Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 44, Bd. 3, 1884)

Berichte aus verschiedenen Städten. 
714 
Breslau. (Oeffentliche Bauten.) Der Bau des neuen 
Regierungs-Gebäudes am Lessingplatz ist so weit vorgeschritten, 
daß über dem östlichen Theil der Südfaçade bereits der Dachstuhl 
aufgesetzt werden konnte. Im Innern hat man bereits die Ab— 
wölbung der Räume des Erdgeschosses in Angriff genommen. — 
Der Neubau des Postgebäudes erhebt sich gegenwärtig schon über 
die Höhe des ersten Stockwerks. Die Wölbungen des Erdgeschosses 
werden hier von schmiedeeisernen Trägern gehalten, welche auf 
uarken eisernen Rundsäulen ruhen. Die Aufstellung der Säulen 
stnd die Einfügung der Träger wird gegenwärtig gefördert. — 
Der Bau der neuen Vordombrücke ist so weit gediehen, daß nun 
die Mauerung des Strompfeilers in der Ausführung begriffen ist, 
während die beiden Stirnpfeiler fertiggestellt sind. Gleichzeitig 
mit dem Aufbau des Strompfeilers wird die Riegulirung der 
Uferböschung am rechten Ufer des betreffenden Oderarmes betrieben. 
Die Strom— und Mauerungs-Arbeiten. dürften noch vor Eintreten 
des Winters zum Abschluß gelangen, worauf die Legung des Eisen— 
werkes, welches in Ausführung begriffen ist, erfolgen wird. 
Hamburg. Die große Vermehrung der Postgeschäfte hat 
hier die Erbauug eines neuen an Ausdehnung wohl von keinem 
andern in Deutschland übertroffenen Central-Postgebäudes noth— 
wendig gemacht. Der gewaltige Bau wird in etwa zwei Jahren 
fertig gestellt sein. 
dann anzustreben, wenn die Arbeit zur Berechnung kommt. Mit 
seichter Hand entwirft der geniale Zeichner eine Thürfüllung, ein 
Gitter in wenigen Strichen, aus denen weder der tüchtigste Tischler, 
noch der geübteste Schlosser die nachher gewünschte Ausführung 
erkennen kann. Was aber ist die Folge der ungenügenden Zeichnung. 
Der Arbeiter, dem die Art des Ärchitekten, reiche Zeichnungen 
herzustellen, bekannt ist, rechnet den dafür erforderlichen Preis. 
Der andere, mit den Verhältnissen nicht Vertraute, legt die skizzen— 
hafte Darstellung seinen Berechnungen zu Grunde und erhält die 
Arbeit. So froh er damit ist, wird es ihm bei der Erlangung 
der, häufig erst nach Monaten, ihm zugehenden Spezial-Zeichnung 
klar, daß zu dem veranschlagten Preise die Arbeit keinen Nutzen 
läßt, oft sogar Nachtheil bringt. Drei Wege giebt es nun, aus 
diesem Dilemma herauszukommen: Die Qualitaͤt der Arbeit wird 
chlechter, er arbeitet mit Schaden, oder wendet sich an den Archi— 
ekten mit der Bitte um einfachere Zeichnungen. Dieser letztere 
Weg wird, wie uns jeder mit den Verhältnissen Vertraute zuge— 
tehen muß, um so weniger eingeschlagen, als einerseits befürchiet 
vird, es mit dem Architekten zu verderben, dieser aber andererseits 
in den Generalskizzen genügende Anhaltspunkte für die Spezial— 
zeichnungen nachzuweisen im Stande sein wird. Es erübrigen 
also nur zwei Wege, von denen die Redlichkeit des Handwerkers 
uind das kontrolirende Interesse des Bauherrn die Verringerung 
der Qualität verhindert und somit bleibt nur der absolute pekuniäre 
Schaden des Handwerks übrig. In den letzten Jahren hat die 
ich mit zwingender Kraft aufdrängende Erkenntniß, daß es anders 
verden müsse, einzelne Architekten veranlaßt, feste bei der Be— 
rechnung zu normirende Preise anzugeben und es der späteren Ver— 
einbarung zu überlassen, die Arbeiten nach den Spezialzeichnungen 
auszuführen. Aber auch dies nützt nicht viel, schreiben die „Pam— 
burger Nachrichten“, denn fortwäyrend muß der Handwerker mit 
dem Architekten rechnen, ob zu diesem oder jenem Preise die Arbeit 
herzustellen ist, und es kommt nicht selten vor, daß längst nach 
Abschluß des Kontrakts des Generalübernehmers mit dem Einzel⸗ 
handwerker, dieser bei Arbeiten, die er zu den normirten Preisen 
nicht ausführen zu können glaubt, durch nochmalige Konkurrenz 
dieselben einem Anderen übertrage nsieht, während ihm vom General— 
übernehmer bereits sämmtliche Lieferungen seiner Brauche zuge— 
wiesen waren. 
Wie unleidlich solche Zustände sind, bedarf wohl kaum einer 
veiteren Erklärung. Wir halten diesen Punkt für den der Ver— 
besserung bedürftigsten, und werden in einem weiteren Artikel die 
Nothwendigkeit der Abstellung auch anderer Mängel darzulegen ver— 
suchen. J 
Hamburg. Das hamburgische Banhandwerk und 
die Architekten.“ Seit längerer Zeit bemüht sich Jemand, in 
einer größeren Anzahl von Aufsätzen, die mit „Veritas'“ gezeichnet 
werden, die Schäden darzulegen, an denen das Bangewerbe in 
Hambnurg seit einer Reihe von Jahren leidet. Er findet in der 
Ueberproduktion und in der mangelhaften Ausführung die haupt— 
sächlichsten Gründe und legt mit sicherer Hand das Messer an 
die Wurzel des Uebels: „Der schwindelhaften Erwerbung der 
Plätze und Kapitalien zur Ausführung des Baues.“ Die großen 
Nachtheile, die aus allen diesen Manipulationen für den mit 
solchen Verhältnissen total unbekannten Handwerker entstehen, 
führen uns dazu, der weiteren Schäden zu gedenken, an denen in 
Hamburg das gesammte Bauwesen, sowohl das staatliche wie das 
private ktraukt. — Was das erstere betrifft, so bemühen sich seit 
ianger Zeit Behörden, Korporationen und Fachleute jenen Uebeln 
abzuͤhelsen, die ihren Grund zumeist in der ungenügenden Ab— 
'affung der Baukontrakte finden. Ihren geeinten Bemühnngen 
und nameuntlich dem energischen, unaufhörlichen Andringen der 
Handwerker selbst ist es gelungen, eine große Anzahl von Mängeln 
Pzustellen. Und wir zweifelu nicht, daß bei dem guten Willen 
der maßgebenden Persoͤnlichkeiten es gelingen wird, was lange 
Jahre unmöglich war — den gediegenen, tüchtigen Handwerker 
zu veranlassen, sich bei öffentlichen Arbeiten an der Submission 
zu betheiligen. 
Wie aber sieht es mit der Abfassung der Koutrakte und der 
Vergebung der Arbeiten bei Privatbauten aus? Da hat sich im 
Lause der Jahre eine solche Fülle von Ungenauigkeiten und 
Schäden zur Gewohnheit ausgebildet, daß es der verständige Hand— 
werker wie ein Wagniß anfieht, wenn er eine Arbeit berechnet 
und ihm solche zur Ausführung übertragen wird. Soll in das 
Baugeschäft wieder Stetigkeit und Kraft, kommen, soll auch hier 
der in so manchen anderen Branchen überwundene Standpunk 
„Billig und schlecht“, nicht mehr gelten, dann wird das erste Er— 
forderniß die Klarheit in der Angabe der geforderten Arbeit sein. 
Und da wenden wir uns an Diejenigen, die in erster Reihe eine 
sofortige Aenderung darin herbeiführen können, an die Herren 
Architekten. Es läßt keinen Zweifel, daß die Abfassung der Bau— 
bedingungen fast regelmäßig dem leitenden Architekten überlassen 
bleibt“ Es sei denn, daß hinsichtlich der Zahlungsbedingungen 
der Auftraggeber besondere Bestimmungen angiebt. Denn wie die 
Janze, dem Architekten von dem Aufträggeber gestellte Aufgabe in 
dem Vertrauen zu diesem wurzelt, so bringt es in den meisten 
Fällen die totale Unkenntniß der Sache selbst mit sich, daß der 
Bauherr, so weit es die Qualitäten der Arbeiten anbetrifft, ihre 
Bezeichnung dem Architekten vollständig überläßt. Nun frage man 
aber irgend einen hamburgischen Bauhandwerker, wie viel Kontrakte 
er jährlich in die Hand' bekommt, aus denen er die verlangte 
Arbeit klar und deuilich ersehen kann, und er wird von sämmt— 
lichen nur einen oder zwei Namen nennen hören, die regelmäßig 
den vollständig berechtigten Anforderungen nach dieser Richtung 
hin zu genügen bemüht sind. Gegenüber dieser allerorten laut 
werdenden Klage, wollen wir versuchen auf einzelne Punkte hin— 
zuweisen, deren Aenderung in der That dringend geboten ist. In 
allereteriter Reihe ist eine größere Genauigkeu der Zeichnung schon 
Nürnberg. Ende Oktober. Selten nur dürfte sich ein 
Ausstellungsgebäude in seinem Aeußern in so vollkommener 
Darmonie mit den in ihm auszustellenden Gegenständen befinden, 
chreibt das „B. Tgbl.“, wie dies mit demjenigen der Fall sein 
vird, welches die Internationale Ausstellung von Arbeiten aus 
edlen Metallen und Legirungen in Nürnberg im nächsten Jahre 
»eherbergen wird. Bronzirte Eisenkonstruktionen und Eisen— 
dekorationen, zwischen welchen die theils mit Fresken, theils mit 
dekorativen sogenannten Mineral-Malereien in reichen Farben ge— 
chmückten Backsteinwäude schon von Weitem sichtbar sind, weisen 
»ereits auf den vornehmen Inhalt des Gebäudes hin. Eintretend 
gelangt man durch ein schönes Vestibül in den Mittelraum des 
Prachtbaues, d. h. in den durch Oberlicht erhellten goldenen Saal, 
velcher die sogenannte historische Abtheilung beherbergen wird. 
In den an diesen Mittelsaal sich anschließenden vier Oberlicht⸗ 
aͤlen kommen die vorzüglichsten modernen Arbeiten der Gold- und 
Zilberschmiede, der Juweliere, Bronzewaaren-Fabrikanten ꝛc. zur 
Aufstellung; man gelangt zu diesen Räumen durch zwei, zu beiden 
Zeiten aungelegte fteie Höfe, welche mit Blumen und Fontainen, 
owie durch groößere Broͤnze⸗Figuren geschmückt sind. In gerader 
Richtung den goldenen Mittelsaal durchschreitend, tritt man in den 
HMaschinensaal'ein, und in den sechs Meter breiten, in zwei Ge— 
choffen aufgeführten Umfassungshallen mit Seitenlicht werden 
die übrigen AÄusstellungsgegeustände ihr Unterkommen finden. Den 
iordöstlichen Theil des Aüsstellungs-Gebäudes bildet endlich die 
6 Meter im Durchschnitt haltende Rotunde, welche gleichfalls ihr 
dicht durch Seitenfenster erhält. Auf drei Seiten mit Blumen⸗ 
Anlagen umgeben, steht die Rotunde auf der vierten Seite durch 
eine große Freitreppe mit dem Ausstellungsgarten in Verbindung; 
der parkartige Garten umfaßt einen Flächenraum von 7000 Qua⸗ 
ratmetern; in demselben werden Aunexbauten aufgeführt, die zur 
Tufstellung von Rohprodukten, Halbfabrikaten, Werkzeugen, Ma⸗ 
chinen und Werkstätten dienen werden. Auch die Anmeldungen 
ur Einrichtung dieser letzteren mehren sich, und Alles läßt den 
icheren Schluß zu, daß die geplante Ausstellung eine großartige 
ind vollständige für alle Theilnehmer von den wichtigsten Folgen. 
ür alle Besucher von dem größten Interesse werden wird. 
e) Wir empfehlen diese interessante Korrespondenz der besonderen Be— 
achtung unserer Leser; was darin von Hamburger Verhältnifsen gesag 
wird, trifft leider auch für viele andere Städte zu— Die Red.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.