Bautechnische Notizen.
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Bautechnische Notizen.
Das Steinholz IXylolithJ.“) In der jüngsten Zeit ist die Zahl
der künstlichen Baumäterialien durch einen neuen Stoff — das Steinbolz
oder Xylolith der Herren Cohnfeld & Co. in Dresden — bereichert
worden, welcher binnen Kurzem das Aufsehen der interefsfirten Kreise erregt
hat. Die Erfindung dieses neuen Materials ist bereits ungefäbr fünf Jabre
alt, jedoch erfolgt die Fabrikation desselben in größerem Umfange erst feit
5/, Jahren. Es hat dies seinen Grund darin, daß die Kleinfabrikation des
Xvͤlolithes einen zu hoben Preis des Produktes mit sich brachte; anderer—
seits stellten sich der Herstellung möglichst großer Platten nicht unerbebliche
technische Schwierigkeiten entgegen, welche erst in der neuesten Jeit geboben
wurden. Nachdem jedoch der Erfolg des neuen Baustoffs als gesichert zu
betrachten war, ist die oben genannte Firma zur Zeit bereits mik dem Bau
einer zweiten größeren Fabrik in Bodenbach an der Elbe beschäftigt.
Fas Steinholz (Xylolith) kenntzeichnet sich als eine unter sehr bohem
Drucke hergestellte innige Verbindung von Sägespähnen (Sägemehl) mit ver—
schiedenen mineralischen Stoffen. Der zur Anwendung gelangende hydrau—
lische Druck beträgt ca. Iu, Millionen Kg auf den qm; derselbe erhöht sich
noch durch die bei Eintritt' der chemischen Verbindung der Rohstoffe bervor—
gerufene Erwärmung. In der That ist die hierdurch erzielte Verbinduug
eine so innige, daß dieselbe, wie wir später an der Hand der von der
Königlichen Prüfungsstation für Baumaterialien in Berlin vorgenommenen
Untersuchungen zeigen werden, als unlöslich bezeichnet werden kann; außer—
dem wohnt dem Material noch der aroke Vorzug bei, daß es das Feuer
nicht überträgt.
Auf Grund der bisher gemachten Erfahrungen liegt das Feld der Ver—
wendungsfähigkeit des Steinholzes besonders nach folgenden Richtungen:
Zunächst ist zu nennen die Herstellung und Bekleidung von Wänden und
Fußböden, sowie der Belag der Treppenstufen. Für ersteren Jweck kommen
Platten in Stärken von 5—183 min, für Fußbodenbekleidung solche von
20 mim zur Verwendung, je nachdem schadhafte Dielung durch Anstiften,
Anleimen oder Kitten der Steinholzplatten belegt werden soll, oder letztere
au Latten, Lagerhölzer, Balkenlager, Blindboden angeschraubt oder an—
zgenagelt werden sollen. Der Belag vnn Treppenstufen erfolgt mit 12 520 mmm
starken Platten. Besonders wird dann noch die Herstellung von Thür—
schwellen aus Xylolith empfohlen, weil das Steinbolz auch an den Kanten
nur sehr geringer Abnutzung unterworfen ist. Ein weiteres, sehr geeignetes
Gebiet der Verwendung wird gebildet durch die Verschaalung von Decken,
Zwischenwänden, Innenverschaalung von Dächern, Dachdeckung, Bekleidung
von Fahrstuhlschächten, Staubleitungen u. dgl. in feuergefährlichen Betrieben
Wie die in den letzten Jahren stattgehabten großen Hötel- Fabrik-, Speicher—
und Mühlenbrände dargethan haben, ist ein feuersicherer Verschluß der Ele—
vatoren, Fahrstühle, Staubleitungen ein wesentlicher Faktor für die Feuer—
sicherbeit derartiger Etablissements. Erfabrungsmäßig leisten die nach Art
der Schornsteine das Feuer zu erböhter Intensitat anfachenden Schächte jener
Transportvorrichtungen der Ausdehnung von Feuersbrünsten ganz erheblichen
Vorschub; diese Gefahr wird in ganz außerordentlichem Maaße erhöbt, wenn
die Bekleidung der Fahrstuhlschächte aus Brettern hergestellt ist, so daß nach
dieser Richtung bin das Xylolith jedenfalls eine sehr wichtige Mission zu
erfuͤlleu haben dürfte. Aebnlich liegen die Verhältnisse bei der Verschaalung
von Decken und Zwischenwänden und bei der Dachdeckung.
Aus den Resultaten der Untersuchungen der Königlichen Prüfungs—
station in Berlin entnehmen wir folgendes: Das spezifische Gewicht ergab
sich im Mittel zu 1,383, der Härtegrad beträgt nach der Mohs'schen Skala
3—7 (Feldspat bis Quarz)**), die Versuche über Kohäsionsbeschaffenbeit
gaben cin durchaus gleichförmiges, sehr dichtes, körniges und schuppiges Gefüge
in gelblicher Färbung. Die Bruchfestigkeit betrug für lufttrockene Proben im
Mittel 439 kg für den qem, die Zugfestigkeit 251 Kg für den gem, die Druck—
estigkeit 334kKg für den qem. Zum Vergleiche möge hier angefübrt werden, daß
die Druckfertigkeit deutscher Granite zwischen 700-900 kg pro qem, der
gebräuchlichen Sandsteine etwas über 400 kg pro qem und der imprägnirten
Nadelhölzer bei 450 kg pro qem liegt. Was die Bruchfe'stigkeit anbetriftt,
so zeigt Granit nur eine selche von 232 und Quarzsandstein von 190 kg
pro gem. Noch günstiger liegen die Verhätltnisse binsichtlich der Zugfestig—
keit; dieselbe stellt sich bei Xylolith auf 251 pro qem, beträgt dagegen bei
(Hranit nur 68,35 kg, bei Quarzsandstein 38.255 kg. bei aewöhnlichem Sand—
stein 13,8 und bei Schiefer 2010 Kg.
Diese Ueberlegenheit des Steinholzes hinsichtlich der Bruch- und Zug—
estigkeit anderen Materialien gegenüber ist eine Folge seines Fasergehaltes,
welcher wiederum aus der festen Kohäsion der Sägespäne entstebht. Hieraus
ergiebt sich aber die Möglichkeit der Verwendung äußerst dünner Platten
und zwar in einem Maaße, wie kaum bei einem anderen Materiale.
Von besonderem Interesse sind noch die in der Königlichen Prüfungs—
station für Baumaterialien in Berlin angestellten Versuche binsichtlich der
Wetterbeständigkeit und der Feuerübertragungsfähigkeit. Wir lassen die—
selben nach einem Auszuge aus den betreffenden Ausfertianngen der Prüfunas—
tation hier kurz folgen:
— pgr Untersuchung der Wetterbeständigkeit des Materials wurden sechs
zroben:
) im Wasserbade allmäblich bis auf Siedebhitze gebracht, einige Zeit auf
dieser Temperatur erhalten und durch Einwerfen in kaltes Wasser
plötzlich abgekühlt;
ꝰeine Stunde mit 15 pét. Kochsalzlöfung gekocht und in dieser Zeit
öfter plötzlich abgeküblt; das Wasier blieb hierbei vollkommen klar;
3) eine balbe Stunde mit 5 pet. Matronlauge getocht:
1) eine halbe Stunde in derselben Losung unter Zusatz ven bpGt.
Schwefelammonium gekocht;
eine halbe Stunde mit einer 2 péEt. Eisenvitriol, 2 pGt. Kupier—
vitriol und 10 pEt. Kochsalz hattenden Losung gekocht.
Die Probestücke blieben bei diesen Operationen velltommen intakt,
ohne einen Gewichtsverlust und ohne eine Gefügereränderung zu er
teiden. Ebenso blieb ein während einer Stunde im Pavpinm'scheun
Topfe gekochtes, im gespaunten Wasserdampfe frei aufgehänates RPlatten
stück unverändert.
Es wurden ferner sechs andere Bruchstücke aui Th Stunden in 2rfet.
Salzfäure und weitere 50 Stunden in 3 ptet. Salzsäure geleat. Die
Probestücke blieben auch hierbei intakt; der Gewichtsverlust ergab jich
auf 23 pEt. Ein Einfluß der Säure war am Gefüage nicht wabr—
zunehmen.
Durch weitere vierstündige Behandlung der Bruchstücke dieses Ma—
terials mir reiner 4 pEt. Salzsäure im Tampibade eutstand eine
wasserklare Flüssigkeit, welche. mit Barutsalzen geprüft, die Gegenwart
schädlicher Auswitterungsprodukte nicht erkennen ließ.
Die Versuche auf Wetterbeständiakeit dieses Materials können daber
als bestanden bezeichnet werden.
Bebufs Ermittelung der Feuer-Uebertragungsfähbigkeit des eingereichten
Materials wurden zwei Platten von je 125. 12. 33em auf drei Stunden
»iner Gasflamme durch einen Bunsen schen Brenner gegen die Platten'iläche
28. 12 em — 150 qem ausgesetzt, obne Entzundung oder Ausbröckelung
u erleiden. Die Platten blieben intakt, verkeblten jedech an den vou der
Flamme direkt getroffenen Theilen, obhne die Glut auf die übrigen Theile
der Platte zu übertragen. Es wurden ferner Würfel von 7,1. Teu. Te ein
ünf Stunden in der Heizungskammer eines Trockenofens im Steinkoblen—
seuer beansprucht, ohne in Brand zu geratben. Obgleich die Würfel durch
die genannte Beanspruchung rothgluͤhend waren, trat ein Aufgehen des 3u
ammenbanges der Proben nicht ein; dieselben konnten vielmehr vollkemmen
zusammenbäͤugend aus der Feuerung entternt werden und zeigten hierbei
iur eine leichte Abbröckelung der Würfelkanten durch Verkohlung, sowie
die Möglichkeit des Zerschlagens der Würfel mit einem 2 kg-Hammier.
Hierbei 'ergab sich schließlich, daß die Außenflächen der Würfel mit dem
Fingernagel abgekratzt werden konnten, während sich die Würteh im Innern
erbeblich fester und nicht abkratzbar zeigten.
Hinsichtlich der Bearbeitungsmoͤglichteit ist noch zu bemerkeu, daß die
Bohruͤng des Steinholzes mit dem Nagelbohrer und das Nageln selbst
richt ausführbar ist. Dagegen läßt sich das Material mit Säge, Hebel.,
Stemmeisen, Löffel und Zentrumbohrer, Raspel und Feile bearbeiten
Zum Schluß möge noch erwähnt werden, daß die Firma Eobufeld
CCo. z. 3. mit der Herstellung von Gebäuden aus Steinbolz in Verbin
dung mit einem Eisengerüste beschäftigt ist; Fachwände, Fußboden, Decken
verden dabei ausschließlich aus Xvlolithhergestellt.
(Polvtechnisches Centralblatt.'
Ueber die Entstehungs-Ursachen des Hausschwammes hal
iach dem „Polytechn. Notizblatt“ Prof. Poleck in letzterer Zeit eingebende
Stuüdien geinacht. Aus denselben ergab sich der Schluß, daß das vellig
ufttrockene Holz die Keimung der Hausschwamm-Sporen verzögert, eventuell
berhindert, selbst wenn die übrigen, ibrer Entwickelung günstigen Bedin—
zungen vorbanden sind. Nur da, wo ein Uebermaaß von Fenchtigteit in
dem Gefäße sich befand, gelang die Keimung der Sporen. Diese Versuche
ind daber lediglich eine Bestätigung der Praris und baulichen Erfabrung,
»ielleicht die erste experimentelle Begründung derselben. — Der Haus—
chwamm verbreitet sich überall da, wo lebensfähiges Rilzgewebe (Mucel)
‚der seine Sporen die Bedingungen ihrer Entwickelung vorfinden, und diese
ind: genügende Feuchtigkeit, Luft- und Lichtabschluß und eine mittlere
Temperatur. Gut ausgetrocknetes Holz verbält sich selbst unter diesen Be—
dingungen widerstandsfähiger, als frisch gefälltez, oder durch Wasser aus—
gelaugtes Holz. Sommer: und Winterbolz verbalten sich in dieser Be—
iebung nicht verschieden. Die Zerstörungen des Hausschwammes, welche
in mauchen Häusern sich bis nuter das Dach erstrecken, lassen ich stets anf
die vorstebend genannten, der Entwickelung des Schwammes günstigen Be—
dingungen zurückführen, während Fernbalten von Feuchtigkeit und übe
tändiger Lustwechsel den Schwamm nicht aufkommen lassen. Die künst—
ichen, im pharmaceutischen Institut erzielten Kulturen vertrockueten sehr
hald in den geöffneten Versuchsgläsern. — Professor Poleck glaubt sich zu
der Behauptung berechtigt, daß alle, gegen den Hausschwanim, empfoblenen
Präparate nur dann ihre Wirkung ausüben oder ausgeübt haben, wern
leichzeitig die vorstehend skizzirten Bedingungen: Fernbalten von Feuchtig—
eit und Luftwechsel, eingehalten werden und daß auch in bereits infizirten
Wohnungen nur durch die Herbeiführung derfelben der Schwanim besritiat
verden kann.
Stuck für Wandmalerei. Wie bekannt sein dürfte, wird das
Treppenbaus des Berliner Rathhauses mit Wandmalerei nach den Ent—
würfen des Malers Mühlenbruch verseben, der seiner Zeit bei der aus
geschriebenen Konkurrenz den Preis erhielt. TDie Wandflächen werden hierfür
dach einer besonderen Methode vorbereitet, über die das Pateut- und technische
Buleau von Richard Lüders in Görlitz folgendes mittheilt: Es wird zuerst
dine Uß em ftarte Stuctsschicht aufgetragen. Die Stuckniasse bestebt aus
einem Gemisch von feingesiebtem karrarischem Marmorstaub, geleschtem Kalk,
der lange Zeit gestanden hat, und Wasser. Der aufgetragent Pußstuek wird
Jeglättet und getrocknet und nimmt dann eine se große Härte an, Laß er
agar dem Eindringen scharfer Gegenstände Widerstand leistet, Die Porosität
ist' gering, und werden daber Wasser und Farben nur mäßig aufgesegen.
Der' Malgrund für die Malereien in der Ruhmesballe ist in äühnlicher
Weise hergestellt. Die Stuckarbeiten werden von Tetema ausgefübrt. Man
Jlaubt, schon im November mit dem Malen beginnen zu koönnen.
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*) Nachdem wir in Mr. 26 des vorigen Zabrganges schon kurz dieser
wichtigen Erfindung Erwähnung gethan, koinmen wir, heute, wo Erfahrungen
aͤber die Brauchbarkeit vorliegen, ausfübhrlicher auf diesen Gegenstand zurück.
Redaktion des „Baugewerks-Blattes“.
**) Die Mohs'sche Skala lautet: 1. Talk. 2. Gips. 3. Kaltspat
. Flußspat. 5. Apatit. 6. Feldspat. 7. Quarz. 8. Topas. 9. Schmirgel
10. Diamant.