Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 47, Bd. 6, 1887)

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Erfindung. — Literaturbericht. — Bautechnische Notizen. 
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darf an Weinkellern war so groß, daß selbst der Oelkeller für 
Weinlager verwendet werden mußte und Massen von Erdöl— 
ässern nunmehr im Freien lagern. Um diesen erfreulich wachsen— 
den Bedürfnissen des Handels zu genügen, sollen im Frühjahr 
ommenden Jahres zur Entlastung der Hauptniederlagen be— 
»esondere, groͤßere Getreideballen mit Elevator erbaut und mit 
veiteren Kellern für zollpflichtige Weine versehen, zugleich auch 
ein noch nicht vorhandener Raum für leicht brennbare Flüssig— 
eiten in der nöthigen Sicherung geschaffen werden. 
rundbau bat 11 m Höhe und bildet ein kräftiges Massiv, in welchem 
die hölzernen Hauptträger des Thurmes verankert wurden. Diese bleiben 
ier bis zur Höbe von 650m — die Höhe, in welcher Café-Restaurauts 
»rrichtet wurden — sichtbar und wurden deren Zwischenräume mit ver— 
chieden gefärbten Klinkern ausgefüllt. Die Konstrutktion der eigentlichen 
Poyramide bestelt aus acht versteiften Feldern, von denen je zwei mit ein— 
iuder solidarisch verbunden sind. Die Streben dieser Felder greifen durch 
den Unterbau und reichen bis zum Betonfundament, dessen ganzes Massiv 
zur Stabilität des Monnmentes beiträgt. Die Ständer und Querbölzer 
der Felder werden von verschieden dimensionirten Balken gebildet, je nach 
dem zu tragenden Drucke. Die auf Zug beanspruchten Diagonalstangen 
ind aus Eisen, dessen Arbeitscoöffizient in der Hypothese eines Wind— 
)ruckes von 300 kg per lAUm, 6kg per Imm beträgt. Einzeln betrachtet, 
tellt jedes der Felder einen jener großen weitmaschigen Gitterbalken vor, 
velche die Nordamerikaner zu ihren Holzbrücken mit Spannweiten bis über 
oOm verwenden. Die Verfasser des Projekts nebmen an, daß bei 
sewöhnlichem Winde die Schwingungen des Thurmes 10 bis 15 und bei 
einem Winde von 300 kg 20 em erreichen werden. Die Herstellungskosten 
des hölzernen Monumentes sind auf zwei Millionen Franes veranschagt. 
Die Heimath des Backsteinbanes. Die Heimath des Bacstein— 
zaues ist der Orient, wo das Bedürfniß, sich durch sehr starke Maunern 
»on einem schlecht Wärme leitenden Materiale gdegen die Hitze zu schützen, 
ind die leichte Herstellung der nur an der Luft detrockneten Ziegel zunächst 
»arauf hinleiteten. Hier hat er auch seine weiteste Ausbreitung gefunden. 
ßei einer geschichtlichen Uebersicht der Entwickelung des Backsteinbaues ist 
legypten voranzustellen, wo die ältesten Spuren desfelben zu finden sind. 
die vor einigen Jahren durch Linant-Vey vorgenommenen Bobrverfuche 
aben in einer Tiefe von 18,9 bis 22,6 Meter (60 bis 72 Fuß) unter der 
Iberfläche des jetzigen Nilthales Stücke gebrannten Thones zu Tage ge— 
ördert, was ein mehr als 12 000jähriges Alter des Backsteinbaues beweist. 
Der Gebrauch der Ziegel ist daher bis in's früheste Altertbum zurück— 
ufübren. Bekannt ist, daß Babylon an der Sonne gedörrte Lehmsteine 
useinen in kolossalen Dimensionen gehaltenen Bauten verwendete. Auch 
ilssyrien hat vielfache Ueberreste von Mauern hinterlassen, die aus gleichem 
Material, theils mit zähem Thon verbunden waren, theils mit Erdharz, 
Pwohl in diesem Lande auch schon Backsteine, gebrannte Ziegel mit Erd— 
arzverbindungen in Anwendung waren. Die Römer, welche vielfach auf 
»en Ziegelbau“, namentlich schon ibrer Gewölbe wegen, angewiesen waren. 
satten eine vollständige Kenntniß der Ziegelfabrikation. 
So fand man kuͤrzlich auf der Insel Capri Reste von Bauwerken aus 
der Zeit des Kaisers Tiberius (142537) mit Resten von Ziegeldächern, 
deren Ziegel den Namen des Fabrikanten trugen: „Toronei — Deficilinus 
- Viccanis.“ (Ziegelei⸗Anz.“) 
Puzzolaucement. Der „Schwäbische Merkur“ in Stuttgart schreibt: 
Die Thatfache, daß bei einer kürzlich in Bremen stattgehabten Submission 
iuf Portlandcement für die dortigen Zollanschlußbauten die Angebote der 
izr2bancement-Febriten bevorzugk wurden und dieselben die dviefsrung »en 
2005) (1000 Kilo übertragen erbielten, dürfte diesem neuen Material die 
illgemeine Verwendung als Surrogat für Portland erleichtern, da wobl 
damit jeder Zweifel geboben sein duͤrfte, daß die minutiösesten Proben er— 
geben haben, wie der Puzzolancement dem Portlandcement vollkommen als 
benbürtig betrachtet werden darf. Das neue Material, welches, wie be— 
rachtet werden darf. Das neue Material, welches, wie bekaunt, aus der 
ebheisenschlacke gewennen wird, hat schon längere Zeit das Interesse der 
dechniker in Auspruch genommen und es wurden weitgebende Verfuche an— 
jestellt, bis es gelungen, die passendste Schlacke, die richtige Mischung und 
usagendste Mabhlmethode festzustellen. Die neuesten Proben mit Puzzolan— 
ement, aus 1 Gewichtstheil Cement und 3 Gewichtstheilen Normalsand 
nit 10 pCt. Wasser angemacht, haben eine Zugfestigkeit pro qem von 
6,55 kg nach 7 Tagen, 21,88 kg nach 28 Tagen und 25,02 käg nach 
O Tagen und eine Sruckfestigkeit pro gem von 138,10 kg nach 7 Tagen, 
73,90 kg nach 28 Tagen und 213,50 kg nach 9) Tagen ergeben. Es 
vird von allgemeinem Juteresse sein, vorstebende Ergebnisse bekannt zu 
seben, um daraus die Bedeutung dieses neuen Baumaterials zu würdigen. 
Gaslaternen für Straßeubeleuchtung. Alle bisber kon— 
truirten Laternen zeigen den Uebelstand, daß sie nur den Platz zunächst 
inter der Laterne bell beleuchten, daß aber die Helligkeit mit der Entfernung 
»on der Lichtquelle sebr schnell abnimmt, so daß die Beleuchtung von 
Hegenständen und Personen in der Mitte zweier Lichtspender eine sebr 
ȟrftige ist. Diesem Uebelstande hilft nun eine von Tobhn G. Winton in 
'ondon angegebene Einrichtung in wirksamer Weise ab, indem sie die Licht— 
trahlen in Kegelform nach unten sendet. Wie uns das Patent-Bureau von 
dich. Lüders in Görkitz mittheilt, wird dies dadurch erreicht, daß au einer 
aterne mebrere diametral gegenüberstebende Brenner angeorduet werden. 
zu jedem Brennerpaare gebören zwei Glaslinsen, welche das von der Gas— 
iamme auffallende Licht entweder direkt reflektiren, oder durch Brechung 
ur gegenüberstehenden Linse leiten und von dieser aus nach unten werfen. 
Die Linsen sind je in einen Rabmen gefaßt, dessen unterer Ansatz durch 
ine Stellschraube die Neigung der Linse zu ändern gestattet, je nachdem das 
icht auf größere oder geringere Entfernung vertheilt werden soll. Durch diese 
rinrichtung würden die Kosten des konsumirten Gases nicht steigen, da die 
Flammen an und für sich kleiner sein könneun, mithin weniger Gas kon— 
inniren und die Vertheilung des Lichtes ist dabei eine gleichmäßige so, 
daß die Straßen auch in der Mitte genügend erleuchtet werden. 
Entfernen von Ausschwitzungen an Ziegelmanueru. Die 
illigsfte und einfachste Methode, um Salpeterausschwitzung an Ziegel— 
vänden, besonders an Orten, wo Sonne und Wind nicht' genügend wirken, 
u entfernen, ist folgende: Man wäscht mit sehr verdünnter Salzsäure die 
Mauer und feuchtet mit einem großen Schwamm die weißen Flecke an. 
Dieses Verfabren wird bei einem epentuellen Mißerfolae noch einmal 
viederholf 
Erfindung. 
Elektrisches Schweißen der Metalle. Das Ausbeutungs— 
echt der D. RePatente von N. de Bernades und St. Olszewski, 
Petersburg, welches für Frankreich, Belgien, Spanien, Italien und 
Desterreich das Haus Rothschild fréres, Paris, erworben hat, ist für 
das Deutsche Reich an die Dresdner Bank übergegangen. Es 
pandelt sich um die epochemachende Erfindung eines Versahrens, 
Metalle durch direkte Anwendung des elektrishen Stromes zu be— 
irbeiten, insbesondere zu vereinigen, welches Verfahren ganz über— 
aschend günstige Erfolge ergeben hat, indem es gestattet, alle Metalle, 
elbst die schwerstichmelzbaren, ohne Hinzuthun anderer Stoffe als 
deth, auf's Innigste miteinander zu vereinigen und zwar nicht nur 
gleichartige, sondern auch nach Belieben verschiedene Metalle, z. B. 
Kupfer mit Schmiedeeisen und Gußeisen, Nickel mit Eisen, Blei mit 
Sisen, Aluminium mit Platin u. dgl. m. Fachmännische Kreise 
nessen der Erfindung große Bedeutung bei und haben in der That 
n den Demonstrationswerkstellen zu Petersburg und Creil bei Paris 
iusgeführte Arbeiten die praktische Verwendbarkeit so augenfällig 
argethan, daß eine Anzahl russischer und französischer Großindustrieller 
ich bereits veranlaßzt sah, Lizenzen zu erwerben. Weiter wird mit— 
getbeilt, daß die Dresdener Bank bezw. das von ihr geführte Finanz— 
ensortium zunächst in Berlin eine Demonstrationswerkstelle errichten 
vird, welche den deutschen Industriellen die Vorzüge der neuen Art 
der Metallbearbeitung und die besonderen Arbeitsmethoden für die 
zinzelnen Anwendungen derselben vorzuführen bestimmt ist. 
Literaturbericht. 
Der allzeit fertige Holz-Berechner nach metrischem 
Maaßsystem, oder Tafeln, woraus nicht nur von runden, 
bierkantig behauenen und geschnittenen Hölzern der In— 
dalt nach Kubikmetern und Hunderttheilen des Kubik— 
meters, sondern auch von letzteren der Inhalt nach Quadrat— 
metern und Hundert-resp. Zehntheilen des Quadratmeters, 
auf's Genaueste und Zuverlässigste berechnet, sofoert er— 
seben werden kann. Nebst Tabellen zur Berechnung des 
Beldbetrages der Hölzer sowohl nach deutscher Reichs- als 
ruch nach österreichischer Währung. Zum Gebrauche für 
Staats-, Forst- und Landwirthe, Waldbesitzer, Bauoffi— 
zianten, Bau- und Werkleute, Rheder, Schiffskapitäne, 
Holzhändler, Schneidemüller u. A., bearbeitet von Heinrich 
»on Gerstenbergk. Vierte, neu durchgesehene und ver— 
nehrte Auflage. Weimar, Verlag ven Bernhard Friedrich Voigt. 
Dieses gut ausgestattete Buch mit dem langen und etwas 
chwülstigen Titel enthält nach einer noch schwülstiger auftretenden 
Vorrede und einem ziemlich umständlich geschriebenen „Schlüfsel zum 
Bebrauch vorliegender Schrift“ eine lange Reihe Tabellen zur Be⸗ 
rechnung des Kubikinhaltes von Rundhölzern, von vierkantig ge— 
schnittenen Balken und Bohlen, ferner Tabellen zur Berechnung des 
Flächeninhaltes von Bohlen und Brettern, zur Ermittelung der Brett— 
und Bohlengewinnung aus Rundhölzern u. s. w. endlich wurden noch 
Tafeln zur Vergleichung der Längen- Flächen- und Raummaaße ver— 
schiedener Längen mit dem metrischen System, sowie zur Bestimmung 
von Kreisflächen beigegeben. Tabellen zur Berechnung des Geld— 
betrags der Hölzer, sewohl nach deutscher Reichs- als nach öster— 
ceichischer Währung, bilden den Beschluß des Werkes, das sich in der 
Praxis bereits als sehr brauchbar erwiesen hat und die weiteste Ver— 
zreitung verdient ¶ 
BPautechnische Notizen. 
Der belgische Thurm von 300 m aus Holz. Der Eiffel'sche 
Thurm in Paris läßt die belgischen Ingenieure nicht schlafen und ver— 
inlaßt sie, einen gleich boben Thurm in der nächstsährigen Auestellung 
on Brüssel zur Schau zu bringen. Nur weil bier die kurze Bauzeit von 
15 Monaten zur Verfügung steht, wird das Monument nicht aus Eisen, 
ondern aus Holz aufgeführt. Ter fragliche Thurm, entworfen von den 
Herren Hennebique und Neve, ruht auf einem 250 m hohen Beton— 
sundament, auf welchem sich ein gemauertes Erdgeschoß befindet, bestimmt, 
die Maschinen und Transmissionen für den Motor des Aufzuges zu be— 
herberagen. Dieser aus Ziegelnn ausgeführte und mit Sfeinens verfseipete 
Redaktion: R. Matthev in Berlin — Verlaa von Julius Engelmann in Berlin. — Drut der .Volks-Reituna“, Act-Ges in Berlin 
fUnter Veranwortlichteit des Verlegerb
	        

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