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BAUZEITUNG 
Nr. 14/15 
treten sein. Die Tapetenindustrie macht sich ebenfalls 
die Messe umfangreich zunutze, und zwar in Form einer 
Kollektivausstellung. Die Beleuchtungskörper Indu 
strie mußte sich infolge der veränderten Rohmaterialbe 
schaffung umstellen; sie wird ihre neuen Erzeugnisse 
gleichfalls zur Vorführung bringen. 
Zur Baustoffherstellung gehört die große Zahl von 
Firmen für Fabrikations- und Industriebedarf, in Form 
maschineller Einrichtungen für die Baustoffindustrie. 
Trotz ihrer Vielseitigkeit vermag naturgemäß die Bau 
messe nicht alles zu umfassen, was für das Baugebiet 
in Frage kommt. Hier bildet eine wertvolle Ergänzung 
die sog. Baubörse, eine Vermittlungsstelle zwischen 
Nachfrage und Angebot für alles, was auf der Baumesse 
nicht ausgestellt, aber laut bei der Baubörse vorliegender 
Meldung irgendwo zu haben ist. 
Da auf der Baumesse auch die Baugestalfung ver 
treten ist, so ist hierfür eine Sonderabteilung vorbild 
licher Entwürfe und Modelle von Kleinwoh- 
nungs- Industrie-und Geschäftshausbauten ein 
gerichtet. 
Verfügung des Ministeriums des Innern betr Gewährung 
von Baukostenzuschüssen für Wohnungsbauten. 
Der Bundesrat hat am 31. Okt. 1918 die Bestimmungen über 
die Gewährung von Baukostenzuschüssen aus Ruchsmittelu 
festgesetzt und der Bereitstellung von 100 Millionen als erster 
Rate des zur Abbürdung der Baukostenüberteuerung bei Woh 
nungsbauten für die minderbemittelte Bevölkerung, sowie des 
notleidenden Mittelstandes vorgesehenen Gesamtbetrages von 
500 Millionen Mark zugestimmt. Laut Mitteilung des Staats 
sekretärs des Reichsarbeitsamts vom 26. Nov. 1918 haben sich 
die Vorsitzenden des Rats der Volksbeauftragten mit diesen Be 
stimmungen und mit der Bezahlung der ersten Rate von 100 
Millionen Mark einverstanden erklärt. 
Die Provisorische Regierung Württembergs hat zur Förder 
ung der Wohnungsbautätigkeit ihrerseits beschlossen, von der 
vom Reiche nicht übernommenen Hälfte der Baukostenzuschüsse 
zwei Sechstel von dem zu ersetzenden Gesamtaufwand auf 
württ. Staatsmittel zu übernehmen unter der Voraussetzung, dass 
der Rest — ein Sechstel — von der Gemeinde gedeckt wird. 
Im Einvernehmen mit den zuständigen Ministerien werden 
hiermit im Anschluss an die Bestimmungen des Bundesrats für 
die Gewährung von Baukostenzuschüssen aus Reichsmitteln zur 
Durchführung des Beihilfeverfahrens folgende Vollzugsvor 
schriften erlassen: 
A. Für Dauerbauten: 
1. Die Zuschüsse aus Staatsmitteln werden nur zusammen 
mit den Baukostenzuschüssen aus Reichs und Gemeindemitteln 
von Fall zu Fall nach freiem Ermessen des Ministeriums des 
Innern an Gemeinden, gemeinnützige Bauvereine und private 
Bauunternehmer gewährt, jedoch nur für die Errichtung solcher 
Klein- und Mittelwohnungen, deren Erstellung nicht der Qewinu- 
erzielung aus künftiger Steigerung des Verkaufs- oder Vermiet 
preises dienen soll und die den Voraussetzungen der vom Bun 
desrat erlassenen Bestimmungen entsprechen. Vergl. Anl. I. 
Als Gemeinden gelten auch Kommunalverbände, als private 
Bauunternehmer auch private Bauherren. Als „Kleinwohnungen” 
im Sinne der Vorschriften sind in der Regel Wohnungen von 
nicht mehr als drei Wohnräumen nebst Küche, als „Mittelwoh 
nungen” solche mit vier Wohnräumen nebst Küche zu verstehen. 
Auf besondere Verhältnisse des einzelnen Falles ist möglichst 
Rücksicht zu nehmen, insbesondere kann, wenn es sich plan- 
mässig darum handelt, den Bedürfnissen kinderreicher Familien 
zu entsprechen, die Raumhöchstzahl für einzelne Wohnungen 
unter Berücksichtigung der örtlichen Gewohnheiten höher an 
gesetzt werden. Das Ministerium des Innern bestimmt die 
Wohnungsnotgebiete und im Bedarfsfall die Höchstzahl der in 
ihnen mit Hilfe von Baukostenzuschüssen zu erbauenden Woh 
nungen. 
2. Die Gemeinde kann mit Genehmigung des Ministeriums 
des Innern für die Gewährung der Baukostenzuschüsse allge 
meine und falls notwendig, für den einzelnen Fall noch besondere 
Bedingungen festsetzen. Bei der Prüfung der Gesuche um Ge 
währung von Baukostenzuschüssen ist das Bauvorhaben auch 
nach, der bau- und wohnungstechnischen Seite zu prüfen. Un 
genügend — insbesondere auch hinsichtlich ihrer äusseren Ge 
staltung unzulänglich — bearbeitete Bauprojekte sind von der Ge 
währung der Baukostenzuschüsse auszuschliessen. Steht dem 
Bauherrn kein genügend durchgebildcter Fachmann zur Ver 
fügung, so ist ihm anheimzugeben, das Gesuch der dem Arbeits 
ministerium unterstelltenBeratungsstelle für das Baugewerbe zur 
Ueberarbeitung zu überweisen. 
3. Bei Bauvorhaben, die nach ihrer Lage den Arbeitern und 
Angestellten einzelner Arbeitgeber zugute kommen, sind diese 
an der Aufbringung des Zuschußanteils der Gemeinde im Wege 
freier Vereinbarung mit angemessenen Leistungen zu beteiligen. 
Ist nach Ansicht des Ministerium des Innern die Beteiligung 
der Arbeitgeber ungenügend, so können die Baukostenzuschüsse 
verweigert oder herabgesetzt werden. Bei sog. Werkwohnungen 
fiindet eine Abbürdung der Baukostenzuschüsse aus Reichs- und 
Staatsmitteln nicht statt. 
4. Für die Berechnung der Baukostenüberteuerung sind für 
Württemberg beide in den Bestimmungen des Bundesrats vor 
gesehenen Berechnungsarten zulässig. Die endgültige Ent 
scheidung darüber, welche Berechnungsart anzuwenden ist, steht 
in jedem Falle dem Ministerium des Innern zu. 
5. Bei Berechnung der Baukostenzuschüsse unter Zugrunde 
legung der Berechnungsart II 2 a kommen folgende Be 
stimmungen in Betracht: 
a) Der Bauaufwand, der für einen Neubau gleicher Art und 
Beschaffenheit nach Eintritt dauernder Verhältnisse voraus 
sichtlich erwachsen wird, ist unter Berücksichtigung der 
örtlichen Verhältnisse zu schätzen.
        

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