Volltext: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 43, Bd. 2, 1883)

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Berichte aus verschiedenen Städten. 
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des Werdens der Stadt, ihre Zweckbestimmung und vor Allem der 
Umstand, daß die Bevölkerung von jetzt über 12000 Seelen zu fast 
“/o aus den verschiedensten Theilen des Reiches zusammengekommen 
ist, haben gewisse Zustände und Formen gezeitigt, die Wilhelms— 
haven wesentlich von anderen Städten unterscheiden. Abgesehen 
von der noch unentwickelten Gemeinde-Verwaltung, die an dieser 
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anderen Hinsicht schon weit über die Anfäunge hinaus. Die groß— 
artigen Bauten für die Hafenanlagen und die Kaiserliche Werft 
haben eine große Zahl geübter Handwerker jeder Art von aus— 
wärts angezogen oder solche auch schon ausgebildet, so daß es an 
den erforderlichen Kräften, Gutes zu leisten, hier nicht fehlt; zu 
wünschen wäre nur, daß dem Willen auch die entsprechenden Mittel 
zur Seite ständen, was leider in den hiesigen Privatverhältnissen 
durchaus nicht der Fall ist. Bisher sind es demnach vorzugsweise 
die Behörden, welche den verschiedenen Industriezweigen Nahrung 
verschaffen und die Mittel gewähren, Neues zu schaffen und im 
Schaffen fortzuschreiten. Diese Mittel aber sind ausnahmsweise 
großartige, denn seit Beginn der Hafenbauten im Jahre 1856 sind 
nach überschläglicher Berepnung jährlich hier 4 bis 5 Millionen 
Mark für Bauten verausgabt worden, eine Summe, wie sie zu 
Bauzwecken vielleicht an keinem anderen Orte des Reiches auch nur 
annaͤhernd verausgabt wird. Wenn sonach die Mittel außerordent— 
liche genannt werden können, so dürften mit nicht minderem Recht 
die dadurch geschaffenen Werke großartige zu nennen sein und all— 
seitige vollste Beachtung verdienen, sowohl hinsichtlich der ver— 
wendeten Materialien wie der Konstruktionen, zu welchen sie 
zusammengefügt sind, und sehr interessant wäre es, eine vollstän— 
dige Sammlung aller hier zur Ausführung gebrachten Konstruktionen 
anzulegen, eine Aufgabe, welche demjenigen zu empfehlen sein 
möchte, der eine praktische und allen Anforderungen der Jetztzeit 
entsprechende wirklich neue Baukonstruktionslehre schreiben wollte. 
Es dürfte deshalb auch nicht überflüssig sein, wenn an dieser Stelle 
Einiges über die baulichen Verhältnisse Wilhelmshavens mitgetheilt 
wird, und zwar zunächst, um eine richtige Folge innezuhalten, über 
die hier gebräuchlichen Fundirungen. 
Das Terrain, auf welchem die Stadt liegt, trägt, wie die 
ganze Nordwestküste von Deutschland den alluvialen Charakter der 
Marschgegend. Die Fluth bringt Sand und Thonmasse von den 
im Abbruch befindlichen Kisten der Nordseeinseln in die Jade und 
läßt sie an den seichteren Stellen sinken, bis diese zu der gewöhn— 
lichen Fluthöhe angewachsen, zu einem sich bald mit Pflanzen be— 
deckenden „Groden“ werden, welcher durch Eindeichung dem Meere 
abgewonuen und in fruchtbares Weide- oder Ackerland verwaundelt 
werden kann. Innerhalb des Stadtgebietes von Wilhelmshaven 
ist dieses Terrain aber mit einem bei den Ausschachtungen für den 
Hafen gewonnenen oder aus dem benachbarten Oldenburgischen 
Gebiet bezogenen feinen Sande ca. 1,25 mm hoch überschüttet worden, 
dadurch die Gegend von dem lästigen Fieber befreiend, welches 
vorher durch die Ausdünstungen sumpfiger Landstrecken erzeugt 
wurde. Einen ungefähren Begriff von der Großartigkeit der 
Terrainveränderung gewährt vielleicht die Mittheilung, daß bisher 
etwa 11,, Million Kubikmeter Erde ausgeschachtet resp. aufge⸗— 
schüttet worden sind. Der gewachsene Boden ist in seincr obersten 
natürlichen Schicht, welche den Namen Klaischicht führt, ca. 1m 
stark und sehr fruchtbar; darunter liegen von einer 20 bis 50 cm 
starken Torf- oder Dargschicht durchschnitten stark eisenoxydul— 
oxydhaltige Thonschichten bis etwa 5 m unter der natürlichen 
Terrainflaäͤche. Von da ab folgt eine ca. 9 mm mächtige Schicht 
jeinen blauen Quarzsandes, der endlich in ganz reinen weißen 
Qarzsand übergeht. Die Klaischicht sowohl wie die Darg- und 
Thonschichten sind für schwerere Gebäude ohne besondere Vor— 
kehrungen im Allgemeinen nicht tragfähig. Zwar hat man, beson— 
ders in letzter Zeit, versucht, auch bei größeren Häusern ohne 
künstliche Fundirung auszukommen, indessen ist kaum ein 
günstiges Resultat zu erwarten, da in Folge der ungleichmäßigen 
Belastung auch ein ungleiches Setzen der Gebäude und somit ein 
Zerreißen der Mauermassen in größerem oder geringerem Maße 
unvermeidlich ist. Der Grad, bis zu welchem dies zulässig, dürfte 
leider bei den neuerdings hier in Angriff genommenen Spekulations— 
bauten schon in bedenklicher Weise überschritten werden. Allgemein 
jedoch witd auch bei Privatbauten für zwar einfache, aber zweck— 
entsprechende Fundirung Sorge getragen. 
Das nächstliegende Mittel ist natürlich immer eine möglichst 
weitgehende Verbreiterung der Fundamente unter einem Winkel 
von b00, ja sogar von 456. Selten aber beschränkt man sich darauf 
allein; vielmehr wird fast immer gleichzeitig ein Hauptgewicht 
darauf gelegt, daß die sämmtlichen Fundamente und Bankets eine 
einzige monolithe Masse bilden, die im Stande und stark genug 
ist, Linen an irgend einer Stelle empfangenen Druck auf eine 
atßßere Fläche zu übertragen. Dies wird zunächst am einkachsten 
dadurch erreicht, daß man das Fundament aus hartgebrannten 
Ziegeln in gutem Cementmörtel aufführt und je nach den Mitteln, 
velche zur Verfügung stehen, eventuell noch eine Sandschüttung 
unter den Fundamenten einbringt. Im Allgemeinen aber geschieht 
dies nur selten, da die Sandschuͤttung viele Arbeit und nicht uner— 
hebliche Kosten verursacht. 
Auch Betonschüttungen, Schwellroste und Pfahlroste werden 
zur Sicherung des Gebäudes unter die Fundamente gebracht; leider 
iber sind die Roste zu theuer, um hier bei Privatgebäuden ange— 
vendet werden zu können, und die Betonschüttung hat bisher nicht 
eben günstige Resultate geliefert, wenigstens sobald schwerere Ge— 
häude in Frage kommen. 
Beispielsweise ist das hiesige, in den Jahren 1881 bis 1883 
ꝛxbaute neue Postamt, bestehend aus Souterrain, Erdgeschoß und 
Etage derart fundirt, daß über die ganze bebaute Grundfläche eine 
a. Um starke Betonschicht geschüttet worden ist, die, als monolithe 
Masse wirkend, einerseits ein ungleichmäßiges Senken des Gebäudes 
ind andererseits ein Eindringen des Grundwassers verhindern 
ollte. Bald zeigte sich indessen, daß die Betonschicht in Folge der 
ingleichen Dichtigkeit des Bodens und der ungleichen Belastung 
zurch das Gebäude gebrochen war und das Grundwasser die Keller 
anfüllte, während das Gebäude selbst nur durch nachträglich ein— 
gebrachte starke eiserne Zuganker zusammengehalten werden konnte. 
Da hiernach keine von den genannten Fundirungsarten den 
Anforderungen der Solidität und Wohlfeilheit zugleich genügt, hat 
nan zu einem anderen, weniger bekannten Befestigungsmittel ge— 
zriffen, das als durchaus zweckmäßig, weitere Beachtung verdient. 
Man hat nämlich an Stelle des hölzernen einen eisernen 
Schienenrost (sogenannt, weil er gewöhnlich aus alten Eisenbahn— 
chienen hergestellt wird) verlegt, aber nicht unter das Fundament, 
ondern zwischen Fundament- und Sockel- resp. Kellermauerwerk, 
)erart, daß das Manerwerk unter und über den Schienen gut in 
Lementmörtel gemauert und die Schienen selbst fest in Cement— 
nörtel gelegt sind. Zur Verbindung der einzelnen Theile des 
Rostes werden im Allgemeinen zwei Wege eingeschlagen, d. h. ent⸗ 
veder liegen sämmtliche Schienen, sowohl auf den Lang- wie auf 
den Querwänden, in gleicher Höhe, und werden dieselben dann in 
den Stößen und Kreuzungspunkten oder Ecken durch schmiedeeiserne 
Winkel verlascht, oder es werden die Schienen der Querwände auf 
die Schienen der Längswände oder richtiger, die Schienen der 
längeren Wände auf die der kürzeren Wände stumpf und ohne 
Verlaschung aufgelegt. Diese letztere Konstruktionsweise ist die 
billigere und bietet noch größere Garantie gegen ungleiches Setzen, 
weil der Druck sich überall gleichmäßig vertheilen muß. Von 
Wichtigkeit ist es hier, darauf zu achten, daß die Schienen dicht 
ammauert und gut vergossen werden, ist das aber geschehen, so 
üönnen auch schwere dreigeschossige Gebäude ohne Bedenken auf 
in solches Fundament gesetzt werden. Selbstverständlich wird ein 
Zenken des Gebäudes nicht ausgeschlossen sein; dies ist aber auch 
richt der Zweck; der Schienenkost soll nur bewirken, daß das 
Senken völlig gleichmäßig erfolgt, also im Mauerwerk keine Risse 
entstehen. Meit Rücksicht auf das Senken des Gebäudes aber 
rechuet man bei dem Eutwurfe von vornherein auf ein Senkmaß, 
»as bei einem dreigeschossigen Gebäude bis zu 30 cm. bei einem 
weigeschossigen bis zu 20 6m beträgt. — 
Eine andere Fundirungsart, die seltener vorkommt, aber 
ihnlich bei Hafenanlagen schon angewendet worden ist, gelangt bei 
iiner hier im Bau begriffenen neuen Mole mit vielem Vortheil 
ur Ausführung. Bei derselben werden nämlich Klötze von 6,3 obm 
Inhalt aus Hartbrandsteinen in hydraulischem Mörtel, die im 
krockenen aufgemauert find, versenkt, eine Arbeit, die bei prak— 
ischer Konstruktion der Baugerüste und unter Zuhülfenahme zweck 
näßiger Maschinen ziemlich leicht und schnell von Statten geht. 
Bei der hiesigen Anlage werden die 3,0 m langen, 1,5 mm breiten 
ind 1, Am hohen Klötze an einem besonders dazu eingerichteten 
Platze innerhalb eines starken Gerüstes hergestellt und dann auf 
inem Schienengeleise, das durch dieses Gerüst hindurch und bis 
iuf das Baugerüst zur Verwendungsstelle führt, transportirt, wo 
ie von einem Krahn erfaßt und bei Ebbe an ihrem Standort 
serabgelassen werden. Solcher Klötze sind bis jetzt etwa 2000 
ertig gestellt und werden im Ganzen vielleicht 3500 Stück zur Fun— 
zirung erforderlich sein, was, in Ziegelsteinen des hier gebräuchlichen 
Formates ausgedrückt, ein Quantum von 12—13 Millionen ergiebt. 
So groß diese Zahl nun an sich schon ist, erscheint sie doch 
wieder klein, wenn man dagegen berücksichtigt, daß im Ganzen zu 
den bisher hier von der Marine ausgeführten Bauten etwa die— 
elbe Anzahl Mark, also etwa 12,5 Millionen allein für Ziegel— 
teine ausgegeben sind, was bei einem Durchschnittspreise von 
5 Mk. pro Tausend einen Verbrauch von rot. 500 Millionen 
Ziegeln und eine Mauermasse von nabezu 1 Million Kubikmeter 
raiebt Ad. Kelm
	        
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