Volltext : Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 43, Bd. 2, 1883)

Eine Betrachtung zum Jahresschluß. — Der Hausbau in Cementbeton.

Eine Betrachtung zum Jahresschluß.
Unsere Leser erhalten in der vorliegenden Nummer die letzte
in diesem Jahre, sodaß wir, nicht umhin können, hiermit unseren
Dank auszusprechen für die freundliche Unterstützung, die unserem
Streben in dem abgelaufenen Jahre in so reichem Maaße zu
Theil geworden ist.
Wir haben hieraus ersehen, daß wir auf dem richtigen Wege
sind und werden denselben auch ferner unbeirrt und unbekümmert
um alle Anfeindungen verfolgen, da durch die uns zu Theil ge—
wordene Anerkennung dokumentirt ist, daß unser Bestreben: zum
Besten und zur Hebung der gesammten Baugewerbe insbesondere
und des Gewerbestandes im Allgemeinen wirksam zu sein, kein
verfehltes war.
Die Ausbildung freier Vereinigungen der Gewerbetreiben—
den, welche wir uns zum Ziele gesetzt haben, — verbunden mit
der technischen, theoretischen und allgemeinen Ausbildung der Ge—
werbetreibenden der Zukunft — hat im vergangenen Jahre be—
deutende Fortschritte gemacht. Es ist dadurch konstatirt worden,
daß alle Bestrebungen, der heutigen Zeit veraltete Institutionen
aufzupfropfen und dem Zeitgeiste Gewalt anzuthun, vergeblich
sind. Es hat sich auch im verflossenen Jahre die Ueberzeugung
immer mehr und mehr Bahn gebrochen, daß keine Staatshilfe,
kein Innuügs- und Prüfungszwang — welche nur den selbst—
süchtigen Bestrebungen gewisser Größen förderlich sind und das
Cliquen- und Protektionswesen aufblühen lassen — dem Bau—
gewerbe und dem gesammten Handwerkerstande aufhelfen können,
sondern daß einzig und allein die Hebung des ganzen Gewerbe—
standes nur dadurch erfolgen kann, daß derselbe seine Zeit er—
kennt und für' seine Bildung nach jeder Richtung hin Sorge trägt.
Da wir es uns auch im neuen Jahre werden angelegen
sein lassen, auf dem bisherigen Wege fortzuschreiten und durch
immer gediegeneren Inhalt und durch aufmerksame Verfolgung
der gewerblichen Tagesfragen dem Interesse unserer Leser gerecht
zu werden, so gehen wir mit den besten Asusichten und Hoffnungen
in das kommende Jahr hinüber. Wir erwarten aber 'auch, daß
uns das Baugewerbe, sowie der gesammte Gewerbestand im neuen
Jahre ebenfalls kräftig zur Seite stehen wird und schließen somit
das alte Jahr mit dem herzlichsten Glückwunsche an alle unsere
Leser und Mitarbeiter und mit der festen und fröhlichen Hoffnung
für ein gedeihliches und segensreiches Zusammenwirken im nächsten.

—

Der Hausbau in Cementbeton.
Von F. Rud. Vogel.
Hierzu 7 Fig.)
Schluß.)
Sobald die Mauern des Gebäudes fertig, wird gleich die
Schaalung für die Gewölbe auf Lehrbögen zwischen gespannt, der
Beton aufgebracht und mit Fußbodenestrich versehen, auch gleich
die Keller⸗ und Korridor-Fußböden fertig gestellt.
Soll auch das Dach in Beton hergestellt werden GBeton—
konstruktionen Fig. 457), so geschieht das im unmittelbaren An—
schluß an die Wäude. Zuletzt werden die Treppen in hölzernen
Formkästen, bei der obersten Stufe anfangend, hergestellt und
zleich mit Aufguß versehen. Dann kommt, so weit es nöthig,
der Verputz an die Reihe, dem der weitere Innenausbau folgt.
Nachdem wir so die Herstellungsweise der Betonhäuser ge—
zeigt, erübrigt noch Besprechung des Mischungsverhältnisses und
der Wandstärken. Die Güte des ersteren steht im umgekehrten
Verhältniß zur letzteren, also je besser die Mischung, d. h.'je imehr
Cement, um so schwächer können die Wände ausgeführt werden.
Beide haben natürlich ihre Grenzen. Ein Mischungsverhältniß von
weniger als 1 Theil Cement zu 20 Theilen Zuschlag und eine
geringere Wandstärke als 10 em sind unthunlich, bei Außenwänden
sollte man, nicht unter 16 em Stärke gehen. Natürlich richtet sich
die Wahl beider nach den jeweiligen Verhältnissen und fehlen leider
noch genaue Formeln und Zahlen zur Berechnung derselben, doch
können wir nachfolgende. auf Erfahrung beruhende Rormen an—
nehmen.
Kiesbetonwände in Mischung: 1Th. Cement zu 10 Th.
Kies können um , schwächer ausgeführt werden als Wände aus
gutem Backsteinmaterial unter gleichen Verhältnissen, und da
Mischung und Wandstärke in umgekehrtem Verhältniß stehen, er—
halten wir nachfolgende Tabelle für die Wandstärken in Centimetern
hbei Mischunasverhältniß 1:3 bis 1:20

Tab—

Stein
stark

Backstein

Betonwände in Mischung
12 1191 101: 151: 20

c.

*«

⸗

17
*8
—
50
87

Da man bei dem Anwachsen der Wandstärken nicht bei Beton
»om Steinmaaß: also 1/, Stein — I2t,, cem, abhängig ist, sondern
»ielmehr die Wände centimeterweis, ja sogar in noch geringeren
Maaßen anwachsen lassen kann, so liegt hierbei schon eine sehr
zroße Ersparniß, eine weitere liegt darin, daß man die schwächsten
Außenmauern eines Gebäudes in Backstein der Witterungseinflüsse
halber nicht schwächer als 10/3 Stein nimmt, während man meist
mit 1 Stein, ja wohl mit / Stein, betreffs der Stabilität aus—
äme (siehe Roudelet's Formeln), welche Stärke der Betonwand
zu Grunde gelegt werden kann, je nach Wahl der Mischung 16,5
25 oder 33 em stark.
Auch hat man es beim Beton in der Hand, die Gebäude—
mauern in einer Stärke hoch zu führen, also z. B.:
Tabelle ?7

Geschoß

Backfstein⸗
stärke

Rotr an⸗Mischung bei
negenchung
33 em

Geschoß

Sonferrain

Vortheile, die besonders für Treppenhaus und Schornstein—
Anlagen nicht zu unterschätzen und genau gleiche Grundrisse der
übereinanderliegenden Räume sichern.
Wie schon oben erwähnt, sind 17 cm starke Wandmauern,
wenn sie aus Kiesbeton ohne Sand hergestellt und beiderseits ver—
yutzt sind, außen natürlich in Cementmörtel, vollständig warm
ind trocken.
Da es nun in jeder Beziehung, rationell ist die Wandungen
dünn herzustellen: erstens weil Raum erspart wird und zweitens
weil billiger, da der, Arbeitslohn des Mischens und Einbringens
— DDDODD
jut, im ersteren Falle aber weniger Masse verarbeitet wird, —
'o dürfte 17 bis 20 em die praktischte Wandstärke für Gebäude
ein und wäre wohl zu empfehlen, die Röhren, die die Formkästen
iuseinanderhalten, die ja ein gewisses Anschaffunaskapital reprä—
entiren, in dieser Länge zu wählen.
Anders liegt natuͤrlich die Sache bei mit Sand gemischtem
Beton, bei dem alle Hohlräume ausgefüllt werden, derselbe erfordert
wenig mehr Cement, braucht aber außen und innen nicht verputzt
zu werden, sollte aber nicht unter 20 om Außenmauerstärke ange—
wandt worden, wegen Wärme- und Witterungseinflüssen. Das
Aussehen dieser Baüten ist sandsteinartig und ist es gut an den
Ansatzstellen der Kästen Leistchen anzulegen, um so duͤrch Fugen
die Ansatzstellen zu verwischen und Quaderung zu erzielen; will
man dies nicht, ist es nöthig nach Wegnahme jedes Formkastens so⸗
fort die Ansätze mit dem Reibbrett überzugehen und event. Lücken
nit fast trockener Mischung, Sand und Cement 6: 1 auszustreichen.
Auf diese Weise erhält man eine exakte Façade, die dem Putz kaum
nachsteht und sandsteinähnlicher. Etwaige Gefimse die im anderen Falle
angeputzt würden, werden durch eingesetzte Profilformkästen erzielt
und mit Sand und Cement 6:1 vorsorglich ausgefüllt und ge—
tampft. Bei großer Ausladung wird diese Sandbetonmischung als
zdünne Schicht in das Profil gebracht und der Rest mit Kiesbeton—
Mischung 1: 821: 10 ausgefüllt. Nach genügender Erhärtung
kann eine solche Façade wie Sandstein nachgearbeitet werden.
Die Methode der Mischung, Kies und Cement 10: 1 mit
Verputz ist die günstigste, es läßt sich bei ihr am schnellsten ar⸗
beiten und haftet sowohl Innen- als Außenputz am besten. Bei
de Methode haben sich nachstehende Wandstärken in der Praxis
ewährt;
            
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