Cirkusbauten in Riegelsostem.
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Cirkusbauten in Riegelsystem.
(Hierzu zwei Abbildungen?
Ein Bau- und Zimmermeister (Anfänger) auf dem Lande
hat mich ersucht, ihm einige Anhaltspunkte für die Konstruktion
solcher Cirkusanlagen zu geben; ich that dies um so bereit—
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ich hiermit die wenigen Daten zur Kenntniß und Frommen der—
jenigen Leser des „Baugewerks-Blattes“, welche sich dafür in—
leressiren, besonders für jene, welche als Anfänger und Reulinge
im Baufache sich in ähnlicher Lage befinden, wie jener Land—
baumeister.
J. Cirkusbauten auf dem Lande, besonders im Sommer,
sind wegen der Schnelligkeit urd verhältnißmäßig billigen Her—
stellung in Riegelbausystem sehr vortheilhaft und empfehlenswerth.
II. Dieselben sollen jedech im Allgemeinen womöglich nur
als zur vorübergehenden Benutzung bestimmt betrachtet werden.
III. Wenn man sich schon entschließt, das System des Riegel—
baues auszuführen, so soll man wenigstens und möglichst die
äußersten Vorsichtsmaaßregeln in Bezug auf Feuersicherheit
reffen.
Wir beschränken uns schließlich nur noch auf einige wenige
Andeutungen und woblmeinende Rathschläge:
1. Beim Amphitheater (ansteigende Rundgallerie) ver—
meide man womöglich eine zu große Steilheitz; in diesen
Kapitalfehler verfiel man beim neuen Hofburgtheater in
Wien; das dortige Amphitheater kann ein mit Schwindel Be—
hafteter einfach nicht besuchen, weil er sich sonst der Gefahr
aussetzt, schon beim Eintritt auf die Gallerie in's Parterre
hinabzustürzen!!
2. Der Steilwinkel des Amrbitheaters soll nicht viel unter
22—-300 und keinesfalls darüber betragen, so wie es die bei—
gefügte Figur andeutet. (Der Steilwinkel der alten Amphi—
theater der Romer und Griechen betrug im Durchschnitt immer
cirea 20 - 350, meistens 20
bis 250, selten mehr!! Nimmt
man den Winkel weniger steil
als 209, so läuft man Gefahr,
daß die Zuschauer der hintersten
Amphitheaterplätze schlecht oder
gar nichts sehen, wird er da—
zegen noch steiler genommen,
als 300, so tritt die oben
besagte Gefahr ein, daß
manche Personen schon beim
Eintritt vom Schwindel be—
fallen werden.
3. Was nun die Konstruktion des Amphitheaters
(letzte Gallerie) betrifft, so ist dieselbe mit jener der Schau—
tribünen im Allgemeinen ziemlich übereinstimmend, worüber ich
schon vor längerer Zeit auch in diesem Journal mich geäußert
habe; doch will ich die Hauptsache in Kürze noch einmal auführen
Diese Konstruktion der Amphitheatergallerie muß überall mit
Kreuzverstrebungen im Mittel von 3Z—5 m versehen sein,
und zwar radial, d. i. in Uebereinstimmung mit dem Halb.
messer des Amphitheaters und konzentrisch-konvergirend,
d. h. zum Mittelpunkt verlaufend.“ Diese Kreuzverstrebungs—
gerüste müssen auch unter sich, also quer und gleschsam rarallel
mit der Kreislinie des Amphitheaters mit ähnlichen Verstrebungen
hergestellt werden; die Stärke und Zahl der Hoöͤlzer (Balken)
richtet sich nach der Größe der Anlage überhaupt, sowie nach
der Masse des Publikums, welches im Amphitheater Platz finden
foll; bei zu großer Sparsamkeit in der Konstruktion wird die—
selbe leicht zu schwach und es kann Unglück entstehen, wird sie
überflüssig stark gemacht, so giebt man damit eventuellem Brande
zu viel Nahrung — das ist zu bedenken!
4. Man trage besonders für zahlreiche Ausgänge,
welche sehr leicht auffindbar sein müfssen, Sorge; deren Anlaͤge
rh aber auch so beschaffen sein, daß sich die austretenden
Massen des Publikums nicht kreuzen und stauen; die verschiedenen
Ein⸗ und Ausgänge müssen von einander möglichst getrennt sein.
5. Die Groͤße der Anlage richtet fich nach der Einwohner—
zahl des betreffenden Ortes, der etwa zustroͤmenden Masse an
Fremden aus nah und fern.
6. Die Außenwände des Zirkus sind im Parterre mit Put
zu versehen, oberhalb kann die Riegelmauer blank mit feineren
Blendziegeln und sauber angestrichenem oder braun gebeiztem
dolzwerk kühn blinken und prangen; ebenso müsseu alte Innen—
räume mit Putz, Stuck und eventuell mit Anstrich versehen werden;
es geschieht dies aus Gründen der Solidität, Feuersicherheit und
des netten, der Säuberung und Reinhaltung zugänglichen Ex—
erieurs (Außenseite); hier versteht man besser darunter das Ausiehen
der Oberflächen der Innenwände.
Dies sind die mehr allgemeinen undäußerlichen Bemerkungen,
die über diesen Gegenstand in Kürze zu geben wären: in Folgen—
den gehen wir jetzt zum eigentlichen Bau und dessen Details
über, worüber nachfolgende Zeichnung Auskunft ertheilt.
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Erklärung der Zahlen:
I. Schauraum mit der eigentlichen Arena in der Mitte. II. Oekonomie—
gebäude und Dienstwohnungen. III. Vorgebäude mit dem Entree. IV.
V. Flauken-Annere für Entree, Kassen und Garderoben, bestimmt für das
Publitum der Baltkonsitze. 1J. Hauswarts-Wohnung. 2., 3. Mandege-Höfe.
1. Dienstwohnungen. IäI) 5. Passage. 6. Schuppen und Maggzin.
7. Stallungen. 8. Lichthöfe. 9. Gallerietreppen. 10. Abortanlagen. 11. Hoth—
usgänge. 12. Garderoben der „Künstler“. 13. Passage zur Manäöge.
14. Orchester. 15. Parterre. 16. Sogenannte Balkonsitze. 17. Gallerie.
18. Garderoben für das Publikum. 19. Dienstwohnung. 20. Kassen und
Dienstwobnung. 21. Vorballe und Haupteingang
5—6m vom Gebäude entfernt können Anlagen vorgesorgt werden
und ist jedenfalls Raum zu schaffen für bequeme Zufahrt und Zugänge für
das Publikum. Die Balkonanlage hat separirten Zugang. Der Zugana
»um Varterre ist hauptsächlich vom Haupteingang aus.
7. Was die innere Form des Schauraumes betrifft, so ist
hiefür die sogenante Lyra-Form eher gestattet, als für ein
Theater) weil in einem Cirkus Schauraum und Bühne (hier
eigentlich Arena, Produktionsrondeau, ꝛc.) konzentrisch sind,
dah. einen Mittelpunkt haben, gleichsam ineinander gesteckt
sind; dagegen ist die Bühne des Theaters extern, d. h. außer—
halb des Zuschanerraumes; daher sieht man in so ge—
ormten Theatern von einigen Logen besonders schlecht auf die
Bühne, böchstens die Dekorationsseitenwände.
8. Es wird sich empfehlen, wenn das Parterre statt eines
mehrere Zugänge hat, welche sich unterhalb der Balkon—
11) Für Cirkusanlagen und Konzertsäle wählt man meistens, mindestens
bäufig, die kreisfförmige oder eirunde Innenform, für Theater mehr
Hablbfreig- cder Hufeéeisenform: erstere ist jedenufalls befser.