Full text: Süd- und Mitteldeutsche Bauzeitung (1919/20)

16 /31. Okt. 1920. 
BAUZEITUNO 
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bestehen bleiben. Auch der Beirat der Landesbauten 
prüfstelle wird zunächst nicht aufgelöst werden. (Laut 
Verfügung vom 20. Okt. des Württ. Arbeitsministeriums). 
Rundschau. 
Die Technische Hochschule Aachen hat den Geheim- 
rat Peter Bruckmann (Heilbronn) in Anbetracht sei 
ner Verdienste um den deutschen Werkbund, ferner die 
Professoren Adolf Holzel und Paul Bonatz (Stuttgart) 
zu Ehrendoktoren ernannt. 
Konstanz. Die Stadt verkauft städtische Bauplätze an 
Private mit der Aufgabe, zweistöckige Wohnhäuser inner 
halb 5 Jahren zu erbauen. Für jedes Jahr der Nicht 
erfüllung der Baupflicht fällt der Käufer in eine Vertrags 
strafe. Wird das Haus nicht zu der festgesetzten Zeit 
erbaut, dann hat die Stadt das Recht, den Bauplatz zu 
80 Proz. des jetzigen Verkaufspreises zurückzukaufen. 
Eine Wohnungssteuer für Hessen. ln der am 
18. Oktober abgehaltenen Finanzkonferenz der hessischen 
Städte wurde grundsätzlich eine Wohnungssteuer be 
schlossen. Diese ist so gedacht, daß alle Wohnungs 
inhaber für jeden von ihnen bewohnten Raum, der über 
die Kopfzahl der Familie hinausgeht, eine nach der Zahl 
von überzähligen Zimmern berechnete Steuer zu ent 
richten haben. Unvermietete Zimmer sollen steuerfrei 
bleiben. Die Erträgnisse werden zur Hebung der Woh 
nungsnot verwendet. 
Horb, Württ. Es wurde hier eine Siedlungsgenossen 
schaft gegründet mit dem Ergebnis, daß 80000 Mark 
gezeichnet wurden. 
Folgen der Wohnungsnot, ln Prag wurden mit Rück 
sicht auf die Wohnungsnot die tschechoslowakischen 
Studenten aufgefordert, Häuser selbt zu erbauen. Der 
Verband der Studentenschaft wird in diesem Monat noch 
ein großes Holzgebäude fertigstellen. Die Studenten 
werden selbst daran arbeiten. Die Gemeinde gibt das 
Grundstück und die elektrische Beleuchtung. 
Bund Deutscher Architekten, ln einer außerordent 
lichen, gut besuchten Bezirksversammlung verhandelten 
in Eßlingen die württ. freischaffenden Architekten über die 
trostlose Lage im Baugewerbe. Als Ursache wurde fest 
gestellt, daß die reichsgesetzlichen Mieterschutzbestim 
mungen eine private Bautätigkeit nachgerade verbiete. 
Trotz Baustoffüberschuß und trotz Ueberschusses an Ar 
beitskräften könne niemand gefunden werden, der das 
Finanzrisiko zui Schaffung von Wohnstätten trage. Staat 
und Gemeinden seien mit Mitteln aber nicht so gesegnet, 
um auch nur annähernden Ersatz bieten zu können. Und 
während so die Bauwirtschaft ihrem Ruin entgegengehe, 
steigere sich die Wohnungsnot ins Unermessene. Auf 
diesem trostlosen Höhepunkt sei nunmehr unsere Woh 
nungspolitik angelangt, und es bedürfe grundlegender 
Aenderungen seitens der Reichsregierung, wenn sie dem 
Wohnungselend noch rechtzeitig steuern wolle. Auch 
die vorgesehene Wohnsteuer bilde nur einen Troofen auf 
einen heißen Stein. Nach Friedenspreisen wäre die Miet 
steuer von 80 Wohnungen nötig, um das Baukapital für 
eine Wohnung aufzubringen. 
Heutzutage hätten wir jedoch 12fach gesteigerte Bau 
kosten, es sei also die Mietsteuer von 12 mal 80 gleich 
960 Wohnungen nötig, um eine neue Wohnung beschaffen 
zu können. Beschlossen wurde, daß der Bund einheitlich 
bei der Reichsregierung vorstellig werden soll, daß für 
w ohnbauzwecke erhöhte Zuschüsse bereit zu stellen seien, 
die insbesondere auch für Private erhältlich und jeweils 
so hoch sein müsen, daß ein natürlicher Ausgleich gegen 
über dem Mieterschutzeingriff geschaffen ist. Einem An 
trag der Ortsgruppe Eßlingen wurde weiter pntspmchen 
und beschlossen, daß beim Arbeitsministerium ange 
strebt werden soll, daß die Verfügung über die Vergebung 
von Bauarbeiten an Innungen bei Staats- und Gemeinde 
bauten aufgehoben werde. 
Württ. Ingenieurverein. In der Sitzung vom 14. Okt. 
hielt Herr Dr. Rosenstock einen mit viel Beifall aufge 
nommenen Vortrag über das Auftreten der Psy 
cho t e c h n i k. Er schilderte eingehend und anschau 
lich das Wesen dieser während des Krieges viel ange 
wandten und seit 1918 in der Oeffentlichkeit außerordent 
lich oft als soziales Hilfsmittel erster Ordnung gepriesenen 
Methode, welche anstrebt, die Eigenschaften und die 
Fähigkeiten, die der einzelne Mensch für bestimmte Berufe 
besitzen soll, ziffernmäßig zu messen. Durch Ueber- 
legung und an Hand der bis jetzt vorliegenden Erfahrun 
gen zeigt er, daß dieses Vorgehen mit den bis jetzt ge 
schaffenen Einrichtungen zwar im Kriege ein wertvolles 
Hilfsmittel für die Industrie und die Heeresverwaltung war 
(Auslese für Kraftfahrer, Flieger usw.), nicht aber unter 
den jetztigen Verhältnissen allgemein anwendbar sei. Das 
Verfahren möge zur Zeit so weit ausgebildet sein, daß 
angelernte Arbeiter nach bestimmten körperlichen Fähig 
keiten ausgewählt werden können. Unbrauchbar, ja ge 
radezu gefährlich müsse es aber bezeichnet werden in be 
zug auf die Auswahl von Lehrlingen. Denn bei diesen 
handle es sich nicht um Menschen, die bestimmte Berufs 
eigenschaften besitzen, sondern diese erst erlernen sollen. 
An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussnrache, an 
der sich die Herren Utzinger, R. Baumann, Häbich, Ro 
senstock und Riebensahm beteiligten. Dabei wurde nach 
drücklich vo r der Berufsberatung durch besondere staat 
liche Stellen gewarnt. 
Verefnsmitteilungen. 
Verein staatl. gepr. bad. Baumeister e. V., Karlsruhe, 
Geschäftsstelle: Lachnerstraße 13. Bericht über die Lan 
desversammlung am 24. und 25. Juli in Karlsruhe. Am 
24. Juli fanden in den Räumen des Restaurants „Krokodil“ 
getrennt d ! e Hauptversammlungen der techn. Beamten der 
Bezirksbauinspektionen, der Baukontrolleure und der mitt 
leren techn. Eisenbahnbeamten statt. Die einzelnen Ver 
sammlungen, die sehr zahlreich besucht waren, befaßten 
sich u. a. hauptsächlich mit den Fragen der Besoldungs 
reform und wurde überall mit aller Entschiedenheit und 
Schärfe gegen die teilweise ungerechte, niedere Einstu 
fung der mittleren Techniker protestiert. Ara darauffol 
genden Sonntag, den 25. Juli, fand dann die Generalver 
sammlung des Vereins staatl. gepr. bad. Baumeister in 
dem großen Saale des obengenannten Restaurants statt. 
Anwesend waren über 200 Mitglieder von allen Bezirken 
des Landes. Der 1. Vorsitzende, Herr Kollege Frischmuth, 
eröffnete um 10 Uhr vormittags die 21. außerordentliche 
Landesversammlung und begrüßte die anwesenden Mit 
glieder, sowie die Vertreter des Tiefbauwerkmeisterver 
eins, des Maschinenbauvereins und des Studierenden- 
Ausschusses vom hiesigen Staatstechnikum. Sodann gab 
er in gewandter kurzer Form einen Rückblick über das 
abgelaufene Geschäftsjahr und die Vereinstätigkeit, kenn 
zeichnete die gegenwärtige Lage hinsichlich der Titelfrage 
und hob die zukünftigen Kämpfe und Notwendigkeiten 
hervor. Hierauf erhält der Schriftführer, Herr Kollege 
Schucker, das Wort, welcher weitere Ausführungen über 
das vergangene Jahr macht und bekannt gibt, daß im 
Laufe -des Jahres 68 Vorstandssitzungen, sowie 7 Ver 
sammlungen im Bezirk 111 stattgefunden haben. Er er 
innert daran, daß noch eine große Anzahl Fragebogen 
in den einzelnen Bezirken ausstehen und es daher nicht 
möglich war, ein neues Mitgliederverzeichnis herauszu 
geben. ln der anschließenden Aussprache über vorge 
nannte Punkte beteiligten sich die Kollegen Dörfler und 
Läuser. Sodann erstattete der Kassier, Herr Kollege Fluh-
	        

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