Volltext : Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 50, Bd. 9, 1890)

Ueber landwirthschaftliche Bauten.

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Inhalts-Verzeichnijz: Ueber landwirthschaftliche Bauten. — Ueber Latrinen-Anlagen. — Mittheilungen aus der Praxis: Imprägnirter
vasserdichter Stereos-Bedachungsstoff. — Sparkassengebäude in Pettau. (Illustr. — Die neue Polizeiverordnung, betreffend die bauliche Anlage
und die innere Einrichtung von Theatern, Eirkusgebäuden und öffentlichen Versammlungsräumen. — Entscheidungen. — Literatur-Bericht.
— Bautechnische Rotizen. — Wermischtes.

Ueber landwirthschaftliche Bauten.
Von vV. Tuköry.
Zur Herstellung landwirthschaftlicher Anlagen glaubt,
vie es leider allgemein der Fall ist, jeder Oekonom sich
berufen und führt dieselben daher ohne Hilfe eines sach—
verständigen Baumeisters größtentheils selbst aus.
Daß sich später die Unzweckmäßigkeit der Anlage, die
Mangelhaftigkeit und Unsicherheit der Ausführung offenbart,
ist natürlich, doch setzt unser Oekonom seine rationelle Bau—
thätigkeit fort, flickt das Alte soweit wie möglich zusammen und
ist von der Idee durchdrungen, daß es unter der Leitung
eines Baumeisters auch nicht besser gegangen wäre. „Die
Bauten für die Landwirthschaft müssen billig zu stehen
sommen“, so denkt der weise Mann und das kann der
Dekonom viel eher, als der Baumeister, zu Wege bringen.
Die Unzahl der nur ein Jahr alten Ruinen, Ställe
oder Scheunen benannt, die man auf den Dörfern antrifft,
deweist zur Genüge, welche Willkürlichkeit, mit Unverstand
zepaart, im Bauwesen auf dem Lande noch eingebürgert ist
und wie hier Abhilfe schon im Interesse des Bauwesens
dringend geboten wäre.

Anleitung.
Die zu landwirthschaftlichen Gebäuden am besten sich
eignenden Materialien sind künstliche Steine, wo Mangel an
RNatursteinen ist, und auch Holz. Die Lehm- oder Luft—
ziegel sollen 25—30 em lang, 12--215 em breit, S- 10 cm
hoch geformt sein und ein Gewicht von 4526 g bcsitzen.
— Die Verwendung letzterer Ziegel ist sehr vielseitig; für
Mauern mit großer Belastung, wie bei Schüttböden mit
Stockwerken, sind sie aber nicht zweckmäßig zu verwenden
und werden durch die Natur- und künstlich gebrannten Steine
verdrängt. Namentlich zeichnen sich letztere durch ihre leichte
Handhabung, ihr geringes Gewicht und ihre sonstigen be—
annten vortrefflichen Eigenschaften besonders aus und werden
auch, wo nur möglich, häufig gebraucht. Ihre Länge ist 25 bis
30 em, Breite 12514 em, Höhe 6,6 —6,86 cm. Der zur
Verbindung der Ziegel und Steine nöthige Luftmörtel ent—
jält einen Theil Kalk, vier Theile Sand. Zufolge der Dauer—
aftigkeit und der passenden Form kann dann das Holz mit
Vortheil benutzt werden, besonders Eichenholz, dessen Tauer
bei guter Trockenheit 2—300 Jahre, unter Wasser unendlich
ist. Auch ist das Tannenholz feiner leichten Bearbeitung
vegen sehr beliebt, aber von geringerer Dauer. Zu empfehlen
sind noch die Lärche, die Kiefer, die Erle.
Ist bei der Gründung der Gebände die Verbesserung,
neistens die Verdichtung des Baugrundes nöthig, so ge⸗
schieht dies am besten durch grobe Sandanschüttung. Um
das gleichmäßige Setzen des Sandes zu bewirken, wird er
nit Wasser gesättigt.
Die Umfassungsmauern sollen eine Stärke von Uns bis
zu Uao Theile der Höhe haben. Hat der Schüttboden mehrere
Stockwerke, so nehme man das Oberste 112 Ziegel, die
veiter unten folgenden je um 2 Ziegel staͤrker.“ — Die
Fundamentmauer soll 11mm tief in der Erde sein und
Ziegel stärker, als die Plinthmauer. Bei Anwendung der
Fachwände nehme man die Schwellen 30 cm breit und 13 cm
hoch, die Stiele 16 Tjcm, Eckstiele 24 Dem. Die Ent—
fsernung der Stiele von einander 1 m. Die Fache sind
b2 — 1,5 IIm groß. Steigung der Streben 10 —-i;ʒ,
325 m, hohe Wände erfordern ziweimalige, 10 hohe drei⸗
malige Verriegelung. Die Fachwand ist' mit Stancn vder
Luftziegeln stark auszumauern und auszustucken.
Der Fußboden wird bei Stallungen am zweckmäßigsten
durch hochkantige Ziegelpflasterung gebildet. Die Ziegel
werden auf eine 2,0 em starke Kiesbettung, welche mit
Sand überschüttet ist, gebettet. Bei Scheunen und Tennen
durch Lehmestriche.

Nach dieser Einleitung wollen wir nun zur eigentlichen
Anlage der Gebäude, oder zu deren innerer Einrichtung
übergehen.
Die örtliche Lage der Pferde- und Rindviehställe ist
am gesundesten mit der Vorderfront gegen Nord oder West
gelegen, vor der Sonne daher geschützt. Hingegen sollen
Schaf- und Schweineställe gegen Süden liegen. Die Haupt—
ront der Schüttböden und Getreidescheunen gegen Ost
oder West.
Im Pferdestall sei der Standraum ohne Krippe
wischen Latterbäumen für ein Acker- oder Wagenpferd
2,6 melang, 1,6 mubreit; für einen Hengst 3 melang,
2,ä m breit; für eine Stute 3,6 m lang, 41mm breit, fuͤr
in Fohlen 3,5 — 4 IIm. Die Gangbreite in ländlichen
Ställen 1,3 — 2,5 m; in herrschaftlichen Ställen bei einer
Pferdereihe 1,.6 — 2 mm, bei zwei Pferdereihen 2,8 —3 m,
»ie Höhe des Stalles 3.5 — 4m zu nehmen. Zweiflügelige
Thüren für gewöhnliche Pferde 1,6 mubreit, 2,5 mehoch.
Die Fensterhöhe 2—52,5 m über dem Fußboden. In 2 bis
3 meEntfernung sind 5 [Icm große Luftzüge in die Um—
assungsmauer zu schlagen. Die Fußböden sind entweder
»urch Bohlenbelag aus 8 em dicken Bohlen, dazu 1821 cm
sohe und 26 em breite Lager konstruirt, in den Bohlen
ohrt man 222,85 em weite Löcher. Unter den Lagern
ommt der Abzugskanal 0,3 muäbreit, 2,20 metief mit
),8 — 1,8 cm Gefälle pro m. Die Klinkerpflasterung wurde
chon oben erwähnt. Der Fußboden der Stände hat eine
Neigung von 40—*25, die Decken sind aus halbem Windel—
»oden mit Schaalung. Die Krippen sollen von der Stand—
»ahn für kleine Pferde 1m, für größere 1,2 — 1,5 mehoch
iegen; sie sind aus Bohlen herzustellen mit einem 6—8 cm
dickem Boden, 5—6 em dicken Seitenwangen, ihre Weite
»ben 31534cm, unten 26 em im Lichten; die Tiefe
26—30 em. Die Kanten sind mit eisernen, 3 mu starken
Schienen zu beschlagen. Die Raufen liegen 31 —42 cm
iber der Krippe. Für dreitägigen Vorrath ist eine Häcksel—
ammer nöthig pro hl O, Im, außerdem eine 2-53 Im
Jroße Grundflaͤche für freie Bewegnng und 1,3 [Im für Bettstelle.
Rindviehstall. Der Standraum ohne Krippe 2,2 m
ang, 141 mebreit. Der Futtergang mit einer Krippe
uind einer Schwelle 1,66 — 1,6 mäbreit, mit zwei Krippen
uind zwei Schwellen 1,0 —2 mubreit. Düngergang wenig—
tens 1,3 mubreit. Die Tiefe des Stalles bei zwei Reihen
nit Futtergang und zwei Düngergängen 7,2 — 9,7 m.
Zwischen zwei Ausgänge sind 15 —20 Kühe zu stellen.
Bei Querstellung des Stalles ist die Tiefe 142517 mm, die
Höhe im Lichten 3,1 m.
Die Fenster sind 80 cm hoch, 30 em breit, 1,6 m
iber dem Düngergang. Luftzüge über den Fenstern
17—70 em breit, 16 em hoch, verschließbar, Thüren
28s — 1,6 m breit, 2 mehoch. In der Decke lasse man in
e 10 m eEntfernung Oeffnungen, die Holzkrippen sind aus
)—7 em starken Bohlen, oben 47—-50 em, unten 31 cm
xeit, 262-31 em ticf. Die Oberkante 0,s m über dem
Fußboden. Die Krippen werden auch aus Stein und
SFisen hergestellt. Der Abfall des Bodens sei ganz gering,
der der Abzugsrinne 0, — 1 em pro 1m. Die Kammer
für Häcksel oder grünes Futter habe einen Flächenraum von
O, — O,6 Im pro Haupt.
Der Kalbstall habe per Kalb 1,4 — 1,68 IIm Grund—
fläche. Die Stände seien durch 1.3 m hohe Wände geschieden.
Der Schafstall habe eine Grundfläche von 0,s bis
D, Im pro Haupt. Die Tiefe sei nie unter 9,6 m und
nichtf über 125 m. Bei Raufenstellung ist eine Länge von
1um und Breite von 0, nöthig. Die Doppelraufen stehen
2,8 m von Mitte zu Mitte. Die Höhe des Stalles ist
3 m, die Thore, zu je 20 m e Entfernung, gewöhnlich 3w
hreit und 3m hoch, damit der Mistwagen einfahren kann.
            
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