1./15. Aug. 1920. 
BAUZEITUNO 
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habe. Lange Zeit habe für ihn eine Hypothek in beträchtlicher 
Höhe auf dem Grundstücke gelastet, und später habe er es in 
der Zwangsversteigerung erworben. Unter diesen Umständen 
sei es sehr unwahrscheinlich, daß ihm die Qrößenverhältnisse 
des Grundstückes nicht bekannt gewesen seien .Die Revision 
des Beklagten gegen dieses Erkenntnis blieb ohne Erfolg. Es 
muß als festgestellt erachtet werden, so führte das Reichs 
gericht aus, daß der Beklagte bei den Kaufverhandlungen er 
klärt habe, das Grundstück sei 450 Morgen groß. Wenn er aucii 
hinzugesetzt habe, er kenne das Grundstück nicht so genau 
und verkaufe cs in den Grenzen, wie er es besaß, so habe der 
Käufer darauf keinen Wert gelegt, vielmehr habe er der Angabe 
(des Beklagten, die Größe des Grundstücks betrage 450 Morgen, 
vertraut und sei dadurch zur Bewilligung des vereinbarten Kauf 
preises bestimmt worden. Es liegt hier der Fall des § 463 BGB. 
vor, wonach der Käufer, falls der verkauften Sache eine zuge- 
sicherte Eigenschaft fehlt, Schadenersatz verlangen kann; 
Berechtigter Provisionsanspruch des Grundstücksmaklers. 
Die Beklagten hatten dem Kläger den Auftrag gegeben, ein 
Grundstück, das ihnen und noch anderen gehörte, bei der dem- 
zurückzuvcrv,eisen war. Dort wird festzustellen sein, ob die 
Tätigkeit des Klägers unter den veränderten Verhältnissen 
ebenso bewertet werden soll, wie dies in dem ursprünglichen 
Abkommen vorgesehen war, oder ob ihm nur ein Anspruch auf 
angemessene Vergütung zusteht. e 
Schadensersatzanspruch gegen den Installateur v/egen 
der Folgen einer mangelhaften Rohrleitungsanlage. Ein 
Hausbesitzer hatte in der im ersten Stock seines Hauses 
belegenen Küche Arbeiten zur Entwässerung derselben 
ausführen lassen. Der Installateur hatte dabei das aus 
mehreren Stücken Bleirohr bestehende Rohr ohne jede 
Verbindung stumpf aneinandergesetzt und den Stoß nur 
mit Zementmörtel verschmiert. Die aus dem Rohre drin 
gende Feuchtigkeit führte in der Folge zur Bildung von 
Hausschwamm in dem benachbarten Mauerwerk und in 
dem Holzwerk des Hauses, und für den ihm hieraus er 
wachsenen Schaden forderte der Hausbesitzer Ersatz von 
dem Installateur. 
Der Beklagte verweigerte die Zahlung, indem er -be 
hauptete, seit Ausführung der Arbeiten seien mehr als zehn 
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Abb. 7, 
nächstigeu Auseinandersetzung für sie zu erwerben. Für seine 
Bemühungen wurden dem Kläger 6000 Mark versprochen. Nun 
■kam das Geschäft aber nicht zustande, wie es ursprünglich be 
absichtigt war. Die Beklagten erhielten nämlich das Grundstück 
nicht für sich allein, sondern im Miteigentum mit einem anderen. 
Der erwähnte Grundstücksmakler, der bei den ganzen Verhand 
lungen nitgewirkt hatte, war der Meinung, daß ihm die Pro 
vision zustehe; die Beklagten verweigerten jedoch die Aus 
zahlung der 6000 Mark, weil die Voraussetzungen, an welche 
das Versprechen der Provisionszahlung geknüpft worden sei, 
nicht erfüllt seien. Die Vorinstanzen hatten ein dem Makler un 
günstiges Urteil gefällt. Das Reichsgericht aber hat einen 
dem Kläger günstigeren Standpunkt eingenommen. Allerdings 
so heißt es in den Gründen — sind die Bedingungen, welche 
eile Voraussetzung der Provisionszahlung bildeten, nicht erfüllt, 
und sonach kann auch die Maklergebühr auf Grund dieses 
Abkommens vom Kläger nicht verdient sein. Es kann aber 
•sehr wohl stillschweigend ein neuer Maklervertrag zwischen 
den Parteien zustande gekommen sein. Eine stillschweigende 
Vereinbarung lag vor, wenn die Beklagten in Kenntnis der fort 
gesetzten Tätigkeit des Klägers sich dessen Mitwirkung in ihrem 
Interesse auch nach der veränderten Richtung gefallen ließen 
und dessen Tätigkeit im Bewußtsein einer ihnen obliegenden 
Entlehnung nicht bloß nutzten, sondern auch dadurch genehmig 
ten, daß sie den Vertrag schließlich unter den veränderten Be 
dingungen abschlossen. Das hat die Vorinstanz anscheinend 
nicht berücksichtigt, aus welchem Grunde die Sache an diese 
Jahre vergangen; gemäß § 638 BGB. seien daher die 
Schadensersatzansprüche längst verjährt. 
Indessen hat in Uebereinstimmung mit dem Oberlandes 
gericht Düsseldorf das Reichsgericht den Schadens 
ersatzanspruch für gerechtfertigt erklärt. 
Die abgekürzte Verjährung des § 638 BGB. — so heißt 
es in den Gründen — kommt zur Anwendung, wenn es 
sich um Schadensersatzansprüche handelt, die aus den dem 
Werke selbst unmittelbar -anhaftenden Mängeln hergeleitet 
werden und bereits zur Zeit der Abnahme des Werkes be 
stehen. Die regelmäßige Verjährung mit einer Frist von 
30 Jahren greift dagegen Platz bei Ansprüchen, mit denen 
über den Rahmen des § 635 BGB. hinaus Ersatz für 
Schäden gefordert wird, zu deren Entstehung ein mit den 
Mängeln des Werkes nur in mittelbarem Zusammenhänge 
stehendes besonderes Ereignis geführt hat. Um einen sol 
chen Schaden handelt es sich hier; denn der Schaden ist 
dadurch verursacht, daß aus der undichten Leitung nach 
und nach Wasser in das Mauerwerk und in die Holzteile 
des Gebäudes eindrang. Für diesen Schaden, der mit der 
unsachgemäßen Ausführung der Anlage in mittelbarem 
ursächlichen Zusammenhänge steht, hat der Beklagte ein 
zustehen, und die auf Ersatz des Schadens gerichtete Klage 
unterliegt, weil damit ein mit dem Werkverträge nur mittel 
bar zusammenhängender Schaden geltend gemacht wird, 
auch nicht den für Ansprüche des Bestellers aus dem Werk 
verträge bestimmten kurzen Verjährungsfristen, t
        

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