lnlage von Arbeiterhäusern.
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WVohnräumen zu gewinnen und zu erhalten, als einen Luftraum
unter dem ganzen Hause, der nahezu 1mm über die Erde
emporragt und darum mit der äußern Luft sich fortwährend
mischt; damit dies aber geschehen kann, ist dieser Raum nicht nur,
wie der Wohnraum selbst, mit Fenstern au den gegenüber—
liegenden, Manern zu versehen, sondern damit der Luftwechsel
möglichst rasch und beständig bleibt, eine möglichst ver—
schiedene Wärme des Kellers und der äußern Luft zu
erzielen; dies geschieht am einfachsten durch Doppelfenster, durch
welche der Keller im Winter warm, im Sommer kühl bleibt.
Die Kosten für diesen Speicher für frische Luft sind so gering
ind der Vortheil, zumal in gesundheitlicher Beziehung, so
zroß, daß es wirklich unbegreiflich scheint, wie wenig dieses ein—
achste und wohlfeilste aller Mittel, für gesunde Luft in den Woh—
nungen zu sorgen, bis jetzt zur Anwendung gekommen ist.
Der Fußboden des Kellers, beziehungsweise die Fläche unter
dem gauzen Hause, muß durchaus von der Grundluft auf's
Dichteste abgeschlossen werden,) da nur auf diese Art die
Vohnnng gegen die Boden-Krankheiten geschützt wird. Am
neisten empfiehlt sich entweder der „Russische Mörtel-Estrich?)“:
nuf eine fest gestampfte Steinaufschüttung wird folgendes Gemenge
aufgebracht: 1 Theil trockener gelöschter Kalk in Pulverform,
2 Theile Kies mit etwas Rindsblut; die Masse wird so lange ge—
tampft, bis sie steinhart wird, oder ein Cement-Estrich, indem
Wasserkalk mit Kohlencinders und Sand gemischt und zu einem
dünnen Brei angemacht, das Gemenge etwa 45 em stark aufge—
ragen, angefenchtet und mehrere Male gestampft wird. Jenes
Bodenzimmer resp. beide müssen durchaus so angebracht werden,
zaß das Dach auf keiner Seite durch einen Vorsprung (Gaupe)
unterbrochen wird, da nur ein glattes Dach wirklichen Schutz
gegen Regen und Schnee bietet und nur ein solches vom Be—
wohner selbst gut erhalten werden kann. Da aber der First
etwa 3,5 m äüber den Speicher-Boden reicht, so läßt sich doch noch
dem 841 der „Normalen Bauordnung“ genügen, wonach mindestens
2,5 meals Höhe eines Wohnraumes anzunehmen sind.
Je nach Bedarf lassen sich auf diese Art selbst in dem
leinern Häuschen entweder zwei kleinere Schlafkammern für
e eine Person, oder eine größere für zwei Personen her—
ichten; in dem größern wären von vornherein zwei grösere
Bodenzimmer von je 3,4 m Länge und 2,0 mo Tiefe zu erstellen.
Mit der Lufternenerung in innigem Zusammenhauge steht die
Frage wegen des Aborts; ist letzterer falsch angelegt, so hilft
die beste Vorrichtung zur Lufterneuernng nichts, und hat das Haus
die Dünste des Aborts nicht zu fürchten, so reicht selbst eine
sonst ungenügende Lufterneuerung aus. In einem solchen Arbeiter—
häuschen für eine Familie giebt es nur einen Platz für den
Abort: hinter dem Hause, aber durch einen kurzen gedeckten Gang
mit diesem verbunden. Am einfachsten, zweckmäßigsten und wohl⸗
eilsten läßt man die thönernen Abfall-Rohre in ein auf einem
Schubkarren befestigtes Petroleumfaß münden, das je nach
Bedarf ein bis zweimal in der Woche in den Garten hinaus oder
ioch weiter geführt wird. Steigt aber das Gelände nach hinten
tark an, dann gräbt man das Faß in den Boden unter dem
däuschen ein und schließt letzteres hinten durch eine Fallthür;
sas Faß wird dann mittelst eines Schöpfeimers von hinten ent—
eert. In jedem Falle wird nach Entleerung des Fasses dessen
Boden mit Gartenerde bedeckt, das wirksamste und wohl—
eilste Reinigungsmittel. Ein solcher vor mehr als einem
Jahre gebauter Schulabort hat sich wider alle Erwartung selbst in
dem heißen Sommer des Jahres 1881, der solche Einrichtungen
gewiß auf eine harte Probe siellte, vortrefflich bewährt. Alle andern
Ptittel, namentlich auch sogenannte wasserdichte Gruben, Ge—
völbe ꝛc., sind unzureichend und werden nach und nach von der
Flüssigkeit durchbrochen, in Folge dessen das Haus und die Ge—
undheit der Bewohner auf's Aeußerste gefährdet wird.
Bezüglich der Heizuug ist zu unterscheiden: Die Küchen—
heizung und die Zimmerheizung. Für erstere giebt es kaum
ine zweckmäßigere Einrichtung, als z. B. der in der Fürstl. Salm'schen
Bießerei in Blansko für etwa 6 Mk. gelieferte sog. Saukopf—
dfen. Wird derselbe gleich aufangs an seinem rechten Platze auf—
gestellt und die Platte von unten bis oben mit in Lehm gelegten
Backsteinen untermauert, so daß er die Hitze lange anhält, so kann
elbst eine ganze Familie den Tag und den Abend in der Küche
hei einem Feuer zubringen. Aber freilich geht dies nur in ge—
unden Tagen; ein zweckmäßig gebautes Haus muß aber auch
iuf Tage der Krankheit eingerichtet sein und zwar so, daß unter
Umständen außer der Küche noch ein Zimmer Tag und Nacht zu
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Tafel 1.
zeführt ist, zweckmäßig, die Höhe nicht nur in Metern, sondern auch
n Backsteinschichten anzugeben; als passendste Höhe ist dann
wohl zweckmäßig die von 36 Schichten, d. h. etwa — denn auf
das Millimeter wird sich das nie bestimmen lassen — 2,77 m.
Daß diese Maße auch den gesundheitlichen Anforde⸗
cdungen reichlich entsprechen, zeigt die Forderung Pettenkofer's
(vergl. Manega S. 20), wonach der Schlafraum für'jede Person
10,80 kbm Luftraum haben soll.
Weil indeß in dem Ausschreiben mit Recht auch ein Arbeiter—
häuschen für kleinere Bedürfnisse mit 3 Räumen — die
Küche eingeschlossen — in Aussicht genommen ist, von denen
vohl ein Schlafraum als Bodenzimmer gerechnet werden darf,
so sollen in unserer Häuserreihe auch solche Häuschen Platz finden,
die ganz ebenso, wie die andern, gebaut sind, nit Ausnahme davon,
daß die beiden vorerwähnten Seiten-Zimmer fehlen; ein solches
kleines Haus bestände also, abgesehen von dem Bodenzimmer,
oben aus 1 Küche undl Zimmer unten.
Da die Untergründung eines jeden Hauses schon des Frostes
wegen etwa 1w unter die Erde reichen soll, so ist letzterẽ unter
dem gesammten Bauplatz auch min destens 1700 tief vollständig
auszuheben und weqgzusühren; einmal wird dadurch reichlich Platz
gewonnen für Keller ?c., sowie Platz zum Holzmachen bei schlechter
Witterung; sodann ist dies besondes nöthig zur Erhaltung der Ge—
undheit der Bewohner; so lange unter einem Hause pflanzliche
Stoffe irgend welcher Art keimen, so lange ist die Gesuͤndheit der
Bewohner gefährdet. Wenn dafür gesorgt ist, daß die schlechte Luft
ius Küche und Zimmer nach oben abzieht, so ist auch dafür zu
orgen, daß von unten gute Luft nachströmt, uud abgesehen
von der Außenluft giebt es kein besseres Mittel, gqute Luft in ben
1) S. die höchst wichtige Abhandlung von Pettenkofer in der deutschen
Rundschau 1881 über Typhusfälle in ganz regelrecht errichteten Neubauten
2). S. Schmidt Baumaterialien 1881 S. 57.