Volltext : Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

Elektrische Beleuchtung. — Mittheilungen aus der Praxis.

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janzen Anlage ab. Wenn eine solche Anlage, wie schon oben er—
dähnt, durch hochangebrachtes Bogenlicht von 4 Bogenlampen
3000 Normalkerzen den zehnfachen Theil des Anlagekapitals einer
Hasbeleuchtung gekostet hat, so dürfte ein so günstiges Verhältniß
wohl selten zutreffen.
In allen Fällen wird man Bogenlicht-Beleuchtung in—
ttalliren, wo große Lichtstärken konzentrirt verlangt werden,
wie bei Straßenbeleuchtung, Hallen, Sälen, denn eine Bogenlampe
bdon 2000 Kerzen nomineller, gleich 800 Kerzen Effektivleuchtkraft
edarf zu ihrer Alimentirung mit elektrischem Strom nur 1 Pferde⸗
raft, während schon 6 bis 7 Glühlampen von zusammen nur
140 Normalkerzen Leuchtkraft auch 1 Pferdekraft gebrauchen, woraus
jolgt, daß Bogenlicht wenigstens sechsmal billiger geliefert werden
'ann, als Glühlicht.
Soll jedoch eine weitgehende Theilung des elektrischen Lichtes
zuf viele Punkte mit geringer Lichtstärke, wie in Fabriken, Wohn—
räumen, Restaurationen, Arbeitssälen verlangt werden, so sind die
lektrischen Glühlampen anzuwenden. Wenn der Strom
einer Dynamo Maschine immer weiter getheilt wird, so nimmt
die Gesammtlichtstärke nicht unwesentlich ab, so daß z. B. eine
Maschine, welche 1 Licht à 2200 Normalkerzen erzeugt, bei
2Lichten à 1000, bei 4 Lichten à 450 Kerzen speist, so daß sich
zie Theilungen verhalten wie 22: 20: 18. Eine Anlage im Großen
ist auch hier verhältnißmäßig im Betriebe bedeutend billiger als
in kleinem Maßstabe, so daß z. B. 1 Licht à 1000 Normalkerzen
per Stunde 40 Pf., 2 Lichte 70 Pf, 3 Lichte 98 Pf. und
wLichte 1,10 Mk. kosten.
Wenn in Nr. 19 des vorigen Jahrganges dieses Blattes,
owie in Dingler's polytechn. Journal die Kosten der elektrischen
Beleuchtung des Websaales der mechanischen Weberei in Linden
bei Hannover, die Kosten der Betriebskraft inkl. Betriebskosten
edes Glühlichts von 16 bis 20 Normalkerzen Lichtstärke auf
5,3 Pf. pro Glühlicht uund Stunde berechnet sind, im Verhältniß
zu einem Gaspreise von 23 Pf. pro kbm eund inkl. der Gesammt—
kosten für Gasbeleuchtung pro Flamme und Brennstunde 5,4 Pf.
ingegeben wird, also hier die Glühlichtbeleuchtung nicht billiger
ich stellen würde als die Gasbeleuchtung, so stehen dem gegen—
iber eine Anzahl von anderen Beispielen. In Straßburg be—
cechnet sich das Bogenlicht pro Stunde bei 16 Normalkerzen
Lichtstärke auf 1 Pfi, das Glühlicht auf 21,, Pf., das Gas auf
2148 Pf.; in Köln das Bogenlicht rot. 1 Pf., das Glühlicht
22/, Pf., das Gas 3 Pf. Hieraus erhellt, daß der ökonomische
Bortheil zu Gunsten des elektrischen Lichtes ausfällt, abgesehen von
den großen Vorzügen des angenehmen Lichtes, der Explosions- und
Feuersicherheit, des Temperaturverhältnisses und Verhinderung von
Dunst.
Bei allen elektrischen Anlagen in großem Maaßstabe, spielt
zie Länge der Leitungskabel und Drähte, sowie deren Stärke eine
große Hauptrolle. Während man es soweit gebracht hat, Dynamo—
Maschinen zu konstruiren, welche mit 95 pCt. Nutzen arbeiten, sind
»ei einer Entfernung von 75 km nur noch 32 PCt. nutzbar zu
nachen.
In der Berliner Hygiene-Ausstellung hatte die Firma
H. A. Plewe u. Co. in Berlin binnen 24 Tagen die elektrische
Beleuchtung hergestellt und dem Betrieb übergeben. Es kamen
jier beide Systeme zur Anwendunq, Bogenlicht-Beleuchtung sowohl,
vie Glühlampen.
Die Bogenlichtbeleuchtung umfaßte 38 „Brush“ Bogenlampen
vie dieselben in Fig. Zu. 4 weiter vor abgebildet sind, jede von 2000
Rormalkerzen nomineller Leuchtkraft, die in dem Parke vertheilt sind.
Lon diesen sind 8 Stück vereinigt, auf dem gegenüber dem Haupt—
ringang gelegenen großen Raume vor dem Ausstellungspalaste, auf
einem eigens zu diesem Zwecke 100 Fuß hohen thurmartigen Ge—
üst angebracht und 22 Bogenlampen sind anf 6 m hohen
Pfosten aufgestellt worden. Die übrigen 8 Stück Bogenlampen
vurden unter Opalglasglocken in den Restaurationsräumen ver—
heilt angebracht. Die im Freien befindlichen Lampen sind in
echseckige Laternen, wie sie weiter vor abgebildet sind eingesetzt
—38 um sie wirksam gegen die Einflüsse der Witterung zu
chützen.
Eine einzige, „Brush“ Bogenlichtmaschine von 40 indicirten
pferdekraäften, welche ein Gewicht von 2500 kg hatte und 700
Umdrehungen per Minute machte, versorgte die Bogenlichtlampen
nit dem elektrischen Strom. Die Leitung von der Dynamo—
Maschine, und zurück, besteht aus einem kinzigen, gut sjolirten,
serensiraͤlmigen Kupferdrabtkabhel von 2700 m Länae, unterirdisck
erleat.
Für den Restaurationssaal wurde eine Glühlichtbeleuchtung
ergerichtet. Diese euthält 350 Stück „Brush“ Glühlampen. Zur
kErzeugung des elektrischen Stromes sind zwei Dmmamo⸗Maschinen,
vie solche bereits in Fiq. 3 dargestellt sfind. mit einer Leistunds—

ähigkeit um je 200 Stück Glühlampen à 10 Normalkerzen stark,
zu speisen, aufgestellt. Die Maschinen von je 20 Pferdekraft
nachen Umdrehungen von 1000 Touren pro Minute. Man kann
eine jede beliebige Anzahl von Glühlampen, bis auf eine, aus—
öschen, ohne die übrigen zu stören oder die Maschine in ihrem
neständigen Gange zu verändern.
Zur Leitung für diese Beleuchtung sind theils unter- und
yberirdisch angebrachte, gut isolirte Kupferdrähte von 3000 m
Länge verwendet.
Für die bewegende Kraft der zur Gesammtbeleuchtung er—
orderlichen Dynamomaschine dienen 2 Compound-Dampfmaschinen
von zusammen 75 effektiver Pferdekraft.
Die Beleuchtung des Ausstellungsparkes, welche sich vorzüg—
ich bewährt hatte und einem Gesammtlichteffekt von 73500 Nor⸗
nalkerzen entsprach, also 4350 Straßenlaternen ersetzte, betrug an
äglichen Betriebskosten nicht über 50 pCt. der Kosten für das
Haslicht, welches nach Verhältniß der im Jahre 1883 effektiv
onsumirten Quanten für die Beleuchtung des Parkes und der Lo⸗
ale in diesem Jahre nothwendig gewesen sein würde, bei unver—
zleichlich schönecker, wohlthuenderer und eleganterer elektrischer Be—
leuchtung.

Mittheilungen aus der Praxis.
Aufruf!
Wir erhalten folgende Zuschrift, die wir der Beachtung
inserer Leser empfehlen:
Eine ebenso wichtige Rolle, wie das Baumaterial für die
Wände, spielt bei jddem Gebäude das Dachdeckmaterial, nur
ind die hierzu angewandten Stoffe noch verschiedener dadurch, daß
außer gebrannten Ziegeln Natursteine, wie Schiefer, Sandstein
Solinger Platten) ꝛc., Metall (Eisen, Zink und Kupfer), Cement,
iuch Holz-Cement und Pappe, sowie diverse andere, von mehr
okaler Bedeutung uns zur Verfügung stehen.
Von allen Materialien haben die gebrannten Ziegel die aus—
gedehnteste Anwendung gefunden und unter diesen wieder haben
ich in den letzten Jahren ganz besonders die sogenannten „fran—
ösischen Falzziegel“ eine immer zunehmendere Ausbreitung erobert.
Seit Anfang vorigen Jahres ist nun noch der sog. „deutsche Falz⸗
ziegel“ dazugekommen, der durch seine billigere Herstellungsweise
Konkurrenz macht.
Die verschiedenen Modelle, welche für Falzziegel angewandt
verden, sind nach und nach so zahlreich geworden, daß es für
»inen Anfänger, sei er Konsument oder Fabrikant, ganz unmöglich
st zu sagen, welche Form die beste ist, und wunderbarer Weise
jeben sich eben die jüngsten Fabrikanten gewöhnlich mit den kom—
olizirtesten, selbst verbesserten Formen und verschiedenen Modellen
ib, während ältere Fabriken, die viele Millionen im Jahre ver—
aufen, mit einfachen, praktischen Formen und womöglich schon mit
inem einzigen Modell auskommen. Daß der Konsument durch
iese Unmasse Façons oft irregeführt wird und durch mißlungene
PVersuche das Vertrauen verliert, ist natürlich, und daß auch der
Fabrikant hierdurch nur unnütze Ausgaben und Verluste haben
fann, ist zweifellos.
Für alle Parthen wäre es am besten, wenn man sich über
ein oder einige Normalformate verständigen könnte. Um hierzu
naßgebende Vorschläge zu bekommen, genügt es aber nicht, daß
die Ziegeleibesitzer und Maschinenfabrikanten einig werden, auch der
donsument, der Architekt und Baumeister, der ausführende Maurer—
neister und Dachdecker muß ein Wort dabei mitsprechen; die von
hnen gemachten Erfahrungen, ihre Vorschläge, Wünsche und event.
dlagen müssen alle soweit wie möglich berücksichtigt werden.
Die Generalversammlung des deutschen Vereins für
Fabrikation von Ziegeln, Thonwaaren, Kalk und Ce—
nent, die jedes Jahr in Berlin tagt, und bei welcher
eder Gast willkommen ist, hat seit vielen Jahren regelmäßig
die Falzziegelfrage behandelt und hat Schreiber dieses seit einer
RKeihe von Jahren als ständiger Referent in dieser Sache funk—
ionirt. Schon früher habe ich vorgeschlagen, daß der Verein
hurch Umsendung von Fragebogen ꝛc. die oben erwähnte Vereini—
jung herbeiführen möchte, der Verein ist aber nicht im Stande,
nit seinem Vermögen direkt gegen die Interessen einiger seiner
Peitglieder, die noch andere Dachziegel als lohnende Massenartikel
abriziren, auftreten zu dürfen, hat dagegen vorgeschlagen, daß eine
elbständige Sektion von Falzziegelfabrikanten sich bilden möge.
Bei der in Berlin, die ganze dritte Februarwoche d. J. um—
assenden Versammlung saͤmmtlicher keramischen Vereine Deutsch-—
ands, wäre eine solche Gründung am leichtesten vorzunehmen und
ch bin bereit, alle bis dahin bei mir eingehenden Vorschläge von
Irnduzenten und Konsumenten zusammenzustellen, um schon in
            
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