Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Berichte aus verschiedenen Städten. — Entscheidungen. — Bauprozesse. — Bautechnische Notizen. 608 
hauten, die bisher in Berlin allein durch Lastträger befördert 
wurden, vom Straßen-Niveau durch maschinelle Verbindung an 
SOrt und Stelle zu schaffen. Es dürfte demnächst zur Verwerthung 
dieser Konzession eine Aktiengesellschaft oder eine Kommanditgesell⸗ 
schaft auf Aktien mit kleinem Kapital begründet werden. Wir 
hehalten uns weitere Mittheilungen über diese Angelegenheit vor. 
Frankfurt a. M. Die rasche Verbreitung, welche die 
neue Feuer-Lösch-Flasche“) oder Handgranate gefunden, hat 
gezeigt, daß es nur an der technischen Ausfuͤhrung und dem Preise 
hing, daß diese wichtige Erfindung nicht schon laͤngst überall sich 
Andürgerte. Schönberg's Löschflasche ist aber so billig (2 M.) 
handlich und wirksam, daß sie in jedem Hause Platz finden kann. 
Ihr eminenter Nutzen springt so in die Augen, daß die allgemeine 
Anwendung nur noch eine Frage der Zeit sein kann. Auch für 
die Fener-Versicherung ist die Erfindung von der größten Bedeu— 
tung weil in den Haͤusern, wo Löschflaschen aufgestellt sind, eine 
Feuersbrunst nicht leicht vorkommen kann, die Versicherungs 
Pramie fuͤr solche Gebäunde sich also wesentlich ermäßigen läßt, 
ohne den Gesammt-Ertrag zu schmälern. Die neue Feuerlösch— 
flasche ist zugleich so hübsch ausgestattet, daß sie auch einen 
Zierrath für die Zimmer bildet. — Ein wichtiger Vorzug der 
deuen Granate ist deren unschädliche Füllung. Die früheren ent⸗ 
hielten alle eine unter starkem Gasdruck stehende Flüssigkeit, welche 
eine starke und deshalb schwere Flasche erforderte. Außerdem 
mußte der Verschluß sehr dicht sein, sonst entwich mit der Zeit 
das Gas und die Wirkung war verringert. Schönberg's Flasche 
aber (welche durch Marken- und Musterschutz gegen Nachahmung 
gesichert ist) kann unverschlossen aufbewahrt und in Folge dessen 
bei kleinen Bränden auf das Feuer gegossen werden. Die 
Wirkung derselben ist eine doppelte, einmal der Flüssigkeit direkt 
und dann der sich momentan aus derselben entwickelnden Dämpfe. 
ämmtlichen, von ihm beschäftigten, dem Krankenversicherungszwange 
interliegenden Personen bei der Lohnzahlung vorjätzlich höhere, als 
zie nach den 88 53 und 658 des Gesetzes vom 15. Juni 1883 und 
rach dem betreffenden Paragraphen der Statuten der fraglichen 
DOriskrankenkasse zulässigen Beträge in Aurechnung gebracht habe. 
Vergehen gegen 8 82 des Gesetzes vom 15. Juni 1883). Das 
d. Amisgeuucht seßte in Folge dessen durch Strafbefehl gegen den 
Arbeitgeber eine Strafe von 100 Mk., event. Haftstrafe von 20 
Tagen fest. — Der Strafbefehl ist rechtskräftig geworden“ 
Bauprozesse. 
Thurmeinsturz. Am 10. September v. J. stürzte im 
Dorf Asenham in Nieder-Bayern ein neues, 20 m hohes Thurm⸗ 
iegel-Mauerwerk in sich zusammen, wobei sechs Körperverletzungen 
borkamen. Ein Konsortium von 8 Maurern unter Führung eines 
Maurerpoliers waren die Akkordunternehmer, während der Bau— 
nusschuß der Gemeinde einen Maurermeister durch das Königl. 
Bezirksamt Griesbach als Bauleiter aufstellen ließ. Die vorher— 
egangene Besichtigung und die am 24. September stattgefundene 
Kerhandlung ergaben, daß die Unternehmer sehr schlecht und un— 
nerständlich“ gemauert, schlechtes Material verwendet hatten und 
der Thurmeinsturz insbesondere durch eingemauerte Bruchstein— 
indlinge im Ziegelmauerwerk des Erdgeschosses, welche sich nicht 
nit demselben verbinden konnten, herbeigeführt wurde. Von der 
Finmauerung der vorbenannten kugelfoͤrmigen, nicht lagerhaften 
Bruchsteinfindlinge hatte nun allerdings der Bauleiter keine Kennt— 
niß und auch keinen Auftrag zu deren Verwendung ertheilt. Wie 
aachgewiesen, wurde dies stets vorgenommen, sobald sich derselbe 
bom Bau entfernt hatte. Das Königl. Landgericht Passau glaubte 
iber dennoch außer dem Akkordantenführer auch den Bauleiter 
wegen fahrlässiger Körperverletzung bestrafen zu müssen, indem 
haffelbe ausführte, daß der Bauleiter die lüderlichen Akkordanten 
nicht hätte anerkennen sollen und daß eine in Zwischenräumen 
»on 2 bis 3 Tagen gepflogene Beaufsichtigung nicht genügend sei. 
Wie oft der Bauleiter nachzusehen habe, war vorher nicht verein— 
bart worden. — Schließlich wurde der Bauleiter zu 3000 Mk. 
Geldstrafe und der Akkordantenführer zu 4 Monaten Gefängniß 
verurtheilt. 
— —8* 
Leipzig. Die in weiten industriellen Kreisen bekannte 
Deutsch-⸗Amerikanische Maschinenfabrik von Ernst Kirchner K Co. 
in Leipzig ist von der Preisjury der Antwerpener Welt-Ausstellung 
für hervorragende Leistungen auf dem Gebiete des Holzbearbeitungs— 
maschinenbaues mit dem höchsten Preise, der goldenen 
Medaille, und auf der Industrieausstellung zu Görlitz mit der 
silbernen Medaille ausgezeichnet worden. — Diese Firma, 
welche in hoher Achtung im In- und Auslande steht, fabrizirt 
als alleinige Spezialittit Tischlereimaschinen, Sägemaschinen 
Parquetmaschinen, sowie auch sehr sinnreiche Spezialmaschinen für 
Faß-, Piano- und Waggonfabriken, überhaupt alle Arten Holz— 
bearbeitungsmaschinen. — Gegenwärtig baut die Firma eine Band— 
Blocksäge in einer Größe, wie sie bis jetzt in Deutschland noch 
nicht ausgeführt worden ist. Dieselbe ist bestimmt, Stämme bis 
1,3 Mir. Durchmesser in Bretter zu sägen. Diese Maschine ist 
von einer der bedeutendsten Sägemühlen bestellt. —n. 
Sorau. Die Erbauer des Sorauer Gymnasiums 
haben den amtlichen Schriftstücken, welche mit dem Grundstein 
vermauert wurden, einen Fünfzigpfenniger beigefügt mit einer 
Gebrauchsanweisung an den künstigen Kollegen, der den Stein 
hebt. Darin heißt es: „Dieweil die Baumeister von je — beim 
Trunk viel Geld schon ha'n vermuddelt, — Drum haben wir dem 
Herrn Colle — Ga diesen Fünfzger mit verbuddelt. — Hebst Du 
dereinstmals diesen Stein, — so sind wir lange schon vergessen. 
— (Jetzt leben wir ohn' große Pein, — geht's doch zum feuͤchten 
Grundsteinessen,) — Bist Du ein Mann, frisch, froh, wie wir, — 
und freust Dich schaffend Deiner Werke, — dann trink auf uns 
nen Schoppen Bier — Auch zwei, wenn's Dir nicht fehlt an 
Stärke. — Wir rufen Dir beim Nektartrauk — ein herzlich 
Smollis dann hinunter — und wünschen, daß Dein Leben lang 
— Du schwingst den Humpen froh und munter.“ 
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222 
*22 Notizen 
Der höchste Schornstein. Auf der Bleihütte des Mecher⸗ 
nicher Bergwerks-Aktien-Vereins wurde, wie die „Köln. Ztg.“ mittheilt, 
m Sommer vorigen Jahres mit dem Bau eines neuen Schornsteins be— 
zjonnen, welcher vor Eintritt der Herbststürme die Höhe von 23 meer— 
reichte. Am 14. April d. J. wurde der Weiterbau wieder aufgenommen 
und am 19. September bei einer Gesammthöhe von 134,6 mm beendet. 
Derselbe ist in folgenden Abmessungen ausgeführt: Der Fundamentbau 
rus Bruchsteinen, 11 m im Quadrat, hat die Höhe von 3,5 mm; der 
Zockel 10 m im Quadrat, nebst dem aus dem Viereck ins Achteck über— 
zehenden Theile aus Ringofen-Ziegelsteinen bestehend, hat die Höhe von 
lO m und der Schaft, in runder Form aus Radialsteinen ausgeführt, 
st 121,1um hoch: mithin beträgt die Gesammthöhe 134,6 m. Der 
iußere Durchmesser des Schaftes beträgt unten 7,8, oben 8,5 wm; der 
nnere Durchmesser unten 3.5 und oben 3 m. Da nun der berühmte 
Schornstein der chemischen Fabrik St. Rollor zu Glasgow eine Gesammt— 
söhe von 132,5 muhat, so dürfte die Ehre des Besitzes des höchsten 
Zchornsteins nunmehr Deutschland zufallen. 
Anstrich für Fußböden. H. Krätzer verwirft in der „Ba— 
ischen Gewerbezeitung“ den Zusatz von Bleiweiß zu den Farben von 
Fußbodenanstrichen wegen des schnellen Abtretens derartiger Fußboden— 
arben. Ferner räth er von der Verwendung des mit Bleiglaäͤtte ge— 
sochten Firnisses ab und giebt folgende Vorschrift zur Herstellung eines 
nit borsaurem Manganorvpdul bereiteten Firnisses: 1 Kg völlig trocknes 
ind eisenfreies (dasselbe ist ganz weiß) borsaures Manganoxydul wird 
ein zerstoßen und das feine Pulver nach und nach in 5 Kg Leinöl ein— 
gerührt. Letzteres wird in einem geeigneten Gefäße unter fortwährendem 
Imrühren bis auf 2000 G. erwärmt. Gleichzeitig bringt man in einen 
kessel 50 Kg Leinöl, erhitzt dasselbe, bis es anfängt, Blasen zu werfen 
ind läßt die aus Leinöl und borsaurem Manganorydul bereitete Flüssig— 
eit in feinem Strahle in den Kessel fließen. Hierauf verstärkt man das 
Feuer und läßt alles zusammen stark aufkochen. Nach 18-20 Minuten 
chöpft man den fertigen Firniß aus und filtrirt ihn noch heiß durch 
Zaumwolle. Der so bereitete Firniß kann sofort verwandt werden. Für 
zewöhnlich giebt man für Fustboͤden zwei Anstriche. Doch hat man darauf 
zu achten, daß der zweite Anstrich nicht eher aufgetragen wird, bis der 
erste vollständig trocken geworden ist. Es empfiehlt sich, die mit Oelfarbe 
Jestrichenen Fußböden noch mit einem sogenannten Fußbodenlack zu über— 
treichen. Durch Letzteren erhält der gestrichene Fußboden einen besonderen 
Blanz und dessen obere Decke eine größere Festigkeit. Einen sehr guten 
Fußbodenlack erhält man nach folgender Vorschrift: Man löst 80 8 
Schellack in 21008 80prozentigem Spiritus auf, fügt zu dieser Lösung 
8—7 8 Kampfer und filtrirt durch ein leinenes Filter den Bodensatz ab. 
Wird der Fußboden mit diesem Lack gestrichen, so wird die obere Decke 
des Anstrichs durch den Schellack noch fester. Tritt sich mit der Zeit der 
dußboden ab, so erhält man durch einen frischen Lackanstrich einen neuen 
ftanrenden Fußßoden 
Entscheidungen. 
Bestrafung eines Arbeitgebers aus 8 82 des 
Krankenversicherungsgesetzes. Aus Hannover' wird ge— 
schrieben: „Im April d. J. wurde einem hiesigeu Gewerbetreibenden 
seitens einer seiner Gehülfen zur Last gelegt, daß derselbe sich 
weigere, zu den Beiträgen der Ortskrankenkasse, deren Mitglied 
der Gehülfe ist, 13 aus eigenen Mitteln zu zahlen, sondern bei 
jeder Lohnzahlung dem Gehilfen die vollen Beiträge kürze. Es 
erfolgte hierüber Anzeige bei der hiesigen Staatsanwaltschaft, und 
stellte es sich alsbald heraus, daß der Arbeitgeber nicht nur dem 
Denunzianten, sondern in derselben Weise auch seinen übrigen 
Arbeitern, 25 an der Zahl, die vollen statutenmäßigen Beiträge 
bei den Lohnzahlungen in Abzug brachte. Der Arbeitgeber schützte 
Unkenntniß der Gesetze vor, trotzdem ihm nach Errichtung der 
Kasse ein Exemplar der Statuten zugesandt war. Die Beschul— 
digung der Staatsanwaltschaft ginqge dahin, daß der Arbeitgeber 
* Aus;ührlich in Nr. 34 d. J. besyrochen 
Ledaktion:; R.Natthen in Berlin — 
Verlag von Julius Engelmann in Berlin. — Druck von H. S. Dermann in Berlin 
Unter Verantwortlichkeit des Verlegerẽ
	        

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