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Mittheilungen aus der Praxis.
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Feuerungsanlagen thatsächlich ausgenutzt wird. Die euormen Ver—
luste, die auf 20285 pCt. zu schätzen, sind vor allem durch die
feste Form des Brennstoffes bedingt. Bei gasförmigem Brenn—
stoff findet eine ungleich vollkommenere Ausnutzung der darin
chlummernden Wärmemengen statt, weil hier die Beweglichkeit der
Theilchen eine innige Mengung mit Luft gestattet und trockene
Destillation, die bei gewöhnlicher Kohlenheizung werthvolle Brenn—
stoffe unverbrannt entweichen läßt, nicht stattfindet. Gasförmiger
Brennstoff ist nur künstlich als Leuchtgas oder Generatorgas her—
zustellen. Redner legte dar, wie in das Leuchtgas nur 30 pCt.
in das Generatorgas nur 70,5 pCt. der in der Kohle enthaltenen
Wärmemengen übergehen, bezw. für eine Centralheizung nutzbar
gemacht werden können. Bezüglich des Leuchtgases ergiebt sich
dies schon aus dem Umstande, daß 50 —60 pCt. Koke und mehrerẽ
Prozente als Theer, Ammoniak ꝛc. zurückbleiben, die für die
Gasbereitung verloren sind. Das Generatorgas enthält (theoretisch)
34,3 pCt. brennbares Gas (Kohlenoxyd), der Rest von 65,7 pEi.
ist unverbreunlicher Stickstoff. Generatorgas ist also ein Brenn—
stoff mit 65,7 pCt. Asche. Das Wassergas besteht aus Kohlen—
oxyd und Wasserstoffgas, ist theoretisch Stickstoff — d. i. aschen—
frei — und wie nachgewiesen wurde, werden bei der Fabrikation
92 pCt. der in der Kohle enthaltenen Wärmemengen in das Gas
überführt.
Das Ideal einer Centralheizung würde die Herstellung eines
Gases sein, das bei hohem Brennwerth aschenfrei ist. Dasselbe
müßte von einer Centralfabrikationsstätte durch Röhren den Kon—
sumenten zugeführt werden und zugleich als Leuchtgas dienen.
Dies soll bei dem Wassergas erreicht werden. Das Wassergas
wird im eisenummantelten geschlossenen runden Oefen aus Koke—
klein oder Kohle hergestellt. Der Ofen wird mit Brennmaterial
gefüllt, das mittelst Gebläse zur hellen Gluth entfacht wird, die
abziehenden Gase werden zur Heizung von Regeneratoren und zur
Dampserzeugung benutzt. Ist der Ofen in Gluth, so läßt man
durch den Regenerator Dampf einströmen, der sich als überhitzter
Dampf mit der glühenden Kohle im Generator zu Kohlenoxyd und
Wasserstoff zersetzt.
Das Wassergas wird in einem Gasometer aufgefangen und
durch Röhren, wie jetzt das Leuchtgas, den Konsumenten zugeführt
(Eine sehr anschaulich ausgeführte große Zeichnung erleichterte das
Verständniß dieser Auseinandersetzung.) In Amerika besteher
bereits mehr als 120 Wassergasanstalten. In New-York, wo mehrere
Wassergasanstalten bestehen, produzirt eine einzige bereits täglich
über 100,000 kbm.
Die Heizkraft des Wassergases ist zwar schon längere Zeit
bekannt, da es aber unzweckmäßig wäre, in Privathäusern zwei
Rohrleitungen, eine für Leuchtgas und eine für Heizgas, anzulegen,
so lag bis vor einem Jahre die ganze Frage der Anwendbarkeit
in der Aufgabe, das Wassergas auch leuchtfähig zu machen. In
Amerika half man sich mit den dort so billigen Petroleum-Rück—
ständen, um das Wassergas mit leuchtendem Kohlenwasserstoff zu
schwängern. Diese Prozedur ist aber in Europa nicht anwendbar.
Erst seit einem Jahre ist durch die Erfindung der Glühkörper die
Einführung des Wassergases in Europa möglich gemacht und
läßt diese das amerikanische Verfahren nur noch als einen Noth—
behelf erscheinen.
Um das Wassergas leuchtend zu machen, hängt man jetzt
Glühkörper aus Magnesia ein, die eine Brenndauer von 80 bis
100 Stunden haben. Das Licht ist rein weiß, bei gleichem
Gaskonsum etwa 10 pCt. stärker, als das Leuchtaaslicht, und nicht
flackernd.
Seit einem Jahr ist auf dem Walzwerk von Schulz, Knaudit
u. Co. in Essen die Wassergasfabrikation eingerichtt. Das Gas
wird dort zu technischen Zwecken und zur Beleuchtnng der aus—
gedehnten Fabrikräume benutzt. Als Brennmaterial dient das aus
der Schweiß⸗ und Puddelofenasche ausgewaschene Kokeklein. Das
Heißblasen des Apparats dauert 10 Minuten, die Gasfabrikation
-5 Minuten. Es werden in Essen täglich 6000 kbm produzirt.
Das Reinigen des Ofens von Asche und Schlacke erfolgt zweimal
täglich und dauert etwa 8 — 10 Minnten. Zur Bedienung des
Apparats sind 2 Mann erforderlich. Der Apparat kann mehrere
Tage unbenutzt stehen und dann in wenig Stunden wieder an—
gzeblasen werden.
Die Kosten eines Apparats für 12000 kbm tägliche Pro—
duktion mit Vorrichtung zum Reinigen des Gases für Leuchtzwecke
betragen 55000 Mk. Die Umwandlung der bestehenden Leuchtgas—
in Wassergas-Fabriken bietet keine Schwierigkeiten, es sind nur die
Apparate aufzustellen; die Reinigungs-Vorrichtungen, Rohrleitungen,
Gasometer werden nicht verändert. Die Kosten des Wassergases
setzen sich zusammen aus den Kosten für Brennstoff und für Ar—
beitslohn, Amortisation. Aus 1kg des in Essen verwendeten
Brennstoffs wird 1 kbmn Gas erzeugt. Aus 1 Kg Kohle erzeugt
man bereits 1.5 kbm Gas. Der Brenustoff kostet in Essen etwa
53 Mk. pro ton, also kostet das Gas an Brennstoff 0,) Pji.
Unter ungünstigen Verhältnissen, wo der Brennstoff etwa 10 Mek.
pro ton kostet, würde der kom Gas zu 1Pf. kommen. Die
Arbeitslöhne und Kosten der Amortisation betragen etwa 0,25 bis
1 Pf. pro kbhm Gas, so daß also die Eutstehunqskosten des Gases
1-2 Pf. betragen.
Die ausgesprochene Befürchtung, das Gas könne wegen
—DD— Leuchtgas, ist
unhegründet. Das Gas ist keineswegs geruchlos und es uͤt leicht,
dasselbe mit penetrantestem und permanentestem Geruch herzu—
stellen. Die Wassergasbereitung war als werthlos aufgegeben.
Den Erfindern der neuen Apparate Strong und Dwight und den
deutschen Ingenieuren Quaglio, Blaß, Knaudt u. A., besonders
inch dem Erfinder der Glühkörper, dem Schweden Fahnejelm,
zebührt das Verdienst, dieselbe so weit gefördert zu haben, daß die
illgemeine Einführung und Benutzung zu technischen und häus—
ichen Zwecken möglich geworden. Zu näherer Auskunft ist die
genannte Essener Firma gern bereit.
Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß es allen Anwe—
enden vergönnt sein möge, die baldige Einführung des Wassergases
zu erleben, ein Wunsch, dem man angesichts der erwähnten enormen
Vortheile wegen nur beistimmen kann. Wie wir uns bei den auf
den Vortrag folgenden Experimenten überzeugt haben, hat das
Wassergaslicht viel Aehnlichkeit mit dem elektrischen Licht. Aehnlich
vie bei dem Vergleich mit diesem, zeigt das Leuchtgas nur eine
unvollkommene Helligkeit, während das Wassergaslicht eine Tages—
jelle ausstrahlt, was bei den vorliegenden farbigen Stoffen, die zur
Hälfte von gewöhnlichem Leuchtgas und zur anderen Hälfte von
Wassergas beleuchtet wurden, in überraschender Weise vor Augen
Jeführt wurde. Die Heizkraft des Wassergases wurde an einem
kochheerd und an einem Zimmerofen dargestellt; wir sahen, wie
der Inhalt eines mit Wasser gefüllten Kochgeschirres binnen
wenigen Minuten zum Sieden gebracht wurde. Eine auserlesene
Versammlung von etwa 400 Personen, Damen und Herren, folgte
dem Vortrage sowohl wie den Darstellungen mit arößtem Interesse
und bezeuate laut ihren Beifall.
Mittheilungen 2us der Draxis
„Ein Fortschritt in der oerstellung von Fuß
böden. Von jeher hat das Hocz als Baumaterial der Bauwelt
manchen Verdruß geschaffen, sei es durch Stockung, Fäulniß,
Schwammbildung oder durch Zusammentrocknen, Ziehen, Werfen ꝛc.,
ind diese Uebelstände haben Viele, ja man kann wohl ohne zu
übertreiben sagen, fast Alle, die darunter zu leiden gehabt, dahin
gebracht, Holz als Baumaterial stets da zu vermeiden, wo es sich
durch ein zweckentsprechendes anderes Material ersetzen lüßt.
Einen der unüberwindlichsten Uebelstände bildet auch der Holz—
ußboden. Nimmt man selbst das beste Holz zu Dielen, so läßt
fich, wegen des Zusammentrocknens desselben doch nicht vermeiden,
daß durch das bloße Aufwaschen der Zimmer Nässe durch die
Fugen in die darunter liegende Schüttung dringt, diese stets in
einem feuchten Zustande erhält und häufig Ursache der furchtbaren
Schwammplage wird. Dieser Uebelstand ist es aber nicht allein,
den Hausbesitzer und Hausbewohner da zu beklagen haben, wo
Dielen, Stab- oder Parquetfußboden verwendet werden, es ist auch
namentlich die Vergiftung der Zimmerluft, welche durch die unter
den Dielen sich bildenden Zersetzungsgase herbeigeführt wird. Es
ergiebt sich daher von selbst, daß Holzfußboden als solcher, weil
man ihn immer mehr verwirft, aufhört, eine Bedeutung zu haben,
und wird man es daher erklärlich finden, daß man den Behn e'schen
Patent-Parquet-Platten, welche alle Vortheile des Holzes, nicht
aber auch die Nachtheile desselben in sich vereinigen, ein unge—
vöhnliches Interesse entgegenbringt! — Die Fabrik der G. Behne⸗—
chen Patent-Parquitet-Platten, Generalvertreter Fließ u. Ransch,
Berlin, Wilhelmstraße 91, hat sich aus diesen Gründen bereits
veraulaßt gesehen, ihre Anlagen vor Kurzem zu vergrößern; es
wird vorauͤssichtlich trotzzem in Bälde noch ein weiterer Ver—
zrößerungsbau oder die Anlegung einer zweiten Fabrik nothwendig
verden, 'da sich die Nachfrage schneller steigert, als vermuthet
vorden ist. Wir stellen hiermit nochmals kurz die Vorzüge der
Behne'schen Patent-Parquet-Platten zusammen, welche darin gipfeln
. daß die Muster von den Platten, weil durchgehend, nicht ab—
getreten werden können; 2. daß sie nicht feuergefährlich sind;
3. daß sie einen schönen, warmen Fußboden bilden; 4 daß sie wesent—
iich dauerhafter als anderer Fußboden sind; 5. daß sie nicht reißen,
plittern, fich nicht ziehen oder werfen, noch fanleun oder stocken,
3. daß fie die Bildung von Schwamm verhindern; 7. daß sie
Schutz gegen Ungeziefer gewähren; 8. daß sie unempfindlich gegen
Wärme und Nässe sind:; 9 daß sie überall leicht angebracht werden