Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

Mittheilungen über Ausstellungen. — Berichte aus verschiedenen Städten. 
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diesem Frühjahr die Sektion in's Leben zu rufen, die durch Wahl 
eines Vorstandes, aus maßgebenden Baulenten und Fabrikanten 
bestehend, die allgemeine Erfahrung und bessere Beurtheilung der 
Falzziegel anzustreben hätte. 
Für die Berathung behufs Einheitlichkeit in den Falzziegel— 
formen und Gründung eines Falzziegelfabrikanten-Vereins erscheint 
es wünschenswerth, eine Kollektion der verschiedenen Falzziegel⸗ 
formen, sowie der sonstigen keramischen Dachdeckungsmaterialien 
zusammenzubringen. 
Dieselbe würde während der Versammlung des Deutschen 
Vereins für Fabrikation von Ziegeln, Thonwaaren, Kalk und 
Tement am 19. und 20. Februar d. J. ausgestellt, um sie dann 
pielleicht später einer permanenten technischen Sammlung in Berlin 
einzuverleiben. 
Ich ersuche Sie deshalb, an alle Interessenten Ihres 
Leserkreises, seien sie Fabrikanten oder Konsumenten, 
die Bitte ergehen zu lassen, einschlägige Muster zu 
diesem Behufe nach Berlin an die Adresse des Herrn 
Dr. H. Seger in Berlin W., Königliche Porzellanmerufaktur, 
enden zu wollen. 
Kassel, Ende Januar 1885. Otto Bock, 
Ziegelei-Ingenieur. 
jerschwinden, die mit ihren übereinander gestülpten Dächern nicht 
nehr in unsere Stadt hinein passen. Im Jahre 1884 wurden 
in dem Theile der Wilhelmstraße zwischen Kochstraße und Belle— 
Allianceplatz nicht weniger als 10 großartige Gebäude aufgeführt. 
In diesem Jahre wird hier noch regeres Leben herrschen. Zu 
dem Allen gesellt sich endlich noch der unausbleibliche und nahe 
»evorstehende Durchbruch der Taubenstraße und die Beseitigung 
des Bullenwinkels am Hausvogteiplatz, während in der benachbarten 
Jägerstraße neben dem monumentalen Telegraphenamt ein groß⸗ 
artiges Geschäftshaus aufgeführt werden soll. Bei der Aufzählung 
»er bevorstehenden Privatbauten sind die großen öffentlichen Unter— 
iehmungen: Markthallen, Kaiser-Wilhelmstraße, Präsidialgebäude 
zer Polizei u. s. w. nicht in Rechnung gezogen. — Das ognee 
zräsidium hat diesen zahlreichen Projekten gegenüber bereits ver— 
chärfte Anordnungen zur Verhütung von Unglücksfällen beim 
Abbruch der alten Gebäude getroffen. Es darf mit dem Abbruch 
nicht begonnen werden, bis die vorgeschriebene Anzeige an das 
Polizeirevier erstattet ist und die Abbruchsarbeiten können bei 
einem Zuwiderhandeln gegen die nöthigen Vorsichtsmaßregeln so⸗ 
'ort inhibirt werden. Insbesondere soll stets darüber berichtet 
werden, ob der Abbruch von den als sogenannte „Hausschlächter“ 
hekannten Persönlichkeiten bewirkt wird. 
Berlin. Das neuerdings häufiger vorkommende Abfallen 
einzelner Stucktheile von den Facaden der Gebäude, wodurch 
zie Sicherheit des die Straßen passirenden Publikums erheblich 
zefährdet wird, veranlaßt das Polizeipräsidium, in Zukunft bei 
eder von den Hausbesitzern vorzunehmenden baulichen Veränderung, 
nit welcher eine Reparatur an der äußeren Façade eines Hauses 
nerbunden ist, die Forderung zu stellen, daß die an der letzteren 
orhandenen Stucktheile durch einen Sachverständigen auf ihre 
zuute Beschaffenheit und sichere Befestigung untersucht und die 
chadhaften Theile durch neue ersetzt, beziehungsweise die lose ge— 
vordenen von Neuem sicher befestigt werden, über diese Untersuchung 
ind deren Ergebniß aber ein Attest des Sachverständigen dem 
Bolizeipräsidium vorgelegt wird. An allen Häusern, wo Stucktheile 
ibfallen, wird eine solche Untersuchung beziehungsweise Herstellung 
mverzüglich augeordnet werden. 
Paris. Die Regierung geht nach der „Voss. Ztg.“ mit dem 
Plane um, eine Anleihe zu bewerkstelligen, wie eine solche bisher 
noch niemals von einer Stadt gemacht worden ist. Nicht weniger 
als 600 Millionen soll das neue Pariser Anleihen betragen, 
und in drei Malen aufgelegt werden. Der Zweck desselben sind 
großartige öffentliche Arbeiten und Verschönerungen auszuführen, 
vpodurch namentlich auch dem Nothstand abgeholfen werden soll. 
Es sollen besonders die Sielung und die Wasserleitung der Stadt 
zervollständigt und vollendet werden. Dann handelt es sich um 
nehrere Straßendurchlegungen, wobei die sehr weitgehenden Pläne 
es zweiten Kaiserreiches wiederum zu Ehren kommen dürften. 
Für Erweiterung der Centralhallen wie der übrigen Markthallen, 
sdeubau von Schulhäusern und sonstigen städtischen Gebäuden, eines 
ieuen Krankenhauses und sonstige Anstalten sind ebeufalls große 
Zummen erforderlich. Für Verschönerungen soll andererseits viel 
jethan werden. Da der Staat mehrere größere Bauten auszu— 
ühren hat, mehrere Bahnhöfe mit einem Kostenaufwande von 
iber 100 Millionen (die sehr theueren Bodenankäufe freilich ein— 
»egriffen) umgebaut, die Stadtbahn, welche 250 bis 400 Millionen 
osten dürfte, hergestellt werden soll, so eröffnen sich in Paris für 
die nächsten Jahre Aussichten auf eine Bauthätigkeit, wie sie selbst 
zu den glänzendsten Zeiten des Kaiserreiches nicht vorgekommen 
— 
30 -40 Millionen verbauen wird, aber daneben Neubauten und 
Arbeiten im Betrage von wohl einigen Hundert Millionen hervor— 
uufen dürfte. Das sind Aussichten, wie man sie sich vor wenigen 
Fzahren kaum hätte tränmen lassen dürfen. Aber Paris scheut vor 
einem Opfer zurück, um die schönste, prächtigste Stadt zu bleiben, 
eitdem man ihm gefagt hat, andere Hauptstädte, besonders London, 
Herlin und Wien, ständen im Begriffe, ihm den Rang abzulaufen. 
Ddie Befürchtung mußte um so ernstlicher sein, als der Fremden— 
»esuch seit einem Jahre merklich zurückgegangen ist. Jedoch ist 
der Plan der Regierung nicht ohne Bedenken und dürfie später 
ible Folgen nach sich ziehen. Durch die Ueberstürzung mit öffent— 
ichen Arbeiten ist schon unter dem Kaserreich die Theuerung sehr 
jesteigert worden. Seither haben das Gründungsfieber und die 
etzte Weltausstellung in derselben Weise nachtheilig gewirkt. Seit 
1871 hat sich die Schuldenlast der Stadt um 640 Millionen ver— 
nehrt, deren Zinsen und Tilgung den Stadthaushaltsetat mit 
ingefähr 27 Millionen jährlich belasten. Das jetzt geplante An— 
leisen wird dieselbe Suümme erfordern, so daß über die Hälfte 
der ordentlichen Einnahmen vorweg durch die Schuld verschlungen 
wird. Die so dringend gebotene und auch von der jetzigen Majo— 
rität des Gemeinderathes so oft versprochene Reform und Er—⸗ 
Mittheilungen über Ausstellungen. 
Die dritte Ausstellung von Lehrlingsarbeiten der Ber— 
iner Gewerbe findet nicht, wie früher bekannt gegeben wurde, 
m April, sondern gegen Mitte Mai 1855 statt; der Termin zur 
Anmeldung von Arbeiten zur Ausstellung wurde daher bis zum 
J. Februar verlängert. Als Auszeichnungen für hervorragende 
Arbeiten von Lehrlingen sind Geldpreise verschiedener Höhe, Me— 
daillen, Handwerkzeug und Bücher bestimmt. Die Anmeldungen 
waren entweder bei dem Direktor der Handwerkerschule, oder im 
Büreau der Gewerbe-ODeputation, während der Dienststunden und 
an den bereits bekannten anderen Stellen zu bewirken (und soll die 
Betheiligung eine ziemlich rege gewesen sein, wie uns von infor— 
mirter Seite gemeldet wird). g. 
Berichte aus verschiedenen Städten. 
Berlin. (Berliner Bauthätigkeit.) Die hiesige Bau— 
chätigkeit verspricht auch in diesem Jahre außerordentlich lebhaft 
zu werden. Insbesondere wird eines der großartigsten Bauwerke 
hbes neuen Berlin an der Ecke der Wilhelms- und Leipzigerstraße 
erstehen. Hier werden die Häuser Nr. 124 und 125 fallen und 
an ihrer Stelle soll ein großartiges, von den Architekten Kayser 
und v. Großheim aufzufuͤhrendes Eckgebäude erstehen. Nr. 124 
gehört der New-NYorker Lebens-Verficherungs-Gesellschaft, errichtet 
1855, Nr. 125 den genannten Architekten. Der Bau wird in 
Sandstein ausgeführt und soll die bedeutenden Privatbauten der 
letzten Jahre an Großartigkeit womöglich noch überragen. Durch 
den Neubau werden viele alte und bekannte Geschäfte aus ihrem 
bisherigen Domizil verdrängt. — Andere große Veränderungen 
zurch Neubauten stehen am ehemaligen Oranienburger Thor bevor. 
Hier erhält die ganze Gegend eine andere Physiognomie. Während 
zisher das Borsig'sche Fabrikgebäude sich stolz und frei am Ein— 
zang der Chausseestraße abhob, wird es jetzt bald von vierstöckigen 
däusern überragt und völlig verdunkelt werden. Es sollen im 
Laufe des Jahres vier oder fünf neue Häuser mit großen Laden— 
einrichtungen entstehen. — Große Baulust herrscht auch wieder im 
Westen Berlins, namentlich in den Querstraßen der Kurfürsten— 
traße bis auf Schöneberger und Wilmersdorfer Terrain, und 
hiele neue Villen werden in den Straßen unweit des neuen Sees 
m Thiergarten entstehen, in der Schüler-, Rauch- und Drakestraße. 
— Außerdem geht es vor dem Halle'schen Thor ununterbrochen 
ebhaft zu und Neubauten erstehen in der Teltower-, Gneisenau— 
ind NYorkstraße, wie am Tempelhoferberg, gegenüber der Bock— 
hrauerei, wo eine ganze Reihe neuer Häuser erstehen wird, nach— 
dem im letzten Herbst das bergige Terrain planirt und in eine 
regelmäßige Straͤßenanlage umgewandelt wurde. — Geschieht dies 
rußerhalb, so werden im Innern der Stadt unter Anderen abge— 
rissen und durch gediegene Neubauten ersetzt: Die Häuser Koch— 
traße 14, eins der kleinsten und ältesten in dieser Straße, 
Krausenstraße 21, Kronenstraße 20, der Magdeburger Lebens— 
Versicherungs-Gesellschaft gehörig. Ferner ist der Ausbau vieler 
däuser mit Umänderung der Parterre-Räume zu Läden, in der 
Alexandrinen-, Prinzen-, Dresdener- und Jakobstraße projektirt 
uind eine große Bauihätigkeit steht auch in diesem Jahre in dem 
»beren Theile der Wilhelmstraße bevor, aus welcher nach und 
iach die alten niedrigen Häuser aus der Zeit Friedrich Wilhelm J.
	        

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