Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 44, Bd. 3, 1884)

Berichte aus verschiedenen Städten. 
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Industriezweiges gezwungen, dagegen Stellung zu nehmen. Herr 
Heüller ist nicht Erfinder dieser veralteten und längst überflügelten 
Könstruktion, sondern ein Nachahmer derselben. Er hatte sie zwar 
in Frankfuri j. 8. in der Patent-Ausstellung ausgestellt; wie er 
ie da hinein gebtacht hat, weiß nur Herr Müller und das be— 
reffende Komitee. Patentirt war sie niemals; ebensowenig wurde 
cie in Frankfurt a. M. prämiirt. 
Auch die Imprägnirung der Gurten hat sich, wie wir schon 
»vor 10 Jahren serfahren mußten, ganz schlecht bewährt. Kein 
Firniß ist auf die Dauer im Stande, dem Sonnenbrande zu 
biderftehen, d. h. weich und geschmeidig zu bleiben: er wird hart 
ind die Gurten brechen an den Biegestellen viel schneller, als ohne 
Firniß. Wir ersuchen Sie, im JInteresse des Industriezweiges 
pwohl, als demjenigen Ihres augesehenen Blattes, von dieser 
Peittheilung in Ihren Spalten Keuntniß zu nehmen. 
Für den Fall Sie sich für wirkliche Neuerungen in diesem 
Industriezweige interessiren, laden wir Sie ein, unsere neueste 
Konstruktion von Aufzugvorrichtungen an schweren Rollladen an 
»em Neubau der Herren Thiele, Berlin, Leipzigerstraße, 
anzusehen, die einem tief gefühlten Uebelstand abhülft. Diese 
18 Quadratmeter großen Schaufenster-Laden werden spielend von 
einem Laden-Mädchen gehandhabt und der Apparat ist nicht nur 
solide, sondern auch sehr billig. Jedem Architekten sind die seit— 
jerigen Rollladen, ihrer schweren Handhabung und ihres Mangels 
an Lichtdurchlaß wegen — ein Gräuel“.*) 
Fischmarkt; daun sei die gräfliche Neustidt, jetzt das St. Nikolai— 
dirchspiel, herangewachsen, habe eigenes Gesetz und eigene Ver— 
valtung und damit auch ein eigenes Rathhaus erhalten. Das 
ich schüell zur Seehandelsstadt ausbildende wachsende Hamburg 
Jabe äber stets als gesetzlich geeinte Stadt gegolten, wie solches 
jas Stadtrecht von 1292 wiederholt anerkennt und habe nur eines 
Rathhauses bedurft, wodurch eine Verschiebung des ersten Stadt— 
entrünis vom alten Markt nach der Alster bei der Trostbrücke 
tattgefunden Dort vor dem zweiten Rathhause habe der erste 
damburger Hafen sich befunden, somit habe dasselbe am Wasser— 
dege zur Elbe und zum Meere gelegen. Diese Lage des Staats— 
itzes am Wasser sei charakteristisch fuür die allmählig zur Welt— 
jaͤndelsstadt herangewachsene ehemalige Festung; auf dem Wasser 
jabe der Reichthum der Kaufleute im Hafen gernht und vom 
Wasser aus habe Hamburg sich zu immer größerer Freiheit ge— 
ührt. Die Geschicke der Stadt seien von hierans nachweisbar 
550 Jahre gelenkt worden und erst der große Brand von 1842 
jabe den Rath von dieser altehrwürdigen Stelle verdrängt. Der 
Viederaufbau des Rathhauses sei bisher durch maucherlei Um— 
tände verhindert, es läge aber in Hamburgs Charakter als See— 
sandelsstadt, daß das neue Rathhaus, der alten Tradition treu, 
vieder am Wasser der Alster errichtet werde, die den Fuß des 
ilten Hauses über ein halbes Jahrtausend umspült hätte. Wie 
rüher' an der Trostbrücke, soll es jetzt an der Lombardsbrücke im 
ieuen Zentrum der Stadt liegen und stände dann durch die 
Wassersttraße der Alster wieder in direkter Beziehung zur Elbe und 
zum Meere. Der Redner schilderte dann, wie der stolze Bau des 
stathhauses sein müsse, um als Palladium des freien Bürger— 
hums zu erscheinen und betonte, daß die Architektur nur dann 
rst die Mission der Kunst erfüllen würde, wenn sie mit ihren 
Htonumenten, auf das Volk wirkend, in sein Leben eingreift, es 
ebendig an die höchsten Ideale der Menschheit täglich mahnend. 
Zo solle sich an dem neuen Rathhausbau der patriotische Geist 
der Hamburgischen Bevölkerung erheben und stärken. Der Vortrag, 
der durch viele interessante Schilderungen aus dem bürgerlichen 
Ldeben unserer Vorfahren geschmückt war, erwähnte schließlich den 
Ausspruch Sonnin's, als man im Jahre 1788 wegen Baufälligkeit 
das alte Rathhaus abbrechen wollte, daß er erst nach 100 Jahren 
die Zeit für gekommen halte zur Gewinnung eines Hamburgs 
ooslwürdigen Rathhauses; woran der Wunsch geknüpft wurde, daß 
diese Prophezeihung des unvergeßlichen Künstlers qunz' und volf iw 
Erfüllung kommen möchte. 
München. Unser dortiger Korrespondent schreibt uns: 
In einer meiner letzten Korrespondenzen war Bericht 
iber das von der Firma Schuckert in Nüruberg ge— 
nachte Anerbieten zur probeweisen Einführung der elektrischen 
S5traßeubeleuchtung enthalten und auch deren baldige Inbetrieb— 
etzung angezeigt. Dieses Unternehmen ist nun für die nächste 
Zeit wenigstens bei Seite gelegt, da unterdessen Rechtsfragen, in 
Folge des zwischen der Stadt und der Gasbeleuchtungsgesellschaft 
„estehenden Vertrages in Betracht kamen, von deren Entscheid 
eder weitere Schritt in dieser Sache abhängig sein wird. Daß 
iun aber die Stadtverwaltung allen Ernstes gesonnen ist, in der 
Beleuchtungsfrage künftighin wenigstens die Obergewalt in Händen 
zu behalten ist daraus ersichtlich, daß zunächst alles Terrain, 
velches zur Ausbeutung der Wasserkräfte der Isar zu diesem 
Zwecke nothwendig ist, in ihren eigenen Besitz gebracht wurde, 
ind umfassende diesbezügliche technische Vorarbeiten und Erhe— 
yungen gepflogen werden. Hierher gehört u. A. ein Promemoria 
»er Spezialkommission des Exekutiv-Ausschusses der Kommission 
ür elektro-technische Versuche, welches in der letzterschienenen 
Bierteljahrsschrift des Bayr. Indust. und Gewerbebl, (polytechni⸗ 
cher Verein) veröffentlicht ist, und welchem wir Nachstehendes 
entnehmen: 
Die Stadtgemeinde soll sich jenen Theil der Wasserkräfte, 
velche für städtische Zwecke, insbesondere für die öffentliche elek— 
rische Beleuchtung vortheilhaft benutzt werden können, für sich zur 
reien Disposition reserviren, den übrigen Theil der gewonnenen 
Wasserkräfte aber gegen jährliche Rekognotionsgebühren an Private 
ur Benutzung abgeben und dadurch eine Rentabilität der errichte— 
en Hauptanlagen erzielen. In dieser Hinsicht kommen in Betracht: 
kine Wasserwerksanlage an der Westenriederstraße mit 80 Pfdkr., 
eine solche unterhalb der Maximiliansbrücke mit 400 Pfdkr. und 
nsbesondere aber jene unterhalb der Großhesseloher Eisenbahn— 
zrücke, durch welche laut Projekt des Stadtbauamts 3335 absolute 
Pferdestärken gewonnen würden. Dieses letztere Werk nun, welches 
aus 6 gesonderten Anlagen, wopon eine rechts, die übrigen fünf aber 
inks der Isar gelegen, bestehen würde, macht zwar mit allen nöthigen 
Flußkorrektionen, Kanälen und Maschinen einen Kostenaufwand 
»on mindestens 3 Mill. Mark nothwendig, hat aber gesicherte Aus— 
sicht auf demnächstige Ausführung, da die sogen. Lände, der Lager— 
Berichte aus verschiedenen Städten. 
Erkner bei Berlin. Auf dem C. Nauck'schen Grundstück 
in Erkner wird augenblicklich durch den hier Fraukfurter Allee 118 
vohnenden Zimmermeister Schlund ein großer Eisspeicher auf— 
zeführt, und waren am 5. Dezbr. cr. 30 Zimmerleute unter Leitung 
des Zimmerpoliers Schlöpke damit beschäftigt, den letzten Binder 
nittels Flaschenzuges auf die bereits errichteten, etwa 40 mlangen 
Seitenwände hinaufzuschaffen. Eine jede derartige Seitenwand 
esteht aus 30 Stück 10m langen und 25 em starken, in doppelter 
Reihe als Streben benutzten Balken. Um die angegebene Zeit, 
vährend ein Theil der Zimmerleute im Innern, ein anderer Theil 
nußerhalb beschäftigt war, stürzte plötzlich die eine der sebenden 
Seiteüwände nach innen zusammen, die dort arbeitenden Vente 
unter sich begrabend. Nach Ansicht der die Untersuchung Führen— 
den ist die Katastrophe dadurch herbeigeführt worden, daß sich in— 
olge des Wetterumschlages die bereits verzapften Balken von 
iinander getrennt und so die ihrer Stütze beraubte Wand zu— 
ammenstuͤrzte; und deshalb dürfte der beaufsichtigende Zimmer— 
polier als schuldlos zu bezeichnen sein. Von den unter dem Ge— 
hälk Hervorgezogenen waren sofort todt: Zimmergeselle Riese, 
Koppenstr. 66, verheirathet und Vater von 2 Kindern, und Zim— 
nergeselle Albert Witte, Pallisadenstr. 30, verheirathet und Vater 
»on 5 Kindern. Der aus Friedrichshagen sofort hinzugerufene 
Arzt Dr. Jacoby konstatirte bei dem ersteren als Todesursache 
illgemeine Zerquetschung und Zermalmung, bei dem zweiten Schä— 
delbruch. Schwer verletzt, aber noch lebend wurde hervorgezogen 
Theodor Dieckmann, Weberstr. 20, verheirathet, kinderlos. Derselbe 
hatte eine Zerquetschung der linken Schläfe, Zermalmung des 
inken Unterschenkels und verschiedene Hautverletzungen davon— 
gzetragen und ist bereits in der Nacht zum Sonnabend 313,,Uhr im 
Krankenhaus Bethanien verstorben. Von den übrigen in das ge— 
nannte Krankenhaus eingelieferten Schwerverletzten hat der 
Zimmergeselle Karl Kliver, schwere Kontusionen der Wirbelsäule 
und Hautabschürfungen, der Zimmergeselle Friedrich Schulz, eine 
15 em lange Kopfwunde und Quetschung der linken Schulter und 
der Zimmergeselle Karl Bernhardt eine 5 em lange Verletzung 
im Hinterkopf davongetragen. Leicht verletzt wurden die ebenfalls 
hier in Berlin wohnenden Zimmergesellen Becker und Günther; 
dieselben mußten sofort nach ihrer Wohnung gefahren werden. 
Hamburg. In der freundschaftlichen Versammlung des 
Gewerbevereins, Sektion der Hamburgischen Gesellschaft zur Ver— 
breitung der Künste und nutzlichen Gewerbe, hielt kürzlich der 
Architekt Alexander Birt einen Vortrag über das alte Rathhaus, 
zu dessen Ergänzung er eine interessante Sammlung von Illustra— 
tionen zum alten Hamburger Rathhause des Herrn C. F. Gaede— 
chens, aus dem Werke „Geschichte des Hamburger Rathhauses“ 
»on demselben, als erwünschte Erläuterung benutzte. Der Vortrag 
»egann mit einer Schilderung des Rathhauses in seinem Wachs— 
hum durch die Jahrhunderte; der Sage nach lag das erste Rath— 
haus der erzbischöflichen Stadt am alten Markt, dem jetzigen 
*) Wir behalten uns vor, auf diesen Gegenstand ausführlicher zurück— 
ukommen D. Red.
	        

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