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Das MRestauratiens Gebäude und der Aussichtethurm in der Parkanlage auf der Türkenschanze bei Wien—
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angeschüttet, das vordere, ca. 4n bebe Terrain abgegraben und
theilweise im Schießgraben größztentbeils an der Stelle, wo jetzt
der Aussichtsthurm steht, angeschüttet und dort jener künstliche
Berg hergestellt, der dem Park einen eigenthümlichen Reiz ver—
leiht. Wohl wenigstens 30 mm ist die verschüttete Sandgrube,
— D Zeit, tief ge—
wesen, wo die neue Restauration steht, und mußten deshalb auch
fast sämmtliche Fundamente künstlich hergestellt werden.
Die rechte Frontmauer des großen Saales, sowie die Mauern
des rechten kleinen Saales stehen auf jenem Flugsande, aus dem
überhaupt die ganze Türkenschanze besteht, während die vordere
Front und die uͤbrigen Mauertheile auf durchweq angeschüttetem
Geroölle, theils
Stein, theils Erde,
stehen. An eine
Fundirung auf Na—
turboden konnte
nicht gedacht wer—
den, da das in den
Fundamentgruben
—D
material, welches
aus durchweg 6 bis
15 em großen
Steinen bestand,
nicht zu erreichen
war. Es wurden
daher die Funda—
mente so weit als
möglich, bis circa
5m tief, ausge⸗—
hoben und eine 1
bis 1u/ m hohe
Betonschichte her—
gestellt, worauf das
Gebäude errichtet
wurde. Trotzdem
das ganze Gebäude in ca. acht Wochen seinem Zwecke übergeben
wurde, entstanden doch nicht die geringsten Setzungen.
Das ganze Gebäude ist im einfachen italienischen Renaissance—
style ausgeführt, es enthält außer dem großen Saal zwei kleine
Nebensäle und rückwärts die Wirthschaftsräume. Der Plafond
des großen Saales wird in reicher Ausstattung mit der neuen
auf dieser Höhe zu errichten und die Kosten durch Sammlungen
zu bestreiten, mußzte in erster Linie die Reservoiranlage in's Auge
gefaßt werden, um welche als Hülle oder Deckmantel der Aussichts-
thurm erbaut werden sollte. Die ersten Skizzen hierzu machte
Architekt Müller im Cottage-Verein.
Die erwähnten ersten Skizzen konnten nicht zur Ausführung
gelangen, da die Kosten dieses Thurmes viel zu hoch gekommen
wären, und verfaßte nun Stadtibaumeister Anton Krones eine
Skizze, welche es möglich machte, den Thurm herzustellen, der
auch nach diesem Entwurfe ausgeführt wurde.
Bei der Fundirung des Thurmes traten wieder jene Schwierig—
keiten in der Terrainformation auf, wie bei dem Restaurations—
gebäude und kam
nun auch in Be—
tracht, daß die Fun—
damente, welche
ihrer großen Tiefe
und der schwierigen
Pölzung wegen im
Achteck hergestellt
wurden, bedeutend
tiefer waren, als
jene der Reservoir—
Untermauerung.
Auf eine Tiefe
von circa 6 m bis
zur Fundaments⸗
fohle wurde dann
eine 1,80 m hohe
Betonschicht herge⸗
stellt und die Fun—
damente in einer
Stärke von 1,60 m
hydraulisch mit dem
größten Steinma—
kerial ausgeführt.
Die Steintreppe
führt bis zur Höhe des Reservoirs 5m hoch an der Außenseite des
Thurmes, hinauf. Von da betritt man den Thurm und gelangt
auf die überwölbte Decke über dem Reservoir, von welcher Iße
aufwärts die Treppe im Innern des Thurmes bis zum Aus—
sichtsplateau hergestellt ist. Auch bei diesem Objekte zeigte sich,
trotzdem der Thurm vom Fuße bis zur Rose eine Höhe von
UAdJaisdung 1.
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*.
Tesßrusse
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Abhbilduna?. Vorterre
Aßphildunag 3. Kellergeschoß.
Aßlaildung 4. Erster Stock.
Brandtechnik des Hof-Kunsttischlers Bernhard Ludwig zur Aus—
ührung gebracht.
Der Aussichtsthurm mußte vermöge seines Zweckes wohl
auf dem höchsten Punkte des Parkes zu stehen kommen, und dies
war eben jener künstlich hergestellte Berg, entstanden durch die
oben erwähnte Anschüttung.
Noch bevor an den Bau eines Aussichtsthurmes gedacht
wurde, da die nöthigen Geldmittel hierfür anfänglich fehlten,
wurde an dieser höoͤchsten Stelle des Parkes ein Reservoir mit
dem Durchmesser von 4,20 m und einer Höhe von 2 mmauf
einer 2,00 m hohen Untermauerung aufgestellt, in welches ein
zweipferdekräftiger Motor aus einem 50 mm tiefen, an der Grenze
des Parkes liegenden Brunnen das Wasser hebt, um damit die
Bewässerung des Parkes zu bewerkstelligen. Diese Untermauerung
hatte eine Fundamenttiese von h,u0 m.
Als nun der Beschluß gefaßt wurde, einen Aussichtsthurm
30 m besitzt, nicht die geringste Setzung. — Die sämmtlichen
Kosten dieser baulichen Anlage beliefen sich für die Restauration
auf Mk. 68 000, für Ballustrade und diverse andere Bauarbeiten
auf Mk. 2000 und für den Thurm auf Mk. 20 000. Hier fei
noch bemerkt, daß von vielen Professionisten und Gönnern dieses
Unternehmens ziemlich viele Spenden und unentgeltliche Liefe⸗
rungen von dwersen Baubestandtheilen erfolgten, welche die
Summe von ca Mk. 7000 erreichen, und daß Architekt und
Stadtbaumeister Anton Krones die sämmtlichen Arbeiten auf
bieljährige Ratenzahlungen, welche theils aus dem Ertrage der
Restauraͤtion und des Thurmes, sowie den noch zu hoffenden
Spenden gedeckt werden sollen, hergestellt hat. („Bautechniker.“
(Die Abbildung des Aussichtsthurmes befindet sich auf Seite 249.)