Volltext : Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 49, Bd. 8, 1889)

Mittheilungen aus der Praxis

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ein wahrer Nothstand hervorgerufen wurde. Zur Abhilfe des—
selben haben sich mehrere gemeinnützige Gefellschaften gebildel
und zwar als erste im Jahr 1860 die „Gemeinnützige Bau—
Jesellschaft“'. Zweck der Vereinigung war, für die unbemittelteren
Klassen gesunde, luftige und zweckmäßige Wohnungen herzustellen
und dabei eine mäßige, zu höchstens 4CEpt. rentirende Kapital—
anlage für die Gesellschaftsmitglieder zu erzielen. Im Jahr
1861 wurden in Sachsenhausen zwei Grundstücke angekauft
und auf denselben vier Häuser mit 32 Wohnungen hergefstellt,
zu welchen später noch ein weiteres Gebäude kam. Im Lauf
der Zeit wurde von der Gesellschaft noch eine große Zahl von
Häusern erstellt und der Umstand, daß von den Wohnungen nie
eine einzige leer gestanden, beweist, daß das Unternehmen einem
vahren und dauernden Bedürfniß entgegenkam.
Nach der mir vorliegenden Beschreibung der hygienischen
Einrichtungen von Frankfurt a. M. belief sich im Jahr 1888
das Gesellschaftskapital, welches 1861 bei der Gründung
95 365 Mk. betragen hatte, auf 874 650 Mk.; außerdem sind
weitere 415 428 Mk. mit zur Verwendunrg gebracht worden,
welche der Gesellschaft hypothekarisch dargeliehen worden waren.
Ferner wurde im Lauf der Jahre ein allgemeiner Reservefonds
von 100 000 Mk., ein Reserve-Baukonto von 24334 Mk. und
ein Reparaturen-Konto von über 92 000 Mk. gebildet.
In den der Gesellschaft gehörigen Gebäuden wohnten 1888
in 263 getrennten Haushaltungen 1026 Personen. Die Haus—
haltungs-Vorstände waren zu einem Drittel kleinere Angestellte
und zu zwei Dritteln Handwerker, Gärtner, Ausläufer, Nähe—
rinnen ꝛc. Die Wohnungen enthalten je 1, 2 und 3 Zimmer
mit Küche, Speisekammer, Kellerraum, Abtritt und eventuell
auch Bühnenraum. Sämmtliche Häuser sind an die Wasserleitung
und an das städtische Sielnetz angeschlossen. Die Jahres-Mieths—
preise, einschließlich Wassergeld, betragen zur Zeit für Wohnungen:
von je 1 Zimmer mit Küche ꝛc. zwischen 1745231 Mk,
R 225 - 348,
318-2429
„GFamilienhäuser) 498,
Die zweite Gesellschaft ist der im Jahre 1871 als Aktien—
gesellschaft gegründete „Vau- und Sparverein“. Nach dem ur—
sprünglichen Statut wurde als Zweck die Beschaffung billiger
Wohnungen für die Aktionäre im Wege der Selbsthilfe an—
gesehen; im Herbst 1876 wurden die Statuten in der Weise
geändert, daß auch an Nichtaktivnäre Wohnungen vermiethet
werden dürfen.
Das Aktienkapital, welches ursprünglich auf 100 600 Fl.
festgesetzt war, wurde allmälig auf 338 400 Mk. erhöht und ist
eingetheilt in 1974 Aktien ä 100 Fl. Der Verein hat drei
Häusergruppen erbaut:
In der Vorstadt Bornheim 26 Häuser mit 65 Woh—
nungen zu 3 Zimmern, 64 Wohnungen zu 2 Zimmern,
zusammen 129 Wohnungen.
In Bockenheim 8 Häuser mit 64 Wohnungen zu 2
Zimmern.
In Frankfurt 5 Häuser mit 12 Wohnungen zu 4 3immern,
8 Wohnungen zu 5 Zimmern, zusammen 20 Wohnungen.
Die dritte Vereinigung, die „Gesellschaft zur Beschaffung
billiger Wohnungen“, wurde im Januar 1872 als Aktien-Unter—
nehmen in's Leben gerufen und bestimmt im Statut als Zweck
„der Wohnungsnoth der minder Bemittelten durch Beschaffung
möglichst billiger Wohnungen in Frankfurt oder dessen Umgebung
nach Kräften abzuhelfen“. An Dividenden dürfen höchstenẽ
5 pCt. vertheilt werden. Das Aktienkapital betrug 1888:
188 742 Mk., und zwar sind 1101 Aktien ä 100 FIl. aus—
zegeben. Die Gesellschaft erbaute in den Jahren 1872 und
1873 acht zweistöckige Doppelhäuser und zwei dreistöckige vier—
heilige Häuser mit zusammen 56 Wohnungen, bestehend in
2 Zimmern, Küche, Kellerabtheilung und Abort. Die Jahres—
miethe beträgt für die Wohnungen in den Doppelhäusern 240
bis 202 Mk. für die Wohnungen in den dreistöckigen Häusern
je nach dem Stockwerk 216—228 Mk. — Zur Zeit sind alle
Wohnungen vermiethet. (Gewerbeblatt für Wuͤrttemberg.)
Behaudlung verräucherter Plafonds. In Kaffeehäusern
und Restaurants, Küchen, auch Wohnräumen sind häufig die
Plafonds durch die rußigen Niederschläge der Beleuchtungsmittel,
der Oefen, sowie vielfache Ausdünstungen mehr oder weniger
infizirt. Die Kreide und der Leim unserer gebräuchlichen Leim—

arbhen saugen derarttge Stoffe gern ein, weshalb schon aus
Hründen der Hygiene eine öftere gründliche Erneuerung der
Wohnräume erforderlich ist. Wir entnehmen den Auslassungen
eines jedenfalls erfahrenen Fachmannes im „Kolorist“ bierüber
Folgendes:
Die Ausdünstungen der Beleuchtungémittel ꝛe. am Plafond
iehen sich bei länger andauernder Einwirkung durch die Kreide—
chicht der Farbe oft bis tief in den Moörtel hinein; es sind das
neist ͤlige Stoffe, welche mit dem Theer, bezw. flüchtigen Theer—
ölen gleichartig sein dürften. Frischt man derartige Plafonds ohne
veiteres mit Seife und Kreidefarbe wieder auf, so kommen unter
illen Umständen gelbe oder braune Flecken zum Durchbruch,
odaß die neue, weiße Farbe mehr oder wenidger damit durch—
drungen ist. Ein öfters wiederholtes Streichen fördert kein
»esseres Resultat zu Tage; es ist nothwendig, ein ganz radikales
Verfahren anzuwenden, um die genannten Stoffe entweder von
der Decke zu entfernen, oder sie doch zu isoliren, bezw. ein—
zuschließen.
Ein solcher Plafond wird mit Wasser und Spatel voll—
ständig von der alten Farbe gereinigt, dann mit Kalkmilch und
etwas aufgelöster Schmierseife ziemlich dünn überstrichen; der
unangenehme Geruch, welcher sich dabei entwickelt, besonders
»ei sehr verräucherten Decken, deutet das Entweichen der brenz—
ichen Stoffe an. Auch kann man dabei wahrnehmen, daß die
dalkmilch mehr oder minder in Perlen zusammenläuft, was den
»ligen Substanzen der verräucherten Decke zuzuschreiben ist.
Nachdem der erste, sehr sorgfältig auszuführende Anstrich gut
zetrocknet ist, wird eine zweite, dickere Kalkschicht in der entgegen—
Jesetzten Strichlage aufgetragen. Ist auch diese getrocknet, so
fann man aus dem Aussehen derselben mit Leichtigkeit entnehmen,
ob noch ein dritter Kalkanstrich nothwendig ist oder nicht.
Erscheint der Plafond weiß, ohne daß gelbe gFlecken sich zeigen,
so kann ohne weiteres geseift und nach dem Trocknen der Seife
mit Leimfarbe gestrichen werden. Nach einer solchen Behandlung
ist mit Sicherheit auf eine glatte, weiße Decke zu rechnen.
Als Ueberzugsmittel, um die schädlichen Stoffe in dem
Plafond zu isoliren, ist besonders das Kalkolith zu empfehlen.
Man kratzt, wenn nöthig, die alte Farbenschicht mit dem Spatel
ab und überwäscht die Decke mit Wasser. Ist sie trocken, so
äüberstreicht man sie mit einer Mischung zu gleichen Theilen
»on konzentirtem Kalkolith und Wasser. Auf diesen Anstrich
sann, wenn er trocken, gleich, ohne zu seifen, mit der Leimfarbe
zestrichen werden. Dieses Verfahren, welches dem oben erwähnten
aachsteht, da es die nachtheiligen Substanzen nicht entfernt, soudern
aur in die Decke einschließt, ist zu empfehlen bei solchen Arbeiten,
die, wie zumeist bei Gastlokalen, zu wenig Zeit übrig lassen,
um das erste Mittel anwenden zu können. Käüchen jedoch sollten
durchaus nur mit Kalkfarbe gemacht werden, der vielen Wasser—
dämpfe wegen, welche sich entwickeln und die Leimiarbe zum
Schimmeln bringen.
Ein ausgezeichnetes Mittel wendet man in der Schweiz
an. Es werden die Plafonds in den Gasthäusern 223 Mal
mit Oelfarbe gestrichen und, nachdem dieselbe gut getrocknet ist,
nit Leimfarbe darauf gestrichen und gemalt. Wenn nun die
Decke im Laufe der Zeit verräuchert, so ist weiter nichts er—
orderlich, als die Leimfarbe abzuwaschen und mit neuer Leim—
arbe den Plafond wieder zu streichen. Dabei wird die Farbe
rein und klar und die Arbeit ist nur gering. Allerdings ver—
arsacht die erste Ausgabe für den Oelfarbeanstrich bedeutendere
Kosten, doch ist dieses Verfahren jedem anderen entschieden
vorzuziehen.
Aupreisung prächtiger flüssiger Malerfarben. In dem
Inseratentheile der Fachblätter war vor einiger Zeit eine An—
nonce erschienen, in welcher Josef Tischler in Bad Oeynhausen
als neueste Erfindung „prächtige flüssige Malerfarben“ anbietet.
Es hat sich nun herausgestellt, daß diese Farben nichts anderes
iind, als aufgelöste Anilinfarbstoffe, für welche der Genannte
siich 27 Mk. per Liter zahlen läßt. Besonders bezeichnend und
bestinmt, die Untersuchung zu verhindern, ist die Angabe in
der Gebrauchsanweisung; „Vor chemischer Analysirung warne
cch ausdrücklich, da bei derselben Explosion unvermeidlich ist.“
Fine von der Kelonialw. Ztg. an denselben gerichtete Auf—
'orderung, sich über diese zuerst von der Chemiker Ztg. gebrachte
Mittheilung zu erklären und Muster zu senden, blieb unbeant—
vortet, sodaß diese im Interesse der Leser auf diese, zweifelles
            
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