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den Keilflächen! eine physikalische Unmöglichkeit vortäuschen, weil es
so glatte Verwerfungsflächen in der Natur nicht gibt. Auf steilen
Klüften wäre der Reibungswiderstand viel zu groß, als daß dort Druck
von der Seite in Bewegung nach oben umgesetzt werden könnte ?.
Die Ergebnisse der Schweremessungen im nördlichen Alpenvorland
bringen Koßmat* zu der Ansicht, daß die nordalpine „Randsenke“
ein hinabgezogener Teil der nördlichen Einfassung der
großen mediterranen Geosynklinale sei, nicht eine Faltungs-, sondern eine
Senkungserscheinung. Das Dichtedefizit reichte aus den Alpen bis
etwa auf den nordsüdlichen Kamm des Schwarzwalds und in das obere
Neckargebiet hinein, Dichteüberschüsse finden sich erst im westlichen
Schwarzwald, im mittleren und unteren Neckarland. Man müßte also
hiernach Oberschwaben, das Albgebiet und sein nördliches Vorland, auch
soweit hier noch nicht diluviale oder jüngere Senkungen nachgewiesen
sind, als Senkungsgebiet auffassen. Neuerdings sind nun auch durch
M. Schmidt (München) in einer rund 50 km breiten, 100 km langen
Zone östlich von München muldenförmige relative Senkungen und seitliche
Verschiebungen hauptsächlich nach Westen nachgewiesen worden,
letztere auch westlich München*. Da an den Beobachtungspunkten innerhalb
der nördlichen Alpen die Verschiebungen ebenfalls sämtlich nach
Westen, nur teilweise nach N und einige sogar nach, S abgelenkt erscheinen,
ist es undenkbar, ein Vordrängen der Alpen nach Norden dafür
verantwortlich zu machen, wogegen auch andere Gründe sprechen®. Es
dürfte sich um Bewegungen innerhalb der Alpen nach Westen
handeln, wie sie ja auch schon für die Vorzeit durch Rothpletz und
seine Schule erwiesen wurden, sowie um ein muldenförmiges Absinken
im nördlichen Alpenworland. Daß solche Senkungen
seitliche Verschiebungen im Gefolge haben, wurde an „Pingen“
über abgebauten Bergwerksfeldern schon seit langem beobachtet. Die
Sprünge über derartigen künstlichen Bruchgebieten ähneln z. T. sehr den
Verwerfungslinien am Rand und im Innern des süddeutschen Stufenlandes.
Ihre Stellung im Gebirge kann bei genügender Tiefe des Abbaus unten
gegen das Becken geneigt, in höheren Schichten aber senkrecht bis nach
außen geneigt sein, so daß in den obersten Lagen „Überschiebungen“
vorgetäuscht werden, wo tatsächlich nur Verwerfungen vorhanden
sind. Damit verlöre die Frage nach der Stellung der Randbrüche einen
erheblichen Teil ihrer Bedeutung. Jedoch kann es in den Randgebieten
solcher Bruchfelder infolge von Pressung örtlich sogar zu Hebungen über
das ursprüngliche Niveau hinaus kommen, und im Innern der Einbiegung
herrscht Pressung derart vor, daß hier Auffaltungen erfolgen können,
während die äußeren Ränder im allgemeinen Zerrungszonen sind.
K. Lehmann (Wattenscheid®) hat darauf seine „Trogtheorie“ be-Vgl,
z. B. J. Walther, Vorschule der Geologie, 4. Aufl. 1910, 8. 145.
Cloos a. a. 0. 1916, S, 50, nach Quiring.
* Die mediterranen Kettengebirge in ibrer Beziehung zum Gleichgewichtszustand
der Erdrinde, Abh. Math.-Phys. Kl. Sächs, Ak, Wissensch. 38. II. 1921.
* Lit. in Nat, Wochenschr. Nr. 18. 1920 und bei E. Kayser, Lehrb. allg.
Geol. II. 1921, S. 297—302,
* Einzelnachweis und sonstige Literatur folgt in Petermanns Geogr. Mitt.
5 Glückauf (Essen). 1919, Nr, 48: 1920, Nr. 1, 2, 3 und 15.