Full text: Die Cisterzienser-Abtei Maulbronn

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1231 Konrad als Zeuge König Heinrichs VII. Näheres s. die amtliche Beschreibung 
des Obrramts Vrackrnheim, S. 210. u. ff. 
Die Schmalseiten der Vorhalle durchbricht je eiir schmaleres und darum spitz- 
bogiges Kleeblattsenster, um dieselbe Höhe zu gewinnen, daneben gegen Norden 
eine spihbogige Pforte, gegen Süden eine, gleichwie das Hauptpvrtal» mit geradem 
Kleeblattsturz, und an der Südostecke erhebt stch ein rechteckiges Thürmchen mit ganz 
kleinen Rundbogenfenstrrchen und einer aus den Dachboden der Vorhalle führenden 
steinernen Wendeltreppe; seinen nach Süden schauenden Giebel krönt ein sehr schönes 
und großes, such in den Formen des Uebecgangsstils gehaltenes Steinkreuz. 
Das Innere der Halle entzückt neben seinen schon oben beschriebenen, reiz 
vollen Gewölbsormen durch die Menge seiner herrlich kapitälirten Säuleir, über 
sicbenzig auf so engem Kaum; alles ist voll Anmuth und Leben, und welcher 
Abstand gegen die harten, stumpfen, beinahe steifen Formen der drei streng 
romanischen Vundbvgenpvrlale der Rückwand, zugleich die Westwand der Kloster 
kirche, an welche die stolz aufstrebenden Säulenbündel und Gewölbrixxen ohne 
besondere Umstände hingeklebt sind. Nur sechzig bis stebenzig Jahre liegen 
dazwischen, und wie sehr hat stch seitdem die Baukunst entfeffelt; aus den 
platten, breit an die Wand gedrückten Wülsten wurden frei vor die Wand 
gestellte rohrschlanke Säulen, aus den schweren Gewölbgurten von rechteckiger 
Leibung — halbrunde Rippen, in die zu Seiten schattige Kehlen ringeriffen sind 
und deren Scheitel durch einen zarten Steg wirksam markirt wird. Statt der 
in sich geschloffenen Würselknäuse, bescheiden belebt mit Lineamenten oder ara- 
beskenhaftem Blatt, erscheinen hohe Kelche, an denen streng stilistrte Blätter keck 
und schwungvoll hinaustreten; statt des steilen attischen Fußes mit schweren und 
scharfe,: Eckknollen sind jetzt die Füßchen wie gepreßt und aus dehnbarem Stoffe, 
so daß die Plättchen dünn werden, die Kehlen tief sich einziehen, die großen Rund 
stäbe birnförnrig scharf hinausguellen; die Eckknollen sind verschwunden oder wurden 
in leicht hingelegte Blätter aufgelöst u. s. w. Die Säulen werden, mit alleiniger 
Ausnahme der in den Fenstern stehenden, in der Mitte des Schaftes von Wirteln 
umfaßt, ihre Kapitäle breiten sich nach oben weit hinaus nach der viereckigen, 
weich und voll gegliederten Deckplatte und sind belebt mit den so schönen, klaren, 
immer wechselnden Blättern, die an den Enden stch graziös umschlagen oder auf 
rollen; zuweilen herrscht ein etwas maurischer Schnitt. Die Arbeit ist in großen 
Linien geführt, nebenher laufen ganz seine, dem Erzstil entnommene, diamanten- 
nnd perlenartige Zierden. Die Gewölbrippen sind noch einfach und ungetheilt, 
bestehen aus einem mächtigen Rundstab, in den zu Seiten je eine halbrunde Kehle 
gerissen ist und an dessen Scheitel ein feiner Steg hinläuft. Die drei großen 
Schlußsteine gleichen, wie schon bemerkt, den im Vogenfeld des Portals ange 
brachten reichen und tief unlerschsfften Rosetten. An den Gewölben entdeckt man 
noch Spuren von späthgothischer Bemalung, wovon weiter unten. 
Noch ist zu erwähnen, daß das Portal in der Axe der Kirche, aber gerade 
deßhalb nicht in der der Vorhalle sitzt; ivie inan leicht an ihrer Schaufelte sieht,
	        

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