Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

Literaturbericht. — Brief- und Fragekasten 
sind bis zu 1Kg schwer, während selbstverständlich für die höheren 
Lagen des Kamins auch verhältnißmäßig kleinere Steine verwendet 
werden mußten. Der zwischen Dampfkessel und Kamin angelegte 
Rauchkanal (Fuchs), ebenfalls aus einem Stück hergestellt, ist bei 
einer Lichtweite von 1,50 m 41,50 m, ungefähr 42,50 melang 
und hat etwas über 1400 Mek. gekostet, während die Anlagekosten 
für den Kamin sich auf 10200 Mit. beliefen. Die gesammte 
Anlage, zu der 103 Tonnen Portland Cement (à 20 Centner) ver⸗ 
wendet wurden, kostete also 11600 Mk. 
Oppenheim a. Rh. Hier fand kürzlich eine Sitzung 
des erpelterten Eomité's zur Herstellung der Katharinenkirche 
siatt. In derselben wurde Bericht über den Stand des Unternehmens 
stattet unter Hinweis auf die Pläne und Grundrisse des mit der 
Restaurirung beauftragten Baumeisters Prof. Heinr. Schmidt von 
Ptünchen. Man glaubt, daß die Arbeit am 31. Mai 1889 als 
am 200 jährigen Jahrestage der Zerstörung des schönen Gebäudes 
beendet sein-werde. Ein Aufruf au die Deutsche Nation zur 
Gewinnung von Beiträgen fand die Zustimmung der Comitémit— 
glieder und soll demnächst veröffentlicht werden. 
Siegburg. Ende Oktober feierte die Gemeinde Siegburg— 
Mülldorf in fesilichster Weise die Fertigstellung der neuen festen 
Brücke über die Sieg, welche einem langen und lebhaft empfun— 
denen Verkehrsbedürfnisse abhilst Ein Festzug fand zu dem mit 
Guirlanden und Fahnen reich geschmückten Bauwerk statt, auf 
welchem auch die eigentliche Festrede unter freiem Himmel ge— 
halten wurde. Die Baukosten im Betrage von 145 000 Mk. sind 
in anerkennenswerther Weise von der Provinzialverwaltung be— 
willigt worden. Der Bau wurde Ende Anugust vorigen Jahres 
begonnen und hat somit circa 14 Monate in Anspruch genommen. 
In dem Nachbarorte Eitorf fand am 22. Oktober die Ein— 
weihung der dortigen neuen Kirche statt. — f. — 
Brief- und Fragekasten. 
Herrn Bautechniker A. in St. Der Cement kann dem Froste aus— 
gesetzt werden, sobald er abgebunden hat. Es geschieht dies in der Regel 
chon nach 24 Stunden, sicher aber schon nach 48 Stunden; anderenfalls ist 
ie Qualität des Cements eine durchaus ungenügende. 
Herrn Baumeister D. in F. Wir können Ihrem Wunsche leider nicht 
entsprechen, da die Bestimmung hierüber nicht allein uns, sondern auch noch 
inderen Faktoren zusteht, mit welchen wir zu rechnen haben. Brieflich 
häheres. 
Herrn Zimmermeister MA. in O. Jeder Bauherr ist verpflichtet inner— 
halb der festgesetzten Baufluchtlinie zu bauen, d. h. er darf nicht über die 
Baufluchtlinie hinaus in die Straße hinein bauen. Die Baufluchtlinien 
verden festgestellt, um eine genügende Straßenbreite zu erhalten, welche 
inmal den Verkehrsinteressen vollkommen Rechnung trägt, andererseits ge— 
tattet, daß den an der Straße zu erbauenden Wohnhäusern genügend Luft 
ind Licht zugeführt werden könne. Es ist aber keineswegs damit ausge— 
chlossen, daß Sie hinter der Baufluchtlinie zurückbleiben dürfen; es kann 
Ihnen dies durchaus nicht verwehrt werden, da Sie ja die Straße dadurch 
ioch mehr verbreitern. Sollte Ihre Polizeibehörde nicht zu überzeugen sein, 
o beschreiten Sie getrost den Instanzenweg, auf welchem Sie Recht er⸗ 
nalten werden. Niemand kann gezwungen werden, mit der Vorderfront des 
zauses in die Fluchtlinie zu bauen, wohl aber kann durch Lokal-Polizei⸗ 
Lerordnung bestimmt werden, daß Plätze zwischen der Baufluchtlinie und der 
VKorderfront des Hauses als Vorgärten behandelt und in der Fluchtlinie 
zurch ein Gitter ꝛc. gegen die Straße abgesperrt werden. In Ermangelung 
einer solchen Polizei-Verordnung haben Sie aber auch das Recht, fich das 
Vorterrain einzuzäunen und als Vorgarten ꝛc. zu behandeln. Selbstredend 
leibt in jedem Falle dieses Vorterrain Ihr Eigenthum, bis es die Kom⸗ 
nune käuflich erwirbt. 
Herrn Zimmermeister R. in Sch. Die Luftisolirschicht in den Keller⸗ 
nauern wird am besten nach Außen angelegt, dagegen diejenige in Geschoß— 
nauern besser nach Innen. Die Gründe hierfür sind ja wohl leicht einzu— 
ehen, wenn man bedenkt, welchen Zwecken die Isolirschichten an den ver⸗— 
chiedenen Stellen dienen. 
Herrn Maurermeister V. in P. Das Wölben auf dem Schwalben— 
chwanz aus den Ecken heraus giebt festere Gewölbe, als das Wölben auf 
»em Rutschbogen. Das letztere wird in folgender Weise ausgeführt. Man 
etzt einen aus Holz geschnittenen Lehrbogen auf die Kämpferebene der Wider— 
ager resp. die unteren Flanschen der Träger, zwischen welche die Kappe ein— 
gespanut werden soll, senkrecht auf und wölbt dann die Steine mit ihrer 
rängsrichtung parallel zur Kämpferlinie ein. Bei der ersten Schicht müssen 
sanze Steine mit halben abwechselnd genommen werden, damit die Steine 
er zweiten in die Verzahnung der ersten Schicht eingreifen können. Die 
Schlußschicht wird wie die erste. Nach Vollendung der ersten Schicht wird 
der auf Keile gestellte Bogen gelöst, um eine Steinlänge vorgerückt, dann 
vieder wie vorher gewölbt uünd so fort bis zur Beendigung des Gewölbes. 
Herrn Maurermeister N. in RB. Der 8 58 des A. L.-R. Th. 1 Tit. 8 
autet: „Was durch 3 36 8619. von verfallenen städtischen Gebäuden verordnet ist, 
silt auch von solchen, die durch Feuer oder anderes Unglück zerstört worden, 
venn der bisherige Eigenthümer dasselbe, innerhalb einer von der Obrigkeit 
u bestimmenden Frist nicht wiederherstellen kann oder will“ Ein Meini⸗ 
terial⸗-Aestript vom 30. Dezember 1829 hat folgenden Wortlaut: 
„Nach den in Ihrer Eingabe vom 19 d. M. angeführten Gesetzes⸗ 
Stellen (A. L.-R. Th. ĩTit. 8, 88 36 690 und 538) ist die Polizei-Obrigkeit 
war verpflichtet, auf Wegräumung solcher Gebäude zu drinzen, welche dem 
Publiko Gefahr briugen Was aber den Neubau der bereits abgetragenen 
Bebäude betrifft, so ist sie nach denselben Gesetzesstellen nur berechtigt, jedoch 
nicht verpflichtet, denselben zu erzwingen. Vielmehr tritt bei der Frage, ob 
iie von dieser Berechtigung Gebrauch machen will, die Erwäaung der iedes— 
naligen Verhältnisse ein. 
Nun kann aber das unterzeichnete Ministerium es mit der dortigen 
ügl. Regierung nicht angemessen finden, für jetzt die dortigen Einwohner zu 
Reubauten zu zwingen, da bekanntlich die Häuser daselbst im Werthe ge— 
unken sind, und es mehr Noth thut, den Wohlstand der Grundbesitzer zu 
rhalten, als auf die Vermehrung der Häuser Bedacht zu nehmen, die wahr— 
cheinlich jetzt keinen verhältnißmäßigen Ertrag gewähren dürften“ 
Sie werden wohl nunmehr selbst einsehen, daß Sie mit einer Be— 
chwerde keinen Erfolg erzielen werden, wir meinen aber auch, daß Sie eine 
olche schon vom moralischen Standpunkte aus unterlassen müßten. 
Herrn Bauunternehmer J. in L. Das Durchschlagen der russischen 
köhren ist weniger von dem verwendeten Mauermaäateriäl, als davon ab— 
)ängig, ob die Röhren kalt oder warm liegen, gut oder schlecht ziehen, ob 
die Oefen luftdichte Thüren haben und welches Brennmaterial Verwendung 
indet. Liegen die Rohren kalt, so schlägt sich der Rauch an den kalten 
Wandungen nieder und das Mauerwerk nimmt die Flüssigkeit auf. Noch 
mehr ist dies der Fall, wenn die Röhren schlecht ziehen, so daß der Rauch 
nich! schnell hinausbefördert wird. Dieser Uebelstand kann durch Anbringung 
uftdichter Ofenthüren noch verschlimmert werden, da der Luftzug durch das 
Schließen der Ofenthür in dem mit heißem Rauch angefüllten Rohr plötzlich 
un Stillstand gebracht wird. Sind die Rohrwandungen nun nicht genügend 
jeiß, jo erfolgt der Niederschlag des Rauches auf die Rohrwandungen. Wird 
nit Torf gefeuert, so erfolgt das Durchschlagen stärker uͤnd schneller, als bei 
inderem Heizmaterial, weil der Verbrennungsprozeß ein sehr langsamer ist. 
Die russischen Röhren müssen also so angelegt werden, daß sie nicht kalt 
iegen, und wo dies nicht zu vermeiden ist, muß die Wandung nach Außen 
nöalichst stark, mindestens J Stein stark, gemacht werden. 
Herrn Architekt R. in hH. Es ist durchaus nicht u empfehlen, irgend— 
velche Materialien eines Viehstalles zum Bau eines Wohnhauses zu ver— 
venden, da die von den Materialien eingesogenen Dünste einen unan— 
zenehmen Geruch verbreiten würden und außerdem eicht Krankheiten er— 
eugen könnten 
Literaturbericht. 
Architektonische Rundschau, Skizzenblätter aus allen 
Gebieten der Baukunst. Herausgegeben von Ludwig Eisenlohr 
und Karl Weigle, Architekten in Stuttgart. 1. Jahrgang 1885. 
WDDDDD 
Verlag von J. Engelhorn.“ 
Vor uns liegt die erste Lieferung eines neuen Unternehmens, 
welches, wenn es so weiter geführt wird, als es dieser Aufang ver— 
spricht, entschieden eine bedeutende Zukunft vor sich hat. Das 
Werk soll ein Sammelwerk für die zeitgenössischen hervorragenden 
architektonischen Leistungen sein, wie bisher in diesem Umfange 
kein solches existirt. 
Der Inhalt soll sich unter sorgfältigster Auswahl, ohne 
Bevorzugung einer besonderen Stilrichtung, auf kirchliche Bauten, 
Schlösser, Rathhänser und andere öffentliche Bauten, städtische 
Wohn- und Geschäftshäuser, Villen, Gartenhäuser und sonstige 
Gartenarchitektur, Monumente, Brunnen, Vestibule, Portale und 
andere Bautheile ꝛc. erstrecken. Hierdurch wird dem Acrchitekten, 
dem Baugewerksmeister und dem Studirenden ein so reichhaltiges 
Material, in flotter und künstlerischer Darstellung, sowohl zur 
Anregung beim Entwerjfen, als auch zur Belehrnng geboten und 
zwar zu einem äußerst billigen Preise. 
Die erste Lieferung enthält außer einem erläuternden Texte: 
Auf Tafel 1 die Facade und auf Tafel 2 die Grundrisse des 
„Ziererhof“ in Wien, erbaut von Architekt C. König, k. k. Professor 
am Polytechnikum daselbst; auf Tafel 3 Ansicht und Grundrisse 
eines Aussichtsthurmes für Heilbronn am Nekar, preisgekröntes 
und zur Ausführung bestimmtes Projekt von Eisenlohr und Weigle, 
Architekten in Stuttgart; auf Tafel 4 eine Gruppe von Einzel— 
wohnhäusern im Gärtnerweg zu Frankfurt a. M., erbaut von 
Paul Wallot, Architekt des Reichstagshausbaues in Berlin, zu 
welchem sich die Grundrisse in dem erläuternden Texte befinden; 
auf Tajel 5 den Grundriß und die Ansicht einer Gartenhalle des 
Herrn F. Lipperheide in Berlin, entworsen und ausgeführt von 
den Architekten Kayser und von Großheim daselbst; auf Blatt 6 
die Facade des Hotel Pourtalès in der Rue Tronchet zu Paris, 
erbaut vom Archiuekten Duband; auf Blatt 7 Grundriß und An— 
sicht der Villa v. Bethmann in Königstein am Taunus, erbaut von 
Frauz v. Hoven, Architekt in Frankfurt a. M. und auf Blatt 8 
die Grundrisse und die Facade des Rathhauses in Schönheide, 
Königreich Sachsen, erbaut von Giese und Weidner. Architekten 
in Dresden. 
Wenn wir, nun noch hinzufügen, daß Papier, Druck und 
Ausstattung des Werkes wirklich mustergültig sind, so meinen wir, 
daß hier für einen ungemein billigen Preis etwas geschaffen ist, 
was einer bedeutenden Zukunft eütgegen geht, und' können wir 
demnach unseren Lesern die Anschaffund des Werkes aus innigster 
Ueberzcuqung bestens empfehlen. 
Die geehrten Leser unseres Blattes bitten wir, den Brief- und Frage— 
sasten in ausgedehnter Weise benutzen zu wollen, jedoch können nur solche 
Fragen von Abonnenten Beantwortung fiuden, welche an uns mit An— 
jabe der vollen Adresse gestellt werden. Die Antwort erfolgt stets unter 
Chiifre, im Falle dieselbe aber au umfangreich ausfallen sollte, auch brieflich— 
Die Redaffion 
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dedbektion& 
Diesfs in Verlin — Verlag von Julius Engelmann in Berlin. — Druck von H. S. Hermann in Berltin 
uunrfer Merantwortlichkeit des Verleder«
	        

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