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Der Portland-Cement und seine Verwendung. — Ueber Wasserleitungen im Innern der Häuser.
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Feld der Anwendung gewonnen. Hierher gehören zunächst die
Fabrikationen von Platten und Röhren.
Ein großer Vorzug der Beton-Ausführungen ist aber der,
daß sie an Ort und Stelle angefertigt werden können. Natürlich
ist bei solchen Ausführungen nicht nur eine große Sachkenntniß.
sondern auch eine große Gewissenhaftigkeit erforderlich, denn
die beste Konstruktion und die besten Materialien können nicht
zum gewünschten Ziele führen, wenn die Ausführung nachlässig
ist. Leider wird gerade hierin oft in der unverantwortlichsten
Weise gefehlt und sind viele mangelhaften Ausführungen aus—
schließlich dem bei Seite lassen jeglicher Vorsicht und der mangel—
haften Aufsicht zuzuschreiben. Der Bauausführende will dann
wieder dem Cemente die Schuld zuschieben und wird dies leider
nur zu oft geglaubt, weil der verarbeitete Cement nicht mehr zu
prüfen ist. Es ist daher dringend anzuempfehlen, Beton-Bautern
nur durch wirklich zuverlässige Firmen ausführen zu lassen. Die
beiden, zu den hervorragendsten Spezialisten Deutschlands ge
hörenden Firmen Dyckerhoff K Wiedmann in Biebrich a. Rh.
und B. Liebold &Cie. in Holzminden prüfen daher den bezogenen
Cement stets, bevor er verarbeitet wird. Es ist dies bei solchen
Bangausführungen, wo die Qualität des Cementes eine so große
Rolle spielt, nicht genug zu empfehlen und werden wirklich gute
Qualitätscemente dadurch in das gehörige Licht gestellt.
Diie Mischung des Cementes mit Sand und Steinschlag oder
Kies muß den auszuführenden Bautheilen angepaßt werden und
wird z. B. für Wände, Pfeiler und Gewölbe im Allgemeinen
ein Theil Portland-Cement auf 556 Kiessand und 5ã6 Kies—
stein verwandt. Da der Beton eine einheitliche Masse bildet, so
hält man eine 426 fache Sicherheit für ausreichend, während
Mauerwerk im Allgemeinen eine 8—10 fache Sicherheit verlangt.
Was nun die einzelnen Bauausführungen aulangt, so sind
dieselben zunächst für Leitung von Wasserlaäͤufen wichtig. Einige
bereits ausgeführte Unterleitungen und Freigerinne zeigen so
recht deutlich, wie man mit dieser Bauweise recht schwierige
Aufgaben lösen kann. Zu Durchlässen und Ueberwölbungen
ist der Betonbau in hervorragender Weise benutzt worden,
während eigentliche Brücken nur in geringer Menge ausgeführt
wurden, mit Ansn-swie der Ausstellungs-Objekte, als welche die
po Tyderhoff Aann in Düsseldorf ausgete
mentale Brücke, sowie eine größere und zwei kleinere dahin ge—
hörende Ausführungen der Herren B. Liebold & Cie. erwähnt
sein mögen.
Von ungemeiner Bedeutung sind die Betonbauten für die Wasser—
werke und Gasanstalten, und zwar zu großen Wasserbehältern
für städtische Wasserversorgungen und zu Gasometerbauten. Die
aus Beton hergestellten Wasserbehälter erfreuen sich mit
vollstem Rechte der allgemeinsten Beliebtheit. Wie zahlreich
diese Ausführungen sind, mögen Sie daraus erschen, daß in
den Jahren 1881 bis 1888 von der Firma B. Liebod & Cie.
allein 26 geschlossene Behälter mit einem Fassungsvermögen von
a. 47000 chm hergestellt wurden. Dazu kommen noch die
zahlreichen Ausführungen anderer namhafter Firmen. Um einen
Anhalt über die Kosten zu geben, ist zu bemerken, daß bei dem
Hochbehälter in Nürnberg, welches 8148 cbm Fassungsraum
hat und von Dyckerhoff & Wiedmann ausgeführt wurde, das
cEhm Fassungsraum etwa 24 Mit. kostete. Die gleiche Firma
hat den Wasserthurm für den Centralbahnhof in Frankfurt
a. M. in Beton ausgeführt, doch ist in diesem Falle der Wasser—
behälter aus Eisen hergestellt. Auch zur Herstellung von
Maschinenfundamenten besitzt der Cementbeton eine große
Wichtigkeit und ist es sehr zu bedauern, daß diese Ausführungen
sich noch nicht mehr verbreitet haben. Die Beton-Decken haben
befonders am Rhein eine große Verbreitung gefunden und werden
dieselben meist zwischen I-Trägern ausgeführt.
Die Ausführung dieser Decken führt uns über zu einer
Anwendung des Cementes im Verein mit Eisen, dem nach seinem
Erfinder benannten System Monier, welches gerade für
Deckenkonstruktionen berufen sein dürfte, den Beton zu verdrängen.
Hierüber ist bei Gelegenheit der General-Versammlung des Ver—
eins deutscher Portland-Cement-Fabrikanten ausführlicher be—
richtet worden, sodaß hier der allgemeine Hinweis genügen
möge. Nur ganz kurz sei erwähnt, daß die große Druckfestigkeit
des Portland-Cementes bei dem System Monier dadurch zur
Geltung gebracht wird, daß die Zugspannungen durch eingelegte
Eisenstaͤbe oder Drähte aufgenommen werden. Es entsteht somit
ein Geflecht aus Rundeisenstäben, welches mit dünnem Drahr
zusammengehalten wird. Die Adhäsion des Cementes am Eisen
ist dabei eine so große, daß es nicht nothwendig ist, die Enden
der einzelnen Stäbe auders mit einander zu verbinden, als daß
man sie in der 20fachen Ländge ihres Durchnmessers nehen ein—
anderlegt. Der Cementmörtel 13: 3 wird durch das Geflecht in
erdfeuchtem Zustande hindurchgedrückt und daun noch in ent⸗
sprechender Dicke aufgetragen. Die Lage des Eisengerippes im
Bautheil richtet sich ganz nach der Beanspruchung desselben und
wird, wie die Stärke desselben, für jeden einzelnen Fall nach
vissenschaftlichen Grundsätzen bestimmt. Die Entwicklumg dieser
Bauweise ist den Herren Wayß und Baumeister Koenen zu
danken und haben sich beide Herren unanslöschliche Verdiensle
sierbei erworben. Von den vielen, nach System WMeonier ausge—
ührten Brücken seien nur erwähnt die auf der Ausstellung in
Bremen und dem Park der Portland-Cementfabrik „Stern“ vor—
zeführten kühnen Brückenbögen. Eine bei Wien vorgenommene
Belastungsprobe mit einer Monier-Brücke, welche sehr günstig
ausfiel, war die Veranlassung, daß in Oesterreich solche Vrücken
in größerer Anzahl ausgeführt wurden. Kanäle sind besonders
in größeren Dimensionen in System Monier ausgeführt worden
und haben sich durchaus gut bewährt; selbst nach mehr als 20
Jahren haben solche in der Erde liegenden Kanäle keinerlei
Zerstörungen am Cement und am Eisen gezeigt. Eine in
Königsberg vorgenommene Belastungs-Probe mit einem Kanal—
rohr ergab erst bei 12900 kg pro qm Risse im Rohr und he
21200 kg pro Im den Bruch desselben.
Die schnelle Ausführbarkeit macht das System Monier ferner
sehr geeignet zur Herstellung von Fabrikgebäuden. In der Glas—
fabrik in Strahlau sind sowohl Decken wie Wände nach System
Monier hergestellt worden. Diese Anlage ist einer gelegentlichen
Besichtigung dringend zu empfehlen. Cirkus und Diorama in
Leipzig sind in nur 8 Wochen im Winter, allerdings mit theil—
weise vorher angefertigten Platten, errichtet worden.
Daß die Wände und Decken aus Monier-Masse absolut
feuersicher sind, hat der Brand der Spritfabrik in Wandsbek
1889 ergeben, wo eine Monier-Decke von nur 410, cm Stärkeé
die darunter befindlichen Spiritusvorräthe vollständig schützte.
Die Hauenschild'schen Cement-Oefen bestehen aus Monier
mit einem feuerfesten Mantel und haben sich im Monate
langen Betrieb gut gehalten. Dachgewölbe und Decken sind
in sehr großer Menge ausgeführt worden, z. B. in der Gewehr—
?ahrik von Loewe in Berlin allein 120000 4m, in den Lager—
jιι. VBα αο Qο Vou sonstigeu- Hoch
hauten im Monier-System seien die ungemein ausgedehnten
Speicheranlagen in Braila und Galatz, sowie die vielen Wasser—
behälter, die Kirche in Haidhausen und das Brausebad in
München als Beispiele aufgeführt. F
Von Wasserleitungen im Innern der Häuser.
Von der inneren Einrichtung in einem Hause ist die Wasser—
leitung die komplizirteste, weil sie, wenn sie nicht solid und fach—
gerecht ausgeführt wurde, am häufigsten kostspieligen Reparaturen
interworfen ist und noch dazu viel Verdruß und Aerger im
Hause hervorbringt. — An dem Versagen der Wasserleitung ist
außer der schlechten Legung auch das Material der Leitungsröhren
schuld. So z. B. Gußeisen rostet nicht leicht, ist sehr fest und
hillig, aber es lassen sich daraus nicht immer hinreichend dünnc
Röhren herstellen, und dieselben gestatten wegen Starrheit nicht,
den Linien bequem zu folgen. Schmiedeeisen ist billig, sehr
widerstandsfähig, frostsicher, rostet aber leicht; eine Verzinkung
der Röhren wird leicht vom Wasserstrom abgeschliffen und
schützt dann gegen Rost nicht länger, als gewöhnliche schmiede—
eiserne Röhren, Bleirohre, vorwiegend angewandt, sind biegsam
und doch fest, die Verbindungen sind gut und bequem herzustellen
bei hinreichend billigem Preise, die innere glatte Fläche ergiebr
einen geringen Reibungs- und Druckverlust. Als Nachtheile der—
selben sind hervorzuheben die leichte Zerstörbarkeit durch einen
eingeschlagenen Nagel, durch Ratten-, Mäuse- und Insektenfraß,
die oft nicht gleichmäßige Wandstärke, sodaß au den dünnern
Stellen durch Wasserdruck oder Fraß Ausweitungen und Lecke
entstehen; ferner giebt es Wasser, z. B. Kohlensäure und Chlor—
natrium enthaltende, welche die Auflösung des Bleies begünstigen
und das Wasser, gesundheitsschädlich machen können. Eine
Innenverzinnung des Rohres hilft wohl dagegen, so lange sie
intakt ist, wenn nicht, so wird die Bleiauflösung noch begünstigt
Im Allgemeinen ist die Meinung längst überwunden, daß
die Anwendung des Bleirohres für Wasserleitungen gesund—
heitsschädlich sei. Kupfer ist ein gutes Material, es ist zähe.
biegsam, dünnwandig und rostet so gut wie garnicht, ist abe—
thener und muß hart gelöthet werden.
In Bezug auf das Zerspringen der Wasserleitungsrohre
bei Eisbildung in denselben, ist folgender Voraang bei'm Auf—
thauen der Rohre empfehlenswerth—