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I./15. Sept. 1920
Süd- und mitteldeutsche
DTO
Heue Folge der Bauzeitung für Württemberg, Baden, fjessen,
Clsaß-Oothringen.
Gegründet als Württembergische Bauzeitung im lahre 1904.
Inhalt: Erweiterung der Reusch-Kolonie in Göppingen. — Bau, Bildung und Nutzbarmachung
der oberschwäbischen Torfriede, besonders des Wurzacher Rieds. —
Wettbewerb. — Vortragskurse. — Vereinsmitteüungen. — Rundschau.
Alle Rechte Vorbehalten.
Erweiterung der Reusch-Kolonie in Göppingen.
r>ie Stadtgemeinde Göppingen hatte 1919 ihre Architekten
für eine Siedelüng, für die Erweiterung der Reuschkolonie
eingeladen. Preise wurden nicht festgesetzt, dagegen
wurde jedem Bewerber für seinen Entwurf eine
Vergütung zugesichert. Bei diesem Wettbewerb wurde
nach dem Gutachten der Beratungsstelle der Entwurf der
Architekten Regierungsbaumeister Bengel und Bostel zur
Ausführung empfohlen, und die Stadtgemeinde hat dementsprechend
beschlossen. Die Kolonie ist bereits im Rohbau
fertig. Wir geben hier den Wortlaut des Gutachtens
wieder;
Die bei weitem beste Lösung ist zweifellos der vorliegende
Entwurf. Er ist ohne weiteres geeignet, als
Grundlage für die Aufstellung der Eingabs- und Werkpläne
zu dienen. Sollten die in diesem Entwurf vorgeschlagenen
Wohnungen hinsichtlich Art und Anzahl nicht
ganz dem entsprechen, was der Bedarf erfordert, so wäre,
nach der ganzen Lösung zu urteilen, der Verfasser zweifeillos
imstande, seinen Entwurf entsprechend umzuarbeiten.
Im einzelnen wäre zu diesem Entwurf zu bemerken:
Bei Typ 1 führte der Eingang vorteilhafterweise nicht
durch die vorgesehene Laube an der Ecke des Gebäudes,
sondern wie es bei dem gleichen Typ an der Ecke der
Eugen- und Reusch-Straße bereits vorgesehen ist, in der
Mitte der seitlichen Hauswand über eine vorgelagerte
Hausstaffel direkt in das Treppenhaus. Der dadurch erzielte
Gewinn ist ein zweifacher: In praktischer Hinsicht
der, daß das eine Wohnzimmer um rund 5 qm vergrößert
und zum Eckzimmer gemacht werden kann, in künstlerischer
Hinsicht der, daß das Haus eine geschlossene Form
erhält. Die L’nterhöhlung der Hausecke durch den laubenartigen
Eingang wirkt u. E. immer ungemütlich. Ein
weiterer Voiteil der vorgeschlagenen Aenderung wäre
dann der, daß das nördlich gelegene Einzelhaus der
Gruppe an der Reusch-Straße in gleicher Weise wie das
entsprechende südliche Haus mit seinen Haupträumen gegen
Süden gelegt werden kann, statt daß diese, wie bisher
geschieht, der Symmetrie halber nach Norden zu liegen
kommen.
Das Aeußere zeugt von einer künstlerisch befähigten
Hand. Bei äußerster Einfachheit und Geschlossenheit der
einzelnen Blöcke ist die Gesamtanlage als Ganzes von
großem Reiz. Jra einzelnen dürften sich sehr ansprechende
Bilder ergeben. Da die Gestaltung der einzelnen Blöcke
durchaus gut ist, könnte der Verfasser hinsichtlich der
äußeren Ausgestaltung noch weiter gehen als bisher und
sich lediglich auf die vorteilhafte Wirkung der schön verteilten
Fenster- und Türöffnung verlassen. Alle Putzgliederungen,
namentlich auch das Gurtgesims unter den Fenstern
des Obergeschosses können ohne Schaden für die
künstlerische Wirkung, aber mit Vorteil für die Dauerhaftigkeit
und Billigkeit der Ausführung wegfallen.
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