57
Berichte aus verschiedenen Städten. — Erfindungen.
558
gesichert und wir glauben mit unserer Ansicht nicht vereinzelt da—
zustehen, wenn wir in der Erbanung eines Künstlerhauses einen
veit edleren und idealeren Zweck erblicken, als derjenige, welcher
die Rennen veranlaßt, wie sehr diese auch mit den Ausprüchen an
eine Bäderstadt wie Baden-Baden zusammenhängen und wie sehr
ie auch auf unsere Künstlerschaft durch Ankauf von Kuunstwerken
vortheilhaft eingewirkt haben. Indeß die Künstlerhausfrage ist
ür Karlsruhe als Sitz einer Kunstschule auch eine wichtige Frage
)es Kunstlebeus.
Jedoch weg mit diesen Phantasieträumen; es mag das jetzige
Vorhaben immerhin als ein bedeutender Schritt vorwärts warm
»egrüßt werden.
In einem Appendix des trefflichen Krokodil soll der Verein
ein Heim finden, einen Ort der fröhlichen Geselligkeit und des
yeiteren Kunstverkehrs. Die Krone des Ganzen bildet der Festsaal,
velcher nach dem genialen Entwurf des Prof. C. Hammer eine
reiche Wand- und Deckendekoration erhalten soll. Den hervor—
ragendsten Schmuck erhält die den Fenstern gegenüber liegende
Waänd: durch Unterzüge tragende Pilaster wird eine Dreitheilung
der Wand bewirkt; der mittlere, mächtigere Theil entspricht dem
Jjuadratischen Meittelfeld der Decke, während die Seitentheile in
ihrer Bedentung zurücktreten. Die Dekoration dieser Wand besteht
iun in einer aufgemalten, perspektivischen Hallenarchitektur im
—A
»ereinigt sich mit eleganter Stylauffassung zu einem reizvoll male—
rischen und idealwirkenden Ganzen. Meit viel Glück ist diese
herspektivische Dekoratiousweise sowohl der Wand, wie der Decke,
zewählt worden, um die an und für sich gerade nicht bedentenden
Dimensionen des Saales täuschend zu vergrößern. In den Seiten—
heilen führen säulenhallige Treppenhäuser, von den edlen Figuren
der Quattro- und Cinquecentisten belebt, zu offenen Loggien, welche
»urch Balkonöffnungen des Mittelfeldes sichtbar werden. Der
nittlere Theil zeigt wieder in sich eine Viertheilung derart, daß
)urch reizvolle Caryatiden zwei rundbogenüberspannte Oeffnungen
mit Balkonen abgetheilt sind, während die Mitte als bis auf den
Fußboden gehende Qeffnung aufgefaßt ist, von welcher ein reiches
Barockgitter scheinbar zu einer Terrasse führt, von welcher eine
zroße Freitreppe die Vermittelung zur ebenen Erde bildet. Eine
u Sonnennebel gehüllte, landschaftliche Fernsicht mit großer,
ikropolisähnlicher Architektur bildet den trefflichen Hintergrund.
An der dreitheiligen Decke erfährt gleichfalls wieder der
nittlere Theil die reichste Dekoration bestechend in einer perspek—
ivisch sehr verjüngten Scheinarchitektur, welche sich von den vier
Ecken aus entwickelt. Innerhalb einer abgegrenzten Frieszone
»auen sich von den vier Ecken aus figurengeschmückte Nischen anf,
velche oben in figurenumlagerte, obeliskenartige Aufsätze derart
ruuslaufen, daß sie noch halbrunde Oeffnungen lassen, durch welche
»er freie Himmel durchblickt. Die oblongen Seiteunfelder theilen
ich wieder in ein quadratisches Mittelfeld und zwei Nebenfelder,
mit entsprechender, jedoch mehr untergeordneter Dekoration. Thür—
ind Fensterwand werden im Charakter der großen Dekoration
zehalten, während die vierte Kurzseite des Saales prosceniumartig
zurchgebildet ist, um einer Bühne die entsprechende Umrahmung zu
geben. — o. —
Pest. Der Baun eines nenen Parlamentsgebäudes
st nunmehr eine beschlossene Sache, nachdem die darauf bezügliche
Regierungs-Vorlage, wenn auch erst nach einem längeren par—
amentarischen Kampfe, vom Abgeordnetenhause augenommen worden
sst. Die Opposition richtete sich nicht so sehr gegen die anerkannte
Nothwendigkeit der Erbauung eines würdigen und monumentalen
Bebäudes, als vielmehr gegen die Kostspieligkeit des vorliegenden
Projektes, welches ohne die innere Einrichtung mit 10 Millionen
Hulden veranschlagt ist. Der Entwurf rührt von Prof. Steindl
her und ist das Resultat eines Preisausschreibens, in dessen Pro—
zramm die einzuhaltenden Kosten allerdings nur mit 4 bis 41,
Millionen angegeben waren. Das Gebäude ist in reichstem go—
chischen Style geplant und soll in der Nähe der neuen Marga—
dethenbrücke hart am Donau-Quai errichtet werden. —tx —
New-York. W. H. Vanderbilt's Geldgewölbe, in
dem er vor seiner Abreise nach London ungefähr hundert Milliön—
hen Dollars in Sicherheit brachte, ist eine der sichersten Schatz—
kammern der ganzen Welt, macht aber, von außen gesehen, nicht
den Eindruck. Dasselbe ist in Felsen gesprengt, der Oberbau be—
tteht aus einer 5 Fuß starken Vorderwand, 3Fuß starken Hinter—
ind Seitenwänden, aus besten Ziegelsteinen mit Braunsteinein—
jassung. Alle Träger, Balken, Saͤulen und Pfeiler sind von Eisen
und Marmor. In dem ganzen Ban ist absolut kein Holz ver—
vendet. Das eigentliche Gewoölbe ist 36 Fuß breit, 41 Fuß tief
ind befindet sich im untersten Stockwerke. Die 4 Thüren, die
sintereinander in dasselbe führen, wiegen je 8200 Pfund und sind
aunübertroffene Meisterstücke, sowohl was ihre Festiakeit, als die
Schließvorrichtungen anlangt. Das Gewölbe, in welchem der
amerikanische Krösus seine Schätze untergebracht hat, ist absolut
diebes-, feuer- und wasserfest.
Worms. Hier hat sich ein Komité gebildet, um wegen
Erhaltung und innerer Herrichtung des herrlichen romanischen
Domes Schritte zu thun. Zunächst ist eine Kommission, be—
»estehend aus dem Hofbaudirektor von Egle in Stuttgart, dem
Beh. Oberbaurath Dr. Müller in Berlin zusammengetreten.
Die Herren haben in diesen Tagen zunächst den Dom in Rücksicht
auf die etwaige Baufälligkeit einzelner Theile untersucht und
werden darüber Bericht erstatten. Wenn auch zu wünschen ist,
daß möglichst wenig als baufällig möge befunden werden, dam it
die Originalität des einzigen Baudenkmals in thunlichst geringem
Maße angetastet werde, so muß doch jeder Bedacht auf Sicherung
des Bestandes genommen werden.
Erfindungen.
Ueber die Erfindung des lenkbaren Luftschiffes bringt
die „V. Ztg.“ folgenden genaueren Bericht: Sonnabend (9. August)
tieg bei Meudon ein Vuftschiff in der Form einer sehr langen
Zigarre auf, das mit einer Schraube und einem Steuerruder ver—
ehen ist. Dasselbe wird von einer außen nicht sichtbaren unge—
nein starken Maschine bewegt. Das Luftschiff ist in den Werk—
tätten der unter dem Kriegsministerium stehenden Liftschifffahrts—
Ubtheilung in Meudon gebaut worden. Die Insassen ließen ihr
Zchiff etwas über den benachbarten Berg steigen, bevor sie dessen
Schraube in Bewegung setzten. Das Schauspiel war geradezu
vnudervoll. Das Luftschiff setzte sich nach Osten in Bewegung,
erst langsam, daun aber schneller, bis zu der Schnelligkeit etwa
ines scharf galoppirenden Pferdes. Das —i“chiff drehte sich dann,
sleich einem Dampfer, mittelst seines Steuerruders und fuhr gegen
Zicétre und Villacomblay. Bald kehrte es nochmals um und kam
zenau auf seinen Ausgangspunkt, eine kleine, etwa 150 auf 80 m
hjaltende Libptung im Walde, zurück, wo das Schiff ganz ruhig
ind sicher niederstieg. Die ganze Reise hatte 25 Minuten gedaueri
ind sich mit einer Sicherheit und Regelmäßigkeit vollzogen, welche
alle Anwesenden in das höchste Erstaunen versetzte. Die Lenkbar—
eit der Luftfahrzeuge ist nunmehr eine unleugbare Thatsache, so hieß
s einstimmig. Die beiden Luftschiffer wurden auf das Lebhafteste
»eglückwünscht. Es sind die beiden Hauptleute Renard und Arthüur
drebs, Direktor und Subdirektor der Armee-Luftschifffahrt. Sie
saben das neue Luftschiff erfunden und gebaut. Seit mehr als
echs Jahren haben sie fast ununterbrochen an dieser Erfindung
Jgearbeitet, welche von weittragendster Bedeutung sein wird, wenn
die weiteren Fahrten ebenso günstig verlaufen, wie diese erste
Probe. Mehrere Pariser Blätter stimmen begeisterte Jubelhymnen
in, daß die echt französische Erfindung der Luftschifffahrt nunmehr
ruch durch Franzosen die länast angestrebte Vollendung erlangt
Jabe
Neuer Selbstbefeuchtungspinsel. Pinsel, welche sich
elbst befeuchten, waren schon immer das Ideal der Fachleute;
eine Menge bekannt gewordener Verbesserungen erfüllten diesen
Zweck nur unvollkommen.
Diese Art, den Pinsel beständig zu befeuchten, scheitert aber
in den oft sich verklebenden Durchgangsöffnungen, und ist somit
vorliegende Erfindung, welche wir der „Scient. Americe“ ent—
iehmen, eher noch zu empfehlen.
Di selbe besteht aus einer Kautschukbirne, durch welche der
Briff eines gewöhnlichen Pinsels durchgeht. Oben schließt sich der
Kantschuk enge au den Griff. Nach unten läßt derselbe jedoch so
ziel Raum frei, daß an den Wänden des Griffes durch Aufsaugung
Farbe in die Kautschukbirne dringen kann.
Zu diesem Zwecke hat man die Luft durch Zusammendrücken
zu entsernen und giebt sodann den Pinsel in den Farbtopf. Der
Pinsel wird hierdurch nicht nur allein mit Farbe gesättigt, sondern
zie Farbe wird von der Birne in ihren luftleeren Raum aufge—
ogen und somit mit entsprechendem Farbevorrath gefüllt. Das
intere Ende der Birne hat einen kreisrunden Ansatz, um den
Pinsel überall auflegen zu können, ohne die Unterlage zu verun—
einigen. Eine Hülse wird über den Pinsel gesteckt, wenn derselbe
nicht'im Gebrauche ist, damit derselbe weich bleibt,
Beim fortwährenden Gebrauch des Pinsels genügt, nach
Bedarf, ein leichter Druck, um eine entsprechende Quantität Farbe
dem Pinsel zuzuführen. Diese Vorrichtung kaun auf jedem Pinsel
gewöhnlicher Form angebracht und ebenso leicht abgeuommen werden.
Obige Erfindung wurde Herrn F. C. Forrester in Leaven—
vorth-Kansas patentirt.