Full text: Die Cisterzienser-Abtei Maulbronn

nähme und Ergänzung von C. Veisbarth im YIII.Iahresheft des würtlembergifchen 
Alkerthumsvereins. 
Kn den hohen Seitenlehnen des Stuhlschrankes steigt üppig rankendes Reb- 
laub mit Tranken, von Thierchen und kleinen Weingärtnern bevölkert, empor, an 
der andern Seite großartiges langblättriges Distelgewächse; oben sind zwei Wappen, 
das des Bischofs Günther von Speier und ein unkenntliches (für Günther fälsch 
lich, nne am Gemälde in der Vierung, das von Leiningen) groß angebracht. An 
der vorderen Brüstung steht man reiches, „stammendes" Vlattgewirr, in das kleine 
Löwen, Drachen, Hirsche, Vögel, Armbrustschützen u. s. w. und ein großes Spruch 
band hineingeschlungen sind; auf diesem steht: Vinea Domini Sabaoth. Flores 
Hsnxk des Rrucifixu« in der Mrchr (1473). 
virtntum earpite, O sacra concio! An den Seikenbrüstungen wächst wieder herr 
liches Weingrwinde und anderes Laubwerk, unten kniet je ein Engel mit dem 
Wappen von Maulbronn (Ciflerz) und von Lomersheim, und oben an der Seiten 
brüstung erscheint ein Männlein mit einem Buch in der rechten Hand, ein Stifter, 
vor sich seinen leider unkenntlich gewordenen Wappenschild. Auch die dreigetheilte 
Kücklehne wird von Maßwerk und weiter oben von schönem Laubwerk verziert, 
in welchem aus drei Bändern steht: Quis iste est rex glorie? Ego sum, qui sum. 
Yere Deus absconditus. 
Vor dem Lettner, am Laienallar, erhebt sich schivermuihsvoll das zwölf Fuß 
hohe, aus grauem Keuperwerkstein gearbeitete Krucifix: der Kreuzesstamm ist 
holzartig behandelt und trägt an seiner Rückseite C. V. S. 1473. Christus erscheint 
von schöner, etwas voller natnrwahrer Körperbildung; sein Haupt ist fast zu groß, 
etwas ältlich, mit gedämpftem Wehausdruck und ausgezeichnet durch seine herr 
lichen Locken. Das Schamtuch statlert in prächtigem Fluge weit hinaus. 
Um die Zeit der Sommersonnenwende fallen Morgens zehn Uhr etwa eine 
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