Volltext : Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Ueber die Verbreitung des Bausschwammes.

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in die Höhe bis zur nächsten Balkenlage, um hier das Zerstörungs—
werk oft bis in den Dachstuhl fortzusetzen. In Breslan sind
WPinyceliaäden von 5—6 Meter und darüber beobachtet worden.
Das Muycelium des Pilzes entwickelt sich nur im Dunkeln, es be—
darf reichlicher Feuchtigkeit. Austrocknen tödtet es, beim
Wiederaufweichen hat es seine Fähigkeit, weiter zu wachsen, ver—
loren.
Im Stadium der Fruchtbildung sucht das Meycelium das
Licht. Es drängt sich zwischen dem Holz- und Mauerwerk durch
und bildet Anfangs warzenartige, saftige, erbsen- bis markstück—
große Fruchtlager, Sporangien, welche in Form von netzförmigen
Adern sich in der Milte gelb färben und schon Sporen entleeren.
Gewöhnlich aber bilden sich weit dickere, schüsselförmige Frucht—
lager, welche mit wulstigen, saftigen Rändern unter Andeutuns
von konzentrischen Ringen versehen sind, deren Farbe anfange
rosenroth, dann weinroth in ein schmutziges Braun übergeht,
wohei gleichzeitig Tropfen einer farblosen Flüssigkeit ausgesondert
werden, welche die Veranlassung zur Benennuung des Pilzes
merulius lacgrimans gegeben haben. Der Gattungsname beziehl
sich auf die armselige Färbung des Piszes. Nach dem Ausstreuen
der in außerordentlicher Menge vorhandenen Svoren wird das
Sporangium schwarz und stirbt ab.
Die chemische Untersuchung des Hausschwammes lehrte ana—
loge Bestandtheile kennen, wie sie bereits in anderen Pilzen auf—
gefuuden worden waren, aber in Beziehung auf relatives Verhält-⸗
niß traten doch nrerwartete Resultate hervor. Der meéerulius la—
crimans gehört zu den an Stickstoff, Fett, Phosphorsäure und
Kalinm reichsten Pilzen, er zeigt in dieser Beziehung die größte
Analogie mit der Trüffel. Er enthält in der bei 1000 getrockneten
Substanz 4,9 pEt. Stickstoff, 15 pCt. Fett und 9,66 pCt. mine—
ralische Bestandtheile, serner mehrere Sänuren, einen Bitterstoff
und Spuren eines Alkaloids. Die chemische Untersuchung der
näheren Bestandtheile des Pilzes ist noch nicht beendet, während
die Analyse seiner mineralischen Bestandtheile und die Aschenana—
lysen des von ihm zerstörten Holzes ihren relativen Abschluß ge—
junden und zu wichtigen Konsequenzen geführt haben.
Wir waren, hebt Herr Prof. Polek hervor, im hohen Grade
überrascht, als wir in der Asche des Pilzmycels so wie seiner
Sporangien überaus große Quantitäten von phosphorsauren Salzen,
namentlich pruaf riaurem Kalium, fanden; die unverbrennlichen
Bestandtheile eines großen Sporenlagers betrugen 9,66 pèt.,
davon waren 88,6 pCt. in Wasser lösliche Salze, und unter diesen
nicht weniger als 74,7 pCt. phosphorsaures Kalinm, neben
5,7 pCt. schwefelsaurem und 3,3 pCt. Chlorkalium. Natrium und
Kalksalze waren nur in sehr geringer Menge vorhaunden. Auf—
fallend mit dieser Zusammensetzung kontrastirte jene der minerad—
lischen Bestandtheile des Mycels ohne Sporangien, welches sich bei
Abschluß des Lichts au der Unterseite einer Dielung entwickell
hatte. Es gab nur 63 pCt. Asche. Von dieser loͤste sich nur
17,4 pCt. in Wasser, dagegen war sie noch reicher als jene an
Phosphorsäure, 48,5 pCt. diese war aber an Kalk und Eisen zu
in Wasser unlöslichen phosphorsauren Salzen gebunden; phosphor—
saures Kalinm war nur 455 pCt., dagegen 10,5 pCt. schwefel—
saures Kalium vorhanden. Das auf der Außenseite dieser Die—
lung zum Turchhruch geiangte Mycel, welches schon Sporangien
enthielt, gab 8,3 pCt. Mineralstoffe und in diesen 45,6 pCt.
phosphorsaures und 17,9 pCt. schwefelsaures Kalium neben 9,3 pCt.
Ehlorkalium, ferner 6,7 pEt. phosphorsauren Kalk und 7.9 pCt
phosphorsaures Eisen.
Bei einem so außergewöhnlichen Bedarf an phosphorsauren
Salzen und speciell an phosphorsaurem Kalium lagen die Be—
ziehungen der Entwickelung des Hausschwammes zu seinem Nähr—
boden auf der Hand, er konnte zweifellos diesen Bedarf an
Phosphorsäure und Kalium nur aus dem Holz ziehen. Es war
daher von großer Wichtigkeit, diese Beziehungen klar zu legen
Zu diesem Zwecke wurde die Zusammensetzung der mineralischen
Bestandtheile einer im Winter gefällten, und serner jene einer im
April 1584 gefällten Kiefer ohne Rinde durch die Analyse fest
gestellt. Die erstere gab 0,19 pCt., die zweite 0,22 pCt. Asche,
welche in beiden Fällen keine Spur von löslichen phosphör—
sauren Salzen, sondern die Phosphorsäure nur an Kalk gebunden
und kohlensauren Kalk überhanpt in überwiegender Menge ent—
hielten. Sehr bemerkenswerth war jedoch, daß das im April ge⸗
fällte Holz ca. 5 mal mehr Kalium 11,5 pCt. und 8 mal maehr
Phosphorsäure 3,9 pCt., als das im Winter gefällte Holz enthielt,
dessen Kaliumgehalt 2,67 pCt. und dessen Phosphorsäure nuß
0,76 pCt. betrug.
Wenn nun der Hausschwamm in derselben Weise auf Kosten
der Holzsubstanz lebt, wie alle Parasiten sich von ihrem Substrat
ernaäͤhren, so kann man unter Erwägung der vorstehenden Resul—
tate zu der Vorstellung kommen, daß seine Wirkung auf das Holz

in erster Linie darin bestehe, daß er diesem die zu seinem Aufbau
nothwendigen mineralischen Bestandtheile entzieht, dadurch dessen
Struktur auflockert und der weiteren Zersetzung zugängig macht.
Bei seinem Reichthum an Stickstoff, Fett und anderen kohlenstoff—
reichen Verbindungen, sowie an Phosphorsäure und Kalium und
einem rapiden Wachsthum einerseits und andererseits bei der Ar—
muth des Koniferenholzes an diesen Substanzen, bedarf der Pilz
zu jeiner Ernährung verhältnißmäßig großer Quantitäten Holz—
iubstanz, welche er in noch nicht gekannter Weise verändert und
dann jedenfalls direkt assimilirt. Der Pilz wandert weiter, wenn
er die im Holz vorhandenen Mineralsubstanzen verbraucht hat,
wozu die sogenannten Hexenringe in Waldlichtungen ein inter—
essantes Analogon bieten. Je reicher nun das Holz an Phosphor⸗
äure und Kalium, sowie an Stickstoff ist, um so rascher wird
die Entwicklung des Pilzes stattfinden. Es ist mehr als
vahrscheinlich, daß ein solches Holz bei Gegenwart von Feuch—
igkeit und bei Ausschluß des Lichtes der geeignetste Nährboden
für die Keimung der Sporen und ihre weitere Entwickelung
sein wird.
Das Holz der im Saft gefällten Koniferen enthält aber
zünfmal mehr Kalium und achtmal mehr Phosphorsäure und ist
reicher an Stickstoff, wie das im Winter gefällte Holz; seine Ver—
vendung zu Bauten wird daher verhängnißvoll, wenn bei vorhan—
dener Feuchtigkeit gleichzeitig Sporen des Hausschwammes in den
sNdeubau gelangen. Nach Meittheilungen von gut informirter Seite
vird aber thatsächlich in großen Forstgebieten Bauholz im Früh—
ahr gefällt, weil dann die Rinde ungleich besser verwerthet
verden kann. Rechnet man hinzu, daß die in der Vegetations—
»eriode durch Windbruch gefällten Bäume nicht selten ebenfalls
uu Bauholz verarbeitet werden, und das von Osten her nach
Deutschland eingeführte Bauholz bezüglich seiner Fällungszeit
raum eine Kontrolle gestattet, so können wir hierin zweifellos
ine der Ursachen der rapiden Ausbreitung des Hausschwammes
ehen, welche sich jetzt geradezu zu einer öffentlichen Calamität
gesteigert hat. Die Annahme erschien nicht zu gewagt, daß in
aormaler Winterzeit gefälltes Holz unter gleichen Bedingungen
der Infektion durch den Hausschwamm kaum zugänglich sein
vürde, weil es den Sporen einen ungleich weniger günstigen
deim- und Nährboden bietet. Hieraus würde sich erklären, warum
der Pilz in alten Häusern verhältnißmäßig selten vorkommt, weil
»eren Bauholz nicht unter dem Einfluß der gegeuwärtigen Praxis
gefällt ist.
Es ist nun aber gelangen, durch einen experimentellen Be—
weis diese Annahme sicher zu stellen.
Unmittelbar nach Feststellung der Zusammensetzung der
nineralischen Bestandtheile des Hausschwammes wurde der Ver—
uch, ihn durch Sporen zu kultiviren, ia Angriff genommen.
Ein Querschnitt eines notorisch im Winter gefällten Holzes von
nekanntem, bereits mitgetheiltem Gehalt an mineralischen Bestand—
heilen wurde in ein Gefäß gebracht, auf dessen Boden sich eine
Wasserschicht von einigen Millimeter Höhe befand. Auf die oben
nit Wasser angefeuchtete Seite dieses Querschnittes wurden
Sporen des Hausschwammes in reichlicher Menge ausgesäet und
)ann das Gesäß wohl bedeckt in einem vollständig dunklen Raume,
essen Temperatur Sommer und Winter gleichmäßig war, aufbe—
vahrt. In derselben Weise wurde ein ca. 15 em hoher Quer—
chuitt von 21 mn Durchmesser des im April 1884 gefällten
dolzes von ebenfalls bekanntem Gehalt seiner mineralischen Be—
tandtheile in einen bedeckten Glascylinder gebracht, auch seine
Schnittflächen mit Sporen reichlich besäet und, mit einer Glasplatte
dedeckt, an demselben dunklen Orte aufbewahrt. Dies geschah am
25. April 1881.
Das Stück vom Winterholz hat sich nun bis heute voll—
tändig unverändert erhalten. Es waren weder auf, noch in dem
dolz keimende Sporen oder Pilzfäden nachzuweisen, wohl aber
waren erstere, durch ihre Form und Farbe gut erkennbar, noch in
unverändertem Zustande vorhanden.
Ganz anders gestalteten sich dagegen die Verhältnisse auf
dem Querschnitt des im Apris 1884 gefällten Baumes. Waährend
bis Ende des vorigen Jahres nur vereinzelte Kolonien von
Schimmelpilzen sichtbar geworden waren, machte sich im Anfang
dieses Jahres stellenweise ein weißlicher Ueberzug bemerkbar,
velcher zunächst an einer Stelle deutlich von einem Ausgangs—
dunkt aus das charakteristische blendend weiße Mycel des Haus—
schwammes in der bekannten fächerförmigen Ausbreitung erkennen
ließ nud bereits Tröpfchen absonderte. Gleichzeitig bildete sich
am Ursprung desselben eine warzenförmige Erhebung von gelb—
bräunlicher Färbung. Es wurde nun das Hotlz selbst untersucht
ind zwar an Stellen, an welchen das Mycel noch nicht an der
Oberfläche des Holzes deutlich sichtbar war. Ueberall fanden wir
bei starker Veraͤrößerung das Holz von Pilzfäben durchzogen,
            
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