Volltext : Götterlehre oder mythologische Dichtungen

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Cephalus  und  Prokri  S.
Cephalus,  ein  Sohn  des  Dejoneus,  war  mit
der  Prokris  des  Ecechtheus  Tochter  erst  kurze  Zeit
vermahlt,  als  er  einst'am  frühen  Morgen  auf  dem
Himettifchen  Gebürge  jagte,  wo  Aurora  ihn  entführte.— ­
  Da  er  zu  seiner  inniggelieblen  Prokris  wiederzukehren ­
  wünschte,  entließ  ihn  Aurora  mit  dem  Bedeuten ­
  ,  es  werde  mit  seiner  Vermählten  ihn  nicht
nach  Wunsch  ergehe».  Diese  Worte  fachten  die
Eifersucht  in  seinem  Busen  an;  unter  einer  Verkleidung ­
  suchte  er  die  Liebe  der  Prokris  zu  gewinnen;
und  als  sie  ihm  kaum  einen  Schein  der  Hoffnung
blicken  ließ,  so  gab  er  sich  zu  erkennen,  und  klagte
sic  der  Untreue  an,  worauf  sie  unwillig  ihn  verließ.
Als  Cephalus  nun  nach  einiger  Zeit  sich  wieder  mit
ihr  versöhnte,  ward  ProkriS  von  Eifersucht  gequält,
weil  sie  vernahm,  baß  ihr  Gemahl  die  Nymphe  AM«
liebte,  mit  der  er  auf  der  Jagd  »erstohlnen  Umgangs
pflegte.  Einst  versteckte  Prokcis  sich  ihm  Gebüsch,
um  ihren  Gatten  zu  belauschen.  Dieser  seufzte,  erhitzt
vom  Jagen,  unter  dem  Nahmen  Aura,  nach  nichts
als  nach  der  kühlen  Luft.  ProkriS  aber,  welche  den
Nahmen  ihrer  Nebenbuhlerin  von  feinen  Lippen  zu
hören  glaubte,  regte  sich  im  Gebüsch.  Cephalus
meinte  daS  Rausche»  von  einem  versteckten  Wild  zu
hören,  wornach  er  seinen  Jagdspieß  warf  ,  der  seine
unglückliche  Gattin  traf,  welche  sterbeud  ihren  Irrthum ­
  erst  erkannte.
            
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