Full text: Süd- und Mitteldeutsche Bauzeitung (1919/20)

1./15 Nov. 1920, 
BAUZEITUNQ 
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deren Wirkung besonders segensreich in Erscheinung tre 
ten wird, ist aas Verbot der Erker, Altane, Baikone und 
dergleichen. Nur aus architektonischen Gründen, oder wo 
sie zur Belebung des Straßenbildes dienen, sollen sie zu 
gelassen sein. 
Sind so im einzelnen Bestimmungen getroffen, die, 
wenn sie auch nicht alle unmittelbar dem Bedürfnis nach 
Besserung in ästhetischer Hinsicht entsprungen sind, doch 
geeignet erscheinen, aus den Zeiten des Ungeschmacks 
der vergangenen Jahre herauszuführen, so trifft dies in 
höherem Maß noch auf die Bestimmungen allgemeiner 
Art zu, die sich mit dem Gebäudeäußern beschäftigen. -- 
In Verbindung mit Art. 98 der BO. ordnet die Ortsbau 
satzung an (§ 69), daß „Neubauten oder bauliche Aende- 
rungen im Bereich eigenartiger, näher bezeichneter Orts-, 
Straßen- oder 1 andschaftsbilder sich bei Wahrung ihrer 
künstlerischen Selbständigkeit dem bestehenden Gesamt 
bild harmonisch einfügen sollen.“ — Von allen Gebäuden, 
welche von öffentlichen Wegen aus sichtbar bleiben, wird 
verlangt (§ 70), daß ihre Außenseiten ein, der Zweck 
bestimmung des Bauwesens entsprechendes und, „soweit 
es ohne namhaft; Steigerung der Baukosten möglich ist, 
ein ihrer Umgebung angemessenes, gefälliges Aeußere 
nach Baustoff, Form und Farbe erhalten.“* § 71 stellt so 
dann diese Anforderung nicht nur an das Einzelbauwesen, 
sondern fordert darüber hinaus für besonders genannte 
Straßen „ein künstlerisches, eindrucksvolles Gesamtbild, 
und, wenn ein Schaubild durch die Gemeindekollegien 
festgestellt werden sollte, Anpassung an dieses; auch soll 
in diesem Fall, wenn geschlossene Bauweise vorgesehen 
ist, das Zusammenbauen verlangt werden können.“ — 
Außerdem wird die Anbringung von Reklamen aller Art 
an Gebäuden der behördlichen Begutachtung unterworfen. 
Obwohl nun diese Vorschriften die gesetzliche Hand 
habe bieten, wenn es not tut, einzugreifen gegen grobe 
Verletzungen ästhetischer Gebote, so kommt doch gerade 
hier alles auf den Vollzug an. Die besten Verordnungen 
auf diesem Gebiet nützen nichts, wenn nicht die Exekutiv 
organe selbst künstlerisches Verständnis in reichstem Maß 
besitzen. Es ist daher für jede Stadtverwaltung, die sich 
des kulturellen Einflusses, den die baupolizeiliche Tätigkeit 
auf das Werden der Stadt auszuüben vermag, bewußt ist, 
dringendes Gebot, ira Baupolizeidienst Beamte anzustel 
len, welche über ein mehr als durchschnittliches künstle 
risches Können verfügen. Für den Beamten, der mit der 
Begutachtung der Baugesuche betraut ist — in Stuttgart 
der Ortsbautechniker des inneren Dienstes —, genügt es 
nicht, lediglich kritisch das Gute vom Schlechten unter 
scheiden zu können, er muß schöpferisch begabt sein, er 
muß dem Bauherrn oder Baumeister sagen, besser noch 
zeigen können, wie der Entwurf geändert werden kann; 
damit ein künstlerisch wertvolles Bauwesen entstehe, „zu 
des gemeinen Nutz und Zier“, wie schon die württ. Bau 
ordnung vom Jahr 1568 verlangt, daß gebaut werden soll. 
Damit fällt der Baupolizei von selbst eine Aufgabe zu, die 
ihr recht eigentlich gebührt: Die Bauberatung. Es 
ist freilich eine leidige Tatsache, daß der Bauende bislang 
in der Baupolizei seinen größten Feind glaubte erblicken 
zu müssen, lediglich dazu da, ihn zu schikanieren, ebenso 
wahr ist auch, daß die seitherige häufig nur negativ wir 
kende Tätigkeit der Bauoolizeibehörde meist nicht dazu 
angetan war, diese Auffassung zu mindern oder ganz, 
zu beseitigen. Der Ortsbautechniker will und soll 
aber nicht der gefürchtete Schutzmann, sondern der Freund 
und Berater des Bauenden sein, er muß aber auch als 
solcher anerkannt werden. Nur vertrauensvolle Zusam 
menarbeit von Behörden und Baumeistern bietet die Mög 
lichkeit, die schweren Schäden, welche die Bauweise der 
vergangenen Jahre beinahe allerorts zugefügt, zu 
mildern, und mählich den wiedererwachten künstlerischen 
Sinn zu einer fruchtbaren, besseren ästhetischen Kultur 
zu entwickeln. 
Eines allerdings muß auch vom Baumeister verlangt 
werden, ohne das kein Vertrauen und daher keine Besse 
rung möglich: eine „vornehmere Gesinnung“. Der 
Nutzen darf nicht mehr oberstes Leitmotiv sein. Mit Liebe 
und Freude schaffe der Baumeister jedes einzelne seiner 
Werke, als Denkmal seines Könnens, er vergesse aber 
nicht, daß künstlerische Vollendung nur erreicht wird 
durch harmonische Einordnung ins Ganze, in die Wand 
fläche der Baugruppe wie ins Stadtbild, und daß er in 
dieser Hinsicht vom berufenen „Baukunstwart“, dem Orts 
bautechniker sich manchesmal wird leiten lassen müssen, 
ohne deshalb seiner künstlerischen Selbständigkeit allzu 
schwere Opfer bringen zu sollen. 
Burkhardt, Dipl.-Ing. 
Fonnrahmen zur Herstellung von Kunststeinen. 
Die durch den Bau von schmiedeeisernen Fenstern 
wohl bekannte Firma R. Zimmermann, Fensterfabrik, 
Bautzen, die älteste Spezialfabrik schmiedeeiserner Fen 
ster, hatte auf der letzten Baumesse in Leipzig neben 
ihren sonstigen Erzeugnissen als Neuheit Formrah- 
m e n D.R.P. zur Herstellung von Bausteinen aller Art, 
wie Zement-, Hohlblock-, Schlackensteinen, Fenstergewän 
den, Treppenstufen usw. ausgestellt. 
Diese Formrahmen stellen nun eine ganz bedeutende 
Neuerung und Verbesserung gegenüber den bisher ge 
bräuchlichen Formkästen dar, so daß es angebracht er 
scheint, diese einer besonderen Besprechung zu unter 
ziehen. Bisher mußte nach dem Stampfen des Steines der 
Formrahmen, um ihn vom Stein zu lösen, entweder aus 
einandergeklappt oder -geschraubt werden. Durch das 
Auseinandernehmen und Wiederzusammensetzen der 
Form entsteht aber ein großer Zeitverlust, auch wird 
hierbei leicht der frisch gestampfte Stein beschädigt. 
Diese Nachteile beseitigt der patentierte Zimmermann- 
sche Fonnrahmen. Durch einfaches Auf- oder Nieder 
bewegen der Handgriffe wird die Form geöffnet oder ge 
schlossen. Fs sind also weder Hammer, Zange, Schrau 
ben, noch Mutterschlüssel dazu nötig. Das Arbeiten mit 
dem Formrahmen gestaltet sich dadurch sehr einfach. Der 
Formiahmen wird, sofern die Steine nicht auf Bretter 
unterlagen zu stampfen sind, dort auf ebenem Boden ge 
setzt, wo die fertigen Steine abbinden und trocknen sollen. 
Abbildung !. 
Die Handgriffe am Formrahmen werden hinuntergedrückt 
wodurch die Form fest geschlossen wird. Das Stampfen 
kann dann beginnen. Sollen Hohlblöcke oder Steine von 
besonderer Form hergestellt werden, so sind die Kerne 
noch vorher einzusetzen. Sie können von oben, von 
unten oder von der Seite eingelegt werden. 
Ist der Stein fertig gestampft, so werden die Kerne 
herausgezogen. Hierbei kann der vollgestampfte Form 
rahmen, ohne daß er sich öffnet, auch gewendet werden, 
wenn das Herausnehmen besonderer Kerne dies bedingt. 
Durch Heben der Handgriffe lösen sich alle vier Wände 
des Formrahmens gleichzeitig vom Stein, so daß der 
Formrahmen, ohne den stehenbleibenden Stein zu be 
rühren, abgehoben werden kann. Er wird an der Stelle 
wieder niedergesetzt, wo der nächste Stein gestampft wer 
den soll.
	        

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