Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

Mittheilungen über Ausstellungen. — Berichte aus verschiedenen Städten 
V 
chein, Holland und Belgien, daneben kommen das übrige Deutsch— 
and, Frankreich und einige andere Länder in Betracht. Obwohl 
ein Theil der Produkte mit der Bahn versandt werden kann, so 
ind diese Massenartikel doch ganz überwiegend auf den Wasserweg 
ingewiesen. Im Westen Deutschlands und in den Niederlanden 
jat der gute Zustand der Fahrstraßen des Rheins und der Maas 
Ss den rheinischen Steinen auch ermöglicht, die Konkurrenz mit 
den niederländischen, belgischen, schottischen und schwedischen Artikeln 
ieser Art mit Erfolg aufzunehmen. Das Gleiche ist nicht der 
Fall bezüglich der Nord- und Ostseeküstenländer, da diese nur 
mittelst der theureren Eisenbahnfracht zu erreichen sind. 
Gegen Traß speziell, welcher in vielen Gegenden an Stelle 
»es theureren Cements für manche Zwecke Verwendung findet, 
serrscht außerdem eine gewisse Abneigung, weil fortwährend ganz 
»edeutende Quantitäten geringwerthigen Materials in den Handel 
jebracht werden, und die Qualität sich in gemahlenem Zustande 
nicht so leicht beurtheilen läßt. Während von guten Tuffsteinen 
ind gutem, aus hartem Stein gemahlenem Traß im Coblenzer 
Bezirk ca. 800 000 Etr. im Jahre verladen werden, wird vielleicht 
das doppelte Quantum geringwerthigen Trasses, aus Tuffasche, 
knuppen und Leucittuffen hergestellt, in den Handel gebracht. Dies 
jat natürlich recht nachtheilige Folgen für die Gesammt-Traßindustrie. 
vesen bot die vor Kurzem hier stattgehabte Eröffnung der 
Offerten zum Abbruch des Rheingassenthores. Ein Unternehmer 
orderte von der Stadt 300 Mek. ein zweiter dagegen bot 205 Mk., 
ein dritter wollte sogar 300 Mik. an die Stadtkasse zahlen, wenn 
hm der Abbruch übertragen würde. Da letzteres Gebot 
zu spät einlief, wurde dem zweiten Unternehmer für 205 Mek. 
der Abbruch zugeschlagen. Hoffen wir, daß der Mann, trotzdem 
ein Gebot für ein verhältnißmäßig kleines Abbruchsobjekt das 
eines Mitbewerbers um 595 Wek. übersteigt, ein gutes Geschäft 
gemacht hat. 26 
Köln. In der letzten Versammlung des „Gewerbevereins für 
döln und Umgegend“ gab zunächst Herr Romberg, Direktor der städti— 
chen Fachschule in Erledigung des ersten Punktes der Tagsordnung, 
eine kurze Beleuchtung des Beschlusses des Abgeordnetenhauses 
»om 7. Februar d. J. betreffend die Einstellung des Sonntags— 
unterrichtes der Fortbildungsschulen während der Zeit des Haupt— 
gottesdienstes. Die bezeichnete Frage sei von der einschneidendsten 
Bedeutung für das Bestehen der gewerblichen Fortbildungsschulen. 
Der Redner bezeichnete den Kirchenbesuch als allerdings dringend 
nothwendig; neben dem Elternhause, dem Meister, solle auch die 
Schule dafür eintreten. Aber für Köln sei beispielsweise eine 
Inhibirung des Unterrichts während der Zeit von 8211 Uhr 
Vormittags der Ruin der Schule. Es läge auch für Köln, wo 
Zonntags von 5 bis 14312 Uhr den katholischen Schülern zu 
eder Zeit in vielen Kirchen Gelegenheit geboten sei, eine Messe 
uu hören, gar kein Bedürfniß zu einem so strengen Gebot vor, da 
sort die weitans größte Schülerzahl eben aus Katholiken bestände. 
Die Durchführung des Abgeordnetenbeschlusses sei auch nur dann 
nöglich, wenn die Meister sich dazu verständen, ihren Lehrlingen 
in zwei Nachmittagen für den Besuch der Schule frei zu geben. 
Dieses Opfer sei jedoch nicht zu erwarten. Zudem seien die 
Besucher der Schulen nicht alle Lehrlinge, sondern vielfach Ge— 
ellen, denen allein der Sonntag zur ferneren Ausbildung übrig 
oleibt. Die hiesige, mit der Fachschule verbundene Fortbildungs- 
chule werde zur Zeit von 100 Gesellen und 159 Lehrlingen 
nesucht. Die Versammlung kam zu dem Beschlusse, daß eine 
dommission aus dem Vorstande des Gewerbevereins und den 
Vorständen der Innungen gebildet werde, um dem Herrn Minister, 
der sich gegen den Beschluß des Abgeordnetenhauses ausgesprochen 
jat, in einem Schreiben die Zustimmung des Gewerbevereins 
iuszusprechen und dafür einzutreten, daß das Gesetz nicht zur 
Ausführung gelange. 
Der „Gewerbeverein für Köln und Umgegend“ hat den Plan 
zefaßt, im Sommer 1886 eine Ausstellung kunstgewerblicher Er— 
zeugnisse der Provinzen Rheinland und Westfalen, sowie der an— 
zrenzenden Bezirke zu veranstalten. Der Gedanke ist wohl um so 
zlücklicher zu nennen, als die schönsten Gebilde des Kunsthand⸗— 
verkes im Rahmen vou größeren Industrie-Ausstellungen meist 
erschwinden, jedenfalls aber anf den Besucher einen weniger 
jünstigen Eindruck machen, als in den Spezialausstellungen, die 
udem auch mit geringeren Kosten zu arrangiren sind. Gleich— 
eitig soll mit der Kölner Ausstellung eine solche kunstgewerblicher 
Alterthümer verbunden werden, welche sich um so großartiger ge— 
talten dürfte, als gerade Köln einen ganz außerordentlichen 
Schatz an werthvollen alten Kunstwerken aufzuweisen hat. — v — 
Mittheilungen über Ausstellungen. 
Weltausstellung in Antwerpen. Wie uns mitgetheilt 
wird, ist der Plan der Front der Ausstellungshallen nunmehr 
ndgültig festgestellt. Die Mitte dieser 600 Mtr. breiten Kollossal⸗ 
front bildet das architektonisch musterhaft gelungene Haupiportal, 
velches zwei 60 Mtr. hohe Thürme einfassen. Aus diesen zwei 
tolzen Pilaren brechen zwei breite Wasserfälle hervor, um sich uber 
Brottsteingefels hinabstürzend, in die vorliegenden Bassins zu ver— 
iieren. Im Innern der Thürme führen Wendeltreppen zu den 
veiten Gallerien der Thurmkuppeln. 
Eine ausgedehnte Gallerie liegt über dem Portale, welches 
eine monumentale Gruppe krönt. Zwei große elektrische Sonnen 
rleuchten von der Spitze der Thürme herab diese großartige Facade. 
Reich ausgestattete Nebenportale unterbrechen die einkönigen 
angen Linien der Seitenflügel. In einer Höhe von 3 Mtir. legt 
sich eine ausgedehnte Terasse vor den Ausstellungspalast, welche 
wohl der Lieblingsaufenthalt der ausruhenden Besucher werden 
dürfte. Durch Königl. Verordnung vom 24. Novbr. 1884 ist nun⸗— 
nehr auch die Frage der zollfreien Lagerung definitiv geregelt. 
Bei den bisherigen Erfolgen der Weltausstellung in Antwerpen 
nehren sich die Aumeldungen von Tag zu Tag und dürften heute 
»ereits die Zahl 8000 überschreiten; Frankreich, Belgien und Holland 
tehmen allein hiervon 5000 für sich in Anspruch. Die österreichische 
Abtheilung ist am weitesten vorgeschritten, Spanien besetzt 1000 
J 2 und hat Canada gleichfalls 1000 02 reserviren lassen. In 
der letzten Zeit ernannten noch England, Rußland, die Türkei und 
die Schweiz ihre offiziellen Vertreter. Die deutsche Abtheilung 
entwickelt sich unter dem Protektorate der deutschen Colonie in 
Antwerpen in erfreulichster Weise, und mehren sich auch die An⸗ 
neldungen in der Gruppe „Gewebe und Bekleidung“. Die großen 
Tabakfirmen in Havanna haben nunmehr auch ihre Betheiligung 
n Aussicht gestellt, und wird, da alle Tabakhandel treibenden 
Länder bereits durch zahlreiche Anmeldungen vertreten sind, auch 
der Liebhaber einer feinen Cigarre auf der Weltausstellung seine 
Studien machen können. 
London. Ein Fabrikschornstein aus Beton. Wir 
erfahren über einen sehr interessanten Fabrikschornstein, den eine 
zroße Jutefabrik in Irland neu auffuühren ließ und der, aus— 
chließlich aus Beton bestehend, nur einen einzigen großen Block 
dildet, von einem dortigen Mitarbeiter Folgendes: Wohl hat 
nan jenseits des Kanals schon vor Jahren ganze Wohnhäuser 
ausschließlich aus Beton hergestellt, der Gedanke aber, einen 
rabrikschornstein, also eine schlanke, 160 Fuß hohe hohle Säule 
sewissermaßen aus einem einzigen Stück zu gießen, gehört doch 
erst der jüngsten Zeit an. Das massive Fundament dieses Schorn— 
teins bildet einen runden Block von 10,660 m Durchmesser und 
2,75 m Höhe. Der Sockel ist 4,225 m hoch, hat einen Durch— 
nesser von 5,50 m und bildet von außen ein Achteck. Der 
Durchmesser des Schornsteins, unmittelbar über dem Sockel ge— 
nessen, beträgt 4,85 m und verjüngt sich bis zur Spitze auf 
3,20 m. Die Krone oder das Kapitäl desselben hat eine Höhe 
»on 1,80 muäund die Ausladungen derselben messen in ihrem 
zrößten Durchmesser nahezu 4,.00 m. Die Gesammthöhe des 
Kamins beträgt nahezu 48 mm; die Stärke des Betons variirt 
von 1,20 m am Fuße des Kamins bis zu 0,375 muunmittelbar 
unter der Krone gemessen; dies ergiebt also eine Lichtweite von 
2, 40 m. Der Beton, aus welchem dieser Kamin gegossen wurde, 
sst aus einer Mischung von Portland Cement mit Sand und 
Steinen hergestellt, und es sind dazu Steine von den verschieden— 
artigsten Größen verwendet worden. Diesenigen im Fundament 
Berichte aus verschiedenen Städten. 
Berlin. Für die Errichtung einer neuen Kaserne 
ür das Garde-Kürassier-Kegiment ist mit Bestimmtheit jetzt ein 
Terrain in unmittelbarer Nähe bei Tempelhof in Aussicht genommen. 
Das Kriegsministerinm hat dort eine Fläche von elf Morgen liegen, 
die jetzt als Ackerland verpachtet wird. Unmittelbar daneben be— 
iinden sich Ländereien des Bauerngutsbesitzers Grimack und des 
dossäten Blaßmann, die beide sich bereit erklärt haben, von dem— 
elben achtzehn Morgen abzutreten, so daß das ganze für die 
Kaserne bestimmte Terrain nunmehr einen Umfang von 29 Morgen 
hat, von denen, da elf Morgen bereits Eigenthum des Militärfiskus 
ind, nur die letzten achtzehn Morgen angekauft zu werden brauchen. 
Die Kaufsunterhandlungen mit den genannten beiden Besitzern 
ind dem Abschluß nahe. Ob mit dem Bau aber bereits im Jahre 
1885 begonnen werden wird, hängt von der Bewilligung der Bau— 
gelder seitens des Reichtages ab. 
Küöln. Ein neuer Beitrag zu dem in diesen Blättern zu 
viederholten Malen treffend geschilderten heutigen Submissions,
	        

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