Vor w o r t. 
Das vorliegende fünfte Heft der Brücken der Gegenwart, w r elches die festen Brücken abschliesst, 
enthält eine Monographie der schlaffen, versteiften und combinirten Hängbrücken ohne 
und mit Anwendung von Gelenken, welcher die analytische und soweit als möglich die graphische 
Berechnungsmethode zu Grunde gelegt und die Darstellungen sowie die Constructionsblätter einer 
möglichst grossen Zahl verschieden construirter, meist ausgeführter Hängbrücken beigefügt sind. 
Zunächst soll die vorangeschickte Technische Entwickelung, indem sie eine Uebersicht 
über die wichtigsten, bislang zur Ausführung gelangten Systeme der Hängbrücken gewährt und 
hierbei die Nachtheile der älteren, verlassenen und die Vortheile der neueren, zur Zeit üblichen 
oder projectirten Systeme hervorliebt, die Auswahl der dem jeweiligen Zweck entsprechenden zweck- 
massigsten Construction erleichtern. 
Die statische Berechnung wurde für schlaffe und versteifte Hängbrücken, für letztere mit 
Berücksichtigung der ungünstigsten Stellung beliebiger und beliebig vertheilter Lasten 
durchgeführt und, um die in unsere Constructionsübungen für Brückenbau eingeführte, für die 
Sicherheit im Ermitteln der Dimensionen der Brückentheile sehr empfehlenswerthe gleichzeitige 
Anwendung zweier verschiedenartiger Berechnungsmethoden und die hierdurch zu erreichende Con 
trol! e ihrer Ergebnisse zu zeigen, auf einer besonderen Texttafel die graphische Berechnung 
einer versteiften Charnierhängbrücke durchgeführt. Bei der analytischen Behandlung ist durch die 
Anwendung der reducirten Angriffsmomente eine ebenso allgemeine, als einfache Theorie so 
wohl zur Ermittelung der ungünstigsten Laststollung, als auch zur Berechnung der Spannungen des 
Hängträgers mit drei Gelenken aufgestellt und deren Anwendung auf die oben erwähnte, graphisch 
berechnete Brücke gezeigt worden. Ausser den versteiften Hängbrücken mit einfachen, also ein 
malgezogenen, einmal gedrückten Diagonalen sind auch diejenigen mit gekreuzten, nur gezogenen 
Diagonalen berücksichtigt worden. 
Der dritte constructive Theil behandelt, unter stetem Hinweis auf die in den beigegebenen 
Tafeln dargestellten Brückenbauten, die genannten Systeme der Hängbrücken in ihrer Anwendung 
auf Fussgänger- und Strassenbrücken sowohl nach ihrer Anordnung im Allgemeinen, als auch nach 
der speciellen Anordnung ihrer Theile, während diesem Abschnitte noch das für den Constructeur 
Wissenswertheste über das Constructionsmaterial, die Verbindungsmittel sowie über die festen 
und beweglichen Verbindungen der Hängbrücken beigefügt ist. Hierbei ist — der schon in dem 
tiefte über die „eisernen Bogenbrücken“ angegebenen Construction entsprechend — die Möglichkeit 
der Durchführung des Wind verband es über das Sch eitelcharnier und des Stabwerkes 
bis unter die Kämpfercharniere versteifter Charnier-Hängbrüeken nachgewiesen worden. Da 
beide Anordnungen bis jetzt zur Ausführung noch nicht gelangt sind, so ist deren Construction 
an einem bis ins Einzelne durchgearbeiteten Brückenprojekte gezeigt worden. 
In dem vierten, die Beschreibung und statisch-numerische Berechnung einzelner 
Brücken enthaltenden Theile wurde mit Hülfe einer die wichtigsten Hängbrücken verschiedener 
Länder darstellenden Tafel eine Uebersicht über die neueren und neuesten Constructionssysteme 
schlaffer und versteifter Hängbrücken gegeben und hierauf die specielle Darstellung und Beschrei 
bung der beiden versteiften Charnierhängbrücken in Frankfurt a. M. und Gotha, letz 
tere von ihrer statisch-numerischen Berechnung begleitet, hinzugefügt. Ausser dem bereits erwähnten 
Projecte einer versteiften Charnierhängbrücke für Strassenverkehr, deren Zeichnung und ana 
lytisch-graphische Berechnung von Herrn Assistenten Palme mit dankenswerther Genauigkeit 
ausgeführt wurde, ist noch eine combinirte Fachwerk-Hängbrücke zur Darstellung gelangt 
und derselben eine auf die bekannte, zuerst von A. Ritter aufgestellte Theorie dieser Brücken ge 
stützte statisch-numerische Berechnung hinzugefügt worden. 
In dem folgenden, fünften Abschnitte wurde die Methode einer approximativen und einer 
definitiven Kosten-Berechnung, letztere unter Beifügung der Gewichts-Berechnung einer versteiften 
Charnierhängbrücke vorausgeschickt und das Nöthigste über die Vergebung der Arbeiten ange 
schlossen. Um den diesem Hefte zugemessenen Umfang nicht zu überschreiten, musste dagegen auf 
die beabsichtigte vollständigere Besprechung der technischen Ausführung, Prüfung und Unterhaltung 
von Hängbrücken verzichtet werden. 
Schliesslich gereicht es uns zur angenehmen Pflicht, demDirector der Actiengesellschaft Weser 
in Bremen, Herrn Ingenieur Overbeck, dem Director des städtischen Wasserwerkes in Frankfurt 
a. M., Herrn Ingenieur Schmick, sowie Herrn Maschinenmeister Bork in Gera für die bereitwillige 
Mittheilung von Constructionsblättern und Berechnungen sowie für die Erlaubniss zu deren Bearbei 
tung und Veröffentlichung hiermit unsern verbindlichsten Dank auszusprechen. Besonderer Dank 
gebührt ferner der Verlagsbuchhandlung, welche mit den bekannten bewährten Kräften bemüht war, 
auch diesem Hefte eine ebenso solide, als geschmackvolle Ausstattung zu geben. 
Möchte das vorliegende 8. Heft der Brücken der Gegenwart dem auch an der diesseitigen 
Technischen Hochschule seit Jahren empfundenen Bedürfnisse einer Anleitung zum Berechnen und 
Entwerfen von Hängbrücken die erwünschte Abhülfe schaffen und sich, gleich den früheren Heften 
dieses Werkes, der wohlwollenden Nachsicht unserer Fachgenossen erfreuen. 
Aachen, den 30. November 1880. 
H.
        

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