Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 49, Bd. 8, 1889)

leber das Verfabren der Baumaterialien im Feuer und über feuersichere Baukonstruktionen. 
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Ueber das Verhalten der Baumaterialien 
im Feuer und über feuersichere Baukonstruktionen. 
Theile zerriebenen verschiedenen Steinarten, die durch Kiesel⸗, 
Kalk- oder Thonerde verbunden sind. 
Alle Sandsteine saugen mehr oder minder Wasser aus der 
Luft. Je nach dem größeren oder geringeren Wasser- und Kalk— 
gehalt wechselt auch ihr Verhalten im Feuer. 
Soweit der Sandstein glühend wird, schält er sich ab. 
Sandsteinmauerwerk in einer Stärke unter 0,45 m zerbröckelt 
in der Regel im Feuer. QOuagdersteine von mehr als 0,46 m 
Stärke schiefern auf der dem Feuer ausgesetzten Seite je nach 
der Gattung der Steine auf ca. 5 bis 10 em Stärke ab, während 
die übrigen äußeren Theile der Quader unversehrt bleiben. 
Sandsteinfensterz⸗,Thürwandungen, Stürze, Sohlbänke und 
danptgesimse, deren Außenseiten mehr von der Hitze und den 
iberschlagenden Flammen leiden, sind jedoch auch bei stärkeren 
Mauern dJewöhnlich zerrissen, abgeschält und müfssen ausgewechselt 
verden. 
Gnten Schutz gegen die Feuereinwirkung auf Sandstein— 
Zuadermauerwerk' gewaͤhrt eine innere Verblendung von Back— 
teinen, welche zumeist schon zur Erreichung trockener Mauern 
in Anwendung gebracht wird. 
Feuchte Sandsteinmauertheile sind überhaupt der Zerstörung 
urch Feuer mehr ausgesetzt, als trockene. Molafsse, Nagelflue und 
Brecrie, ein mit kleineren oder größeren, aus verschiedenen Stein— 
irten mit Kalkerde gebundenes Konglomerat, hat im Feuer die 
zleichen Eigenschaften, wie der krystallinische und Grobkalk, zer— 
ällt und ist nicht widerstandsfähig. 
Die mit Kieselerde gebundenen Sandsteine sind weniger 
yygroskopisch, vertragen die Hitze besser und schiefern sih ver— 
haͤltnißmäßig weniger ab. 
Grauwake, durch Thonerde gebundener Sandstein, ist gering 
vasserhaltig und hygroskopisch, zerspringt zwar in großer Hitze, 
indert jedoch seine Struktur nicht; die Verwendung dieses Materials 
uu Bauten ist übrigens beschränkt. 
Als Regel kann gelten, daß die grobkörnigen, mehr Wasser 
'altenden, sowie die mit viel Kalk vermengten Sandsteine im 
deuer mehr leiden als feinkörnige, kalkfreiere und wasserarme. 
Die Granite bestehen aus Feldspath, Ouarz und Glimmer. 
Feldspath ist der Haäuptbestandtheil, nimmt oft ?/ der Masse 
ein, während Ouarz als Bindemittel auftritt, welches den Raum 
wischen den Feldspathkrystallen ausfüllt; Glimmer ist nur gering— 
ügig beigemengt. 
Diese Gemengtheile sind entweder klein, gleichmäßig ver— 
heilt, oder die Onarz⸗ und Feldspaththeile werden groß; im 
ersteren Falle heißt der Granit feinkörnig, im letzteren grobkörnig. 
Feldspath zerfällt in der Hitze nach Uebergießen mit Wasser 
hei leichtem Druck und Stoß; Quarz zerspringt im Feuer, ver— 
iert die krystallinische Struktur und läßt sich, mit Wasser über— 
jossen, leicht zu Sand zerreiben. Glimmer ändert sich in der 
zroͤßten Hitze nicht, er wird uur während des Glühens undurch⸗ 
ichtig mit Wasser übergossen lösen sich feine Häutchen ab. 
Da nun die Hauptbestandtheile des Granits nicht feuer— 
heständig sind, so kann derselbe auch dem Feuer nicht, wider— 
tehen. Je grobkörniger und je feldspath— und quarzreicher der 
Branit ist, desto mehr übt das Feuer mit dem Löschwasser zer— 
törende Einflüsse. 
Der Granit büßt hierbei seine krystallinische Struktur ein, 
eistet gegen Druck und Stoß nur geringen Widerstand und zer— 
fällt zu Sand, die Quarztheile schmelzen und backen zusammen. 
Die Syenite, eine Abart des Granits, in welchen Quarz 
ind Glimmer mehr zurücktreten, an deren Stelle Hornblende 
erscheint, ist feuerbeständig, wird übrigens zu Umfassungen von 
Hebäuden nur höchst selten verwendet. 
Reine Thonerde findet sich in der Natur spärlich, Kiesel— 
erde, Kalk, Eisen, Schwefel, Talkerde und andere Mineralien 
ind gewöhnlich beigemengt. Verhärtete kieselsaure Thone, die 
»urch“ Kompression und Erstarren schieferige Struktur, erlangt 
haben, in dünnen Schichten brechen, werden als Schiefer zu 
Dachdeckungen verwendet. 
Im Feuer hält sich reiner Dachschiefer bis zu einem Hitz— 
grade von ca. 4000 6. sehr gut, mehr erhitzt springt er unter 
Sinwirkung des Löschwasseis zu kleinen, dünnen Blättchen aus— 
einander, in der Weißglühhitze bei ca. 10000 0. fängt er an, 
sich aufzublähen und verschlackt sich schließlich. 
Mit Auͤsnahme der Syenite widersteht somit keine der 
jatürlichen Bausteinarten dem Feuer und hoher Glühhitze, da 
Kortrag des Königl. Oberinspetters Herrn G. Riebland in der ?1. Haupt— 
ersaminlung der Vereinigung öfentlicher Feuerversicherungs-Anstalten in 
Deutschland am 27. Juni 1850 äin Müncheu. 
Auf die Brandsicherbeit eines Bauobiektes ist außer der 
Benutzungsart noch von Einfluß: 
1 das Baumaterial, dann 
die Konstruktion und Lage. 
J. Baumaterialien. 
Die Wahl derselben hängt ab von der Konstruktion des 
Hebäudes, dem Zwecke, dann von den lokalen und klimatischen 
Verhältnissen. 
Die Baumaterialien lassen sich in zwei große Gruppen 
rennen: in die Hauptmaterialien: Steine, Holz, Eisen und in 
die Verbindungs- und Nebenmaterialien: Kalke, Zemente und ihre 
Mischungen, dann die Anstriche, Asphalt- und Asbestpräparate. 
Die Bausteine sind entweder gewachfene, natürliche oder 
ünstliche. 
Unter den ersteren kommen hauptsächlich in Betracht die 
galksteine, Sandsteine, Granite und die Thongesteine; unter den 
ünstlichen Steinen die aus Lehm- oder Thonerde hergestellten 
Backsteine, Beton und Zementsteine. 
Vom Verhalten der Baumaterialien im Feuer unter Mit— 
virkung des Löschwassers hängt der mehr oder minder gefährdete 
Bestand des Bauobjektes und damit auch das größere oder ge— 
eingere Risiko der Versicherung ab. 
Langjährige Erfahrungen und Beobachtungen, sowie spezielle 
Versuche mittels eines Glasgebläses bis zu 4 1800 00. ergaben 
ür das Verhalten der Baumaterialien im Feuer unter Einwirkung 
des Löschwassers folgende Resultate: 
Hauptmaterialien: Steine. 
Die weitverbreiteten Kalksteine sind zusammengesetzt aus 
Wasser, Kohlen- oder Schwefelsäure und bilden so kobhlen— 
chwefelsauren Kalk. 
üörstere Gestaltung unterscheidet sich in den einzelnen Arten 
nur durch mehr oder minder krystallinische Gefüge und die Bei— 
mengungen, als Marmor, Muschelkalksteine, Dolomit, Grobkalk, 
Kalktuff, Kalkmergel und Solenhoferstein. 
Der schwefelfaure Kalkstein erscheint in zwei Arten, als 
vasserfreier Anhydrit, Alabaster und als schwefelsaures Kalk— 
yydrat, Gyps. 
Das Verhalten der verschiedenen Kalksteinarten im Feuer 
st gleich ungünstig. Bei allen wird das Wasser, die Kohlen— 
»der Schwefelsäure durch die Hitze ausgetrieben, der vor dem 
Hlühen feste Kalkstein in seinem Zusammenhang gelockert und 
rüchig. 
Der gebrannte Kalkstein saugt mit großer Begierde das ihm 
zurch die Hitze genommene Wasser wieder auf, zerfällt zu Aetzkalk. 
velcher den Hauptbestandtheil des Mortels bildet. 
Mauern aus Kalksteinen jeder Art sind nach dem Brande, 
oweit die Hitze auf sie wirken konnte, zerklüftet, ohne Verband 
und Zusammenhang und fallen durch die Einwirkung des Lösch— 
vassers oder des Regens auseinander. 
— Siind die Kalksteinmauern über 0,8 mm stark und hat die 
Hitze nur einseitig darauf eingewirkt, so fällt diese Seite, je nach 
der Sorte der Steine und der Intensität des Feuers, auf 0,8 
bis O,4 m Stärke ab; die Tragfähigkeit und Solidität der nicht 
»öllig ausgeglühten Mauertheile ist aber in der Regel so beein— 
rächtigt, daß sie selbst durch Reparaturen nicht mehr zum Neu— 
»au Verwendung finden können. 
Das von Kalkstein übrig gebliebene Material ist werthlos 
Kalksteinquardermauerwerk ist zwar widerstandsfähiger, als Bruch— 
teinmauerwerk, jedech werden auch Ouadern bis unter 0,5 im 
Ztärke in der Glühhitze zur Wiederverwendung unbrauchbar. 
Feuchtes, Kalksteinmauerwerk ist der Zerstörung noch mehr 
oreisgegeben. 
Solenhoferplatten, in der Nähe ihrer Fundorte zu Mauern 
uind zur Dachbedeckung benutzt, sind nicht feuerbeständig, die 
Dachdeckung springt in der Hitze und gefährdet durch die mit 
Hewalt sich abtrennenden glühenden Theile die Loͤschmannschaften. 
Die Sandsteine bestehen aus zertrümmerten, durch die Ein— 
virkung des Wassers und der Fluͤthen in größere oder kleinere
	        

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