Volltext : Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Berichte aus verschiedenen Städten.

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Die einzelnen Theile werden sämmtlich gut in Lehm gesetzt,
außerdem sind alle Dichtungsflächen horizontal und lassen also
durch das Eigengewicht des Ofens keine Fugen entstehen, durch
welche Rauch in die Zimmer treten könute.
Zur Reinigung nimmt man die Kapseln des Dreistutzenrohres
und Heizzylinders ab, stößt die Flugasche nach unten und entfernt
sie am Rauchrohrstutzen.
Der eigentliche Ofen ist mit mehreren Mänteln umgeben,
so daß jeder Strahlung vorgebeugt ist; der äußere Mantel ruht
auf einem Sockel, in welchen die kalte Luft einmuͤndet, sich an den
Heizflächen erwärmt und oberhalb in das Zimmer tritt. Ent—
weder wird die Luft, durch einen Kanal direkt vom Freien oder
nvom Korridor — über oder unter dem Fußboden — an den
Ofen geleitet, oder aber vom Zimmer — Zirkulations-Heizung —;
letzteres hauptsächlich bei Beginn der Heizung, um das Zimmer
rascher zu erwärmen. Ist dies erreicht, so wird nur frische Luft
an den Ofen geführt, was durch einfaches Drehen des Schiebers
im Sockel und der mit demselben verbundenen Frischluftklappe er—
möglicht wird.
Bei der großen Heizfläche des Ofens braucht die Luft nicht
überhitzt zu werden. Die Wärmevertheilung ist im ganzen Zim—
mer eine gleichmäßige, was durch viele Messungen konstatirt ist.
Das Anheizen des Ofens mit Füllvorrichtung kann von unten oder
von oben geschehen, und genügt eine Füllung für ca. 6—8 Stun—
den. Die Bedienung ist ebenso einfach, wie bei jedem anderen
Regulir⸗-Füll Ofen.
Zur, Luftbefeuchtung dient ein über dem Schornsteinabzugs—
rohr angebrachtes Wasserverdunstbecken, oder eine gußeiserne Wasser—
schale auf dem Ofen.
Von Seiten städtischer und staatlicher Behörden sind mit
diesem Ofen vielfache Versuche angestellt worden, von denen wir
diejenigen in der Schule Heslach-Stuttgart mit 8 verschiedenen
Schulöfen neuerer Konstruktion erwähnen wollen; es ergab sich
hierbei, daß bei gleich großen Lokalen und sonst gleichen Verhält—
nissen während einer Heizdauer von 100 Tagen der obige Ofen
19,2 Zentr. Cokes, die anderen Oefen dagegen 25,4 bis 56,4 Ztr.
Cokes verbrauchten. Die Schlußbemerkung des Gutachtens er—
klärt, daß der Ofen von Möhrlin u. Rödel in ieder Beziehung
der beste sei.
Bei allen anderen Versuchen, welche beispielsweise in den
Garnison-Lazarethen zu Stuttgart, Ulm und Weingarten, in di—
versen städtischen Schulen und im Polytechnikum zu Karlsruhe ꝛc.
angestellt sind, hat sich treffend gezeigt, daß in diesem Ofen das
Brennmaterial am vollkommensten verbrennt und keine Schlacken—
rückstände entstehen, wie solche hauptsächlich bei ausgemauerten
Oefen in so reichem Maße vorkommen. Ein fernerer Vortheil ist
der, daß der Ofen kontinuirlich geheizt werden kann.
Der Sanitäts-Ofen wird in folgenden Arten ausgeführt:
In einfacher Ausstattung als Schul- oder Lazareth-Ofen mit
Doppelmantel und Zimmerbedienung oder mit Außenbedienung und
mit oder ohne Zimmerregulirung. Dekorirt für reicher ausge—
stattete Oefen mit und ohne gußeiserne Wasserschale. Zur Mitbe—
heizung von ein oder zwei Nebenzimmern, welchen durch seitliche
Röhren erwärmte Luft zugeführt wird; am Sockel sind Zirkulations—
rohre zur Rückleitung der Zimmerluft an den Ofen angebracht.
Als Doppelofen; derselbe eignet sich besonders zur Beheizung von
Kirchen und anderen großen Räumen, vereinigt auf kleinem Raume
eine große Heizfläche und bedarf nur eines Schoörnsteins. Als
Einsatzofen, welcher an Stelle des Blechmantels mit einem Thon—
mantel umkleidet ist; der Ofen kann sich bei der Erwärmung frei
ausdehnen und ist eine Beschädigung des Thonmantels nicht zu
befürchten. Diese Mantelöfen mit eisernen Einsätzen haben den
Vortheil, daß sie rasch Wärme abgeben und nach Erlöschen des
Feuers die Wärme noch einige Zeit anhalten. Als Fabrikofen
mit Speise-Waärme-Vorrichtung; die von den Arbeitern mitge—
brachten Speisegefäße können auf das den Ofen umgebende Gestell
esetzt werden, um so deren Inhalt zu erwärmen. Endlich als
dstten und Zellen-Ofen. VV
Auf Anfragen ertheilt die Firma iederzeit bereitwillig jede
gewünschte Auskunft. —x.

vergangenen Herbste von einer englischen Aktiengesellschaft erbauten
Eiswerke ihre Entstehung. Die unmittelbar am Ohlaufluß im
sogenannten Wolfswinkel beim Dorfe Rothkretscham auf einer
gegen Sommerhochwasser geschützten Terrainerhebung errichteten
drei riesigen Eishäuser haben eine Giebelhöhe von etwa 58 w
und sind durchweg aus Holz konstruirt. Die etwa 0,75 m be—
ragenden Zwischenräume der Isolirungswände sind mit Holz- und
Sägespänen ausgefüllt. Für den Beirieb der Anlage sind in der
Nähe der Eishäuser Stallungen für 60 Pferde, Werkstätten, die
erforderlichen Wagenschuppen, Komptoirräume und Wohnhäuser für
das Beamten- und Aufsichtspersonal errichtet. Die Gesammtanlage
umfaßt einschließlich des zur Eisgewinnung benützten Theiles des
Ohlauflusses rund 920 ar. Die genannten Bauwerke wurden von
dem Privatbaumeister Otte aus Wien und dem Maurermeister
Simon aus Breslau ausgeführt und machen einen durchaus zweck
entsprechenden und günstigen Eindruck.
Was die Eisgewinnung selbst betrifft, so geschieht der Betrieb
hierbei in folgender Weise: die Eisoberflaͤche wird von Arbeitern
mittels sogenannter Eispflüge zuerst angeschnitten, damit danach
das stark gefrorene Eis durch Sägen leichter in einzelne, je einen
halben Quadratmeter obere Fläche haltende Blöcke zerlegt werden
kann Nachdem die so zubereiteten Stücke an's Ufer gebracht sind,
werden dieselben auf Rutschbahnen mittels Dampfmaäschinen nach
den Eishäusern befördert. Die dort aufgestellte Dampfmaschine
etzt drei sogenannte Paternosterwerke in Bewegung, welche aus
langgliedrigen Ketten bestehen, die an den allmälig aufsteigenden
drei Rutschbahnen bis zur Giebelhöhe hinauflaufen. An diesen
Ketten sind aus Holz starke Querbretter angebracht von denen, bei
der Vewegung sich anlegend, die Eisstücke mitgenommen und in
den Rutschbahnen hinaufgeführt werden, wonach sie auf Schiebe—
brettern in die Eishäuser hinabgleiten und dort von sachkundigen
Arbeitern regelrecht aufeinander gestapelt und eingeschichtet werden.
Die ganze, leicht erweiterungsfähige Anlage ist zur Bergunç von
ungefähr 40 Millionen Kg Eis eingerichtet und steht zu erwarten,
da die Transportkosten bei der Nähe des das Eis liefernden
Wassers ziemlich niedrig sind, daß Unternehmer und Publikum mit
Nn solgen des Betriebes dieser Anlage agleich zuwieden sein
si J

Bonn. Für unser bisheriges Empfangsgebäude, das
in allen Theilen ungenügend und höchst dürftig ist, wurde schon
dor 425 Jahren ein Neubau geplant, der in räumlicher Hinsich!
dem gehobenen Verkehr der Gegenwart entsprechen und gleichzeitig
der aͤrchitektonisch vorgeschrittenen Umgebung des Bahnhofes an—
zepaßt sein sollte. Bonn, ist in seinen neueren Theilen eine der
freundlichsten Städte des Rheinlandes, die, Dank der schönen Um—
Jjebung und der leichten Verbindung mit Köln und Königswinter,
dem Ausgangspunkte für die Ausflüge nach dem Siebengebirge,
viele Familien der wohlhabenden Klassen anzieht. Die Frequenz
des Bahnhofes ist in Folge dessen eine sehr bedeutende, so daß
bei dem Neubau eine beträchtliche Vergrößerung der jetzt benutzten
Räume in's Auge gefaßt werden mußte. Das im Rohbau bereits
im vorigen Sommer vollendete und nunmehr im inneren Ausbau
begriffene neue Empfangsgebäude ist in geringer Entfernung nörd—
lich des alten angelegt. An der Stadtseite entwickelt sich die
Hauptfaçade, deren Länge rund 90 m beträgt, in der Weise, daß
Fer Mittelbau, 18 mm breit, seine Fortsetzung beiderseits in Lang—
ügeln von je26 m Ausdehnung findet, welche durch reicher aus—
Jebildete Rifalite von 11 mm Breite abgeschlossen werden. Die
Tiefe des Gebäudes in den Seitenbauten beträgt 17 m, im Mittel⸗
dau 18,80 m. Von der Stadtseite her findet der Zugang nur
urch eine breit vorgelegte Freitreppe statt, die durch drei Portale
in das im Mittelbau liegende Vestibul führt. Ein mächtiges, über
den Eingängen gelegenes Fenster erhellt diesen überdies noch mit
Oberlich? versehenen Raum, dessen Rückseite Billetschalter und
zwei Passagen zum Perron einnehmen. Links vom Vestibul liegt
in der Axe deffelben ein Garderobe- und Treppenraum, neben
diesem, nach der Perronseite hin, ein vom Wartesaal zugängliches
Damenzimmer, nach der Stadtseite hin ein Vorflur zum Warte—
saal 1. und 2. Klasse. Rechts vom Vestibul liegt der Gepäckraum
und der Vorflur zum Wartesaal 3. und 4. Klasse. Der Warte—
— Klasse nur
4Axen ein. Die 5. Axe ist hier zu Restaurationszwecken und
für kin Zimmer des Statiousvorstehers abgetrennt. Das Risalit
links enchält einen Nebensaal zum Wartesaal 1. und 2. Klasse,
jerner in 'architektonisch sehr wirkungsvoller Weise angeordnet einen
Raum für fürstliche Personen mit besonderem Zugang und den
Aufgang von der Stadtseite zu den im Obergeschoß gelegenen
Verwaltungsbureaus. In dem Risalit rechts mit Treppenaufgang
in der seuͤlichen Mittelaxe befindet sich unten Stationsbureau,
Post, und Telegraph, oben die Wohnung des Vorstehers. Der
Flächeninhalt des Vestibuls ist 160 qua, derjenige des Wartesaals

Berichte aus verschiedenen Städten.
Aus Breslau wird uns geschrieben: Neuerbaute Eis—
werke zu Breslau. Die große Billigkeit, mit welcher das
natürliche Eis gewonnen werden kann, vorausgesetzt, daß ein
hierfür möglichst günstiger Winter die geeignete Gelegenheit bietet,
läßt trotz der sinnreichen Verfahren zur künstlichen Bereitung dieses
uns unentbehrlich gewordenen kühlen Verbrauchsartikels immer
wieder auf die natürliche Gewinnung desselben zurückkommen.
Diesem Umstandeé verdanken auch die oben erwäaͤhnten, im
            
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