Full text: Süd- und Mitteldeutsche Bauzeitung (1919/20)

1./15. Mai 1919. 
BAUZEITUNG 
51 
Viertens. Die Belastungsziffer kann auch so weit 
sinken, daß der Stauraum nur noch der Tagesakkumulie 
rung entsprechend zu bemessen ist, dies tritt ein, wenn 
f - Q wW und ß , - §§ - 0,255 
d. h. wenn täglich nur 6.1 Stunden gearbeitet würde. 
Der Stauinhalt müsste sein 
V = /O*?? o,22) (24-6,1) 3 600 = 29800 cbm 
''0,255 
Trägt man diese Werte 1—4 in ein rechtwinkliges 
Achsensystem ein vergl. Bild 111, auf der Abzissenachse 
die jeweilige Werksbelastungsziffer ß und auf den Ordi- 
naten die entsprechende Stauinhalte so erhält man ein 
Diagramm, welches für jede Belastungsziffer den jeweilig 
erforderlichen Wasservorrat abgreifen läßt. 
Wettbewerb für eine Kleinhaus-Siedelung 
in Heilbronn. 
Der Heilbronner Wohnungsverein hatte im Dezember 
1918 die Heilbronner und einige auswärtige Architekten 
zu einem Wettbewerb für eine Siedelung eingeladen und 
folgende Richtlinien dafür aufgestellt: 
Die Anordnung der Gebäude und Straßen innerhalb 
des Baublocks wird dem Architekten überlassen, wobei 
jedoch die baupolizeilichen und ortsbaustatutarischen 
Vorschriften zu beachten sind. Geschlossene Bauweise — 
mit bis zu 5 Häusern in einer Reihe - wird neben einzel 
stehenden Doppelhäusern für zulässig erklärt. Die Ein 
streuung einiger Einfamilienhäuser mit Gärtchen soll nicht 
ausgeschlossen sein. Privatstraßen im Innern des Bau 
blocks können kleinere Vorgärtchen erhalten. Die Ge 
bäude sollen im allgemeinen 2 Stockwerke enthalten mit 
3 Zimmer- und 2 Zimraerwohnungen; jede Wohnung mit 
Gärtchen von 75—100 qm. Das Verhältnis der 3 Zimmer- 
zu den 2 Zimmerwohnungen soll etwa 1 ; 4 betragen. Jede 
2 Zimmerwohnung muß eine gegipste Schlafkammer im 
Dachstock erhalten; auch für die 3 Zimmerwohnungen ist 
eine solche Kammer angenehm. Die Bodenfläche der 
Zimmer soll bei den 3 Zimmerwohnungen zusammen etwa 
50 qm, bei den 2 Zimmerwohnungen zusammen etwa 35 
qm betragen. Bei den 2 Zimmerwohnungen ist eine Wohn 
küche von 13—14 qm vorzusehen; auch bei den 3 Zimmer 
wohnungen sind solcheWohnküchen nicht ausgeschlossen. 
Gewöhnliche Küchen müssen 8—10 qm Bodenfläche habe. 
Außerdem muß jede Wohnung enthalten: Glasabschluß, 
einen Abort innerhalb desselben, wenn tunlich eine Küche 
veranda, im Untergeschoß einen Brennstoffraum und ei 
nen Kellerabteil. Der Dachstock soll einen gemeinschaft 
lichen Waschtrockenraum enthalten. In den Küchen Spül 
einrichtung, Herd (mit Nebenplatz für einen Gasherd) 
und Speiseschrank mit guter Lüftung. Die Beheizung der 
Zimmer erfolgt durch Oefen; 2 Zimmer jeder Wohnung 
müssen heizbar sein. Bei den 2 Zimmerwohnungen muß 
jedes Zimmer eine Türe nach dem Vorplatz haben; bei den 
3 Zimmerwohnungen gilt dies für mindestens 2 Zimmer, 
wenn irgend möglich für alle 3. Die Stockwerkshöhe im 
Licht in allen Stockwerken 2,60 m. Ferner wird ge 
wünscht, den Dachstock nach Möglichkeit auszubauen, 
teils um die gegipsten Schlafkammern für die unterenWoh- 
nungen, teils um eine gewisse Anzahl kleiner selbständiger 
Wohnungen von 2 Zimmern nebst Zubehör zu gewinnen. 
Bei diesen Dachstockwohnungen sollte, wenn möglich, 
der Abort innerhalb der Olastüre sein; eine Kammer wird 
nicht zugeteilt, ebenso kein Gärtchen, aber Brennstoffraum 
und Kellerteil. Die Schlafkammern und die Dachstockwoh 
nungen können nebeneinander bestehen. Das Treppenhaus 
kann in die Mitte des Hauses gelegt werden. Ferner sind 
vorzusehen: eine Kleinkinderschule mit Spielplatz, ein 
Kaufladen, eine Bäckerei, eine Metzgerei. Alle sollen so 
liegen, daß sie nicht nur für die Bewohner des Baublocks, 
sondern auch für die Umgebung leicht erreichbar sind. Im 
Uebrigen werden Wohnungen gewünscht, welche in der 
Anordnung und Ausstattung unter Verwendung guter 
Baustoffe und Konstruktionen schlicht und einfach, aber 
behaglich und zweckmäßig sein sollen, wobei eine mög 
lichst niedere Miete bei ausreichender Verzinsung des An 
lagekapitals anzustreben ist. Beim ganzen Baublock sind 
nur Mietwohnungen vorgesehen, keine Häuser zum Ver 
kaufen. 
Verlangt werden: 1 Lageplan im Maßstab 1 :500; 
Grundrisse und geometrische Ansichten der Gesamtanlage 
im Maßstab 1 : 200; Grundrisse der einzelnen Wohnungs- 
.typen, Teilansichten und Schnitte mit eingeschriebenen 
Maßen im Maßstab 1 : 100; eine Berechnung des gesamten 
umbauten Raums nach cbm in prüfungsfähiger Aufstellung; 
ein Erläuterungsbericht zur Klarlegung des Entwurfs, 
namentlich auch bezüglich der Ausführungsart und der 
Ausstattung; ein Verzeichnis der eingereichten Zeich 
nungen. 
Die Entwürfe dürfen keinerlei Kennzeichen außer 
einem auf allen Stücken anzubringenden Kennwort tragen. 
Der Name des Verfassers ist in versiegeltem Briefumschlag, 
dessen Außenseite das Kennwort zu tragen hat, dem Ent 
wurf beizuschließen. Die Entwürfe sind bis spätestens 
1. Februar 1919 beim Heilbronner Wohnungsverein A.G. 
Heilbronn einzureichen. Die eingereichten Pläne werden 
der „Beratungsstelle für das Baugewerbe in Stuttgart” zur 
Prüfung und Begutachtung übergeben und fallen ins Ei 
gentum des Heilbronner Wohnungsvereins. Für jeden ein 
gelieferten Entwurf, der die Programmforderungen erfüllt, 
werden M. 1000.— vergütet. Der von der Beratungsstelle 
in erster Linie empfohlene Entwurf erhält außerdem eine 
Prämie von M. 1000.—. Diese Summe kann auch an zwei 
von der Beratungsstelle als gleichwertig bezeiebnete Ent 
würfe gleichmäßig verteilt werden. 
Aus dem Protokoll des Preisgerichts entnehmen wir, 
daß 10 Entwürfe eingelaufen waren, von denen 3 Entwürfe 
mit den Kennworten: „Alte Art”, „Februar”, „Wechsel 
spiel mit Giebel-, Walm- und Satteldach” in engster Wahl 
verblieben. Für die Prämiierung aber mußte der Entwurf 
i: „Februar” nur deshalb ausscheiden, weil er gegen das 
Programm insofern verstoßen hat, als er eine, dem Woh 
nungsverein nicht gehörende Parzelle in den Bebauungs 
plan mit einbezog. 
Ueber die prämiierten Entwürfe lautete das Urteil; 
Kennwort „Alte Art”: Der Verfasser bevorzugt die 
Verwendung des Reihenhauses. Dadurch treten die Nach 
teile der schlechten Besonnung hervor. Das Zusammen 
fassen von bis zu 8 Wohnungen in einem Reihenhaus geht 
über die Bestimmungen des Programms hinaus. Die Oe 
samtaufteilung ist im übrigen schön, nur ist als Nachteil zu 
bezeichnen, daß die zu den einzelnen Häusern gehörigen 
Gärten nicht direkt vom Haus aus betreten werden können. 
2 Zimmer-Grundriß. Die Anlage der Treppe ist einwand 
frei. DerVorplatz zeigt gute Verhältnisse und ausreichende 
Größe. Wohnküche: Die Form derselben ist außerordent 
lich zweckmäßig, ganz besonders deshalb, weil der eigent 
liche Wirtschaftsraum mit Küche, Herd u. Spüleinrichtung 
für sich abgesondert ist und beim Betreten derKüche nicht 
ins Auge fällt. Die Verbindung der Veranda mit der Küche 
ist durchaus zweckmäßig. Die Zimmer sind in der Grund 
fläche ausreichend, doch zeigt das Eckzimmer kein beson 
ders günstiges Verhältnis zwischen Breite und Länge. Die 
Einteilung der Wohnungen und die der Kammern im 
Dachgeschoß ist einwandfrei. 3 Zimmer-Grundriß: Trep 
penhaus, Vorplatz, Küche, Veranda und Abort sind zweck 
mäßig zusammengelegt. Die Größe der Zimmern ent 
spricht den Anforderungen des Programms. Auch hier ist
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.