Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

Wohnhaus des Herrn Direktor Zillens in Ehrenfeld bei Köln. 
Wohnhaus des Herrn Direktor Filkens 
in Ehrenfeld bei Köln. 
(Hierzu 12 Fig.) 
I. 
102 
ie eigentliche Grenze. Nach Artikel 657 und 661 des „Bürger— 
ichen Gesetzbuches““ war daher der Bauherr berechtigt, einsach 
jegen diese gemeinschaftlichen Mauern anzubauen und Jleichzeitig 
n dieselben die Balken einzulassen, sobald er nur die Hälfie der 
derstellungskosten der betreffenden Mauern erlegte. Ebenso stand 
s ihm nach Artikel 659 desselben Gesetzbuches frei, die gemein— 
chaftlichen Mauern erhöhen zu lassen, wobei ihm jedoch allein 
zie Kosten der Erhöhung und die zur künftigen Unterhaltung die⸗ 
ienden Ausbesserungen der Mauer über der Stelle, wo sie auf— 
yörte, gemeinschaftlich zu sein, zur Last fallen. Wollen dann später 
die Nachbarn die erhöhte Mauer ihrerseits in irgend welche Be— 
utzung nehmen, so müssen sie ebenfalls zunächst die Hälfte der 
krhöhungskosten der gemeinschaftlichen Mauer dem Bauherrn er— 
tatten, wodurch sie erst die Gemeinschaft an der Erhöhung er— 
verben (Artikel 660 des „Bürgerlichen Gesetzbuches“). Endlich 
»estimmt noch Artikel 659, daß, im Falle die gemeinschaftliche 
Mauer nicht stark genug ist, um die Erhöhung zu tragen, derjenige, 
velcher sie erhöhen will, dieselbe von Grund aus auf seine Kosten 
yon Neuem aufbauen lassen und event. den Zusatz an Dicke allein auf 
Im Dachgeschosse ist über dem ganzen Vorderhause, abge— 
sehen von der Treppe, Bodenraum angenommen, während im 
Anbau und über der Passage drei getrennte, von einem Seitenflur 
direkt zugängliche Kammern eingerichtet sind, welche entweder als 
Schlafzimmer für die Dienstboten, für erwachsene Kinder oder 
zuch für Fremdenbesuch dienen. Der Versuch, die weiblichen 
Dienstboten wie im Osten Deutschlands vielfach üblich, auf nie— 
drigen Hängeböden in der Nähe der Küche oder auch gar in dieser 
elbst unterzubringen ist bis jetzt, wir dürfen wohl sagen glücklicher— 
veise an dem Widerstande der Dienstboten, wie ihrer Dienstherr— 
cchaft gescheitert, so daß auch in diesem Falle für jede Etage eine 
Dachkammer vorgesehen werden mußte. (Vergl. Fig. 6.) 
Das Gebäüde ist nur in seinem vorderen Theile unterkellert, 
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da die hierdurch gewonnenen Räume zur Aufnahme der Kohlen 
uind Vorräthe vollständig genügten. Wie aus Fig. J ersichtlich, 
sst in der Nähe des Vorderhauses eine Cisterne, am Rhein allge— 
nein „Regensarg“ genannt, angeordnet, die zur Ansammlung des 
Tagewassers dient. Die Lage derselben ist so gewählt, daß die 
Abfallrohre von Vorderhaus und Anbau in leichtester Weise in 
zie Cisterne geleitet werden können. Neben dem Anbau ist in 
VBerbindung mit dem kleinen Abtrittsgebäude auf dem Hofe eine 
Brube angelegt. Regensarg und Abtrittsgrube müssen nach den 
Baupolizei-Vorschriften für Ehrenfeld mindestens 1m voun der 
Nachbargrenze entfernt sein. Im Innern sind beide gut deckend 
nit Cementputz versehen und außerdem noch von den benachbarten 
Mauern des Wohnhauses überall durch besondere Isolirmauern 
getrennt. Beide erhalten einen ebenfalls mit Cementputz versehenen 
Fußboden aus doppelten Ziegelflachschichten; in ihren Decken— 
sewölben ist eine Einsteigeöffnung angeordnet, deren Einfassung 
und Verschlußdeckel in der am Rhein üblichen Weise aus Nieder- 
nendiger Basaltlava, einem außerordentlich harten und festen Ge— 
tein, das in der Gegend von Andernach gebrochen wird, hergestellt 
sind. Im Uebrigen ist das Kellergeschoß mit 4, Stein starken 
vpreußischen Kappen überdeckt, Wäunde und Decken daselbst sind 
sauber ausgefugt und mit Kalkmilch geweißt, die Fußböden sind 
ius einer Ziegelflachschicht in Sandbettung hergestellt, die mit 
Traßmörtel vergossen wurde. Die Beleuchtung des Kellergeschosses 
fonnte im Allgemeinen durch ausreichend große Fensterchen erreicht 
werden, nur mußte zur besseren Erhellung des Raumes unter dem 
Hausflur, namentlich auch weil hier die Kellertreppe antrat, ein 
Lichtschacht vor der Eingangsthüre angelegt werden, der in üblicher 
Weise mit einem Eisengitter abgedeckt wurde. 
Oben wurde bereits bemerkt, daß auf beiden Nachbargrund— 
tücken schon Wohngebäude errichtet waren, die aber theils geringere 
Tiefen, theils geringere Höhe, als das neu zu errichtende Bauwerk 
yjatten. Wie nach rheinischem Rechte allgemein im Bezirke des 
rüheren Appellationsgerichts Köln üblich, waren die sämmtlichen 
Brenzmauern gemeinschaftlich, bildeten also in ihren Mittellinien 
Fig 
I 
einem Grundstücke nehmen muß, wobei aber die alte Grenze nicht 
errückt wird, sondern in diesem Falle die Mittellinie der Mauer 
rnicht mehr die Grundstücksgrenze bildet. 
Alle diese Verhältnisse traten auch bei dem hier beschriebenen 
Neubau ein. Fast ohne Ausnahme werden die gemeinschaftlichen 
hrenzmauern bei dortigen Wohnhäusern, welche außer dem Erd— 
seschoß noch zwei, ja drei Stockwerke haben, im Keller 2 Stein 
O,551 m) stark, in den übrigen Geschossen aber nur 1,, Stein 
),38 m) stark angenommen, wobei natürlich auf eine ausreichende 
Serankerung besonders zu achten ist. Das bestehende Gebäude zur 
Kechten zeigte nur bis auf etwa 45 m von der Hinterfronte des 
seubaues ab die erforderliche Stärke von 2 bezw. 1 Stein, von 
sa ab war nur eine 1 Stein starke, etwas über 2 m hohe Grenz— 
nauer vorhanden, die sich auch noch dazu in schlechtem banlichen 
zustande befand. Es wurde daher letztere in ihrer ganzen Länge 
bgebrochen und durch eine neue, über dem Keller Ju“, Stein 
tarke Mauer theils als rechte Giebelwand des Neubaus, theils 
ils Hofmauer ersetzt. Ebenso mußte die linksseitige Grenzmauer 
um Theil verlängert, zum Theil erhöht, zum Theil (weil das 
sintere Stück nur 1 Stein stark war) ganz niedergelegt und von 
srund aus neu aufgeführt werden. Endlich mußte die hintere 
hrenzmauer noch um etwa 70 em erhöht werden, um ein direktes 
Finsehen von den Nachbarhöfen unmöglich zu machen. 
Sämmtliches Kellermauerwerk wurde in guten Ziegelsteinen 
nit Traßmörtel (1 Theil Traß, 1 Theil Kalk, 10, Theile Sand), 
zas Mauerwerk der übrigen Geschosse in Kalkmörtel hergestellt; 
tur einzelne schwächere Pfeiler, sowie die Auflager der schmiede— 
isernen Träger wurden in Cementmörtel gemauert. Die schwachen 
Pände in den oberen Geschossen zur Trennung der beiden Vorder— 
äume, sowie die Kammerwände im Dachgeschoß wurden aus hoch— 
antig gestellten sogenannten Schwemmsteinen in Kalkmörtel her⸗ 
estellt, wobei sich eine Mauerstärke von nur 8S em ergab. Den 
Vänden wurde durch einzelne, in die Balkenlagen gezapfte Stiele, 
amentlich neben den Thüren genügende Standfestigkeit gegeben. 
Riese Schwemmsteine, auch Bimssandsteine genannt, werden in
	        

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