Volltext : Erste Abtheilung. Eiserne Brücken. Heft IV (1,4)

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einen  Ockerarm  in  Braunschweig  wolil  die  erste  und
bei  einer  im  Jahre  1829  erbauten  Brücke  über  den  Hammerstrom ­
  zu  Peitz  eine  weitere  Anwendung  fand.  Statt
des  kreisförmigen  Querschnitts  dieser  Böhren,  welche  zudem
durch  das  Anziehen  der  Bolzen  an  den  Flanschen  eine
meist  ungleichförmige  Spannung  annahmen,  wandte  Polo ­
  noeau  bei  Erbauung  der  Carrousselbriicke  über  die
Seine  in  Paris  i.d.  Jahren  1834—36  einen  elliptischen
Querschnitt  mit  stehender  grosser  Axe  und  aus  zwei  nach
dieser  Axe  getheilten,  nur  seitlich  zusammen  geschraubten ­
  Hälften  mit  versetzten  Stossfugen  an:  eine
Anordnung,  welche  später  der  Construction  vieler  Strassenund
  selbst  Eisenbahnbrücken  Frankreichs,  z.  B.  der  Brücke
über  den  Canal  St.  Denis  in  der  Nordbahn,  zu  Grund
gelegt  wurde.
Bei  dem  Bau  der  Eisenbahnbrücken  wandte  man
später  wieder  grössere  oder  kleinere,  mittelst  Flanschen  und
Bolzen  zusammengesetzte,  theils  massive,  theils  durchbrochene ­
  Platten  und  nur  bei  kleinen  Spannweiten  gusseiserne
Träger  aus  einem  Stück  an.  Zu  den  letzteren,  welche  mehr
als  Balkenbrücken  fungiren,  gehören  u.  a.  die  Träger
der  Seitenöffnungen  der  Brücke  über  die  Nidda  zu  Vilbel
und  des  schiefen  Viaducts  über  die  Staatsstrasse  bei  Niederwöllstädt
  in  der  Main-Weser-Bahn,  zu  den  ersteren
u.  a.  der  Viaduct  über  die  Strasse  von  Appenweyer  nach
Sand,  sowie  die  i.  J.  1843  bis  1845  erbaute,  später  in
Folge  einer  Unterwaschung  der  Pfeiler  eingestürzte,  zweigeleisige ­
  Brücke  über  die  Kinzig  bei  Offenburg,  beide
in  der  Badischen  Eisenbahn.
Unter  die  neueren  gusseisernen  Bogenbrücken  Englands ­
  gehören  die  Westminsterhrücke,  die  neue
Windsorbrücke,  die  Larybrücke  bei  Plymouth,  die
Victoriabrücke  über  die  Themse  bei  Pimlico  und  die
mit  einer  Drehbrücke  versehene  Bochesterb  rücke  mit
einer  mittleren  Oeffnung  von  51,81  m  und  zwei  Seitenöffnungen ­
  von  je  42,67  m  Spannweite.  Die  sieben,  im  Querschnitt ­
  doppelt  T-förmigen  Segmentplatten  je  einer  ihrer
8  Tragrippen  sind  mittels  angegossener  Flanschen  und
Bolzen  unter  sich  verbunden  und  mit  den  darauf  ruhenden,
durchbrochenen  Bogenschenkelfüllungen  verschraubt.  Die
Querverbindung  der  Segmentbogen  ist  durch  gusseiserne
Stemmröhren  und  dazwischen  eingeschaltete  Andreaskreuze
bewirkt.  Ueber  den  Tragrippen  liegen  mit  Verstärkungsrippen ­
  versehene,  unter  sich  seitlich  verschraubte  Gussplatten, ­
  welche  das  Klotzpflaster  der  Fahrbahn  sowie  die  auf
Langschwellen  liegenden  steinernen  Trottoirs  aufnehmen.
Von  den  neueren  gusseisernen  Bogenhrücken  Frankreich ­
  sind  die  Viaducte  über  die  Mosel  beiFrouard  und
über  die  Loire  bei  Nevers,  die  im  Jahre  1851—52  erbaute ­
  zweigeleisige  Eisenbahnbrücke  über  die  Klio  ne  bei
Tarascon,  die  im  Jahre  1858—59  von  den  Ingenieuren
Savarin  und  de  Lagallisserie  erbaute  Solferino-Brücke
  sowie  die  im  Jahre  1860—62  zur  Verbindung  der
Inseln  St.  Louis  und  Notre  Dame  dienende  Brücke  St.
Louis,  sämmtlich  über  die  Seine  bei  Paris,  hervorzuheben. ­
  Die  Tarasconbrücke  besitzt  7  Oeffnungen  von
je  60  m  Spannweite  und  5  m  Pfeilhöhe,  deren  jede  8,  aus
je  17  —  oben,  unten  und  in  der  Mitte  durch  Rippen  verstärkten, ­
  unter  sich  verschraubten  —  gusseisernen  Segmentplatten ­
  zusammengesetzte  Tragrippen  enthält.  An  jedem
Stosse  der  oberen  und  unteren  jener  Kippen  ist  die  aus
einem  gusseisernen  Kasten  bestehende  Querverbindung  der
Bogen  angebracht.  Der  Fuss  der  Tragrippen  stemmt  sich
gegen  starke,  in  das  Widerlager  eingelassene  Lagerplatten,
zwischen  welche  zur  gleichmässigen  Vertheilung  des  Drucks
8  Reihen  Keile  eingetrieben  sind.  Die  Bogenschenkel  sind
mit  2,5  cm  starken  durchbrochenen,  von  Kippen  verstärkten,
paralleltrapezförmigen  Platten  ausgefüllt,  welche  unter  sich
durch  Querbalken  und  zwischen  dieselben  eingeschraubte
Kreuze  verbunden  sind.  Ueber  den  Tragrippen  liegen  gusseiserne, ­
  bogenförmige  Deckplatten,  die  sowohl  unter  sich
als  auch  an  den  Tragrippen  durch  Bolzen  befestigt  sind
und  den  Oberbau  der  Eisenbahn  aufnehmen.
Bei  der  St.  Louis  brücke  ruht  die  Brückenbahn
auf  je  2  m  weit  gespannten  Ziegelgewölbchen,  welche  sich

gegen  etwas  abgeschrägte,  aus  gusseisernen  Querbalken
bestehende  Widerlager  stemmen  und  deren  Axen  also  senkrecht ­
  auf  der  Brückenaxe  stehen.  Die  9  Bogenrippen  derselben
bestehen  aus  je  11  Wölbstücken,  die  an  ihren  sorgfältig
geebneten  Stossfugen  mittelst  Bolzen  verschraubt  sind.  Die
je  vier,  den  Widerlagern  zunächst  gelegenen  Wölbstücke
sind  durch  ein  System  horizontaler,  abwechseld  oben  und
unten  befestigter  Traversen  verbunden,  während  die  3  Wölbstücke ­
  am  Scheitel  sowohl  durch  die  oben  erwähnten
Querbalken  als  auch  durch  Streben,  die  zwischen  dem  Rost
dieser  Gewölbe  liegen  und  von  einem  Stirnbogen  bis  zum
andern  reichen,  verbunden  sind.
Um  auch  die  bei  Temperaturwechsel  sich  hebenden  und
senkenden  gusseisernen,  also  wenig  elastischen  Bogenträger
einer  Biegung  nicht  auszusetzen,  wurden  die  Tragrippen
der  i.  J.  1866  von  Herrmann  erbauten  Radetzkybriicke
  in  Laibach  mit  30,34  m  Spannweite  und  2,21  m
Pfeilhöhe  aus  je  zwei  festen  Hälften  construirt  und  sowohl
an  den  Widerlagern,  als  an  den  Scheiteln  mit  Charnieren
versehen.  Die  drei  Tragrippen  dieser  Brücke  bestehen
unten  aus  gebogenen,  mit  4  Kippen  und  besonderen  Ansätzen ­
  versehenen  Röhrenstücken,  auf  welche  rechtwinkligdreieckige, ­
  durchbrochene  Platten  vertikal  geschraubt  sind,
deren  obere  wagrechte  Schenkel  —  gleichfalls  untereinander
verschraubt  —  den  Obergurt  bilden.  Zwischen  die  röhrenförmigen ­
  Bogenstücke  und  diese  Obergurtstücke  sind  an
deren  Stössen  gusseiserne,  aus  oberen  und  unteren  Querstücken ­
  mit  gekreuzten  Diagonalen  bestehende  Verticalverbände
  eingeschraubt,  welche  die  aus  einem  Längsbohlenbelag ­
  mit  Klotzpflaster  bestehende  Brückenbahn  aufnehmen.
Die  vergleichsweise  geringe  Elasticität  und  Homogenität ­
  des  Gusseisens,  welche  —  besonders  unter  dem  Einfluss ­
  heftiger  Verkehrsstösse,  —  das  Platzen  viel  er  Trägertheile
und  selbst  den  Einsturz  ganzer  Brücken  veranlasst  hatte,
lenkte  die  Aufmerksamkeit  der  mit  dem  Bau  von  Bogenbrücken ­
  beschäftigten  Ingenieure  frühzeitig  auf  das  u.  a.
bereits  zum  Bau  von  Hängbrücken  verwendete,  elastischere ­
  und  gleichartigere  Schmiedeisen.  Schon  i.  J.
1808  verwandte  Bruyere  das  Schmiedeisen  zum  Bau  einer
kleinen  Fussgänger-  und  Leinpferdebrücke  über  den  Crou
bei  St.  Denis  von  12  m  Spannweite  und  lm  Pfeilhöhe,
deren  Tragrippen  aus  einem  gebogenen  zweitheiligen,
durch  Radialsprossen  und  gekreuzten  Diagonalen  versteiften
Untergurt  und  aus  einem  wagrechten  Obergurt  bestanden.
Die  drei  Tragrippen  dieser  Brücke  sind  durch  schmiedeiserne, ­
  mit  scheibenförmigen  Enden  versehene  Traversen
und  runde,  vor  den  Stirnen  angebrachte  Vorlagscheiben
verbunden  und  tragen  durchgehende  Querschwellen  mit
einem  Belag  von  Längsbohlen,  welcher  das  Pflaster  der
Pferdebahn  und  der  Trottoirs  aufnimmt.
Trotz  des  guten  Bestandes  dieser  Brücke  wurde  erst
in  dem  Verlaufe  der  50er  Jahre  wieder  zur  Anwendung ­
  des  Schmiedeisens  geschritten.  Bei  Herstellung  der
St.  Gallischen  Eisenbahn  legte  Steil  1  in  zur  Ueberbrückung
  der  Sitterschlucht  im  Herbst  1853  ein  Project  vor,
welchem  die  Anwendung  von  3  schmiedeisernen  Bogen
von  142  m  Spannweite  zu  Grund  lag,  die  sich  auf  natürliche ­
  ,  in  den  Felsen  eingehauene  Widerlager  stützen.
Diese  Bogen  sollten  aus  Eisenblech  zusammengenietete
Röhren  bilden  und  in  horizontalen  Entfernungen  von  je
3  m  schmiedeiserne  Vertikale  mit  je  12  m  langen  Gitterträgern ­
  aufnehmen.  Zwischen  die  letzteren  sollten  dann
schmiedeiserne,  zurünterstützungder  Fahrschienen  bestimmte
Querträger  eingenietet  werden.  Obwohl  dieses  Project  nicht
angenommen  wurde,  so  kam  doch  mehrere  Monate  später
und  trotz  fehlender  natürlicher  Widerlager  das  System
schmiedeiserner  Bogen  bei  dem  Uebergang  der  schweizerischen ­
  Centralbahn  über  die  Aar  bei  Olten  mit  drei
Oeffnungen  von  je  31,5  m  durch  Etzel  zur  Ausführung.
Die  zwei  Geleise  dieser  Brücke  sammt  deren  Längsbohlenbelag ­
  ruhen  auf  durchgehenden  Querschwellen,  welche  von
fünf,  je  1,8  m  von  einander  entfernten  Bogenträgern  unterstützt ­
  werden.  Die  letzteren  bestehen  aus  einem  horizontalen ­
  Ober-  und  einem  polygonalen  Untergurt  mit  I-förmigem ­
  Querschnitt,  welche  durch  je  1,5  m  entfernte,  im
            
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