Full text: Süd- und Mitteldeutsche Bauzeitung (1919/20)

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BAUZEITUNG 
Nr. 9/10 
Vermieter die während des Krieges gestundeten Mieten?” 
Der Vorsitzende, Dr. Eddelbüttel, beantwortete die Frage 
dahin: Die Bundesratsverordnung vom 4. August 1914 
habe keine Giltigkeit mehr. Es sei aber nicht bekannt, von 
welchem Zeitpunkte an die Hemmung eines gerichtlichen 
Verfahrens gegen Kriegsteilnehmer aufgehoben sei, oder 
aufgehoben werde, denn wir hätten zwar immer noch 
keinen Frieden, aber die aus dem Felde zurückgekehrten 
Soldaten seien heute auch keine Kriegsteilnehmer mehr. 
Dann komme es auch darauf an, unter welchen besonderen 
Bedingungen die Stundung gewährt worden sei. Die wirt- 
schaftlichenVerhältnisse seien heute schlimmer als während 
des Krieges, aber trotzdem werde man rechtlich an seine 
Schuldner herantreten können. Bei den hohen Löhnen, die 
jetzt überall bezahlt werden, werde das in den meisten 
Fällen auch von Erfolg sein. Eine Verjährung trete erst 
naih vie r fahren ein. 
Siedlungsgesellschaft des Kreises Heidelberg. Fast 
alle Gemeinden des Bezirks Heidelberg und des damit ver 
bundenen Amtsbezirks Wiesloch sind dej^zu bildenden 
Siedlungsgesellschaft beigetreten. Die Gründung der Ge 
sellschaft wird demnächst erfolgen. Die Gesamtzeich 
nungen belaufen sich auf M. 923 000. Einige Gemeinden, 
und das ist sehr wesentlich, bringen auch Baugelände in 
die Gesellschaft ein. Der Bedarf an Wohnungen im Bezirk 
dieser neuen Siedlungsgesellschaft beläuft sich auf etwa 
1000 neue Wohnungen. 
Eine bedenkliche Massnahme zur Behebung der Woh 
nungsnot. Die städtischen Kollegien in Osnabrück be- 
wiligten 55 000 Mark für die Einrichtung von 63 Notwoh 
nungen in verschiedenen Schulgebäuden. Diese sollen 
schon am 1. April bezogen und während des Sommers be 
nutzt werden. Man hofft im Herbst durch Neubauten so- 
viele Wohnungen zur Verfügung zu haben, dass die Schul 
räume wieder freigegeben werden könen. Den Erforder 
nissen des Schulunterrichts soll durch Zusammenlegung 
der Klassen und durch erweiterte Ausnutzung der Tages 
stunden Rechnung getragen werden. 
Brennstoff aus Zellstoffabwässern. Nachdem man 
schon vor zwei Jahren in Schweden mit Erfolg versucht 
hat, aus der Sulfatlauge der Zellstoff-Fabriken einen festen 
Brennstoff zu gewinnen, soll dies Verfahren jetzt, wie der 
„Prometheus” mitteilt, in grösserem Umfange probiert 
werden. In Norwegen, das keine eigene Kohlenerzeugung 
besitzt, sind die Kohlenpreise so ausserordentlich hoch, 
dass man einen Ersatzbrennstoff selbst bei hohem Preise 
noch dringend braucht. Es wird in Greeacker bei Frede- 
rikstadt eine grosse Zellstoffabrik errichtet, mit der eine 
Fabrik zur Herstellung eines festen Brennstoffes aus der 
Abfallauge verbunden sein wird. Die Fabrik soll jährlich 
24 000 Tonnen Zellstoff erzeugen, wobei sich etwa 140 000 
Tonnen Abfallauge ergeben würden. Davon soll vorläufig 
ein Drittel zu Brennstoff umgewandelt werden. Die Um 
wandlung erfolgt nach der Methode des schwedischen 
Ingenieurs Strehlenert, die neuerdings noch bedeutend 
verbessert ist, insbesondere in der Richtung, dass die Um 
wandlung in festen Brennstoff ohne den Gebrauch von 
Schwefelsäure möglich ist. 
Verelnsmitteilungen. 
Württembergischer Baubeamten-Verein. Am 2. März 
d. J. fand im Vereinszimmer in Stuttgart die erste Aus 
schußsitzung in diesem Jahre statt. Anwesend waren 
8 Ausschußmitglieder und einige Gäste. In seiner Be 
grüßungsansprache gab der Vorsitzende seinem Bedauern 
Ausdruck, daß so viele Ausschußmitglieder teils durch 
die schlechten Verkehrsverhältnisse, teils durch Krankheit 
abgehalten waren, der heutigen Sitzung beizuwohnen. Den 
erkrankten Ausschußmitgliedern wünschte er baldige Ge 
nesung. Sodann wurde die Verhandlungsschrift der letzten 
Ausschußsitzung verlesen und über deren Beschlüsse be 
richtet. Der Vorsitzende gedachte in warmen Worten 
der seit der letzten Ausschußsitzung vom Leben abge 
rufenen Mitglieder; Oberamtsbaumeister a. D. Claus in 
Calw, Staatsstraßenmeister Wenger in Heidenheim und 
Bauamtswerkmeister Heckei in Stuttgart, und gab sodann 
den umfangreichen Einlauf bekannt. Aus demselben ist 
zu entnehmen: Auf eine Eingabe an die Gebäudebrand 
versicherungsanstalt wegen Berücksichtigung der geprüf 
ten Bauwerkmeister bei Aufstellung von Schätzern und 
Hilfsschätzern ist eine zusagende Antwort eingelaufen. 
In Gemeinschaft mit dem Bauwerkmeisterverein wurde 
eine Eingabe an das Ministerium des Innern wegen Er 
höhung der Gebühren der Wasserbautechniker zur Vor 
lage gebracht. Neu aufgenommen in den Verein wurden 
4 Mitglieder. Den Austritt aus dem Verein haben 2 Mit 
glieder erklärt. Der Vorsitzende berichtete sodann über 
den Stand der Angelegenheit „Bildung eines Beirats an 
der Baugewerkschule“ und über den Verlauf der Pro 
testversammlung im Kunstgebäude am 23. Februar d. Js. 
Der stellvertretende Vorstand Burkhardt berichtete in 
ausführlicher Weise über die Tätigkeit des Verbands 
techn. Vereine Württembergs; der Beitrag an diesen 
Verband soll erst bei der nächsten Mitgliederversamm 
lung festgestellt werden. Ausschußmitglied Krassel be 
richtete ebenso eingehenderweise über die regeTätigkeitdes 
Staatsbeamtenverbands. Diesen beiden Vertretern des Ver 
eins bei diesen Verbänden wurde durch den Vorsitzenden 
der herzliche Dank des Vereins zum Ausdruck gebracht, 
auch wurden dieselben gebeten, den Verein in bisheriger 
erfolgreicher Weise weiterhin vertreten zu wollen. Auf 
Ersuchen des Verlags der Süd-und Mitteldeutschen Bau 
zeitung wurde der Bezugspreis ab 1. Jan. d. J. um 20% 
erhöht. Die nächste Mitgliederversammlung soll am 4. Mai 
d. J. in Stuttgart stattfinden, vorher aber soll eine kurze 
Ausschußsilzung abgehalten werden. Der nun vom Kassier 
zum Vortrag gebrachte Rechenschaftsbericht fand allseitig 
Zustimmung und soll derselbe mit dem ebenfalls vorge 
tragenen Voranschlag pro 1919 vervielfältigt nnd mit der 
Einladung zur Mitgliederversammlung an alle Mitglieder 
versendet werden. Eine Aenderung des § 11 der Satz 
ungen soll bei der Mitgliederversammlung beantragt 
werden, weitere Anträge für dieselbe sind bis längstens 
1. April d. J b£im Vorstand einzureichen. Weiter wurde 
angeregt, daß von den Mitgliedern nunmehr wieder kräftig 
für den Verein geworben werden soll, auch sollten sich 
dieselben wegen der Wahl eines Vorstandes vor der 
Mitgliederversammlung verständigen, da der bisherige 
langjährige Vorstand eine Wiederwahl nicht mehr annimmt. 
Württembergischer Baubeamten-Verein. Etwaige An 
träge für die am 11. Mai d. J. stattfindende Mitglieder 
versammlung sind längstens bis 1. April d. J. dem Ver 
einsvorstand schriftlich zuzusenden. 
Bücher. 
„Zur physiologischen Mechanik der Wünschelrute“ 
ist das 8. Heft der Schriften des Verbands zur Klärung der 
Wünschelrute (Verlag Konrad Witwer, Stutt 
gart, Preis Mk. 2.40) betitelt und hat Dr. med. H. 
Haenel, Dresden, zum Verfasser. Ein Mediziner also, 
nicht etwa ein Physiker, unternimmt es, nachzuweisen, 
daß es sich mit der Wünschelrute um eine Sache des ge 
sunden Menschenverstandes handelt und nichts mit Okkul 
tismus und Spiritismus zu tun hat. Seine sachlichen, ver 
ständlichen Darlegungen, wozu ihm auch die Erfahrungen 
im Felde zu Gebote stehen, sind geeignet, dazu beizu 
tragen, die Rute von dem Geheimnisvollen zu entkleiden, 
als solches sie von vielen noch angesehen wird. In einem 
Anhang gibt der Verfasser seine Beobachtungen an dem 
Rutengänger Donath bekannt, einem 25jährigen Kanonier, 
von Beruf Steinsetzer. Die Geschichte dieses Ruten 
gängers ist lehrreich und seine ausgesprochenen Fähig 
keiten als Sucher haben sich im Felde als sehr wertvoll 
erwiesen. 
Verantwortlich : Karl Schüler, Stuttgart. Druck Gustav Sturmer in Waiblingen
	        

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