engeres Zu 
sammenarbeiten gewährleistet. In der Diätenfrage wurden 
die bis jetzt unternommenenSchritte veröffentlicht und hat 
ten alle Beteiligten dabei die feste Ueberzeugung, daß der 
Ausschuß und die Beiratsmitglieder alles getan haben, um 
die Frage bald einer glücklichen Lösung entgegen zu 
führen. Die Bauzulagen werden ebenfalls entsprechend 
erhöht werden, so daß dem Baubeamten hoffentlich end 
lich einmal diejenige Bezahlung zuteil wird, welche ihm 
für seine außerordentlichen Mühewaltungen gebührt. 
Ueber den neu gegründeten Staatstechniker-Verband 
und die Arbeitsgemeinschaft mittlerer bautechnischer Ver 
eine erhielten die Mitglieder die nötigen Aufschlüsse; im 
Zusammenhang damit wurde auch die Vorbildungsfrage 
behandelt und festgestellt, daß alle Bestrebungen zu un 
terstützen sind, welche für den Nachwuchs die beste Vor 
bildung verlangen. 
Alle diese Bestrebungen kosten Geld und muß daher 
von jedem Mitglied ein außerordentlicher Beitrag von acht 
Mark erbeten werden, welcher alsbald dem Vereinskassier 
eingesandt werden wolle. Der Antrag auf Einzug obigen 
Betrages wurde einstimmig zum Beschluß erhoben. Das 
Referat für den Abend hatte Kollege Fischer übernommen, 
aufs beste unterstützt von Kollegen Oailsdörfer. Beide 
konnten es sich in ihrem Schlußwort nicht versagen, dar 
auf hinzuweisen, wie ungerechtfertigt es war, in die Tätig 
keit des Ausschusses irgend welche Zweifel zu hegen. Die 
Versammlung hatte sich übrigens im Verlaufe des Abends 
völlig überzeugt, daß seitens des Ausschusses alles ge 
schehen ist, um die Standesinteressen zu wahren, und 
wurde insbesondere den oben genannten Beiratsmitglie 
dern durch Erheben von den Sitzen für ihre große Mühe 
waltung gedankt. 
Die Vereinigung der mittleren technischen Beamten im 
Ministerium des Innern hielt am 30. Mai ihre Landesver 
sammlung in Stuttgart in der Bauhütte ab. Anwesend 
waren 29 Mitglieder. Nach Begrüßung durch den Vor 
sitzenden Bauamtswerkmeister Steinle verlas derselbe den 
Geschäftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr. Dem 
selben war zu entnehmen, daß von den vielen Wünschen, 
die in neuerer Zeit aufgetaucht sind, mancher seiner Er 
füllung entgegengeht, um einige aber noch zu kämpfen ist. 
Der Verein hat sich auch an die Arbeitsgemeinschaft sämt 
licher württ. mittlerer Beamten angeschlossen, deren Grün 
dung als Forderung der Zeit anerkannt wurde. Desglei 
chen hat er sich dem neugegründeten Staatstechnikerver 
band angeschlossen, dessen Zusammensetzung ja auch in 
den Tageszeitungen zu lesen war. Der lange gehegte 
Wunsch der Schaffung gehobener Stellen soll nun mit dem 
neuen Haushaltplan in Erfüllung gehen. Als weitere 
dringende Wünsche wurden bezeichnet, daß bei Anstel 
lung der Bauamtswerkmeister und Straßenmeister schon 
im Ausschreiben ein fester Wohnsitz bekannt gegeben 
werde und daß die Wiederbesetzung freigewordener Stel 
len sofort nach ihrer Erledigung, wie bei anderen Behör 
den längst üblich, vollzogen werde, damit die meist über 
30 Jahre alten Anwärter, welche meistens auch verheiratet 
sind, bei den ungünstigen Wohnverhältnissen nicht mo 
natelang im Ungewissen leben müssen. — Die Frage der 
Umformung des Baubeamtenvereins wurde auch bespro 
chen, und es kam die Ueberzeugung zum Durchbruch, daß 
es zweckmäßig sei, alle beamteten mittleren Techniker 
gruppen Württembergs — auch Korporations- und Ge 
meindetechniker — einschließlich deren Anwärter auf der 
erweiterten Basis des seitherigen Baubeamtenvereins zu 
sammenzuschließen, damit er insbesondere im Oesamt 
beamtenverband Sitz und Stimme erhalte und so sich der 
mittlere Techniker dort auch zum Wort melden könne. 
Wegen der Einreihung von aus dem demobilisierten Heere 
überwiesenen Militäranwärtern in die Reihen der mittleren 
Techniker entspann sich eine grundsätzliche Aussprache, 
und es wurde die Forderung gestellt, daß solche Anwärter 
nur unter der Bedingung der Ablegung der beiden vor 
geschriebenen Prüfungen für Bauwerkmeister und Wasser 
bautechniker als Anwärter zuzulassen seien, andernfalls 
solche Anwärter sich in einer andern, für sie vorgesehenen 
Kategorie umzusehen hätten. Die Versammlung nahm 
durchweg einen harmonischen Verlauf und wäre eine stär 
kere Beteiligung seitens der Kollegen erwünscht gewesen. 
Die noch außenstehenden Kollegen im Anwärterver 
hältnis werden auch auf diesem Wege zum Beitritt in den 
Verein und damit in die größeren Organisationen einge 
laden, denn es dürfte wohl keiner Aufklärung bedürfen, 
daß nur straffe Organisation und Opferwille zu den er 
strebten Zielen führen. 
Der Vereinskassier Flußmeister Speidel in Neu- 
Ulm, Stegstraße 2a, ersucht die Mitglieder 
dringend, soweit sie im Rückstand mit der Bezahlung 
der Jahresbeiträge sind, dieselben alsbald an ihn einzu 
senden, andernfalls ab 1. August 1920 die Beiträge mittelst 
Postauftrag zum Einzug gebracht werden müssen.
	        

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