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BAUZEITUNG 
Nr. 22/23 
Zum 50. Geburtstag von Prof. Hermann Jansen. 
Am 28. Mai dieses Jahres beging Prof. Hermann 
Jansen in Berlin seinen 50. Geburtstag. Wir haben seinen 
Werdegang schon seit langen Jahren aufmerksam ver 
folgt, in der Voraussicht, daß Jansen der Gegenwart und 
der Zukunft in baukünstlerischen Fragen noch etwas zu 
sagen haben wird. 
In Aachen geboren, hat Jansen seine Tätigkeit schon 
frühzeitig nach Berlin verlegt, um dort in kürzester Zeit 
den Wirkungskreis zu erlangen, der seinen Fähigkeiten 
und seiner Arbeitskraft entsprach. Die Betätigung als 
Architekt in engerem Sinn, als Baukünstler des Einzel 
hauses, konnte ihn auf die Dauer nicht befriedigen. Der 
Schritt vom Einzelhaus zur Straßenwand, von da zum 
Baublock, zur Siedlung und zur Städteplanung war für 
seinen beweglichen Feuergeist eine ebenso selbstver 
ständliche als unaufhaltsame Entwicklung, und so gehört 
er heute zu den ersten und erfolgreichsten Kämpfern auf 
dem Gebiete des Städtebaus und des Siedlungwesens. 
Es ist hier nicht der Platz, alle die Projekte im Ein 
zelnen aufzuführen, die seinem Künstlerkopfe entsprangen 
und auch zum größten Teil in allen Gauen Deutschlands 
zur Ausführung gekommen sind. Hier sei rfür an den 
Auftrag für die Domäne Dahlem, das größte zur Zeit in 
Aufstellung befindliche staatliche Gelände, erinnert, an 
den Auftrag für das Tempelhofer Feld und für Treptow 
und an die Aufträge des Magistrats der Stadt Charlotten 
burg. Diese großen Erfolge sollten seinen Namen bald 
auch über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt 
machen. Es folgten Aufträge für Bebauungspläne für 
Riga und Lodz, Einladungen zu Wettbewerben für den 
Gesamtbauplan von Montevideo, für die Universität in 
Preßburg und ein großer Auftrag für Bergen. Wo immer 
große, städtebauliche Fragen zur Erörterung standen, wo 
immer es sich um Gewinnung von Preisrichtern für außer 
ordentliche Wettbewerbe handelte, wurde auf fansen zu 
rückgegriffen, so in Karlsruhe, Bremen, Bonn, Zürich und 
auch in Stuttgart. Kaum eine größere Stadt wollte bei 
ihren Erweiterungsfraeen auf sein sachverständiges Urteil 
verzichten. Im Jahr 1917 wurde er nach Konstantinopel 
und Budapest zu städtebaulichen Vorträgen eingeladen. 
Am raschesten verbreitete Jansens Ruf als Städte 
bauer wohl sein Wettbewerbsentwurf für Groß-Berlin, 
bei dem er mit einem ersten Preis an erster Stelle aus 
gezeichnet wurde, ln dieser Arbeit hat er gewissermaßen 
sein künstlerisches Glaubensbekenntnis niedergelegt und 
für die Weiterentwicklung der Städtebaukunst grund 
legende Richtlinien gegeben. 
Daß Jansen bei seiner so überaus fruchtbaren Tätig 
keit auch die wirtschaftlichen Gesichtspunkte nicht aus 
dem Auge ließ, ist ein besonderer Vorzug seiner Schaffens 
weise. So lautet das Urteil der Preisrichter in dem Wett 
bewerb für die Arbeitersiedlungen „Friesland“ der 
Deutsch-Luxemburg-Bergwerks- und Hütten-A.-G.: Der 
Entwurf erscheint als eine Lösung, die unter allen Pro 
jekten am wirkungsvollsten und zugleich wirtschaftlichsten 
ist. Diese vielseitige Tätigkeit machte es Jansen unmög 
lich, zur weiteren Verbreitung seiner Ideen ein akademi 
sches Lehramt zu erstreben, was umso bedauerlicher ist, 
da ihm die besondere Fähigkeit, sich anderen mitzuteilen, 
in hervorragender Weise eignet. Dafür fand er als Schrift 
leiter der bekannten vornehmen Zeitschrift „Der Bau 
meister“ Gelegenheit, schon seit Jahrzehnten in erfolg 
reicher Weise auf den künstlerischen Nachwuchs einzu 
wirken. Als Anerkennung seiner hervorragenden Lei 
stungen im Dienste der Allgemeinheit wurde Jansen 1917 
durch Berufung des Ministers der öffentlichen Arbeiten 
zum Mitglied des Städt. Beirats des Wohn- und Siedlungs 
wesens, im Jahr 1918 durch Berufung des Kultministers 
zum Mitglied des Senats der Akademie der Künstler 
ernannt. 
Heute nun, an seinem 50. Geburtstag, steht Jansen in 
der Vollkraft seiner Schaffenstätigkeit. Umso bedauer 
licher ist es, daß die politischen Verhältnisse ihn für den 
Augenblick verhindern, einen großen Teil seiner Ideen 
und Projekte in die Wirklichkeit umzusetzen. Unser auf 
richtigster Wunsch geht deshalb dahin, daß auch für den 
angehenden Fünfziger mit dem jungen Herzen dieser tote 
Punkt bald überwunden sein möge. L. 
Deutscher Architektentag. 
Nach einem uns zugegangenen Aufruf, der u. A. von 
Peter Behrens, Germann Bestelmeyer, Bodo Ebhardt, 
Albert Hofmann, Bruno Möhring, Friedr. Paulsen unter 
zeichnet ist, werden alle Architekten, die selbständigen wie 
die beamteten, die angestellten Architekten in leitender und 
nicht leitender Stellung, die Lehrer und Schüler der Bau 
kunst, zu einem großen Deutschen Architektentag nach 
Berlin eingeladen, der am 27. Juni vorm. 9j4 Uhr ira 
Hause des Vereins Berliner Künstler stattfinden soll. Die 
Hauptpunkte der für die Beratung aufgestellten Grund 
lagen lauten; Sicherung des Architektenstandes im Staats 
leben, sowie der Stellung des einzelnen Architekten im 
Wirtschaftsleben; künstlerische und wirtschaftliche Heb 
ung des Standes. 
Der Cannstatter Sauerwassertuff als Betonzuschlag 
material in der Kunststeinfabrikation. 
ln einem Aufsatz vom 1.—15. April in Nr. 14—15 der 
Süd- und Mitteldeutschen Bauzeitung habe ich den sche 
matischen Gang einer Wärmeübertragungsberechnung bei 
Hohlmauern angegeben. Unterdessen ist nun eine Bro 
schüre erschienen über Ersatzbauweisen, herausgegeben 
vom Preußischen Staatskommissar für das Wohnungs 
wesen. Diese Broschüre enthält unter anderen Angaben 
Wärmeleitungsziffern für verschiedene Baumaterialien, 
insbesondere für Isoliermaterialien. 
Wenn auch die Zahlen für die Wärmeleitung von Stoffen 
in der Literatur verschieden angegeben sind, bieten sie doch 
einen Anhaltspunkt für einen relativen Vergleich der Bau 
stoffe in wärmetechnischer Hinsicht. Für die allgemeine 
grobe Beurteilung kann angenommen werden, daß die 
Wärmeleitung irgend eines Stoffes um so geringer ist, je 
größer das Porenvolumen des Stoffes ist und je geringer 
das spezifische Gewicht der Grundmasse ist. Daß die 
Größe des einzelnen Porenvolumens nach oben begrenzt 
ist und ebenso die Form habe ich in meinem letzten AuL 
satz zu beweisen versucht. Die Porenräume dürfen also 
nicht in Grobzellen übergehen, wenn eine Temperatur 
isolierende Wirkung erwartet werden will. Zum allermin. 
desten muß die Zellenwand in höherem Maße aus einem 
schlechten Wärmeleiter bestehen, und die Zellen möglichst 
oft unterbrochen werden in ihrer vertikalen Ausdehnung. 
Sehr stark auseinander gehen die Anschauungen in Bezug 
auf die Windwirkung bei porenhaltigen Baustoffen. Be. 
kannt ist der Versuch Pettenkofers, der ein Licht, das vor 
einem Ziegel brannte, dadurch zum Verlöschen brachte, 
daß er durch den Ziegel hindurch pustete. Die atmende 
Eigenschaft einer Wand mag zu gewissen Jahreszeiten 
angenehm sein, aber übertreiben dürfen wir unser Be 
streben nicht, daß wir direkt darauf hinarbeiten, auf daß 
eine Wand nicht zu luftdurchlässig wird. In stagnierendem 
Zustand muß die Luft im Baukörper enthalten bleiben, 
daher verdienen diese Baustoffe den Vorzug, welche wohl 
Hohlräume enthalten, aber in welchen die Luft nicht zu 
zirkulieren vermag. Der mörteltechnisch hergestellte
        

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