Full text: Süd- und Mitteldeutsche Bauzeitung (1919/20)

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BAUZEITUNO 
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und Rechten aus der einen Hand in die andere geschieht 
von rechtswegen ohne besondere Bemühungen des Ein 
zelnen und kann Steuer- und lastenfrei erfolgen. Ein 
großer Vorzug gegenüber einem durch private Verhand 
lungen zustande gekommenen Grenzausgleich. 
7. Die Möglichkeit, die zweckmäßige Gestaltung von 
Bauplätzen durch zwangsweise Baulandumlegung herbei 
führen zu können, erleichtert das Zustandekommen güt 
licher Vereinbarungen. 
Selbstverständlich stehen diesen Vorteilen, wie dies 
überall der Fall ist, auch gewisse Nachteile gegenüber. 
Aber immerhin kann man sagen, daß bei sachgemäßer, 
gewissenhafter Behandlung des Ortsbauplans und des 
Umlegungsplans sowie bei einigem guten Willen der 
Grundbesitzer die Nachteile gegenüber den Vorteilen in 
den Hintergrund treten. Dies bestätigen die Erfahrungen, 
die anderwärts mit der Baulandumlegung gemacht wor 
den sind. Es dürfte deshalb die Zeit gekommen sein, ein 
Gesetz für die Baulandumlegung unserem Lande und 
seinen Städtebauern nicht länger vorzuenthalten. Ein 
solches Gesetz wird für unsere Stadtbaukunst und unser 
Siedlungswesen von Bedeutung werden, den Grundbe 
sitzern auf der einen Seite Eingriffe in ihre Eigentums 
rechte, auf der anderen Seite aber auch erhebliche Vorteile 
bringen und den Gemeinden die Gewinnung des Straßen 
landes in hohem Maße erleichtern. Gemeinden, technische 
Vereinigungen und Grundbesitzer haben deshalb allen 
Anlaß, sich mit den Fragen der Baulandumlegung vertraut 
zu machen. M. B. 
Die Kläranlage, Bauart „OMS“, für die neue 
medizinische Klinik Heidelberg. 
Von Dipl.-Ingenieur Oskar Stumpf, Karlsruhe. 
Die medizinische Klinik Heidelberg wird durch einen 
Neubau, der 340 Betten aufnehmen kann, erweitert. Das 
Abwasser dieses Gebäudes darf erst nach vorhergehender 
gründlicher biologischer Reinigung dem Neckar zugeführt 
werden. Hierfür ist eine Kläranlage von der Deutschen 
Abwasser-Reinigungs. G. m. b. H„ Städtereinigung, Wies 
baden, nach ihrem bewährten „OMS“-Verfahren in der 
nachstehend beschriebenen Weise ausgeführt worden. 
Der Kläranlage werden nur die Fäkalienabwässer zu 
geführt. Bei voller Belegschaft und einem Besuch der 
Klinik durch 200 Studenten errechnete sich bei einem acht 
stündigen Abfluß die größte sekundliche Abwassermenge 
zu rund 0,3 Sekundenliter. 
Die Abwässer werden in einem Sammelkanal von 250 
mm lichter Weite der Abwasserreinigungsanlage zuge- 
führt. Zur Ausscheidung der mechanischen Verunreini 
gungen dient ein Frischwasserklärbrunnen, Bauart und 
Patent „OMS“. während die Ausscheidung bezw, Um 
wandlung der gelösten organischen Substanzen in einem 
Tropfkörper erfolgt. (Siehe Abbildung.) 
Der Klärbrunnen, dem ein Einlaufschacht mit einem 
Grobrechen vorgeschaltet ist, hat einen lichten Durch 
messer von 3,0 m bei einer größten Wassertiefe von 2,5 m. 
Den Klärraum bildet ein allseits geschlossenes unter 
Wasser liegendes Gerinne mit an der Abdeckung und der 
Sohle befindlichen Schlitzen, das sogenannte „OMS“-Ge 
rinne. Durch die Verringerung der Geschwindigkeit im 
Absitzraum sinken die Sinkstoffe durch die Schlitze am 
Boden in den unter dem Absitzraum liegenden Sink 
schlammraum, während die Schwimmstoffe durch die an 
der Decke befindlichen Schlitze in den Schwimmschlaram- 
raum entweichen. 
Der Querschnitt des „OMS“-Oerinnes ist 0,55 qm 
groß. Die Durchflußgeschwindigkeit beträgt bei maxi 
malem Zufluß 0, 55 mra/sek. und die Aufenthaltszeit rund 
1 % Stunden. 
Der Faulraum faßt etwa 4,3 cbm, so daß er imstande 
ist, die Schlammenge von 250 Tagen aufzunehmen, wo 
bei ein Schlammanfall von 2 1 pro cbm Abwasser ange 
nommen wurde. Um die Ausfaulung des Schlammes zu 
fördern, ist eine Frischwasserzu- und Faulwasserablei- 
tung, die dem „OMS“-Brunnen typisch ist, eingebaut. 
Durch die Frischwasserzuleitung wird kontinuierlich 
Frischwasser, das zum Binden der beim Faulprozeß ent 
stehenden Salpetersäure erforderlich ist, in den Schlamm 
raum eingeführt. Durch die Faulwasserabteilung fließt 
das verbrauchte Faulwasser, ohne mit dem Frischwasser 
im Absitzraum in Berührung zu kommen, ab. Durch 
die kontinuierliche Einleitung von Frischwasser in den 
Faulraum wird erreicht, daß der Schlamm bis zu jedem 
gewünschten Grad zur Ausfaulung gebracht und der 
Faulraum in vollständiger Höhe ausgenutzt werden kann. 
Die Schlammentleerung erfolgt mittels Schlammpumpe, 
die Schlammsaugleitung ist als gußeiserne Rohrleitung 
in den Brunnen fest eingebaut. 
Aus dem „OMS„-Brunnen gelangt das Abwasser in 
die biologische Reinigungsanlage. Letztere mußte, um 
den örtlichen Verhältnissen gerecht zu werden, vollkom 
men unter Gelände gelegt werden. Sie besteht aus einem 
Tropfkörper, der aus bestbewährtem und viele Vorteile 
bietendem Lavafiltermaterial in den verschiedensten Korn 
größen aufgebaut ist, und über den die Verteilung des 
Abwassers durch Tropfrinnen erfolgt. 
Um die Wirkungsweise des Tropfkörpers sicher zu 
stellen, ist für besonders gute Belüftung gesorgt. Die 
Frischluftzuführung erfolgt durch einen besonderen Luft 
kanal, während die Entlüftung durch den Anschluß an 
das Dachabfallrohr erfolgt. 
Das von dem Tropfkörper abfließende Wasser wird in 
einer Nachklärung von den Abschwemmungen, die aus 
Abbauprodukten am Tropfkörper und von kleinen Lebe 
wesen herrühren, befreit. Der Nachklärbehälter dient fer 
ner als Desinfektionsbehälter. 
Baustoffbewirtschaftung. 
Nach dem Stand der Produktion und der Absatz 
möglichkeit erscheint der inländische Bedarf an Bau 
stoffen bis auf weiteres gedeckt. Die Bewirtschaftung 
von Zement, Ziegelwaren aller Art und Kalk ist daher 
mit sofortiger Wirkung aufgehoben worden; ebenso sind 
die Bestimmungen über Bautenprüfung (Dringlichkeits 
prüfung) bis auf weiteres außer Kraft gesetzt worden. 
Lediglich die Bestimmungen über den Handel mit Bau 
stoffen, sowie über Meldepflicht und Lagerbuchführung 
bleiben bestehen. Die z. Zt. bestehenden Höchstpreise 
für Ziegelwaren bleiben in Geltung. Zu dem Bahnver 
sand von Zement und Ziegelwaren aller Art nach außer 
halb Württembergs ist, soweit nicht eine Ausfuhrbewilli 
gung des Reichskommissars für Aus- und Einfuhr vorliegt, 
die Genehmigung der Landesbautenprüfstelle erforderlich. 
Diese Genehmigung ist unter Anschluß eines ausgefüllten 
Frachtbriefs in doppelter Fertigung bei der Landesbauten 
prüfstelle zu beantragen. Die Gestellung von Eisen 
bahnwagen für den Versand von Zement und Ziegelwaren 
nach außerhalb Württembergs setzt das Vorliegen dieser 
Genehmigung voraus. 
Der württembergische Bedarf an Zement, Ziegel 
waren und Kalk, insbesondere für den Kleinwohnungsbau 
und die Staatsbauten wird sichergestellt werden. Hiefür, 
sowie für die Ueberwachung der Preisbildung werden 
die Fachausschüsse für Zement, Ziegelwaren und Kalk
	        

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