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1. und 2. Klasse 250 qm (ausschließlich des Nebenraums von
35 qm und des Damenzimmers von 50 4m); derjenige des Warte—
aals 3. u. 4. Klasse 1865 4m. In dem Wartesaal 1. u. 2. Klasse
sind in den Ecken nach dem Perron zu zwei luftige und geräumige
Toiletten eingebaut, die vom Damenzimmer, bezw. von dem
Nebensaal des Hauptwartesaales betreten werden. der Grundriß
zeichnet sich hiernach durch eine sehr kompendiöse und übersichtliche
Anordnung der Haupträume aus, die es ermöglichte, daß die für
Korridore nöthige Fläche auf das Gerinaste beschränkt werden
konnte. A
Die Architektur des Aeußeren — in schönen gelben Ver—
blendern und rothem Main-Sandstein — zeigt im Ganzen eine
nicht sehr anspruchsvolle italienische Renaissance; besondere Effekte
find an der Stadtseite vermieden, die nur durch das hervorgehobene
Bestibul eine stärkere Betonung erhält. Das letztere öffnet sich
hallenartig in einem mächtigen Bogen, dessen Halbrund durch eine
Uhrgruppe und einen Wappenfries ausgefüllt wird, während die
breite Eingangsöffnung unterhalb des Architraves durch zwei, von
der halben Hohe ab kannelirte Säulen mit eingelegten rundbogigen
Portalen getheilt wird. Tie flankirenden Risalite sind unten ge—
quadert, im Hauptgeschosse aber mit korinthischen Pilastern getheilt.
Oberhalb schließen flache Rundgiebel mit plastischen Kindergruppen
die Risalite ab. An den Langbauten wiederholen sich über jeder
Axe des Erdgeschosses in einer niedrigen, durch schmale Doppel—
pfeiler getheilten Oberwand einfach bekrönte Tafeln mit Guirlanden
und farbigen Wappen. Die Perronseite, vor welcher ein von
Säulen getragenes Glasdach vorgebaut ist, weist nichts Bemerkens—
werthes auf. Reicher dagegen sind die Südseite und Nordseite
ausgebildet, namentlich wegen der an ersterer liegenden Zimmer
fjür fürstliche Personen. Der Architekt hat an dieser Stelle mit
Glück freiere und großartigere Façadenmotive eingeführt, deren
Charakter man auch auf die Langbauten übertragen sehen möchte,
zumal das Innere damit jedenfalls mehr harmoniren würde.
Ganz unabhängig von der Formenwelt der Hauptfaçade findet sich
in den Wartesälen mit ihren schönen, echten Holzdecken und den
durch Beleuchtung mittelst farbigen Seiten- und Oberlichtes er—
zielten vortrefflichen Lichteffekten eine reichere Renaissance ange—
wandt, die zweifellos diese „stylgerechten“ Räume für hoch und
niedrig behaglich machen wird. Die abendliche Beleuchtung dicser
Räume wird mittelst elektrischen Lichtes geschehen, dessen Anordnung
in der Weise geplant ist, daß sowohl im Vestibul, als in den
beiden Restanrationsräumen in der Mitte jedes diejer Lokale in
angemessener Höhe je eine Bogenlampe, und tiefer unten an den
Wänden Glühlichter in passender Vertheilung angeordnet werden
Alle übrigen Lokalitäten werden durch Glühlichter allein beleuchter
werden; und der Saal für fürstliche Herrschaften und die Post
bureaus erhalten Gasbeleuchtung. Der Vorplatz vor dem Bahn—
hofe soll durch zwei Bogenlampen auf hohen Masten, die Perrous,
welche durch eine auf runden, gußeisernen Säulen getragene Halle
abgedeckt sind, werden durch sieben Bogenlampen ünter“ der Halle
und außerdem durch eine Anzahl von an der Längswand des
GBebäudes angebrachten Glühlichtern erhellt werden. Die ursprüng—
lichen Pläne sind im Centralbureau der linksrheinischen Eisenbahn
zu Kölu aufgestellt und durch den Regierungsbaumeister Schellen
bearbeitet worden; die spezielle Bauleitung wurde dem Regierungs⸗
Baumeister Tr. Unger uͤbertragen, von dem auch die Plaͤne zur
künstlerischen Durchbildung des inneren Ausbaus stammen.
Centimeter breiter Riß, der sich fast auf die ganze Höhe der
Vorderseite des Thurmes erstreckte, mit Portland-Cement wieder
Jeschlossen wurde und damit der Gemeinde, welche fchon zum
Imbau entschlossen war, große Ausgaben erspart geblieben seien.
Des Weiteren theilte er mit, wie bei dem Kirchthurm in Gaildorf
der Portland-Cement zur Erbreiterung eines Mauer-Querschnitts
diente. Beim Brande des hölzernen Thurmhelms waren im acht—
eitigen Thurmgeschoß Hohlräume im Manerwerk entstanden, auch
hatten die Mauern durch Verkalkung und Abspringung der inneren
Oberfläche der Steine eine erhebliche Verminderung ihrer Stärke
erlitten. Durch die Ausfüllung der Hohlräume mit Portland—
Cement war es möglich, das Oktogon wieder soweit zu verstärken,
daß er einen steinernen Thurmhelm anstatt des abgebrannten
hölzernen aufnehmen konnte.
Konkurrenzwesen.
Konkurrenz um Entwürfe zu Häusern für
Arbeiter-Familien. Von Zürich aus ist kuͤrzlich die Ein—
adung zu einer Konkurrenz ergangen, die um ihrer Tendenz willen
eine vielseitige Betheiligung wünschenswerth macht. Der Zweck
des Unternehmens ist die Beschaffung möglichst brauchbarer Ent—
würfe zu freistehenden Häusern für Arbeiterfamilien auf dem
Lande, für die unter Benutzung der Fortschritte in der neueren
Bautechnik eine solide Herstellung und wohnliche Anlage bei mög—
ichst billigem Baupreise gefordert wird. Durch die Bekannt—
nachung der prämiirten Entwürfe soll die Benutzung derselben
Jedermann ermöglicht und damit die Errichtung derartiger, von
Arbeiterfamilien allmälig mit mäßigen Mitteln zu erwerbender
Häuser gefördert werden. In der Absicht, den hierauf gerichteten
dankenswerthen Bestrebungen zu nützen, ist von einem in London
ebenden Schweizer, Herrn S. Schindler, dem mit der Beurthei—
ung der Entwürfe betrauten Komité, den Professoren Landolt,
Bluntschli, Lasius, Baumeister Baur und C. Schindler-Escher in
Zürich, zur Vertheilung von Preisen eine Summe von 4000 Fres.
zur Verfügung gestellt. Verlangt wird von den Entwürfen eine
Anlage, die ans 1 Wohnzimmer, 3 Schlafkammern, 1 Küche,
1Keller und den erforderlichen Nebenräumen besteht und für
yöchstens 4000 Francs herstellbar ist. Gelungene Entwürfe sollen
mit Preisen von mindestens 200 Francs, daneben aber auch be—
merkenswerthe Einzelvorschläge mit solchen von mindestens 100 Fres
usdgezeichnet werden
Mittheilungen über Schulen.
In der am 18., 19., 2). und 21. März d. J. abgehaltenen
Abgangs-Prüfung der Baugewerkschule zu Buxtehndeé haben
79 Schüler bestanden.
Seitens des Verbandes Deutscher Baugewerksmeister waren
3 Innungsmeister der Stader Bauhütte, vom Kuratorium der
Landschaftsrath Breuning abgeordnet. Den Vorsitz führte der
Bauinspektor Gravenhorst. —
Entscheidungen.
Ober⸗Verwaltungsgericht. Zur Bürgersteigfrage.
— Die Poliz wwerwaltung in, Halle a. Sgab dem dortigen Kauf—
mann Wagner durch Verfügung vom 7. Mai 1884 uͤnter An—
drohung von Zwangsmaßregeln auf, binnen 4 Wochen die vor
seinem Hause Gr. Ulrichstraße 40 in den Bürgersteig hineinragen—
den Haus-Eingangsstufen (Treppe) nach den Bestimmuugen
der Baupolizeiordnung für Halle (3 25) bis auf einen Vorsprung
derselben von höchstens 0, 10' m zu entfernen und den Bürger—
teig mit Granit platten zu versehen, da die Treppe bei der
zeringen Breite des dortigen Bürgersteigs und mit Rücksicht darauf,
daß die Straßenbahnwanen dicht an demselben vorbeifahren, die
Fußgänger gefährdete. W. erhob hiergegen wie das „Grundeigen⸗
hum'“ berichtet, Einspruch, welchen die Polizeiverwaltung als Wege—
polizeibehörde durch Beschluß vom 23. Mai 1884 zurückwies.
Nunniehr klagte W. gegen die Polizeiverwaltung und die Stadt—
gemeinde auf Aufhebung der Verfügung und des Beschlusses der
ersteren vom 7. bezw. 23. Mai 1884 und mit dem Antrage, die
Stadtgemeinde an seiner Statt zu der ihm angesonnenen Leistung
im öffentlichen Interesse für verpflichtet zu erachten. Die Beklagten
wendeten hiergegen ein, daß der Kläger als Adjazent observaͤnz—
mäßig zur Besfeitigung der Eingangsstufen verpflichtet sei, und er—
kannte hierauf der Bezirks-Ausschuß zu Merseburg am 11. Okt.
1884 unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung und des Be—
schlusses dahin, daß die Stadtgemeinde Halle für rechilich verpflichtet
zu erachten, die verlangte Breite des Buͤrgersteigs durch Entsernung
Xx. Y. 2.
Nürnberg. Ueber cementirte Abortgruben. Im
Architekten- und Ingenieur-Verein zu Nürnberg gab Herr Archi—
iekt Hecht seine Anschauungen über cementirte Abortgruben kund,
wonach dieselben keineswegs eine Garantie für Reinhaltung des
Untergrundes bieten. Cenient sei bekanntlich auf die Vänge der
Zeit der Einwirkung ammoniakalischer Flüssigkeiten gegenüber
uicht widerstandsfähig, da sich in Wasser löosliches, kieselsaures
Ammoniak bilde, welches dem Mörtel die Bindekräft brnehme.
Reparaturen in cementirten Abortgruben seien ohne jeden Werth,
da man namentlich in öffentlichen Lokalen eine Abortgrube nie
so lange außer Betrieb setzen könne, bis der frische Cementverputz
erhärtet sei. Es empfehle sich daher am meisten die Anlage vonñ
zußeisernen, innen und außen mit Asphalt bestrichenen Abort—
gruben. Derselbe Herr warnte vor der Verwendung des ver—
zinkten Eisenblechs und des reinen Zinkblechs zu Bedachungen und
Dachrinnen, da bei der Menge des durch den Steinkohlen-Verbrauch
in die Luft gehenden Schwefels solches sehr bald zerstört werde;
stark und gut verbleites Eisenblech allein erweise sich den Ein—
wirkungen der schwefligen Säure widerstandsfähig.
Stuttgart. Im Württembergischen Verein für Baukunde
machte Herr Oberbaurath v. Leins einige Mittheilungen über
die Anwendung des Cements bei schadhaften Bauten.
Er berichtet, wie bei dem Kirchthurm in Stadelfingen ein mehrere