Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 49, Bd. 8, 1889)

Magnesitbaupfatten. — Geseßgebun« 
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zing eben nur dadurch, daß man mit allen alten Konstruktionen 
ast ausschließlich gebrochen hat und dafür Neues aufnahm. 
Selbstverständlich ist man aber nicht allenthalben gewillt, 
in Sandstein und Eisen zu bauen, besonders, wenn es sich nicht um 
»in großartiges Gebäude mit vielen Kauf- und Schauläden, 
Bürdaur, großartige Hoͤtel- und Cafe-Anlagen ꝛc. handelt, sondern 
ur um das kleine bürgerliche Wohnhaus, um die bürgerliche 
Villa in der Landstadt: bierbei muß man sich wohl oder übel, 
»ielleicht schen in nächster Zukunft, nach anderen Konstruktionen 
»der auderen Materialien umsehen. 
Manche der Herren Baumeister und Bauunternehmer, so— 
vohl in der Stadt als auf dem Lande, rümpfen die Nase, wenn 
ie von Beton- oder Gußmauerwerk etwas hoͤren, weil sie dabei 
nicht viel verdienen; hier entfällt die langdauernde, kostspielige 
dandarbeit auf die greße Anzahl der Tagelöhner und Maurer. 
Und doch wird man in der Folge zum amerikanischen 
Papierhaus, zum Schweizerholzbau mit Riegelwänden und zu 
»en künstlichen und transportablen, englisch-amerikanischen Eisen— 
zäusern greifen; man wird sich hierzu nicht blos so obenhin 
entschließen, sondern man wird sich entschließen — müssen!! 
Warum? Weil fonst die Baukosten zur Größe des Baues, zum 
zwecke desselben — (billiges Wohnen in unserem hier besonders 
»etonten Falle!) — nicht mehr im Verhältniß steht; es ist ohne 
Sinn, wenn man bedenkt, daß man heutzutage bei diesen Loͤhnen, 
»ei diesen Material- und Grundkosten und allem Aerger, welcher 
den Leuten das Bauen so sauer macht, zum Zwecke eines Villen⸗ 
»der bürgerlichen kleinen Vorstadthäuschens eine ganze Menge 
von Arbeitern herbeizieht, die im Verein mit einer gleich großen 
Anzahl von Maurern durch Wochen und Monate hindurch Ziegel 
nuf Ziegel, Bruchstein auf Bruchstein legen sieht, mit gleich— 
nüthiger oder verdrießlicher Langsamkeit, bis endlich die Mauern 
ruus der Erde hervor, die Zahlen auf der Rechnung aber in die 
döhe und Breite wachsen; hat man nun auch nur einmal im 
eben Gelegenheit gehabt, einem Betonbau und dessen fröhlichem 
Wachsthum binnen wenigen Tagen zuzusehen, so kann man es 
nicht begreifen, wie es denn möglich ist, daß man sich noch 
mmer für einfache Bauten mit diesen Ziegel- und Bruchsteinen 
ibfindet und befassen mag, wenn man dagegen für das halbe 
Held in wenigen Tagen ein Haus, solid, hübsch und dauerhaft, 
n Beton (d. i. Gußmauerwerk) haben kann. L. TAI. 
Winter warm jein. In den Tropenländern hat es daher schon für 
ransportable Häuser vielfach Verwendung gefunden. Auch wird ihm 
eine verminderte Schallübertragung nachgerühmt. Die Platten können 
nit dem Löffelbohrer und dem Centrumbohrer mit Leichtigkeit be— 
irbeitet werden. 
Die Verarbeitung der Magnesit-Bauplatten zu Baukonstruktionen 
st sebr mannigfaltiger Art. Die Fabrik fertigt die Platten von 1 
ind 1,m Länge bei 1mm Breite und giebt ihnen für äußere Flächen 
2Omm, für innere Flächen 12 mmin Stärke. Sie erbhalten an den 
danten Halbfalze zur Dichtung der Fugen am Zusammenstoße der 
Platten. Die Fugen werden durch einen Kitt aus Cement, Gyps 
der Wasserglas mit Kreide gedichtet. Die Herstellung einer Wand 
rfolgt in der Weise, daß ein Gerippe aus Holzlatten oder Eisen— 
chienen qufgestellt wird, an welches die Platten von beiden Seiten 
nittelst Schrauben befestigt werden. Eine auf solche Art hergestellte 
and ist vollständig fertig, weil, da die Platten sehr gerade und 
jenau ineinander passend sind, die Wände durchaus keines Putzes be— 
»ürfen. Es kann demnach sofort mit dem Anstrich oder dem Ta— 
ezieren der Wände begonnen werden, da dieselben vollständig trocken 
ind; ein aus Magnesit-Bauplatten erbautes Haus kann also sofort 
aach der Aufstellung bezogen werden. 
In Bezug auf die Herstellung der Decken aus diesen Platten ist 
in erwähnen, daß dabei in ähnlicher Weise wie bei den Wänden ver— 
ahren wird. Eine Schaalung ist nicht erforderlich, nur ist darauf zu 
ichten, daß die Balken in solchen Entfernungen gelegt werden, wie 
ꝛs die Breite der Platten erfordert, um unnöthigen Materialverbrauch 
zu vermeiden. 
Auch zu Dachdeckungen eignet sich das Material ganz vorzüglich, 
»esonders schon deshalb, weil die Magnesit-Dachplatten eine bedeutende 
Hröße — 1 qm Deckfläche — besitzen. Die Eindeckung erfolgt direkt 
iuf die Sparren und ist die Leichtigkeit dieses Daches ein besonderer 
Vorzug desselben. Für die Eindeckung der Forste fertigt die Fabrik 
—— 
In derselben Weise wie die Wände und Decken können auch die 
Fußböden aus Magnesit-Bauplatten hergestellt werden. Die Fabrik 
ertigt außerdem kleinere, aber dickere Platten zur Herstellung von 
Flur⸗ ꝛc. Belägen, welche dem stärksten Drucke widerstehen. 
Aus dem Vorstehenden ergiebt sich, daß mit Hülfe der erforder— 
ichen Befestigungskenstruktionen ganze Gebäude aus den Magnesit— 
Bauplatten hergestellt wrrden können. Die Firma hat bereits eine 
größere Anzahl von Villen, Landhäusern, Arbeiterwohnungen, Ba— 
acken und ren Bahnwärter-Wohnhäufer und Buden — fertig 
nontirt transportfähig ⸗- Schuppen, Stallungen, Wohnhäuser, Trocken— 
und Räucherkammern, auch in den Tropen ausgeführt. Daß sich der— 
artige Bauten leicht auseinander nehmen und zum Wiedergebrauch 
ransportiren lassen, dürfte einleuchtend sein, wodurch auch ihre gute 
Verwendbarkeit für provisorische Bauten, als Bauhütten, Schuppen ꝛc. 
ich ergiebt. 
Die Platten finden auch sehr geeignete Verwendung bei der Er— 
richtung von Wänden, die bei größter Leichtigkeit die möglichste Feuer— 
icherheit darbieten sollen; zum Beispiel bei nicht unterstützten Scheide— 
vänden ꝛc. Anstatt der schweren, raumbeengenden Gewölbe oder der 
inschönen Wellbleche werden Decken bei großer Schnelligkeit der Her— 
tellung ebenfso feuersicher durch Magnesit-Bauplatten ausgeführt werden 
können. 
Die Platten können mit der Säge nach jeder beliebigen Richtung 
in zerschnitten werden, gestatten trotz ihres dichten Gefüges mit 
rdeichtigkeit die Nagelung und sind politurfähig, wodurch sie ein mar— 
norähnliches Aussehen erhalten. 
Vermöge seiner eigenthümlichen Eigenschaften verhindert das Ma— 
erial die Schwammbildung, das Eindringen von Insekten ꝛc. und ist 
dadurch geeignet zur Verwendung in Krankensälen, als Isolirplatten, 
ur Anlage von Ventilationsschächten ꝛc. Es kann ferner Verwendung 
inden zu Leisten, Bekleidungen, Fensterrabmen ꝛc., sowie zu Orna— 
nenten der verschiedensten Art. Solche geformten Gegenstände lassen 
ich wie hölzerne mit Schrauben befestigen und vertragen jeden be— 
iebigen Anstrich. 
Die Kosten eines aus Magnesit-Bauplatten hergestellten Gebäudes 
ind ungefähr demjenigen eines Fachwerkgebäudes gleich, wobei aber 
zu berücksichtigen ist, daß es einem solchen gegenüber doch ungemein 
Iroße Vorzüge besitzt. 
Magnesit⸗Bauplatten. 
Die Herstellung transportabler Häuser ist in neuerer Zeit durch 
ein in den Handel gebrachtes Material wesentlich erleichtert und be— 
ördert worden, welches seine Erfinder mit dem Namen „Magnesit— 
Bauplatten“ bezeichnen. Mit der Herstellung derselben befassen sich 
einzig und allein die „deutschen Magnesit-Werke,“ Berlin N., Nord— 
lier, welche zur Bequemlichkeit der Auftraggeber und um auch die 
Verwendbarkeit schneller und besser vor Augen zu führen, zwar die 
Herstellung ganzer Häuser durch eine Neben-Abtheilung des Werkes 
rusfübren lafsen, aber ver Allem Gewicht darauf legen, daß die 
herren Baumeister und Baugewerbetreibenden mit den von ihnen 
wergestellten Platten Bauausführungen vornebmen. 
Die Magnesit-Bauplatten bestehen aus einer Mischung verschiedener 
Zubstanzen, deren Zusammensetzung Gehbeimniß der Firma ist und 
dessen Eigenart aus einem Zusabe von Magnesit berrührt, weraus 
cuch der Name seine Ableitung gefunden hat. 
Aus diesem Material können die verschiedenartigsten Gegenstände, 
resenders plattenförmige, bhergestellt werden, welche in kürzester Zeit 
ür den Gebrauch tauglich sind. 
Die beste Verwendung finden die Magneiitplatten zu Bau— 
wecken, da sie alle Eigenschaften besitzen, welche sie bierzu besonders 
— Hitzegrade, 
rennen nicht und sind nicht flammenübertragbar, so daß sie als feuer— 
icher zu bezeichnen sind, was auch von der Berliner Bau⸗-Polizei an— 
erkannt ist. 
Ebense ist durch vielfache Untersuchungen und durch ausgefübrte 
Banten nachgewiesen, besonders auch durch die Maguesit ; Dachplatten, 
ꝛaß das Material äußerst wetterbeständig und mindestens dem Schiefer 
aleichzustellen ist. 
Die mannigfachste Verwendung finden die Magnesit⸗Bauplatten 
ils Mittel zur Abhaltung von Feuchtigkeit, zu Isolirungen und der— 
leichen, und können wir auch in dieser Beziehung auf befriedigende 
Resultate hinweisen. 
Da das Material ein schlechter Wärmeleiter ist, so werden die 
Räume der mit ihm betleideten Häuser im Somuier kühl und im 
* 
Gesetzgebung. 
Neue Bau⸗-Ordnung für die Stadt Breslau. 
Wir sind in der Lage, aus dem soeben veröffentlichten Entwurfe 
des Kgl. Polizei-Präfidii nachstehende Bestimmungen zur Kenntniß 
inserer Leser zu bringen und glauben, bei der Bedeutung der Stadt 
Breslau, daß auch in unserem Blatte dem Entwurfe eine allgemeine 
Beachtung sicher ist. J 
Zulaässige Bebauung der Grundflächen, Hofraum. Bis— 
zer nicht bebaute Grundstücke dürfen bis auf zwei Drittel, bei Ver—
	        

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