Volltext : Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 43, Bd. 2, 1883)

Anlage von Arbeiterhäusern.

Begenden, in denen das Holz sehr theuer ist, muß eben ein soge—
sannter Regulirsüllofen für Kohlen beschafft werden; wo dies aber
iicht der Fall ist, muß auch für arme Kranke und Gesunde unbe—
zingt darau festgehalten werden, daß in steinernen Oefen mit
Holz geheizt wird.) So sehr sich nun in deu letzten Jahren die
Kunst, äiserne Steinkohlenöfen zu fertigen gehoben hat,
d sehr ist sie gerade bezüglich die ser unsrer Forderung zurück—
geblieben. Es giebt zwar gute Porzellanöfen, aber sie sind
inmal theuer und sodann gewaltige Holzfresser. Wir haben
darum einen Ofen erfunden, der mit gewöhnlichen, wo möglich
euerfesten Normalbacksteinen — wo sie, zu haben sind, mit Loch⸗
teinen — gleich bei Erbanung des Hauses von jedem Maurer
zufgesetzt werden kann. Dieser Ofen ist 2 Steine breit, 315 Steine
ang; zuerst liegen auf dem Boden 4 Schichten Steine, dann der
Feuerraum 5 Schichten hoch, dann, abgesehen vom hintern Zuge,
ine Schichte zwischen Feuerraum und Kochraum, beide vorn durch
ine Thüre verschlossen. Ueber den durch eine Schicht abgeschlossenen
kochraum ziehen die Hitzgase 20 Schichten senkrecht in die Höhe,
‚anst über Line offene Nische hinweg unter der steinernen Deck—
hlatie in den hintern Zug hinab, an dessen unterm Ense sie
münden; dieser Ofen wird täglich nur eiumal geheizt mit einem
Arm voll Holz, das einmal geschuitten, also 50 cm lang ist.
Sobald dies Holz soweit abgebraunt, ist, daß es zu verkohlen be—
zinnt, wird die vorzüglich luftdicht schließende Doppelthüre zu—
Jemacht und das Holz braucht dann viele Stunden, um vollständig
zu verkohlen. Die Reinigung des Ofens geschieht auf's Leichteste
zurch Abheben der Deckplatte und Herausnehmen eines Schluß⸗
steines in Schichte 16. 17. von unten an der hinteren Schmalseite.
Der Ofen wird in die Scheidewand eines der hintern Zimmer ge⸗
etzt; er ist etwa um folgenden Preis zu erstellen:
2metallene Thüren 2/, em. . zus. 12 Mk.
Ftwa 400 Backsteine. .. lö,
Dfenplatte aus Steiin
Auffetzen sammt Lehm und Anstrich 5
Summa 36 Mek.,
welcher Preis in Anbetracht der großen Vortheile, namentlich in gesund—
— Zimmer nach der
Straße wird, fälis die Thür nach der Küche offen bleibt, warm
Jenug werden, um als Wohn- oder Schlafzimmer zu dienen; jeden⸗—
alls' lähßt es sich im Nothfell durch einen besondern Ofen sehr
eicht heizbar machen. — Selbstverständlich dürfen die Kosten für
einen guten Kamin nicht gescheut werden; derelbe wird in die Mitte
des ganzen Hauses gestellt und zwar vom untersten Keller bis
bo m'über den Dachfirst hinaus und — 2 Steine lang,
Steine breit, also 6 Steine — durch die Küche hinaufgeführt; im
esser und auf dein Bodeu wird eine Kaminthüre angebracht; das Ende
Fes Kamins darf aber nicht in einen sogenaunten Kranz endigen,
ondern muß ganz glatt und gleichmäßig aufhören. — Nur unter
ʒen hier angegebenen Bedingungen kkann wman wirklich gute Leistungen
bon deu Feuerstätten mit Zuversicht erwarten; daß die Rohre nicht
horizontal sondern schräg von unten nach oben und nicht alle 253
didleichet Höhe in den Kamin einmünden, versteht sich von selbst.

E. Wahl der in Betracht kommmenden Materialien.
Wenn es sich darum handeln würde, die etwa verwendbaren
Baustoffe aufzuzählen, so könnten wir einfach das Buch von
Schmidt, Betlin 1880, 212 Seiten lang, hier einfügen. Aber
S liegt viel weniger ein Bedürfniß vor, alle Materialien aufzu—
zählen, als vielmehr eine geeignete Auswahl zu treffen. Und
jerade diese Auswahl ist heute wegen deren Reichhaltigkeit schwieriger,
Ils je. Um so mehr ist es erfoörderlich, wenigstens ganz feste An—
Jaltspunkte zu haben, von denen man ohne Noth sich nicht leicht
itfernt; um so mehr ist es wünschenswerth, möglichst wenige,
aber zugleich möglichst gute Materialien aus der Ersahrung
heraus empfohlen zu bekommen. An die Spitze stellen wär hier
zie gesundheitlichen Forderungen, in zweiter Reihe die der
Festigkeit, in dritter Reihe folgen die der Wohlfeilheit, in
Zeiterer die der Feuersicherhert und in letzter endlich die der
Schönheit.
Hinsichtlich der Gesundheit ist das oben bereits angeführte
Werk don' Meiners von bahnbrechender Bedeutung, wenn es von
unsern Baumeistern auch vielfach noch vernachläsigt wird. In—
hem auf die dort gegebenen Ausführnngen verwiesen wird, sei hier
Jervorgehoben, daß die Umfassungswände einmal so dünn aufzu—
ühren“ sind, als dies mit den Forderungen der Festigkeit über—
Jjanpt verträglich ist und sodann, daß möglichst Luft. durch—
kafsende Steine gewählt werden müssen. Beide Forderungen
dräugen somit dahin. aut aebrannte Backsteine — Normal⸗

) Siehe den äußerst wichtigen Bericht über Vergiftung von Vögeln durch
Zohlendunft, welche trotz aller sangewandten Vorsicht eintrat. Badische
Bewerbezeitung 1462 Nr. 2. Was im vorliegenden Falle den gesunden Vögeln
geschah, wäre wohl auch kranken Uenichen widerfahren, vielleicht sogar
Jesunden.

teine — 0,25 melang, 0,12 mäbreit, 0, 60 m hoch, wo
nöglich Lochsteine zu verwenden; nur für das Fundament, be—
onders soweit es im Boden steckt, sind natürliche Steine zu—
ässig und dies auch nur da, wo für die örtlichen Preise eine nam—
jaste Verschiedenheit zwischen 1 Stein starker Backsteinmauer und
iner O,45 in starker Bruchsteinmauer besteht, was zur Zeit fast
urgends in Deutschland mehr der Fall sein dürfte. Desgleichen
ordert die Gesundheitslehre, daß der äußere Verputz unter—
»leibt; wo daher die Baugesetzgebung es gestattet, läßt man das
Haus im Rohbau stehen; ändernfalls wird derselbe mit Cement
auber ausgefugt. Die wesentlichsten übrigen gesundheitlichen
Forderungen wurden schon oben dargelegt. Bezüglich der Festig—
eit kleben die deutschen Baumeister noch zu sehr am Alther—
gsebrachten; es werden die meisten Bauten bei uns weitaus
tärker ausgeführt, als die Festigkeit dies fordert. Währead
B. bei uns die Untergründung 2u/ Sieine stark, der erste Stoc
2 Steine stark, der zweite und dritte Stock Ii, Stein stark aus—
Jeführt werden, bauen die Amerikaner den Raum unter dem ersten
Stock 11,, Stein, die übrigen drei Geschosse 1 Stein stark!
Dazu sind in Amerika die Backsteine noch bedentend kürzer als
»ei uns. Ferner wird bei uns viel zu wenig Unterschied gemacht
wischen einem einstöckigen Arbeiterhäuschen und einem Palaste.
Freilich haben bis jetzt viele Bauordnungen die Dicke der Mauern
Vorgeschrieben; da ader nun bei hoffentlich baldiger Einführung
der“, Normalen Bauordnung“ (von R. Baumeister 1850) in 8 49
derselben jene veralteten Grundsätze aufgehoben sind, so ist der
Baumeister sowohl im Hinblick auf die Anforderungen der Ge—
sfundheit, als in dem auf die Billigkeit genöthigt, die Mauern
nicht mehr möglichst dick, sondern möglichst dünn zu bauen.
Sollte Jemand Bedenken wegen der Heizung in solchem Hause
haben, so werden dieselben einfach widerlegt durch das von
uns in sehr ausgesetzter Lage aufgeführte Schulhans in Wos—
ach, das sich troß des gänzlichen Fehlens jeden inneren
Verputzes viel rascher und viel leichter heizen läßt, als jedes
ins bekannte Schulhaus, und die Außenwände jenes Woslacher
Schulhauses sind keine 15 ctmn. stark! Wer an der leichten Heizung
enes Gebändes gegenüber einem andern zweifeln sollte, dem er—
hieten wir uns gern zu einer Wettheizung. Da nun die Balken
»er Zimmerdecke sammt den darauf ruhenden Dachsparren bei nicht
zu großer Entfernung von einander zweifellos von einem 1 Stein
tarken Auflager getragen werden, und da (vgl. Schnmölke, Hand—
huch S. 26) ein“ Stein Stärke ausreicht bei einem Stockwerk,
zas nicht über 3mm hoch ist, das keinen größern Raum als
5 mm Breite zu 7,5m Tiefe aufweist, so ist es für unser Arbeiter⸗
jäuschen mit Räumen von 2,77: 3: 3,6 durchaus nicht nöthig,
ene Mauerstärke durchgehend anzuwenden; es genügt vielmehr
zewiß vollkommen, etwa alle 4 Steine lang, d. h. eben da,
o die Balken der Decke aufliegen, die Mauer einen
Stein stark zu machen, den zwischen diessen vorspringen—
den Pfeilern hinziehenden Mauertheil — 31, Steine
lang — nur t/ Stein stark auszuführen. Dann genügt
es auch vollkommen, den unteren Raum in Bruchsteinen, 45 cm
tark, 'oder besser in Backsteinen, 1 Stein stark, mit ausgesparter
Luftschicht zu bauen, wobei man zu aller Vorsorge die 1 Stein
tarken Pfeilerchen über der Erde durch Verstärkung von . Stein
inter der Erde unterstützen kann. Selbstverständlich wird dies
sanze Mauerwerk in guster Arbeit nicht nur mit Schwarzkalk⸗
mörtel, sondern noch mit etwa 4 Zusatz von Cement ausgeführt;
Her Wettergiebel der ganzen Häuserreihe wird 1 Stein stark mit
ausgesparter Luftschicht durchgeführt. Da die Ränme verhältniß—
näßig nur klein sind, so kann auch verhältnißmäßig schwaches
Bebälk genommen werden; es dürfte eine Stärke von 15/17 cm
sowohl sür den Balkenkeller als für die Zimmerdecke genügen, für
die Thürpfosten ꝛc. in den Zimmern 12/ 15 cm. welches Maß auch
ür die Dachsparren beizubehalten wäre. Als Deckung fFür das
Dach find unbedingt Falzziegel allen anderen Stoffen
dorzuziehen. Unter den hier gegebenen Voraussetzungen dürfte
ruf eine Dauer des Gebäudes von weit über 100 Jahren ge—
rechnet werden.)
Mit der hier vorausgesetzten Bauart ist zugleich den For⸗
derungen der Wohlfeilheit vollkommen entsprochen; schwerlich
»ürfte eine Bauart zur Zeit möglich sein, durch die ein Haus
vohlfeiler gebaut, gleich große uund gleich zweckmäßig
ingeordnete Räume und die gleiche Sicherheit bieten könnte.
Selbst die Anwendung eiserner Bestandtheile dürfte schwerlich
illiger kommen, zumal unsere Werkleute noch lange nicht hin—
änglich darauf eingeübt sind, ganz abgesehen davon, daß die
Haltbarkeit des Eisens gegen Rost sich erst noch be
währen muß.

* 1) Bgl. die neueste, ganz eiserne Dachkonstruktion von Mitter in
Rerlin.

(Forts. folat.
            
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