Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

Berliner Jahresbericht über Hypotheken⸗ und GrundbesitzVerhältnisse. 
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wa dem Schlosse nahestehen. Daß eine derartige Aufgabe trotz 
hrer anscheinenden Kleinheit nicht leicht ist, geht schon daraus 
servor, daß der Architektenverein diese Aufgabe augenblicklich zum 
weiten Male gestellt hat. Eine Reihe von Entwürfen dazu 
angen in der Vibliothek des Vereins aus und sind dort in den 
ewdhnlichen Bibliothekstunden Jedermann zugänglich. 
Kriel. Vor einiger Zeit erhielt der Kirchenvorstand der 
atholischen Gemeinde Kriel“ (die Kölner Vororte Lindenthal, 
nderhoͤhe, Kriel ꝛc. umfassend) von der Königlichen Regierung 
zu Köln die Genehmigung zum Bau einer neuen Kirche auf dem 
zu diesem Zwecke schon vor längerer Zeit angekauften Grund— 
ucke. Da die alte kleine Kirche in Kriel schon seit vielen Jahren 
nicht mehr den Bedürfnissen der ringsum neu entstandenen Ort— 
chaften entsprach, so hat die Gemeinde sofort alle Vorbereitungen 
Jelroffen, um den Bau baldigst in Angriff nehmen zu können. 
Der größte Theil der Bausumme ist auch bereits durch Geschenke 
Fer Pfarreingesessenen sicher gestellt, nur noch 90 000 Mk. sind 
urch Umlage zu beschaffen, wodurch eine nur mäßige Erhöhung 
Jer 'bisherigen Kirchensteuer eintreten wird. Der Kostenanschlag 
chließt in seinen Haupttiteln mit den folgenden Beträgen ab: 
Tit. IIa. Maurerarbeitslohn. 22800 M. 
. Maurermaterialien. . 38 90, 
Steinrietarbeiten . .. . 16200, 
iwramerarbeiten . 5200 , 
ichdeckerarbeiten. 12300, 
dlempnerarbeiten.. . 2100, 
Schmiede- und Schlosserarbeiten 3850 „. P — 
tatistischen Zahlen. So hat, sich das Gesammterträguiß aller 
ðrundstücke merklich erhöht, iheils durch Verminderung leer stehender 
Wohnungen, theils durch vorsichtig durchgeführte Steigerungen 
der Miethssätze 
in 1883 
Wohnungen. Gelasse aller Art 
Quartol 11625 367 
12307 341 
11303 410 
11605 136 
Wohnungen. Gelasse aller Ari 
Quartal 10675 464 
“ 11424 461 
III. 7310 318 
IV. 7631 344 
Die aäuffallend starke Differenz zwischen dem II. und III. 
Duartal des ablaufenden Jahres findet ihre Erklärung dadurch, 
zaß zu jener Zeit eine allgemeine Feststellung veranlaßt wurde, 
nwie weit bei den als leer aufgeführten Wohnungen eine Um— 
gestaltung durch die Vereinigung kleiner Quartiere zu größeren 
Wohnungen stattgefunden habe. Gleichzeitig wurde auch zur an— 
Jegebenen Zeit eine generelle Abschreibung derjenigen im Bestande 
eer stehender Wohnuͤngen geführten Gelasse vorgenommen, welche 
is dahin im Verlaufe des Jahres durch Abbruch der Häuser ver— 
chwunden waren. Beide Maßnahmen zusammengenommen führten 
zu der überrascheuden Verkleinerung der betreffenden Rubrik, welche 
denn auch selbstredend durch die Berücksichtigung der inzwischen 
entstandenen Neubauten schon im folgenden Quartal wieder ein 
eises Wachsthum zeigt. 
Die Bauthätigkeit des abgelaufenen Jahres zeichnete sich 
»urch ganz besondere Lebhaftigkeit aus. Vom 1. Oktober 1883 
his 1. Oktober 1884 sind 322 neue Häuser in den Bestand über— 
iommen worden. Im letzten Quartal dürften noch weitere 
00 Häuser vollendet werden, so daß innerhalb des Berliner Weich— 
»ildes sich Ende 1884 die Gesammtsumme von 19.240 Häusern 
ergiebt. 
In prägnanter Weise wird der Erfolg der diesjährigen Bau— 
Tampagne aus den Zahlen der Versicherung erkennbar: 
Am 1. Oktober 1884 waren versichert 
19,140 Häuser mit.427217,043, 100 M. 
Am 1. Oktober 1883 waren versicher 
18,818 Häuser mit. 2182 755,000 
Zunahme der Versicherung vom 1./10 — — 
1883 bis 1.10 1886148.. 84,288,100 M 
Dagegen betrug die Zunahme der Versiche— 
rung vom 1.710 1882 bis 1./10 1883 nur 60,603,5300, 
An dem Häuser-Zuwachs des Jahres 1884 ist die innere 
Stadt in erheblichem Maße betheiligt. Hier traten die strengeren 
Paragraphen der in Aussicht gestellten neuen Bau-Ordnung und 
zie rapide steigende geschäftliche Entwickelung bevorzugter Straßen, 
vie Leipziger- Friedrichstraße u. s. w. als treibende Faktoren eine, 
jerstärkten Bauthätigkeit auf. 
Im Verhältniß zur Zunahme der Bevölkerung wird das 
Anwachsen der Häuserzahl vorerst noch in dem Maßstabe des 
etzten Jahres fottschreiten dürfen, ohne die solide Situation des 
Grundbesitzes zu erschüttern. Die Anzahl der Häuser in Berlin stieg 
um hei Renölkerungs-Zunahme van 
870 7 11860 
871 pr 50270 
872 J 39720 
873 36320 
274 32140 
875 31480 
76 31230 
877 176 28723 
878 427 30508 
1879 342 34369 
1880 201 34538 
1881 169 32774 
1882 236 34277 
1883 275 34406 
1884 322 32300 
Die freihändigen Besitzveränderungen Berliner Grund— 
tücke zeigen in 1884 eine Forktsetzung in der Besserung der Ver— 
zältnisse. Es haben den Inhaber gewechselt in der Zeit vom 
. Oktober bis 30. September; 
1877/78 1878,79 1879/80 1880/81 1881/82 1882/83 1883/84 
Bebaute Grundstücke 
2038 1705 1736 1600 1589 1630 ca. 1800 
Terrains 
252 192 126 126 150 180 190 
(cchlußk folot“ 
Jahresbericht über Berliner Hypotheken und 
Grundbesitz Verhältnisse 
von Heinrich Fränkel, Berlin, Friedrich-Straße 104 4. 
Das ablaufende Geschäftsjahr hat allzu sanguinische Hoffnungen, 
velche bei Beginn und auch zeitweise im Verlaufe desselben, be— 
üglich der Ersolge im Bexrliner Realitäten-Verkehr, vielfach 
ehegt wurden, nicht zu erfüllen vermocht. Wenn auch auf dem 
Hebiete des Realkredits die zwar langsame, aber stetige, Weiterent— 
vickelung zum Besseren niemals unterbrochen wurde, so bewegte 
ich die Anlage von Kapitalien aus privaten Kreisen in Hypotheken 
ind Grundbesitz doch nur in verhältnißmäßig bescheidenen Grenzen. 
Das Privat-Kapital wurde zumeist von der Börse aufgesaugt, wo 
in Reuten und anderen, festen Zins tragenden, Werthpapieren 
Uuterkommen fand. Nur aus diesem Umstande erklärt sich der 
soch recht schwache Umsatz in Grundstücken und das geringe An— 
Jeböt von Kapitalien für zweite und nachfolgende Hypotheken. 
Was speziell die letztere Kategorie von Anlagen betrifft, so 
par von der neuen Subhastations-Ordnung eine segensvolle Ein— 
virkung auf die Befriedigung des bezüglichen Kredit-Bedürfnisses, 
ind in'Folge dessen eine größere Besestigung des Grundbesitzes, 
ꝛrwartet worden. Das neue Gesetz erweist sich aber als Urheber 
neuer Schwierigkeiten. Denn während dasselbe die Subhastation 
zurch die jetzige Art der Feststellung des Mindestgebots für den 
Inhaber von Nachhypotheken erschwert, schützt es scheinbar den 
Zauseigenthümer in seinem Besitze; gleichzeitig schreckt es aber die 
Zäufer“ solcher zweiten und ferneren Eiutragungen vom Geschäft 
urück und macht es den Besitzern unmöglich, sich die oft dringend 
benöthigten Gelder unter Hergabe eines verhältnißmäßig ziemlich 
icheren Immobiliar-Pfandes zu normalen Bedinqungen zu ver— 
chaffen. 
Es kann dem gegenüber nicht oft genug darauf hingewiesen 
verden, wie die Anlage des Kapitals in Grundbesitz und Hypotheken 
nit Fug und Recht eine weit größere Beachtung verdient, als ihr 
»isher zu Theil geworden. In ruhigen Zeiten übersicht man ganz 
die immensen Gefahren, welche die Erwerbung von Werthpapieren, 
esonders jremdländischen Ursprungs, in sich birgt, als da sind: 
die Wahrscheinlichkeit des Eintritts politischer Ereignisse, die Un— 
enntniß mit dem fremden Prozeß-Verfahren, die Schwierigkeit oder 
Anmöglichkeit, sich über die Sicherheit des Papiers ein eigenes, 
zutreffendes Urtheil zu bilden. Der Courszettel allein und die 
Vergleichung mit dem hohen Stande der inländischen Papiere bilden 
den Maßstab für die Beurtheilung des Werthes und das Motiv 
zum Ankauf. Welch' ungleich größere Sicherheit bietet dagegen 
die Anlage des Geldes in heimischem Grundbesitz oder in den guf 
diesem eingetragenen Hypotheken. Das Grundeigenthum ist zu allen 
Zeiten die eigentliche Basis des Besitzes, der unverrückbare Fundus 
zewesen, auf welchem jede andere Form des Eigenthums, des 
beweglichen und zerstörbaren, sich später erst aufgebaut hat. 
J Daß bei alledem die Entwickelung zum Besseren, welche 
ugenne erwähnt ist, Fortschritte macht, erhellt aus den über 
vie Rerliner Grundhesiß-Berhältnisse veröffentlichten pverschiedenen 
aenn · J :? Rorta Veriag von Qusaua Engelmann in Bertin — Druck von S. SBermann in RNerlsin 
. 2 6 N
	        

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