Mittheilungen über öffentliche Anlagen der Stadt St. Petersbur—
Mittheilungen über öffentliche Anlagen der Stadt St. Petersburg.
Nach einem Berichte des technischen Attaché, Wasserbau-Inspekttor M. Vollmann daselbst
Hierzu vier Figurenn
Aus obigem Berichte, der sich nur zum Theil mit Bauwesen
beschäftigt, bringen wir nachstehend einige, auch für die Leser
unseres Blattes interessante Darstellungen:
Die Markthallen.
Die Lebensmittelmärkte werden in St. Petersburg in Markt—
hallen abgehalten, von denen die älteren theils aus Stein, theils
aus Holz erbaut sind, während die neuen, welche man vor
einigen Jahren auf dem Heumarkt (Ssennaja Plosehtschadj) er—
richtet hat, vorwiegend aus Eisen bestehen. Die letzteren Hallen
sind der Bedeutung nach die weitaus wichtigsten, und wiewohl
ihre Einrichtung weder etwas neues, noch etwas eigenartiges
bietet, da sie nach westeuropäischen Mustern ausgeführt sind, so
mögen doch einige Angaben über dieselben folgen.
Der Heumaͤrkt ifst ein rechteckiger Platz von etwa 2251im
Länge und 125 in Breite, der von allen Seiten von Straßen
eingeschlossen ist und außerdem durch zwei sehr verkehrsreiche
Straßen gekreuzt und hierdurch in vier ziemlich ungleiche Theile
getheilt wird. Dieser Platz, welcher auch in geschichtlicher Hin—
sicht von einigem Interesse ist, insofern er im Jahre 1831, zun
Zeit der Cholera, der Schauplatz eines wilden Volksaufruhres
war, der durch das kaltblütige Dazwischentreten des Kaisert
Nicblaus beigelegt wurde, war ehedem mit zahlreichen, unansehn—
lichen und unsauberen Buden besetzt, in denen die russischen
Muschiks, d. i. Bauern, ihre Handelsgeschäfte abwickelten. Uw
einerseits diesem mit vielen Umständen verbundenen Treiben ein
Ende zu machen und um andererseits dem bedeutenden Verkehr
geeignete Unterkunftsräume zu gewähren, wurde vor einigen
Jahren eine Wettbewerbung zur Beschaffung geeigneter Markt—
hallen⸗-Entwürfe veranstaltet. Den ersten Preis trug der Peters—
burger Stadtarchitekt und Lehrer am Institut der Civilingenieure,
Prof. Kittner, davon. Nach Ausweis seines Entwurfs beabsichtigte
zerselbe, eine aus „Stein, Eisen und Glas, herzustellende, ein.
heitliche Halle von beträchtlichen Abmessungen auf der Mitte
des Heumarktes zu errichten. Dieser Entwurf wurde indessen
trotz feiner mannigfaltigen Vorzüge nicht als für die Ausfüh—
rung geeignet erachtet, da durch die in Aussicht genemmene
Stellung des Gebäudes die gewohnten Bahnen des Verkehrs in
sehr stoöͤrender Weise abgelenkt worden wären. Herr Kittner er⸗
hielt in Folge dessen den Auftrag, unter Beachtung der natür⸗
lichen Theilung des Platzes neue Pläne zu bearbeiten. Es blieb
hiernach nur noch übrig, vier vollständig von einander getrennte
uͤnd hinsichtlich ihrer Abmessungen ziemlich unaleiche Hallen zu
entwerfen.
Fig. 1 zeigt die Anordnung, nach welcher die Gebände
ausgeführt worden sind. Von den Hallen A, B und C besteht
eine jede aus einem vollständig geschlossenen und im Innern
freien Mittelbau, an welchem sich feitlich kleine, nach außen ge—
oͤffnete Verkaufsbuden anschließen. Diese änßeren Verkaufsstände
jetzen sich bei der Halle C vor der südwestlichen Stirnwand in
einem halbkreisförmigen, um einen oeffenen Hof gruppirten An—
bau fort. Das Bauwerk Deendlich zeigt eine dem Anbau CEt
entsprechende Anordnung. Während die Hallen B und EC von
gleicher Größe sind, hat die Halle A eine etwas geringere Länge
erhalten. Die innere Eintheilung der Gebäude ist aus Fig.2
zu ersehen, welche den Grundriß der Halle B veranschanlicht.
Die Einrichtung und Ausstattung der Hallen ist in zwar solider,
aber durchaus einfacher, den geringeren Anforderungen des
,russischen Volkes“ entsprechender Weise ausgeführt. Auf dem
mit vielen Entwässerungsschächten versehenen Asphaltfußboden
sind die geräumigen Verkaufsstände in vier Längsreihen mit da—
zwischen gespannten 2,2 m hohen hölzernen Wänden gebildet.
Kraͤftige Winkeleisen steifen die Pfosten dieser Wände in der
Längen- und Querrichtung gegeneinander ab. An Stelle prunk—
voller marmorner Fischkästen sind nur einfache hölzerne Käscher
angewendet, deren Wafser-Zu- und Ableitungen durch Gummi—
schläuche gebildet sind; statt marmorner Tische dienen schlichte
Brettertische zum Verkaufen der Waaren; letztere werden auf
Brettern aͤusgelegt, welche an den Wänden in etwas geneigter
Tage auf Eonsolen befestiat sind. Die Ausstattunagsstücke sind
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mit dunkelrother und mit weißer Oelfarbe angestrichen. Sowobl
das Innere der Gebäude, als auch das in denselben sich ab—
vickelnde geschäftliche Treiben macht einen hinreichend sauberen
Eindruck und die Markthallen erfreuen sich bei der Bevoͤlkerung
großer Beliebtheit, da die Lebensmittel in Folge der für die
Verkaufsstände zu zahlenden geringen Miethen verbältnißmäßia
hillig verkauft werden können.
Die Hallen werden am Tage durch hohes, in den Längs—
und Stirnwänden angebrachtes Seitenlicht, während des Abends
durch große Siemens'sche Gasbrenner in durchaus befriedigender
Weise erleuchtet. Die Dächer sind mit einer Bretterverschaalung
und darüber liegendem Wellblech abgedeckt. In den Ouergängen
ind Wasserhähne mit Becken und Trinkbechern angebracht. Die
Halle Adient für den Velkauf von Obst und Fischen; in den
hallen Bund CEuwerden Fleisch, Geflügel und Grünwerk feil—
Feboten; die Verkaufsstände der Bauten C und Mendlich sind
jon Fruͤchte, Samen- und Gemüsehändlern besetzt. In den an
die großen Hallen sich anschließenden kleinen Buden, welche nach
der Straße hin völlig offen sind, betreiben kleinere Gewerbe—
reibende, wie Bürstenbinder, Schuhmacher, Korbflechter, Klempuer,
Härtner, Töpfer, Volksbuchhändler ꝛc., ihre Geschäfte. — An—
genehm berührt es, daß der Verkauf nur von Männern be—
wirkt wird.
Die Gostinvi-Dwors und Rynoks.
Im Anschluß an die Markthallen mögen noch einige wenige
Worte über die Gostinvi-Dwors und Rynoks folgen. Unter diesen
Bezeichnungen versteht man öffeutliche, ebenfalls für Handels—
wecke bestimmte Bauten oder Bauwerksgruppen, welche eine be—
ooͤndere Eigenthümlichkeit der russischen Städte bilden. Eine